Frank Schöbel, einer der erfolgreichsten Solokünstler der DDR, feiert ein großes Jubiläum. Der Sohn einer Leipziger Opernsängerin wuchs mit Musik auf, er war sogar in der Vorauswahl für den Thomanerchor. Doch sein erster Berufswunsch war Meteorologe, später folgte eine Lehre als Kameramechaniker.
Betrachten wir das Leben und die Karriere dieses bemerkenswerten Künstlers genauer:
Frank Schöbel im Laufe seiner Karriere (Quelle: MDR)
Gleich seine zweite Rundfunk-Aufnahme schaffte es 1964 in die DDR-Hitparade. Seine erste Ehefrau war ebenfalls Schlagersängerin. Mit Chris Doerk bildete "Frankie-Boy", wie seine Fans ihn nennen, das Traumpaar des DDR-Schlagers. Sie waren ein blutjunges öffentliches Ehepaar, das gemeinsam fröhliche Lieder sang - „Woher willst du wissen, wer ich bin?“ - und in Musikfilmen wie „Heißer Sommer“ spielte.
Chris Doerk und Frank Schöbel als Traumpaar des DDR-Schlagers (Quelle: Superillu)
Im Jahr 1968 spielten Doerk und Schöbel als "Stupsi" und "Kai" im wohl legendärsten Musikfilm der DDR die Hauptrollen. Den Film "Heißer Sommer", der die Unbeschwertheit der Nachkriegsgeneration feierte, sahen 3,4 Millionen Menschen. Er strahlte als spritzig-dynamischer Sonnyboy, sie trug einen kurzen Jungs-Haarschnitt und Miniröcke zu endlosen Beinen. Sie bilden das schicke Gegenstück zur Biederkeit der 1960er mit ihren toupierten Betonfrisuren.
Als ein Baby kommt, gehen beide weiter arbeiten - auf der Bühne. So wäre die DDR gern gewesen: modern, erfolgreich, unspießig. Doch trotz Millionen verkaufter Schallplatten zerbrachen Ehe- und Bühnenpartnerschaft 1974. Als sich Chris und Frank nach sieben Jahren trennen, schreiben Bürger Protestbriefe an das Paar, an das Fernsehen, an die Staatsführung. Werner Lamberz, zuständig für Agitation im Politbüro, wird von hochrangigen Genossen aufgefordert, „die Sache wieder in Ordnung“ zu bringen. Der fürsorgliche Staat regelt doch alles, und „unsere“ Fernsehstars dürfen tun und lassen, was sie wollen?
Auch in Westdeutschland feierte Frank Schöbel Erfolge. Er trat als erster DDR-Künstler im "Westfernsehen" auf, sein Hit "Wie ein Stern" fand auch in der BRD reißenden Absatz. Zur Eröffnung der Fußball-WM 1974 sang er schließlich im Frankfurter Waldstadion als künstlerischer Botschafter der DDR.
"Wie ein Stern" - Ein Hit, der auch im Westen einschlug (Quelle: Discogs)
Frank Schöbel singt nicht nur Fußball-Schlager wie "Die Fans sind eine Macht" oder "Der Fußball ist rund wie die Welt". Bis heute kickt der Sänger aktiv in der Ü70-Mannschaft von Eintracht Mahlsdorf.
Seine großen Erfolge waren nie nur einfache Schlagerkost. Besonders in den 70er-Jahren wagte sich Frank Schöbel auch an komplexere Kompositionen. Sein Hit "Schreib es mir in den Sand" stammt im Original ("Gyöngyhajú lány") von der ungarischen Prog-Rock-Legende Omega. Als "White Dove" feierten zwei Jahrzehnte später auch die Scorpions mit dem Song weltweit Erfolge.
Mit der "Beat-Kiste" hatte er schon früh seine eigene Radiosendung, später wurde er zehn Mal zum Fernsehliebling der DDR gewählt.
Mit seiner zweiten Ehefrau Aurora Lacasa - wie Chris Doerk eine stimmgewaltige Sängerin - und den gemeinsamen Töchtern bringt er 1985 die Platte „Weihnachten in Familie“ heraus. Sie wird mit Millionenverkäufen das erfolgreichste Amiga-Album aller Zeiten.
"Weihnachten in Familie" - Ein Album für die Ewigkeit (Quelle: Smago)
Der Erfolg ihrer Weihnachtsplatte verschaffte Schöbel und Lacasa auch einen Stammplatz im weihnachtlichen Fernsehprogramm. "Weihnachten in Familie" wurde direkt aus dem Wohnzimmer des Paares übertragen, mit dabei auch die beiden gemeinsamen Töchter des Paares.
Der Mauerfall läutet für Schöbel und seine Kollegen einen scharfen Karriere-Knick ein. Ost-Zuschauer beobachten das anfangs mit gebremstem Mitleid - ihnen steht jetzt die Welt offen und gerade die Schlagerbranche war doch zuvor bis zur Halskrause subventioniert und privilegiert, im Gegenzug staatstreu. Schöbel hat seine Interessen immer durchgesetzt, aber 1989 auch die Rocker-Resolution über die Zustände im Land unterzeichnet. Die Wendezeit trifft ihn mit Wucht. Er kannte ja den Westen durch häufige Auftritte, hatte 1974 als DDR-Sänger sogar die Fußballweltmeisterschaft in Frankfurt am Main mit eröffnet. Nur kommt er jetzt nicht mehr als Exot aus dem Osten in die Fernsehshows, sondern als beinharte Konkurrenz. Das ändert alles.
Nach Jahrzehnten auf der Bühne und Tausenden Fernsehauftritten erlebt der Sänger, dass ein großer Plattenboss nicht weiß, wer das sein soll, Frank Schöbel. Der holt sich seine Zuschauer und Bühnen bald zurück. Doch bleibt es wohl ein ziemlicher Kampf. Ein gesamtdeutscher Star wird er nicht.
Der MDR, Haussender der verbliebenen Ost-Unterhaltungskünstler, erzielt mit Schöbels Weihnachtsshows Spitzenquoten von bis zu 38 Prozent. Zu seinem 80. aber sendet er ein Porträt aus der Konserve, lehnt eine aktuelle Show nach Schöbels Konzept ab. Das nimmt er übel, will sich künftig vom MDR fernhalten.
Am 18. September 1989 trafen sich im Berliner Maxim-Gorki-Klub Musiker und Unterhaltungskünstler, um eine Resolution gegen den Umgang der DDR-Regierung mit den offensichtlichen Missständen zu verfassen.
Eine unglaubliche Nummer aus dem „Kessel Buntes“.Der Mann ist Künstler, kein Leistungssportler. Wobei das für ihn angeblich auch eine Option war - also Radrennfahrer, Zehnkämpfer oder eben Fußballer. Aber Frank Schöbel ist ja nicht dumm. Er war nicht umsonst von der Werkbank abgehauen, die ihn als gelernten Mechaniker erwartet hätte.
"Eine Energie wie ein Pferd" bescheinigen Freunde Frank Schöbel, 77, schon seit Jahren. Zunächst dachte Frank Schöbel, 77, bei seinen Symptomen an eine normale Grippe. An seinem freien Tag empfing uns Frank Schöbel sogar bei sich zu Hause. Am Stadtrand von Berlin hat er sich mit einem Holzhaus einen Traum erfüllt. Die Natur abseits der Hektik ist für den gebürtigen Leipziger eine Kraftquelle. Der Sänger hat den Blick für die kleinen Dinge des Lebens nicht verloren - und gerade das macht ihn bei seinen Fans so beliebt.
Die Erfolge, die er feiert, sind nicht zu übersehen: An der Wand hängen Goldene Schallplatten, unter anderem für das meistverkaufte Album der DDR „Weihnachten in Familie“. Hinzu kommen Auszeichnungen wie die Goldene Henne. „Wichtig sind mir Preise eigentlich nicht. Aber sie freuen mich natürlich, weil ich dadurch an viele Dinge erinnert werde“, sagt Frank. Unser Blick fällt auf einen Schrank, in dem Franky alle seine LPs ordentlich aufbewahrt hat. Zu jeder von ihnen kann er Geschichten erzählen. Wie auch zu seinen Anzügen, die er in fast sechs Jahrzehnten trug. Uns zeigt er eine Auswahl aus seinem Kleiderschrank. „Ich habe die meisten meiner Bühnenanzüge aufgehoben. Gezählt hat er sie nie. Doch er glaubt: „Es sind wohl um die 150“.
Die Zeiten haben sich geändert. Ich habe die meisten meiner Bühnenanzüge aufgehoben.
Seine Autobiografie kennt keine Selbstzweifel, nur Selbstgewissheiten. Er hat sie ernsthaft „Danke, liebe Freunde“ genannt: 366 Fragen an sich selbst mit anekdotischen Antworten. Nichts für Kritiker, nur für Fans. Seine ersten Ehefrauen kommen darin kaum vor, spätere Lebensgefährtinnen, 30 Jahre jünger, noch weniger. Von der jüngsten Tochter - seine vier Kinder ließ er von den Müttern aufziehen - fällt immerhin der Name.
Zum Schluss sinniert der Sänger mit dem vollen Terminkalender, dass er am Ende doch nicht auf der Bühne umfallen will. Dass er auch einfach mal zu Hause bleiben und das Leben genießen will. Müßiggang - echt jetzt? Das wird wohl die eigentliche Härte. Ist aber noch nicht so weit.
tags: #frank #schobel #ohne #perücke
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