Frisuren sind seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Kultur. Sie spiegeln Mode, gesellschaftliche Normen und kulturelle Trends ihrer Epoche wider. Die Geschichte der Frisuren ist reich und vielfältig, von den antiken Hochkulturen bis in die heutige Zeit.
Die Geschichte der Frisuren beginnt in der Antike. Im alten Ägypten trugen sowohl Männer als auch Frauen aufwändige Toupets und Perücken. Frauen liebten es, ihr langes Haar zu flechten und mit Schmuck, Perlen und Bändern zu schmücken. Die antiken Griechen legten ebenfalls großen Wert auf ihre Frisuren. Frauen trugen ihre Haare in langen, geflochtenen Zöpfen und schmückten sie mit Blumen und Bändern. Eine berühmte Frisur aus der griechischen Antike war die "Chignon-Frisur". Im Römischen Reich variierten die Frisuren je nach sozialer Stellung. Männer trugen kurze Haare, während Frauen oft komplizierte Hochsteckfrisuren trugen.
Im frühen Mittelalter waren die Frisuren oft schlicht und funktional. Männer trugen kurzes Haar und hatten Bärte, während Frauen ihr Haar meist bedeckt hielten. Eine auffällige Frisur im Mittelalter war die sogenannte "Hennin". Dies war eine hohe, konische Haube, die oft von Frauen getragen wurde. Die Höhe der Hennin konnte sehr variieren und symbolisierte oft den sozialen Status.
Mit der Renaissance im 14. und 15. Jahrhundert begannen sich die Frisuren in Europa erneut zu verändern. Die Frauen begannen, ihr Haar wieder offener zu tragen, und es wurden aufwändige Lockenfrisuren und Zöpfe populär. Die Barockzeit war gekennzeichnet durch ihren opulenten und extravaganten Stil. Eine der auffälligsten Frisuren des Barock war die sogenannte "Fontange".
Die Fontange-Frisur zeichnete sich durch ihre beeindruckende Höhe aus. Das Haar wurde zu einem hohen Turm gestapelt und mit einem üppigen, gewundenen Spitzenhaube gekrönt. Diese Haube war oft reich verziert und mit Bändern, Perlen und Diamanten geschmückt. Männer trugen in der Barockzeit oft lange, gelockte Perücken, die mit Schleifen und Lockenwicklern verziert waren. Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Barockfrisuren war die Verwendung von Accessoires wie Kämmen, Bändern, Blumen und Schleifen, um die Frisur zu schmücken und zu betonen.
Das 19. Jahrhundert wurde geprägt von strengen gesellschaftlichen Normen und Etikette. Frauen trugen ihre Haare in strengen Dutts und Zöpfen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch auch eine gewisse Vielfalt in den Frisuren. Die "Gibson Girl Frisur" wurde populär, die durch die berühmten Zeichnungen von Charles Dana Gibson geprägt wurde.
Frisuren im frühen 19. Jahrhundert:
Frisuren im späten 19. Jahrhundert:
Am Ende des 18. Jahrhunderts trug die Pariserin ihre Haare struppig und kurz. Im Ancien-Regime konnten die Frisuren gar nicht aufwendig genug sein. Die echten Haare wurden mit Perücken verknüpft und bildeten gewaltige Aufbauten, die mit Schmuck und Miniaturen verziert wurden. Sogar Schiffsmodelle konnten sich in den Aufbauten befinden.
Und auf einmal, kaum 20 Jahre später, waren wuschelige Kurzhaarfrisuren in Frankreich en vogue - struppig und nachlässig geschnitten. Schuld daran war die Französische Revolution. Die Zeit der "Schreckensherrschaft" bezeichnet eine neunmonatige Periode in den Jahren 1793 und 1794. Damals wurden allein in Paris über sechzehntausend "Staatsfeinde" hingerichtet. Diesen Opfern wurden vor der Hinrichtung die Haare geschoren, was sich in der Mode der Kurzhaarfrisuren widerspiegelte.
Aus beiden Einflüssen entstand eine Mode der Provokation, die mit dem Nervenkitzel des Terrors spielte. Man schlang sich gern rote Bänder um den Hals, um das Blut der Toten nachzuahmen. Beliebt war auch eine umgekehrte Vokuhila: Hinten wurde der Nacken ausrasiert, während vorn die Locken in die Stirn fielen. Kleine Guillotinen wurden als Schmuck getragen, etwas größere Modelle verschönerten die Salons.
Kaum vor der Guillotine gerettet, wird getanzt ... Wie zu erwarten, wurden Frauen mit kurzen Haaren zunächst als "entstellt" und "unweiblich" bezeichnet, das hielt die Mode-Revolution aber nicht auf. Denn erstmals setzte sich bei den Frauenkleidern eine Idee der Simplizität und Schlichtheit durch.
Regency gab es nur in England, die Zeit ist ja nach dem Prinzregenten benannt, der später als George IV regierte. Das war so um 1810 herum. Die Zeit nennt man in Deutschland Biedermeier, das ist die Epoche zwischen dem Wiener Kongreß 1815 und der Märzrevolution 1848. Also frühes Biedermeier ist parallel zum Regency. In Deutschland gab es ja zu dieser Zeit noch keinen einheitlichen Staat und nur EIN Staatsoberhaupt wie in England, daher keinen griffigen Epochennamen wie Georgian, Victorian, Edwardian... und es gab auch keine Stadt, die so eindeutig stilbildend war wie London. Darum ist das deutsche Biedermeier provinzieller, weniger mondän aber auch sehr interessant.
Man sieht richtig den Übergang von den kürzeren Frisuren im klassizistischen Stil zu den langen Zopffrisuren mit den komplizierten, in Schleifen gelegten Strähnen auf dem Kopf. Die Biedermeierporträts sind so detailverliebt gemalt, daß man die Frisuren richtig gedanklich aufdröseln kann. In dem Katalog sieht man auch ältere Frauen, Kinder und Porträts aus verschiedenen sozialen Schichten. Für Fans historischer Kleidung und Haartrachten jedenfalls interessant.
Das 20. Jahrhundert brachte einen radikalen Wandel in der Mode und den Frisuren. "Hippie-Frisuren" wurden populär, bei denen die Haare oft lang und natürlich getragen wurden. Gleichzeitig waren auch kürzere Frisuren im Trend. Auch die "Punk-Frisuren" waren in den 1980er Jahren weit verbreitet. Diese Frisuren zeichneten sich durch wilde, oft bunte Haarfarben und auffällige Haarschnitte aus. Die Frisuren der 1990er Jahre und der folgenden Jahrzehnte waren geprägt von Vielfalt und Individualität. Menschen begannen, ihre Haare in allen erdenklichen Stilen und Farben zu tragen. In den letzten Jahren hat der Trend zu natürlichen Frisuren und "unfrisierten" Looks zugenommen.
Hier eine Übersicht der Frisuren-Trends im 20. Jahrhundert:
| Jahrzehnt | Merkmale |
|---|---|
| 1920er | Kurze Haare, Bubikopf, Pagenschnitt, Fingerwellen |
| 1930er | Weibliche Frisuren, lange Haare, Wellen und Locken, Seitenscheitel |
| 1940er | Lange Haare, Hollywood-Locken, Halstücher |
| 1950er | Stilvielfalt, Audrey Hepburn und Marilyn Monroe als Schönheitsideale |
| 1960er | Toupierte Haare, Oversize-Frisuren, breite Bänder |
| 1970er | Lange, glatte Haare, Seitenpony, Haarfärbung (Platinblond) |
| 1980er | Stark toupierte Haare, Vokuhila, Dauerwelle, asymmetrische Frisuren |
| 1990er | Mischung verschiedener Stile, Freiheit in Schnitt, Länge und Farbe |
Von den antiken Frisuren bis zu den glamourösen 1950ern, den kreativen 1980ern und der heutigen Vielfalt. Frisuren werden auch in Zukunft eine bedeutende Rolle in Mode und Kultur spielen. Die Möglichkeiten für Frisuren sind heute vielfältiger denn je.
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