Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem und tritt bei vielen Menschen auf. Die Häufigkeit von Haarausfall kann je nach Alter, Geschlecht, genetischer Veranlagung und anderen Faktoren variieren. Bei Männern ist das sogenannte "männliche Muster" des Haarausfalls, auch bekannt als androgenetische Alopezie, häufiger.
Haare durchlaufen einen zyklischen Wachstumsprozess, bestehend aus der langen Anagenphase (2 bis 6 Jahre), der kurzen Katagenphase (3 Wochen) und der Telogenphase (2 bis 3 Monate). Am Ende der Ruhephase, in der Regel bei etwa 50 bis 100 Haaren pro Tag, fallen diese aus, während neue Haare im Follikel wachsen und der Zyklus erneut beginnt. Haarausfall kann durch verschiedene Störungen des Wachstumszyklus verursacht werden, wie das anagenes Effluvium, welches den Haarausfall in der Wachstumsphase auslöst, oder das telogenes Effluvium, bei dem mehr als 100 Haare täglich in die Ruhephase übergehen und ausfallen.
Es gibt unterschiedliche Arten von Haarausfall, die verschiedene Ursachen haben können. Doch bis zu 100 Haare am Tag zu verlieren, ist noch normal. Erst wenn es mehr werden, spricht man in der Medizin von krankhaftem Haarausfall (Effluvium). Er sollte behandelt werden, bevor noch mehr Haare verloren gehen. Denn Haarausfall, dessen Ursache in einer anderen Krankheit, Medikamenten oder etwa Stress liegt, ist relativ gut therapierbar.
Welche Ursachen bzw. Formen von Haarausfall gibt es? Es ist wichtig, die spezifische Ursache des Haarausfalls zu ermitteln, da dies die Behandlung beeinflusst.
Es gibt eine große Anzahl an Arten starken Haarausfalls. Die 4 häufigsten Arten lassen sich von erfahrenen Ärzten bereits an ihrem typischen Aussehen gut voneinander unterscheiden.
Im Folgenden werden die verschiedenen Formen von Haarausfall und ihre jeweiligen Ursachen detaillierter beschrieben.
Auch bekannt als "männlicher" oder "weiblicher" Musterhaarausfall. Diese Form von starkem Haarausfall ist die häufigste Art von Haarausfall bei Männern, die aber auch bei Frauen, wenn auch deutlich seltener, vorkommt. Diese Form von Haarausfall lässt sich, wenn auch nicht immer, behandeln.
Die Ursache für den androgenetischen Haarausfall ist eine erblich bedingte Überempfindlichkeit an den Haarwurzeln gegenüber dem körpereigenen Hormon Dihydrotestosteron (DHT). DHT beeinträchtigt die Funktion der für die Nährstoffversorgung zuständigen Rezeptoren an den Haarwurzeln. Als Reaktion wird die Nährstoffversorgung der Haarwurzel eingeschränkt, sodass sich die Wachstumsphasen der einzelnen Haarwurzeln verkürzen und die Haare früher ausfallen.
Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Menge an Haarwurzeln begrenzt ist und jede einzelne Haarwurzel nur eine bestimmte Anzahl von Wachstumsphasen durchläuft (12 bis 14), während der Haare gebildet werden und während der sie wachsen können. Wenn die letzte dieser Phasen erreicht und abgeschlossen ist, stellt die Haarwurzel ihre Produktion für immer ein.
Bei Frauen tritt die Form des Haarverlusts vor allem im Bereich des Scheitels auf und nimmt mit dem Alter zu. Insbesondere hormonelle Umstellungen, wie in den Wechseljahren oder nach der Schwangerschaft, aber auch Stress können Auslöser der androgenetischen Alopezie sein.
Der Verlauf des erblich bedingten Haarausfalls bei Männern wird anhand der Norwood-Hamilton-Skala eingeordnet.
Norwood-Hamilton-Skala für Haarausfall bei Männern
Weil sich der androgenetische Haarausfall bei Frauen anders als bei Männern entwickelt, verwenden die Mediziner die hierfür besser geeignete Ludwig-Skala (Ludwig-Schema). In der ersten Stufe (Nr. 1 in der Grafik) nach der Ludwig-Skala verringert sich das Volumen der Haare bei Frauen vom Scheitel aus. In der zweiten Stufe (Nr. 2 in der Grafik) ist bereits eine Verbreiterung des Scheitels erkennbar, die sich zunehmend schwerer durch eine Frisur kaschieren lässt.
Ludwig-Skala für Haarausfall bei Frauen
Die bei Frauen häufigste und insgesamt zweithäufigste Art von starkem Haarausfall ist der diffuse Haarausfall. Er ist an einem diffusen Verteilung dünner, lichter Haare zu erkennen, die sich über den gesamten Kopf, statt auf nur wenige Stellen, verteilen. Davon betroffen sind nicht nur Frauen sondern auch Männer. Seine Auslöser und Ursachen sind vielfältig.
Für diese Art kommen unterschiedliche Auslöser infrage. Verantwortlich sind beispielsweise ein Eisen- oder Nährstoffmangel sowie Stress. Bemerkbar macht sich die Form durch insgesamt dünner werdendes Kopfhaar.
Etliche Faktoren könnten für diffusen Haarausfall verantwortlich gemacht werden. Einige dieser Auslöser kann man selbst kontrollieren und feststellen, ob das Haarwachstum wieder einsetzt, wenn man die Ursache, etwa Stress, reduziert oder eine Mangelernährung behoben hat. Für andere ist der Gang zum Arzt empfehlenswert, z. B. Arzneimittel.
Insgesamt ist diffuser Haarausfall gut, wenn auch nicht in allen Fällen behandelbar.
Die Ursachen für den diffusen Haarausfall können vielfältig sein, z. B.:
Der kreisrunde Haarausfall ist von den drei häufigsten Arten des Haarausfalls die am wenigsten oft vorkommende Ursache. Bei ihm entstehen auf dem Kopf kleinere und immer runde Stellen, an denen sehr plötzlich das Haar ausfällt. Typisch für diesen schnelle und starken Haarausfall ist, dass er oft zusammen mit Autoimmunerkrankungen wie z. B.
Bei dieser Art des Haarausfalls bilden sich klar abgegrenzte kahle Stellen auf der Kopfhaut. Aufgrund einer Autoimmunerkrankung greift der Körper eigenes Gewebe an - das können unter anderem die Haarwurzeln an der Kopfhaut sein. Der Haarausfall trifft Frauen wie Männer gleichermaßen. Es handelt sich hierbei um die zweithäufigste Ursache für Haarausfall.
Da die unregelmäßig auftretenden kahlen Stellen des kreisrunden Haarausfalls deutlich sichtbar sind, belastet er die Psyche und das Wohlbefinden der Betroffenen stark.
Als Ursache für kreisrunden Haarausfall vermuten Mediziner hauptsächlich eine Autoimmunerkrankung. Hier greifen die Abwehrzellen nicht nur Bakterien, Viren und andere schädigende körperfremde Substanzen, sondern auch gesunde Zellen des eigenen Körpers an. Dadurch wird eine Entzündung an den Haarfollikeln ausgelöst und das betroffene Haar fällt aus. Auch psychische Gründe, wie traumatische Ereignisse oder ein dauerhaft hohes Stresslevel, werden mitunter als Auslöser des kreisrunden Haarausfalls vermutet. Zudem wird auch bei der Alopecia areata ein Erbfaktor vermutet.
Alopecia circumscripta. Sie ist mit einem Anteil von 80 % die häufigste Form des kreisrunden Haarausfalls.
Alopecia totalis. Wie der Name schon andeutet, ist diese Art des kreisrunden Haarausfalls dadurch gekennzeichnet, dass die Betroffenen ihr gesamtes Kopfhaar einschließlich der Gesichtsbehaarung verlieren.
Alopecia universalis. Sie kennzeichnet den schwersten Verlauf der Krankheit, bei dem die Haare am gesamten Körper ausfallen.
Der kreisrunde Haarausfall tritt selten allein, sondern meistens zusammen mit anderen Grunderkrankungen auf. Zudem erkrankt jeder 10.
Dadurch kommt das Haarwachstum zum Stillstand und die Haare fallen aus, ohne allerdings zu vernarben. Das bedeutet, dass die Haarfollikel prinzipiell erhalten bleiben, weshalb für viele Betroffene eine gute Prognose besteht. In ca. 80 % der Fälle kommt das Haar nach ca.
Trotzdem ist es notwendig, sich in die Hände von Haarexperten zu begeben, die die Betroffenen über die am besten geeigneten Produkte oder Therapien beraten, um die Erkrankung zu behandeln und die Heilung zu fördern.
Die vernarbende Alopezie ist selten und für Laien relativ schwer eindeutig zu erkennen. Es handelt sich hierbei um einen meistens langsam voranschreitenden Haarausfall, der zu asymmetrischen kahlen Stellen am Kopf führt. Neben dem Haarausfall kommt es zu Entzündungen und einer verstärkten Narbenbildung an den betroffenen Hautstellen. Trotz dieser Begleitsymptome ist es selbst für Ärzte nicht einfach, einen vernarbenden Haarausfall zu diagnostizieren.
Weil an den bereits vernarbten Stellen keine Haare mehr wachsen können, sollte man bei Verdacht auf eine vernarbende Alopezie einen Arzt zur Abklärung und Behandlung hinzuziehen.
Bei der sekundär vernarbenden Alopezie ist der Haarfollikel nicht das eigentliche Ziel des entzündlichen Prozesses. Die vernarbende Alopezie tritt meist ohne erkennbaren Grund und gleichermaßen bei Männern und Frauen auf.
Hierbei sollte man sich möglichst schnell medizinisch versorgen lassen, denn diese Form der Alopezie zerstört die Haarfollikel unwiederbringlich. Es gibt verschiedene Ursachen, die den vernarbenden Haarausfall zur Folge haben können. Je früher die Erkrankung und ihre Ursache festgestellt werden, umso höher sind die Chancen, sie durch eine passende Behandlung in den Griff zu bekommen.
Oft kann die vernarbende Alopezie mit entzündungshemmenden Mitteln, Kortikosteroiden oder Antibiotika bekämpft werden. So kann verhindert werden, dass die betroffenen schädlichen Zellen weitere Haarfollikel zerstören.
Nach der Behandlung der Ursache und dem Stoppen des Haarausfalls kann eine medizinische Haartransplantation sinnvoll sein, um entsprechende kahle Stellen wieder zu decken.
Zu den Ursachen für den vernarbenden Haarausfall zählen Verbrennungen, Verletzungen oder Verätzungen der Kopfhaut, Infektionen, Pilzerkrankungen oder auch Autoimmunerkrankungen.
Neben den häufiger anzutreffenden Arten von Haarausfall gibt es eine Reihe seltener Arten von Haarausfall. Etliche davon sind Mischformen aus den o. g.
Die strahlenbedingte Alopezie (Alopecia actinica) entsteht durch die Exposition radioaktiver oder ionisierender Strahlung.
Die Alopecia mecanis wie auch die Alopecia traumatica entstehen aufgrund permanenten Drucks, Zugs oder ständiger Reibung an der Haarwurzel. Zum Beispiel durch das Tragen von schweren Lasten auf dem Kopf oder langem Aufliegen des Kopfes bei Bettlägerigen und Säuglingen.
Um Haarausfall behandeln zu können, muss der Hautarzt erst einmal die Ursache bestimmen. Dazu wird ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten geführt (Anamnese). Der behandelnde Arzt wird unter anderem folgende Fragen stellen:
Weibliche Patienten werden zudem nach ihrem Mentruationszyklus befragt, nach der Einnahme von Verhütungsmitteln, nach Schwangerschaft und Geburten sowie ggf. nach Einsetzen der Wechseljahre.
Im Anschluss an das ausführliche Diagnose-Gespräch folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt wird sich die von Haarausfall betroffene Stelle ansehen. Eventuell nimmt er dabei ein Dermatoskop (beleuchtete Lupe) zu Hilfe. Das Muster, das das ausgefallene Haar hinterlassen hat, gibt oft schon Aufschluss über den Grund des Kopfhaarverlustes.
Gegebenenfalls sind zusätzliche Untersuchungen, wie eine Blut- oder Haaranalyse nötig. Besteht der Verdacht auf eine Pilzerkrankung der Kopfhaut, kann es nötig sein, einen Abstrich vom Haar oder den Haarstümpfen zu nehmen und eine Erregerkultur anzulegen. In seltenen Fällen nimmt der Dermatologe auch eine Gewebeprobe der Kopfhaut (mitsamt Haarfollikel).
Auch ein Zupftest ist möglich. Der Hautarzt testet so, wie viele Haare sich schon durch leichtes Ziehen entfernen lassen.
Auf den kahlen Stellen wird der Arzt prüfen, ob noch Poren der Haarbälge (Haarfollikel) zu finden sind. Ist das der Fall, hat noch keine Vernarbung stattgefunden und die Haare könnten daher prinzipiell nachwachsen.
Die Wahl der Behandlung hängt von der Art des Haarausfalls und den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen ab. Es ist ratsam, einen Dermatologen oder Trichologen zu konsultieren, um eine genaue Diagnose zu erhalten und die geeignete Therapieoption zu ermitteln.
Die Behandlung von Haarausfall richtet sich nach deren spezifischer Ursache.
bei Männern: Verordnet wird in der Regel eine Minoxidil-Lösung (2% oder 5%), evtl. ein Minoxidil-Schaum (5%). Das Mittel wird auf die Kopfhaut aufgetragen und kann den Haarausfall bei den meisten Anwendern stoppen. Sogar eine Verdichtung des Haares ist manchmal möglich. Minoxidil stimuliert die Haarwurzeln, kann jedoch nach einigen Wochen den Haarverlust vorübergehend verstärken. Der Effekt wird als Shedding bezeichnet und zeigt an, dass die Therapie gut anschlägt. Weitere Nebenwirkungen können gerötete oder schuppende Kopfhaut sein, auch allergische Reaktionen kommen vor. Wird Minoxidil abgesetzt, können die Haare erneut ausfallen.
Eine weitere Therapieoption ist die mit Finasterid-Tabletten. Sie sind ausschließlich Männern vorbehalten. Frauen, Kinder und Jugendliche dürfen den Wirkstoff nicht einnehmen. Finasterid reduziert den Umbauprozess von Testosteron zu DHT. Gegen Geheimratsecken ist es wirkungslos. Als Nebenwirkung können Potenzstörungen auftreten. Auch hier setzt der Verlust des Kopfhaares wieder ein, sobald das Mittel abgesetzt wird.
In vielen Fällen ist auch eine Haartransplantation möglich. Der behandelnde Hautarzt kann die individuellen Möglichkeiten am besten einschätzen.
bei Frauen: Auch bei Frauen findet Minoxidil, meist als Haarwasser, Anwendung. Die Blutgefäße weiten sich und die Durchblutung der Kopfhaut wird angeregt. Eine Nebenwirkung kann allerdings verstärkter Haarwuchs im Gesicht und auf der Stirn sein. Mit Absetzen des Mittels endet auch dessen Wirkung und die Haare können wieder ausfallen.
Die Möglichkeit einer Haartransplantation steht auch Frauen offen. Am besten lässt man sich von seinem Hautarzt beraten.
Frauen sind von kreisrundem Haarausfall deutlich öfter als Männer betroffen. Die Therapieansätze unterscheiden sich nicht in Bezug auf das jeweilige Geschlecht.
Kreisrunder Haarausfall wird meist mit entzündungshemmenden Medikamenten, wie Kortison, behandelt. Auch die gezielte Reizung der Kopfhaut zur besseren Durchblutung ist bei vielen wirksam. Häufig setzt danach das Haarwachstum wieder ein. Das Ergebnis hält aber nur so lange an, wie die Behandlung dauert. Wird sie eingestellt, gehen die Haare erneut aus.
Zur Stärkung der Haarwurzeln setzt man auch auf die sogenannte Topische Immuntherapie sowie auf Lichttherapie. Beides kann helfen, den Haarverlust zu stoppen.
Diffuser Haarausfall kann auf zahlreiche Ursachen zurückgeführt werden. Ist eine Krankheit der Auslöser, gilt es die diese zuerst zu behandeln. Tritt diffuser Haarausfall als Nebenwirkung eines Medikamentes auf, sollte nach Möglichkeit der Wirkstoff gewechselt werden.
Aber auch Mangelzustände, wie zum Beispiel Eisenmangel, können verantwortlich sein. Dann kann man bereits mit einer Ernährungsumstellung dem Haarausfall Einhalt gebieten. Positiv wirken sich meist auch die Einschränkung des Nikotin- und Alkoholkonsums aus.
Häufig wird zusätzlich eine 2%-ige Minoxidil-Lösung zum Einreiben der Kopfhaut empfohlen.
Frauen sind von diffusem Haarausfall häufiger betroffen als Männer. Hormonbehandlungen, Anti-Baby-Pille und Wechseljahre haben Einfluss auf diese Form des Haarverlustes. Sind Hormonveränderungen dafür verantwortlich, kann gemeinsam mit dem behandelnden Gynäkologen oder Endokrinologen nach einer Lösung gesucht werden.
Beim sog. Zupftest wird leicht und gleichmäßig an einem Büschel Haare (10-20 Stück) gezogen, um zu sehen, wie viele der Haare dabei herausgezogen werden. Wenn sich mehr als 40 % der Haare lösen, liegt ein ungewöhnlich starker Haarausfall vor, während unter 20 % als normal gelten.
Abschließend ist es wichtig zu betonen, dass Haarausfall ein komplexes Problem ist, das eine individuelle Herangehensweise erfordert. Eine frühzeitige Diagnose und die Zusammenarbeit mit einem Spezialisten sind entscheidend, um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten und das Fortschreiten des Haarausfalls zu verlangsamen oder aufzuhalten.
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