Der Fischotter gilt als "Leitart" für den Lebensraum Wasser. Wo der Fischotter lebt, ist die Natur ökologisch intakt. Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) ist ein Einzelgänger mit faszinierenden Anpassungen an seine Lebensweise im Wasser und an Land. Wie ein artistischer Kunstschwimmer jagt er Fische und taucht nach Amphibien. Er bewegt sich aber auch außerhalb des Wassers geschickt, wenn er in der dichten Ufervegetation nach Nahrung sucht.
Eurasischer Fischotter (Lutra lutra)
Der Eurasische Fischotter ist eine von 13 Otterarten und eine an das Wasser- und Landleben angepasstes Raubtier aus der Familie der Marder. In Deutschland ist der Fischotter die größte Marderart. Es wird angenommen, dass es aufgrund des großen Verbreitungsgebietes über drei Kontinente bis zu 28 Unterarten gibt; das ist jedoch nicht abschließend geklärt. Der Artensteckbrief der IUCN gibt zwölf Unterarten an (Stand 2016). Fischotter sind große, muskulöse Marder mit dunkelbrauner Oberseite und einem flachen, breiten Kopf. Der kräftige Schwanz misst ungefähr ein Drittel der Gesamtkörperlänge. Der Körperbau des Fischotters ist kräftig und gedrungen. Fischotter erreichen eine Kopfrumpflänge von 50 bis 82 Zentimetern, der Schwanz ist etwa 33 bis 50 Zentimeter lang. Fischotter wiegen ungefähr fünf bis 14 Kilogramm, erwachsene Männchen sind in der Regel 50 Prozent größer als Weibchen.
Besonderes Merkmal der Fischotter ist ihr dichtes braunes Fell, das sie im Wasser vor Kälte und Feuchtigkeit schützt. Das Fell hat bis zu 70.000 Haare pro Quadratzentimeter. Zum Vergleich: Beim Menschen sind es nur etwa 120. Seine Haare sind wie ein Reißverschluss mit mikroskopisch kleinen, ineinandergreifenden Keilen und Rillen miteinander verzahnt.
Fischotter sind die am weitesten verbreitete aller Otterarten. Sie leben auf drei Kontinenten: Europa, Asien und Afrika. Fischotter sind hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv, aber auch tagsüber anzutreffen. Ursprünglich war er den ganzen Tag über unterwegs. Doch durch die jahrhundertelange Verfolgung durch den Menschen ist der Fischotter heute dämmerungs- und nachtaktiv. Die Tiere sind Einzelgänger und leben in Revieren, lediglich Weibchen leben auch in Gruppen mit eigenen Jungtieren oder anderen Weibchen und deren Jungtieren zusammen. Wenn er nachts auf Wanderschaft ist, kann er in einem großen Revier bis zu 40 Kilometer zurücklegen. Die Uferstreifen von Gewässern bilden die Reviere der Fischotter. Jeder Fischotter markiert sein Gebiet mit einem Duftstoff und mit Kot.
Als Unterschlupf dienen dem Fischotter meist Höhlen in Uferunterspülungen, Wurzeln alter Bäume oder auch Bisambaue. Im Uferbereich gräbt sich der Fischotter seinen Bau mit einem Unterwasser-Eingang. Doch eigentlich übernimmt er lieber eine bereits von Bibern oder Nutrias gebaute Höhle. Jeder Otter nutzt mehrere (zum Teil zwanzig und mehr) Unterschlüpfe in seinem Revier. Fischotter sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher, im Wasser kommen sie mit Bewegungen der Hinterbeine und des Schwanzes vorwärts, Tauchgänge dauern in der Regel ein bis zwei Minuten, höchstens aber fünf. Ein Fischotter kann bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben. Manchmal tauchen Fischotter 300 Meter weit und 18 Meter tief. Beim Tauchen sind Nase und Ohren verschlossen. Aber auch an Land bewegen sie sich sehr schnell und geschmeidig. Oft wandern sie 20 Kilometer weit. Dabei schlängeln sich Fischotter wieselflink durchs Gras und durchs Unterholz. Zur Fortbewegung an Land nutzen sie eine Kombination aus Laufen und Gleiten.
Fischotter sind nach zwei bis drei Lebensjahren geschlechtsreif. Sie haben keine feste Paarungszeit. Die Fortpflanzung der Fischotter erfolgt ganzjährig in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot, meist jedoch im Februar und März. Im Februar und März paaren sich der Rüde und die Fähe, so heißen Herr und Frau Fischotter in der Biologie. Nach der Paarung ist das Otterweibchen zwei Monate lang trächtig. Nach der etwa 60 bis 64-tägigen Tragzeit bringt das Weibchen meist zwei bis drei Junge zur Welt. Zwischen April und Juni bringt die Fähe dann ein bis drei Jungtiere zur Welt. Danach wirft sie meist ein bis drei Junge, seltener vier oder fünf. Die Jungen werden blind geboren und wiegen bei der Geburt etwa 130 Gramm. Nach einem Monat öffnen sie ihre Augen, mit zwei Monaten kommen sie aus der Höhle und beginnen zu schwimmen. Das Schwimmen erlernen die Jungtiere bereits ab der sechsten Lebenswoche. Die Mutter säugt ihre Kinder sechs Monate lang, obwohl die Jungen schon nach sechs Wochen auch feste Nahrung fressen. Manchmal sind junge Fischotter ziemlich wasserscheu. Etwa ein Jahr lang bleiben die Jungtiere bei der Mutter und lernen von ihr die Jagd auf Fische und andere Beutetiere. Die Männchen beteiligen sich nicht an der Jungenaufzucht.
Wie der Name schon sagt, ernährt sich der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) überwiegend von Fisch. Fischotter ernähren sich hauptsächlich von Fischen, besonders von langsamen, am Gewässerboden lebenden Arten wie Aalen und einigen Barschartigen. Je nach Nahrungs-Angebot frisst er auch Krebse, Wasservögel, Nagetiere, Insekten und Muscheln. Sie fressen aber auch Frösche, Krebse, Würmer, Mäuse und gelegentlich Vogelgelege. Ihre Beute fangen sie mit dem Maul, mit den Vorderpfoten halten sie die Beute beim Fressen fest. Größere Beute nimmt er mit an Land und verspeist sie dort. Er ist als „Gesundheitspolizei“ in der Natur unterwegs. Denn er jagt meistens alte oder schwache Fische. Fischotter greifen Fische meistens vom Grund eines Gewässers an, weil Fische schlecht nach unten schauen können. Fische flüchten oft Richtung Ufer, um sich dort zu verstecken.
Fischotter sind die am weitesten verbreitete aller Otterarten. Sie leben auf drei Kontinenten: Europa, Asien und Afrika. Ursprünglich war der Eurasische Fischotter in ganz Europa zu Hause. Heute kommt er hauptsächlich in West- und Osteuropa vor. In Deutschland gilt er als gefährdet und lebt vor allem in Nordostdeutschland, aber vereinzelt auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Fischotter brauchen ein großes Revier an einem Gewässer, um leben zu können.
Fischotter fühlen sich in flachen Flüssen wohl, aber auch in Seen, Bächen und Teichen. Ideal sind zugewachsene Ufer: Umgestürzte und ins Wasser ragende Bäume, Schilf, Steine und Uferhöhlen benötigt er, um zu jagen, sich zu verstecken und auszuruhen. Die Gewässer müssen vor allem eins sein: sauber und fischreich. Sie leben sowohl in Brack-, als auch in Salz- und Süßwasserlebensräumen und besiedeln Gewässer und Feuchtgebiete zwischen weniger als null und über 4.000 Höhenmetern. Er stellt hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Daher gilt: Wo ein Fischotter lebt, gilt der Lebensraum als ökologisch intakt und dort liegen auch ideale Bedingungen für andere Tierarten vor.
Noch bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden Fischotter systematisch gejagt und beinahe ausgerottet. Jäger stellten ihnen mit Otterhunden, einer speziell für die Otterjagd gezüchtete Hunderasse, nach und kassierten Prämien für jedes erlegte Tier. Der Mensch jagte ihn wegen seines warmen Pelzes und weil er ihn als Nahrungs-Konkurrenten ansah. Sein Fell war begehrt: Es ist extrem dicht und schützt sehr gut vor Kälte. Als Nahrungskonkurrenten des Menschen richteten sie Schäden in Fischzuchten an. Zudem mussten die Fischbestände der natürlichen Gewässer mit dem Otter geteilt werden. Intensivierte Landnutzung mit trockengelegten Feuchtgebieten, begradigten Flussläufen, vernichteten Uferrandzonen und Ausweitung des Straßennetzes ließen sie fast aus ganz Deutschland verschwinden. Nun siedeln sie sich langsam wieder an.
Trotz zahlreicher Studien ist der Zustand der Fischotter-Populationen in vielen Teilen ihres Verbreitungsgebiets, insbesondere in Nordafrika sowie in Zentral- und Südostasien, nicht bekannt. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN schätzt die Zahl der erwachsenen Tiere auf etwas mehr als 350.000 (Stand 2021).
Die Bedrohungsfaktoren Fischotter waren vor allem die Gewässerverschmutzung und die Anreicherung landwirtschaftlicher Chemikalien in den Beutetieren des Fischotters Gründe für das lokale Aussterben ihrer Populationen. Dank zahlreicher Naturschutzmaßnahmen und dem Verbot gefährlicher Pestizide erholt sich ihr Bestand seit einigen Jahren vor allem in Westeuropa und es gibt wieder überlebensfähige Populationen in Russland. Bedrohungen für die Fischotter sind aber weiterhin die Zerstörung ihrer Lebensräume und Lebensgrundlagen durch das Trockenlegen von Feuchtgebieten, Entfernung der Ufervegetation, Flussbegradigungen, Dammbau und Straßenbau.
Dennoch ist für den flinken Taucher weiterhin vor allem der Mensch gefährlich: Mehr als 80 Prozent aller Otterverluste gehen auf Straßenüberquerungen zurück, wenn die Tiere versuchen, an das andere Flussufer zu gelangen und dabei überfahren werden. Eine der größten Bedrohungen des eleganten Wassermarders ist der Straßenverkehr. Besonders an Brücken kommt es häufig zur Kollision mit Autos. Gibt es unter einer Brücke keinen Uferstreifen oder ist die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers besonders stark, vermeidet es der Fischotter unter der Brücke hindurch zu schwimmen. Die größte Gefahr für den Fischotter ist der Straßenverkehr, denn Straßen zerschneiden immer wieder seine Wanderkorridore entlang von Gewässern. Brücken sind beliebte Punkte zur Reviermarkierung, diese wird an Land an einer markanten Stelle abgesetzt.
Ein weiteres Problem ist der ungewollte Beifang der Otter in Fischereigeräten. Gefährlich wird sein Appetit, wenn der Fischotter bei seiner Jagd nach Fischen versucht, in aufgestellte Fischreusen zu gelangen. In den engen Garngeflechten bleibt der Fischotter stecken - er kann sich nicht mehr befreien und erstickt. Eingebaute Metallgitter, sogenannte Otterkreuze im Eingang dieser Reusen können das Eindringen von Fischottern verhindern.
Heute ist der Fischotter in ganz Europa nach der FFH-Richtlinie geschützt. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union schützt natürliche Lebensräume und dient so dem Erhalt der Artenvielfalt. Die verbesserte Wasserqualität hat zu einer teilweisen Erholung der Fischbestände geführt, wovon der Fischotter profitiert.
Der BUND fordert daher mehr ottertaugliche Brücken und Querungen. In vielen der WWF-Naturerbeflächen in ganz Deutschland, die der WWF gemeinsam mit seinen Partnern pflegt und unterhält, ist der Fischotter zu Hause oder wurde wieder heimisch gemacht.
Um die Konflikte zwischen Fischotter und Teichwirtschaft nachhaltig zu lösen, ist aus Sicht der Deutschen Wildtier Stiftung eine Kombination aus technischen Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Zäunen und einer finanziellen Honorierung der Bewirtschaftung von Naturteichen mit Fischotter-Vorkommen am sinnvollsten.
Die Begrenzung von Schadstoffeinträgen, das Anlegen und die Renaturierung von Gewässern und der Erhalt naturnaher Uferstrukturen lassen sich am besten dort verwirklichen, wo ein Gebiet geschützt ist und sich natürlich entwickeln kann.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Verwandtschaft | Ordnung der Raubtiere, Familie der Marder |
| Größe | 50 - 82 cm Kopfrumpflänge, Schwanz 33 - 50 cm lang |
| Gewicht | zwischen 5 und 14 kg, männliche Tiere sind in der Regel 50 Prozent größer als weibliche Tiere |
| Besonderheiten | Das besonders dichte Fell schützt die Tiere im Wasser vor Kälte und Feuchtigkeit. Das Fell hat bis zu 70.000 Haare pro Quadratzentimeter |
| Soziale Organisation | Männchen Einzelgänger, Weibchen können in Gruppen mit eigenen Jungtieren oder anderen Weibchen und deren Jungtieren zusammenleben |
| Fortpflanzung | Paarungszeit in der Regel im späten Winter oder im zeitigen Frühjahr. Geburten im April/Mai besonders häufig. Jungtiere 1 - 5, gewöhnlich aber 2 - 3, Jungtiere wandern in der Regel mit 1 Jahr ab |
| Lebenserwartung | 8 - 13 Jahre |
| Geografische Verbreitung | Auf drei Kontinenten verbreitetet: Europa, Asien und Afrika: Eurasien bis hin zur Arktis, von Irland nach Kamtschatka bzw. von Nordafrika, über Sri Lanka bis nach Indonesien. |
| Lebensraum | Brack-, Salz- und Süßwasserlebensräume in Gebieten unterhalb der Meereshöhe bis in Regionen von über 4.000 Metern Höhe: unverbaute Hochgebirgs- und Tieflandseen, Flüsse, Marsche, Sumpfgebiete, Fjorden, Meeresküsten |
| Ernährung | Vor allem Fische, Frösche, Krebse und Muscheln |
| Bestandsgröße | in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes unbekannt; schätzungsweise mehr als 350.000 Individuen, Trend: abnehmend (IUCN, Stand 2021) |
| Gefährdungsstatus | IUCN: „potenziell gefährdet“, FFH: Anhang II und IV, Rote Liste Deutschland: „gefährdet“ / Erhaltungszustand nach FFH-Richtlinie: Deutschlandweit ungünstig, landesspezifisch unterschiedlich |
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