Der spanische Friseur Alberto Olmedo (51) hat mit seinen extravaganten Haarschneidetechniken internationalen Ruhm erlangt. Sein Salon in Madrid ist zum Anziehungspunkt für Medien aus aller Welt geworden. Olmedo verwendet Säbel, Schwerter, Feuer, bis zu sechs Scheren gleichzeitig und Fingerkrallen aus Metall, um einzigartige Haarschnitte zu kreieren.
Olmedo ist kein Friseur für ängstliche Gemüter. Zum Haareschneiden benutzt der Spanier nämlich vor allem Säbel. Gern auch zwei auf einmal, die er auf dem Boden kniend gekonnt und ästhetisch schwingt. Die furchterregenden Techniken wendet Olmedo in seinem Laden im Arbeiterviertel Carabanchel im Südwesten Madrids bereits seit elf Jahren an. Neben Säbeln und Schwertern benutzt er auch Feuer, bis zu sechs Scheren auf einmal oder auch Fingerkrallen aus Metall.
Feuer mache das Haar zum Beispiel stärker, und nur mit Säbeln und Schwertern könne man wirklich gleichmäßig schneiden, sagt er. Aus einem Schweißbrenner. Und: "Was meinen Sie, wie meine neuen Kundinnen immer gucken, wenn ich ihnen sage, dass sie sich nach dem Haareschneiden mit einer 1300 Grad heißen Flamme drei, vier Monate lang nicht mehr kämmen oder frisieren müssen?"
Seine extravaganten Techniken wende er schon seit der Gründung seines Ladens im Jahr 2004 an. Bisher war ihm dank Mund-zu-Mund-Propaganda aber bestenfalls die Aufmerksamkeit von Bewohnern anderer Viertel und Städte gewiss. Und von Passanten, die immer wieder vor seinem Schaufenster stehen blieben und wie erstarrt hineinglotzten. Weltweit berühmt wurde der in Frankreich geborene Mann aber erst vor wenigen Tagen dank eines Videos.
Vor einigen Tagen wurde der 51-Jährige allerdings buchstäblich über Nacht berühmt. Schuld war ein Video des Nachrichtensenders Al Jazeera, das innerhalb der ersten 24 Stunden mehr als 100 Millionen Mal angeklickt wurde. Am Donnerstag hatte der Clip allein bei "AJ+" bereits mehr als 178 Millionen Aufrufe.
Kundin Olga, die die Methode an diesem Dezemberabend erstmals ausprobiert, stößt einen kleinen Seufzer aus, als sie die gut 80 Zentimeter lange Klinge einmal etwas näher vorbeiziehen sieht. Als Olmedo aber fertig ist, staunt die junge Frau beim Blick in den Spiegel: "Das ist toll geworden!" Und die Umstehenden klatschen fasziniert Beifall.
Journalisten aus aller Welt geben sich in Olmedos kleinem Laden derzeit die Klinke in die Hand. "Das ist schon verrückt", sagt der in Frankreich geborene Sohn spanischer Eltern. Seine Aufzählung könnte auch manch einen Hollywoodstar vor Neid erblassen lassen: "Ich habe zum Beispiel schon mit der BBC und Zeitungsleuten aus vielen Ländern gesprochen, morgen kommt ein Team des brasilianischen Fernsehsenders Globo, der US-Sender Univisión hat mich nach Miami eingeladen, und auch Conan O'Brien will mit mir sprechen."
"Zurück zu den Wurzeln", lautet Olmedos Motto. "Ich benutze ziemlich primitive, ja fast mittelalterliche Werkzeuge." Was die Schneidetechniken angehe, sei seine Zunft im 17. Jahrhundert stehengeblieben. "Die Schere ist nicht schlecht. Das Problem ist nur, dass es sehr viele Sachen gibt, die man mit der Schere nicht machen kann", erklärt er. Nur mit Säbeln könne man wirklich gleichmäßig schneiden und feinem Haar Volumen geben.
Olmedo hat auch Schüler. Eine frühere Mitarbeiterin habe in Carabanchel einen Laden aufgemacht. "Das war vor ein paar Wochen, und sie hat bereits Riesenerfolg", erzählt der 51-Jährige.
Doch aller Anfang war schwer. "Ich hatte Ende der Achtziger Eingebungen, man muss im Job aber auch stets den Kopf benutzen und Neues wagen." Als er jedoch noch keinen eigenen Laden gehabt habe, habe ihm niemand eine Chance gegeben. "Kollegen haben mich kritisiert, als 'Irren' ausgelacht und auch beschimpft." Auch bei Friseur-Wettbewerben und Seminaren habe man ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen. "Klar, die Kollegen mit den traditionellen Techniken fürchten, dass ihnen die Felle davonschwimmen", meint Olmedo.
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