Frisuren der Römer: Mode und Schönheitsideale in der Antike

Die Römer waren sehr modebewusst, was sich vor allem in ihren Frisuren und Bärten zeigte. So wie Apuleius (Metamorphosen II 9,1-5) dachten viele Römer: "Überhaupt ist die Frisur von größter Wichtigkeit: mag eine Frau noch so sehr mit Gold, Kleidern, Juwelen und allem erdenklichen Schmuck herausgeputzt daherkommen - wenn sie ihre Haare vernachlässigt, bekommt sie doch kein ,schmucke Person!´ nicht zu hören." Schon damals ging man mit der Mode, die häufig von der jeweiligen Kaiserin diktiert wurde.

In der römischen Gesellschaft spiegelten Frisuren nicht nur ästhetische Vorlieben wider, sondern auch den sozialen Status, das Alter und die kulturelle Zugehörigkeit einer Person wider.

Auch die römische Frau verwendete viel Zeit auf ihr Aussehen, falls sie gesellschaftlichen Status hatte und entsprechende Verpflichtungen. Eine Dienerin oder hart arbeitende Frau aus der Provinz dürfte wohl auch kaum Zeit und Geld zur Verfügung gehabt haben, um sich einem solchen Luxus hinzugeben.

Lass uns einen Blick auf die Entwicklung der römischen Frisuren werfen, von der Republik bis zur Kaiserzeit.

Frisuren in der Römischen Republik (500-30 v. Chr.)

In der Zeit der Republik (500-30 v. Chr.) trug die Römerin ihr Haar in einem einfachen Haarknoten, den man heute Dutt nennt. Prunkvolle gelockte Frisuren waren verpönt und nur dem Stand der Prostituierten vorbehalten. Der Mann der Republik trug langes Haar und Vollbart.

Büste einer Römerin mit Nodusfrisur aus der Zeit der Republik.

Frisuren in der Römischen Kaiserzeit

Ab der Kaiserzeit wurde die römische Mode beeinflusst von seinen weitreichenden Eroberungen. In der Kaiserzeit wurde das Haar soldatisch kurz & bartlos getragen. In der Kaiserzeit fanden Männer es auch opportun, die Frisur des Kaisers nachzuahmen.

Schon wenn man die Münzporträts römischer Kaiserinnen betrachtet, kann man den Aufwand erahnen, den eine Frisur der Kaiserzeit erforderte. Im 2. Jhd. wechselte die Mode unter den Kaisern von kurzem Haar zu längerem, lockigem Haar, bevor sie im 3. Jhd. zur Kurzhaarfrisur umschlug, die den Kopf fast kahl erscheinen ließ. Bei den Frauen sah das ähnlich aus. Auch sie folgten in der Kaiserzeit den Frisuren-Moden der Damen des Palastes.

Ägyptische Sklavinnen flochten komplizierte Flechtfrisuren, griechische Sklavinnen legten die Haare der Herrin in Locken & Wellen. Und von den keltischen & germanischen Sklavinnen schnitt man kurzerhand die blonden & roten Locken ab und verarbeitete das Haar zu kunstvollen Perücken.

Je nach Mode wurden Hilfsmittel gebraucht: Bänder, Haarnetze, Haarnadeln, Perücken, Lockenstäbe... Auch das Haarefärben war nicht unbekannt.

Die Römerinnen liebten kunstvolle Frisuren! Die Haare wurden je nach gerade vorherrschender Mode hoch aufgetürmt, gelockt oder geflochten. Manchmal halfen Haarnetze, die aufgetürmte Pracht an Ort und Stelle zu halten, manchmal auch ein Wollband, Nadeln oder Kämme.

Feine Damen gingen nicht zum Friseur. Sie hatten ihre eigenen ornatrices (Friseurinnen), die ihnen in zum Teil quälenden „Sitzungen“ die Haare machten. Je eitler eine Frau war, umso „gefährlicher“ lebten ihre Dienerinnen: Hysterische Ausbrüche über ein einziges, falsch sich lockendes Härchen, eine einzige sich lösende Nadel, steigerte sie zu körperlichen Attacken mit Haarnadeln oder Peitschen - angeblich keine Besonderheit.

Dies geschah mit dem Trend hin zur Hochsteckfrisur, wie sie unter den flavischen Kaisern zur Regierungszeit Trajans modern wurden. Die hadrianische Zeit brachte wieder schlichtere Frisuren mit sich.

Als typische Matronen-Frisur gab es zudem den von etruskischen Vorbildern entliehenen tutulus, bei dem das Haar mitten auf dem Kopf mit Hilfe einer Binde (vitta) zu einem mächtigen Bausch aufgetürmt wurde.

Büste einer Frau mit aufwendiger Frisur aus der Kaiserzeit.

Werkzeuge und Techniken

Als helfende Hand beim Frisieren hatte jede wohlhabende Frau eine Sklavin als ornatrix (oder auch mehrere), die ihr auch beim Schminken beistand. Dazu wurde z.B. ein calamistrum (Brenneisen) benutzt, das einem Lockenstab glich. Es war hohl, aus Eisen und wurde über Feuer erhitzt. Locken waren ein wichtiger Bestandteil der beliebten Hochfrisuren.

Weiterhin wurden Nadeln mit eingearbeitet, die gleichzeitig Bestandteil des Schmuckes waren. So konnten sie aus Holz, Bronze, Silber, Gold oder gar Elfenbein bestehen und Figuren darstellen. Außerdem hielt man die Frisuren mit wollenen Bändern und Haarnetzen zusammen.

Perücken und Haarteile nutzte man sowohl zur Unterstützung der (Hoch-)Frisuren als auch zum Verstecken von Haarmakeln. Wollte man keine Perücke aufsetzen, so konnte man bestimmte Haarfarben durch Färben erreichen. Als Färbemittel dienten hierbei besonders Mittel aus Nordeuropa wie Seifenkugeln oder "batavischer Schaum". Rotfärbung erreichte man durch Asche oder Hennapulver, das man aus Ägypten importierte.

Um ihre Frisuren betrachten zu können, nutzten die Römerinnen Spiegel. Meistens waren sie rund und aus polierter Bronze oder aus Silber. Glasspiegel gab es erst ab dem 1. Jh. n. Chr.

Tabelle: Materialien und Werkzeuge für römische Frisuren

Werkzeug/Material Beschreibung
Calamistrum Brenneisen, ähnlich einem Lockenstab
Haarnadeln Aus Holz, Bronze, Silber, Gold oder Elfenbein
Haarnetze Zum Zusammenhalten der Frisur
Perücken/Haarteile Zur Unterstützung der Frisur oder zum Verstecken von Makeln
Färbemittel Seifenkugeln, batavischer Schaum, Hennapulver
Spiegel Aus polierter Bronze oder Silber, später Glas

Weitere Aspekte der römischen Körperpflege

Aber nicht nur den Kopfhaaren galt die Aufmerksamkeit der Römerinnen. Das Enthaaren der Beine und unter den Achseln war anscheinend selbstverständlich, wie man bei Ovids Ars amatoria vernehmen kann. Dabei nutzte die römische Frau Pinzetten, mit denen sie die Haare ausrupfte. Daneben gab es auch eine Paste zum Enthaaren, die man durch Auflösen von Harz in Öl gewann.

Römische Dame an ihrem Schminktisch.

Die Haare und natürlich sich selbst unterstützten die Römerinnen durch Parfüm. Dabei waren schwere, würzige und süße Parfüms beliebt. Die Duftstoffe wurden aus dem Mittleren und Fernen Osten eingeführt und waren dementsprechend teuer.

Die Entwicklung des Friseur-Berufs dürfte sich im alten Rom wohl als „Erfolgsstory“ lesen. Doch zunächst kannten die alten Römer den Beruf des tonsor (Scherers) nicht. Sie ließen Haare und Bart lang wachsen und legten auf kunstvolle Haarpracht keinen Wert. Erst ca. 300 Jahre v. Chr. kam es in Mode, sich die Haare schneiden zu lassen.

Unter den Kaisern richtete man sich nach deren Frisuren, wobei die Bandbreite von lang und lockig bis zu fast kahlköpfig reichte. Dabei war auch Haarfärbung für Männer bekannt. Das wurde oftmals bei ergrauten Haaren eingesetzt, was sehr verspottet wurde.

Besondere Pflege widmeten die Römer ihren Bärten. Der Friseur (tonsor) war für diese Pflege zuständig. Reiche Männer hatten ihren eigenen tonsor, die restlichen mussten sich mit tonsores begnügen, die ihre Arbeit in eigenen Geschäften (teilweise unter freiem Himmel) erledigten. In den sogenannten tonstrina wurde nicht nur rasiert und frisiert, sondern es blühte auch der Klatsch.

Um kahlen Stellen oder einer Glatze vorzubeugen, gab es unzählige Mittelchen, die Haarwuchs fördern sollten (ihre Effektivität hielt sich allerdings genauso wie heute in Grenzen). Iulius Caesar kämmte seine Haare nach vorne, um die Stirnglatze zu kaschieren.

Schnelle Frisuren zum einfachen Nachmachen – elegant, wild oder lässig

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