Seit über sechs Wochen haben die Friseursalons in Plettenberg geschlossen. Perspektiven, wann und wie es weitergeht, gibt es kaum. Auch an richtigen Hilfen für die Branche mangelt es bisher. Die Lage sei ernst.
Ein Friseursalon während des Lockdowns.
Viele Friseure in Plettenberg haben an der "Licht an"-Aktion beteiligt. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, hat Maria Archondaki ab Sonntagmittag für 24 Stunden die Lichter in ihrem Salon an der Bahnhofstraße eingeschaltet. „Wir machen nicht krank, wir machen schön“, betont Archondaki, die wie viele Branchen-Kollegen große Summen in Hygienemaßnahmen investiert habe.
Dazu gehören Handschuhe, literweise Desinfektionsmittel und Schutzwände. In einer Ecke steht eine Luftfilteranlage. Im Salon fühlten sich die Kunden mit den ganzen Corona-Maßnahmen sicher und wohl, berichtet Archondaki von ihrer Kundschaft. Im Gespräch schwärmt sie von ihren „neun wundervollen Mitarbeitern“ - auch für die sei diese Zeit schwer.
Auch Friseurmeisterin Alexandra Hein, Inhaberin des Central-Friseurs, hat sich an der Lichtaktion beteiligt. Sie wünscht sich, dass jetzt den Verantwortlichen der Regierung „ein Licht aufgeht. Wir brauchen dringend eine Vorplanung. Es darf nicht passieren, dass wir wieder erst einen Tag vorher Bescheid bekommen, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Hein.
Alexandra Hein plant den Neustart, den sie herbeisehnt, wobei sie die damit verbundene Hektik hasst. „Ich möchte eigentlich für jeden Kunden viel Zeit haben und nicht auf die Uhr schauen müssen, weil wir alles genau durchtakten müssen in der Corona-Pandemie.“ Denn der Wartebereich ist bei ihr weggefallen. Wenn ein Kunde fertig ist, sollte der andere bereits vor der Tür warten. Dies sei eine besondere Herausforderung, ebenso wie die finanzielle Bewältigung der Krise, denn auch bei ihr sei die staatliche Unterstützung bisher sehr überschaubar ausgefallen. Fest steht: So wie jetzt, gehe es nicht mehr lange weiter.
Haarscharf Jane Zawieja, Inhaberin von Haarscharf in Eiringhausen, findet beim Gespräch am „Licht an“-Sonntag klare Worte: „Die Hilfen sind nicht so großzügig, wie sie von Politik und Medien verkauft werden.“ Die Soforthilfe aus dem Frühjahr habe sie komplett zurückzahlen müssen. Damals hatte es 9000 Euro gegeben, die drei Monate abdecken sollten.
Letztlich musste der volle Betrag zurückgezahlt werden. Auch bei der Beantragung des Kurzarbeitergelds im Dezember habe es erhebliche, bürokratische Schwierigkeiten gegeben, so Zawieja. Im Januar dieses Jahres wurde die „Überbrückungshilfe III“ auf den Weg gebracht für Fixkosten wie Miete. Auch hier laufe es alles andere als rund. Denn: „Die können wir jetzt noch nicht einmal beantragen.“ Und wenn, dann würde dies auch nur über den Steuerberater gehen.
Die beste Hilfe für Salons sei eine möglichst schnelle Öffnung. Und die könnte, wenn es nach Zawieja geht, eher früher als später kommen. Es gab im letzten Jahr nur sechs gemeldete Corona-Fälle in Friseurbetrieben“, er klärt sie mit Blick auf Zahlen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Das gilt für ganz Deutschland mit 80.000 Betrieben.
Gärtner: „Ab dem 1. März brauchen wir einen Plan B.“ Gärtner berichtet von vielen Anfragen, sagt aber klar: „Das machen wir nicht!“
Zusammen mit Mitarbeiterin Kerstin Stütz hat sie die Corona-Nachrichten fest im Blick. Sie hoffen, dass die Politik bald Perspektiven gibt, wann es endlich zu Öffnungen kommen kann. Die beiden wollen wieder Termine vereinbaren - aktuell mache das einfach keinen Sinn. „Wir vermissen unsere Kunden.“ Anfragen zur Schwarzarbeit würden mit einem rigorosen „Nein“ beantwortet. Trotz der schwierigen Corona-Lage haben Jane Zawieja und Kerstin Stütz ihre gute Laune nicht verloren.
Auch Maria Archondaki sagt: „Die lehnen wir alle sofort ab.“ Für die Inhaberin steht fest: Der professionelle Haarschnitt ist deutlich sicherer, als Haarschnitte „zuhause bei einem Kaffee“, wie es sie momentan häufig gebe. Sie selbst berichtet von zahlreichen dieser Anfragen.
So könnten Haare in sicherer Umgebung mit den ganzen Hygienemaßnahmen geschnitten und gestylt werden. Das wäre auch gut, um Schwarzarbeit zu verhindern. Das Beste wäre, wenn sie jetzt möglichst schnell wieder ihren Salon öffnen und arbeiten könnte.
Sie richten den Blick nach vorn: Im August soll das 20-jährige Jubiläum des Eiringhauser Friseur-Salons groß gefeiert werden - hoffentlich ohne Corona.
Stefanie Gärtner, die bei der „Licht an“-Aktion mitgemacht hat, sagt: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen“, sagt sie. „Wir warten jeden Tag auf Entscheidungen.“
„Wir werden wohl in Schichten arbeiten“, plant Hein den Neustart. Hein, die beim Ende des letzten Lockdowns an einem Sonntag fünf Stunden mit der Terminvergabe für die nächsten Tage verbracht habe, bemängelt: „Da macht sich von denen da oben überhaupt keiner Gedanken“.
„Wir machen nicht krank, wir machen schön“, betont Archondaki. Eine Perspektive müsse her. „Die Unsicherheit macht krank“, sagt Maria Archondaki vom gleichnamigen Haar-Atelier an der Bahnhofstraße.
Dass es am 15. Februar weitergeht, wenn die neueste Lockdown-Verlängerung enden soll, glaubt Gärtner nicht. Nachdem der Salon wegen des Lockdowns wieder seit über sechs Wochen geschlossen hat, würde es langsam ernst. Über elf Jahre hat sie sich ihren Salon an der Wilhelmstraße aufgebaut. Drei Mitarbeiter haben hier ihren Arbeitsplatz.
Auf die Dezemberhilfen, die sich am Vorjahresumsatz orientieren, haben Salons keinen Anspruch, weil sie bis zum 16. Dezember offen hatten. Die „Überbrückungshilfe III“ könne bald nur der Steuerberater beantragen, der natürlich auch Geld kostet. Somit ist auch unklar, wann das Geld fließt. Wann, steht allerdings noch nicht fest.
Viele Salons haben ein oder zwei Tage morgens recht zeitig geöffnet. Auf der anderen Seite gibt es mindestens einen Tag (oft Mittwoch oder Donnerstag), an dem der Salon abends bis etwa 19.00 Uhr geöffnet hat. Gerade Menschen, die im Schichtbetrieb arbeiten, sind so flexibler. Am Freitag schließen einige Salons schon um 12.00 oder 13.00 Uhr. Darüber hinaus öffnen zeitgemäße Salons auch am Samstag. So haben Sie eine weitere Möglichkeit für einen Termin.
Hier ist eine Tabelle mit beispielhaften Öffnungszeiten, die natürlich je nach Salon variieren können:
| Tag | Öffnungszeiten (Beispiel) |
|---|---|
| Montag | Geschlossen / Individuelle Termine |
| Dienstag | 08:00 - 18:00 Uhr |
| Mittwoch | 09:00 - 19:00 Uhr |
| Donnerstag | 08:00 - 19:00 Uhr |
| Freitag | 08:00 - 13:00 Uhr |
| Samstag | 08:00 - 14:00 Uhr |
Sollten Ihnen die Öffnungszeiten dennoch Probleme bereiten, bitten Sie bei Ihrem Friseur um einen individuellen Termin außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten.
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