Die Fontange-Frisur, auch bekannt als Fontange-Haube, war eine modische Erscheinung des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Sie war besonders in der Zeit des Barock beliebt und ist eng mit dem Hof von König Ludwig XIV. verbunden.
Françoise Marie de Bourbon als Kind mit Fontange-Frisur
Der Name "Fontange" leitet sich von Marie Angélique de Scorailles de Roussille, der Herzogin von Fontanges (1661-1681), einer Mätresse von König Ludwig XIV., ab. Mehrere Legenden ranken sich um die Entstehung dieser Frisur.
Eine verbreitete Anekdote besagt, dass die Herzogin während eines Jagdausflugs um 1680 ihre Frisur durch das Reiten beschädigte. Um ihr Haar notdürftig zu fixieren, band sie es mit einem Strumpfband oder einem Band hoch. Der König soll von dieser improvisierten Frisur so angetan gewesen sein, dass sie am Hofe Nachahmung fand und sich schnell verbreitete.
Eine andere Version der Geschichte besagt, dass die Herzogin, von Kopfschmerzen geplagt, ein Strumpfband verwendete, um sich das Haar hochzubinden. Auch diese Version fand beim König Anklang und wurde daraufhin Mode.
Die Fontange entwickelte sich von einem einfachen, hochgebundenen Haar zu einer immer aufwendigeren Frisur. Um 1695-1700 erreichte die Fontange ihre größte Höhe. Bei den besonders hohen Aufbauten Ende des 17. Jahrhunderts wurden zusätzlich mit Haarkrepp bezogene Drahtgestelle in die Frisur eingebaut.
Die Fontange war anfänglich relativ breit, ihr Rand rundlich geführt. Nach 1690 kamen mehrreihig gefältelte schmale und hohe Formen in Mode, oder die Fontange war stark nach vorne geneigt („Palissade“). Manche Formen hatten besondere Namen, z.B. „à la sultane“, „à la petite Bourgogne“ oder „chien couchant“.
Oft war ein geschmückter Schleier oder ein Spitzenhäubchen Teil der Frisur, welches hinter dem Aufbau ebenfalls auf einem Drahtgestell befestigt war. Eine Frisur à la Fontanges muss aber nicht zwangsläufig dieses Spitzenhäubchen bzw eine Fontange enthalten.
G. S. Corvinus schilderte die Fontange „oder Aufsatz“ als „eine von weissen Flohr oder Spitzen über einen absonderlich dazu gebogenen und umwundenen Drat in die Höhe gethürmte und faltenweise über einander gesteckte Haube ..., gefältelt und mit geknüpfften Bandschleifen“; ergänzend sind die einzelnen Teile der Fontange aufgeführt: „der Hauben=Drat, die Commode, das Nest von Drat, der Teller darüber, die Pavilotte, und das Band“.
Eine Darstellung einer Fontange-Frisur
Bei Diderot-d’Alembert ist die Fontange beschrieben als „édifice de dentelles, de cheveux, de rubans à plusieurs étages“.
In der Ausg. 1773 des „Frauenzimmer-Lexicon ...“ von G. S. Corvinus ist berichtet über „rosenfarbichte“ Fontangen für junge Frauen, über „feuerfarbichte“ für alte Frauen.
Manche Fontangen wurden zu großer Höhe montiert, in Wien betrug diese beispielsweise über eine Elle.
Getragen wurde die Fontange in Frankreich zwischen etwa 1685 und 1713, in den meisten anderen Ländern Europas länger. In Frankreich endete die Mode der hohen Fontange um 1713, verursacht durch die Ablehnung der Hzgn. von Shrewsbury, Gattin des engl. Gesandten in Versailles, wie Louis de Rouvroy Duc de Saint-Simon berichtet; frühere Versuche, die Fontange zu diskreditieren - durch die Töchter Ludwigs XIV. 1691 und die Hzgn. de Bourgogne 1699 -, waren gescheitert.
In Deutschland wurde die bald darauf auch im Bürgertum gebräuchliche Mode des Fontange in mehreren Städten untersagt oder durch Kleiderordnungen geregelt. In Danzig wurden 1691 Fontangen mit Perlen oder Kleinodien, in Jena 1716 Frauen aus dem Zweiten Stand Fontangen mit goldenen und silbernen Spitzen verboten, wogegen der Vierte Stand sich der Fontange „gänzlich enthalten“ sollte. In Braunschweig wurden 1705 dem Zweiten Stand zu hohe Fontangen verboten, dem Dritten und Vierten solche Fontangen, die über eine Handbreit hoch waren. Grundsätzlich untersagt war das Tragen von Fontangen in Leipzig seit 1698, in Stettin seit 1708.
In der handschriftlich überlieferten kurbayer. Kleiderordnung von 1697 war vorgesehen, den Frauen von Patriziern, Titularräten und obersten Beamten der 3. Klasse das Tragen der „Fontache“ zu untersagen; eine am Rand hinzugesetzte Änderung des Textes ließ die Fontange jedoch zu, für Angehörige der Kauf- und Handelsleute sowie der obersten Schreiber und Diener blieb sie verboten.
Schon um 1690 wandten sich Zeitgenossen gegen das als Modetorheit und Unmoral apostrophierte Tragen der Fontange. In Frankreich polemisierte z. B. Jean de la Bruyère in „Les Caractères De Théophraste ... Avec Les Caractères ou les Moeurs de ce Siecle“ (Nouvelle édition, Brüssel 1692), gegen die Auswüchse dieser Mode, „qui fait de la tête de femmes la base d’un édifice à plusieurs étages, dont l’ordre et la structure changent selon leurs caprices“.
In Deutschland wurden Streitschriften verbreitet, in denen man das Tragen der Fontange kritisierte. Beisp.: Ernst Gottlieb, Der gedoppelte blas-Balg der Uppigen Wollust, Nemlich die Erhöete Fontange Und die Blosse Brust, o. O. 1689; Die verabgötterte Fontange ..., FfM. 1690; Das von Teutschen Geblüth und Frantzösischem Gemüth Leichtsinnige Frauen-Zimmer Wie dasselbe in drey unterschiedene Classen eingetheilet/anzusehen. I In ihrer übermüthigen KleiderPracht/..., II. die hochgethürnete Fontange, o. O. 1691.
Die Fontange war Gegenstand der Satire in dem Abraham a Sancta Clara zugeschriebenen Werk „Mala gallina, malum ovum ...“.
Frontispiz einer satirischen Schrift gegen die Fontange
Gemalte Bildnisse, auf denen die Dargestellte eine Fontange trägt, sind selten und nur außerhalb Frankreichs anzutreffen, was den Schluß nahelegt, daß diese Kopfbedeckung, obwohl sie modisch war, „im Porträt nicht der Etikette entsprach“.
Auf meistens ganzfigurig angelegten Porträtstichen von Damen des franz. Hofes ist die Fontange dagegen häufiger wiedergegeben; dies gilt auch für graphische Porträts von Damen des Hochadels in Deutschland.
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.