Finasterid: Wirkung und Anwendung bei Haarausfall bei Männern

Finasterid ist ein Wirkstoff, der hauptsächlich zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie) bei Männern eingesetzt wird. Es gehört zur Klasse der 5-alpha-Reduktase-Hemmer und kann auch bei gutartiger Prostatavergrößerung Anwendung finden.

Was ist Androgenetischer Haarausfall?

Bei Androgenetischem Haarausfall, also erblich bedingtem Haarverlust, kommt es durch Androgene zu einer Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen das Steroidhormon Dihydrotestosteron (DHT). Diese Art bzw. Ursache des Haarausfalls ist genetisch, also erblich bedingt.

Wirkungsweise von Finasterid

Finasterid ist ein Wirkstoff, der das Enzym 5α-Reduktase (Typ II) zeitweilig inaktiviert, wodurch die Spaltung des männlichen Hormons Testosteron zu Dihydrotestosteron (DHT) verhindert wird. Bei genetischem Haarausfall sind die Haarwurzeln empfindlich gegen DHT, welches sich an die Haarfollikel „andockt“ und diese, bei Betroffenen des genetischen Haarausfalls beschädigt.

Durch die Blockierung des Enzyms durch Finasterid wird die Bildung von DHT reduziert und der Haarverlust vermindert.

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Die spezifische Hemmung der 5-a-Reduktase Typ II erfolgt mit täglich 1 mg Finasterid. Die Substanz wird in fünffach höherer Dosierung seit über zehn Jahren gegen die benigne Prostatahyperplasie angewandt.

Finasterid hemmt das Enzym 5-alpha-Reduktase. Dadurch sinkt die Konzentration an Dihydrotestosteron. In der Folge nimmt die Größe der Prostata ab und hormonell bedingter Haarausfall wird gestoppt. Der Wirkstoff wird fast vollständig (zu 80 Prozent) aus dem Darm ins Blut aufgenommen.

Finasterid greift also in den Haarphasenzyklus ein. Das Haarfollikel durchläuft dabei eine zwei- bis sechsjährige Wachstumsphase, eine dreiwöchige Haarausfallphase, eine dreimonatige Ruhephase, danach beginnt der Zyklus im gleichen Haarfollikel erneut. Leidet ein Mann unter genetischer Alopezie, so ist die Wachstumsphase individuell verkürzt, und es kommt zur zunehmenden Verkümmerung der Haarfollikel.

Anwendungsgebiete und Dosierung

Anwendungsgebiete (Indikationen) von Finasterid sind dosisabhängig:

  • Gutartige Gewebsvermehrung der Vorsteherdrüse (benigne Prostatahyperplasie)
  • Androgenetische Alopezie (hormonell bedingter Haarausfall)

Die Dosierung beträgt bei Männern mit gutartiger Prostatavergrößerung fünf Milligramm pro Tag. Bei einer Behandlung des hormonell bedingten Haarausfalls wird nur ein Milligramm täglich eingenommen. Patienten, die unter einer Leberfunktionsstörung leiden, erhalten eine reduzierte Dosis.

Die am häufigsten verwendete Arzneiform stellt die Filmtablette dar. Der Wirkstoff befindet sich hier im Kern der Tablette und wird von einem Schutzmantel umgeben. So wird verhindert, dass beim Berühren der Tablette Wirkstoff über die Haut aufgenommen wird.

Die Tablette wird unabhängig von einer Mahlzeit mit ausreichend Flüssigkeit (am besten ein großes Glas Leitungswasser) eingenommen. Bei gutartiger Prostatavergrößerung wird Finasterid oft in Kombination mit einem sogenannten „alpha-1-Adrenozeptorblocker“ (wie Tamsulosin) verabreicht. Durch die unterschiedlichen Wirkmechanismen ist eine sehr effektive Bekämpfung von Symptomen und Ursachen gleichzeitig möglich.

Die Einnahme erfolgt sowohl bei gutartiger Prostatavergrößerung als auch bei hormonell bedingten Haarausfall längerfristig. In der Regel dauert es drei bis sechs, zum Teil auch zwölf Monate, bis der maximale Effekt Eintritt.

Ergebnisse von Studien

Klinische Studien zeigten, daß der Haarausfall gestoppt wird und es vielfach zu einer begrenzten Zunahme der Haarzahl kommt. Im münzgroßen Testareal der Kopfhaut befanden sich nach einem Jahr durchschnittlich zehn Prozent Haare mehr als zu Beginn der Behandlung; das Haar wirkte optisch dichter.

Auf der Testfläche von 5,1 cm2 kam es nach zwölf Monaten zu einem Anstieg der ursprünglichen Haarzahl um 107 Haare und nach 24 Monate um 138 Haare. Nach 24 Monaten zeigten nur 17 Prozent der mit Propecia® behandelten, aber 72 Prozent der plazebobehandelten Männer einen fortschreitenden Haarausfall. Propecia® (MSD Sharp &. Dohme GmbH) verleiht den Anwendern also nicht wieder eine voluminöse Haarpracht, wohl aber insgesamt ein attraktiveres Erscheinungsbild.

Nebenwirkungen von Finasterid

Häufig (das heißt bei einem bis zehn Prozent der Behandelten) verursacht Finasterid Nebenwirkungen wie verminderte Libido und sexuelle Funktionsstörungen. Bei etwa 8-18% der Patienten treten unter Einnahme von Finasterid Nebenerscheinungen, wie verminderte Libido, Depressionen und Gynäkomastie (Brustvergrößerung) auf. In diesen Fällen sollte das Medikament in Absprache mit dem behandelnden Arzt reduziert abgesetzt werden.

Selten (das heißt bei weniger als einem Prozent der Behandelten) kommt es zu Spannungsgefühlen in der Brust. Noch seltener führt die Einnahme zu Knoten in der Brust oder einer Flüssigkeitsausscheidung aus der Brustdrüse. Die Einnahme von Finasterid kann darüber hinaus suizidale Gedanken hervorrufen. Die Häufigkeit dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt.

Die meisten Berichte zu suizidalen Gedanken betrafen Menschen, die Finasterid gegen Haarausfall einnahmen (in der Dosierung von 1 Milligramm pro Tablette).

Unter Umständen führt Finasterid durch seinen Eingriff in den Hormonhaushalt des Körpers zu Nebenwirkungen. Solche unerwünschten Begleiterscheinungen können auch die Psyche betreffen: Ärzte, die den Wirkstoff zur Behandlung von Haarausfall einsetzen, klären ihre Patienten daher eingehend über die möglichen psychischen Folgen auf.

Einige Nebenwirkungen wurden zwar beobachtet, ihre Häufigkeit ist bislang aber noch unbekannt. Dazu zählen zum Beispiel: Herzklopfen, Hodenschmerzen, eine empfindliche/vergrößerte Brust, Angst, Unfruchtbarkeit, allergische Reaktionen und Suizidgedanken.

Das Risiko für Begleiterscheinungen steigt mit zunehmender Behandlungsdauer. Wenn Sie Finasterid anwenden und Nebenwirkungen bei sich bemerken, sollten Sie einen Arzt kontaktieren.

Finasterid und Brustkrebs bei Männern

In den vergangenen Jahren wurde ein Anstieg von Brustkrebs bei Männern in Verbindung mit Finasterideinnahme registriert. Nach einer Mitteilung der britischen Arzneimittelbehörde MHRA, lagen im Dezember 2009 weltweit 53 Meldungen über Brustkrebs in Verbindung mit Finasterid-Behandlungen vor. Der Brustkrebs bei Männern ist eine relativ seltene Krankheit.

Die Veränderung des Östrogen/ Testosteron Gleichgewichts durch Finasterid kann als eine mögliche Ursache für Brustkrebs bei Männern gelten. Die Hemmung der 5α-Reduktase (Typ II) durch Finasterid führt zur erhöhten Konzentration von Testosteron, welches vermehrt in Östradiol umgewandelt wird.

Durch die Umwandlung von Östradiol entstehen wiederum vermehrt Östrogene, welche die Entstehung von Brustkrebs bei Männern begünstigen könnten. Es muss daher eine regelmäßige ärztliche Kontrolle des Brustgewebes sichergestellt sein.

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn Sie während der Einnahme von Finasterid knotige Veränderungen, Schmerzen oder Absonderungen aus der Brustdrüse bemerken.

Fast 20% der männlichen Brustkrebs-Patienten sind erblich Vorbelastet und könnten durch eine frühzeitige und umfassende ärztliche Untersuchung und Familienanamnese wertvolle Hinweise auf ihre bestehende Veranlagung zum Brustkrebs bekommen. Leider bleibt diese Chance auf Früherkennung der Krankheit oft ungenutzt.

Dies ist eine Folge des fehlenden Bewusstseins, dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können. Dem zur Folge finden im Allgemeinen auch nur relativ selten Brustuntersuchungen bei Männern statt.

Kontraindikationen

Schwangere und Frauen, die schwanger werden können, dürfen Medikamente mit Finasterid nicht einnehmen und die Tabletten auch nicht teilen oder mörsern. Frauen dürfen den Wirkstoff nicht einnehmen. In der Schwangerschaft besteht durch die Wirkung von Finasterid die Gefahr einer Fehlbildung der äußeren Geschlechtsorgane beim heranwachsenden Embryo.

Da der Wirkstoff auch über die Haut aufgenommen werden kann, sollten Schwangere und Frauen, die schwanger werden wollen, nicht mit Finasterid-Tabletten in Berührung kommen oder diese zerkleinern. Daneben ist der Arzneistoff Finasterid auch im Sperma nachweisbar.

Aus diesem Grund sollten Männer, die Finasterid-Präparate einnehmen, beim Geschlechtsverkehr mit Schwangeren darauf achten, dass die Frau nicht mit dem Sperma in Kontakt kommt. Ansonsten besteht die Gefahr von Fehlbildungen beim Embryo. Patienten sollten daher zum Beispiel Kondome verwenden.

Wichtige Hinweise

Finasterid kann einen bestimmten Laborwert (PSA; Prostataspezifisches Antigen) verändern, der zur Identifizierung und Früherkennung einer bösartigen Veränderung des Prostatagewebes (Tumor) verwendet wird. Die Möglichkeit eines Tumors muss deshalb vor der Therapie durch den behandelnden Arzt ausgeschlossen werden.

Falls Stimmungsschwankungen, einschließlich Depressionen, gedrückter Stimmung und suizidalen Gedanken, auftreten, sollten Sie das Medikament sofort absetzen und ärztlichen Rat einholen.

Das Post-Finasterid-Syndrom (PFS)

Das Post-Finasterid-Syndrom (PFS) beschreibt das Fortbestehen der Nebenwirkungen von Finasterid nach Absetzen des Medikaments über Monate oder Jahre hinweg. Auch eine nur kurze Einnahmedauer von beispielsweise einigen Tagen kann zu dem Krankheitsbild führen.

Anzeichen für das Post-Finasterid-Syndrom sind: vermindertes sexuelles Lustempfinden (Libido), Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion), Ejakulationsprobleme, Depressionen, verlangsamte Denkprozesse, Brustvergrößerung und Hodenschmerzen.

Bemerken Sie bei sich Nebenwirkungen von Finasterid, die auch nach dem Absetzen noch anhalten, sollten Sie einen Mediziner aufsuchen.

Wechselwirkungen

Bislang sind keine klinisch relevanten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt. Um dennoch mögliche Begleiterscheinungen auszuschließen, informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie weitere Medikamente vor, während oder nach der Therapie mit Finasterid einnehmen oder anwenden.

Alternativen zu Finasterid

Obwohl es ein wirksames Medikament ist und die meisten Anwender keine ernsthaften Nebenwirkungen erfahren, gibt es Alternativen zu Finasterid, die die gleiche Wirkung haben und aus natürlichen Inhaltsstoffen entwickelt wurden. Wie Finasterid enthalten die Neofollics-Tabletten Inhaltsstoffe, die dem DHT entgegenwirken.

Verschreibungspflicht

Finasterid ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig und somit nur mit einem Rezept vom Arzt in der Apotheke erhältlich. Nur ein Mediziner kann beurteilen, ob die Therapie mit dem Wirkstoff auch bei Ihren Symptomen geeignet ist.

Zusammenfassung

Finasterid ist ein Reduktasehemmer, der bei der Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall Anwendung findet. Dabei hemmt Finasterid die Bildung von DHT, einer biologisch aktiven Form von Testosteron, und verhindert so ein Absterben der Haarfollikel. Dank seiner Wirkung wird der Arzneistoff auch bei der Behandlung einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (benigner Prostatahyperplasie) eingesetzt.

Da Finasterid auf den Hormon-Stoffwechsel einwirkt, kann die Einnahme mit Nebenwirkungen verbunden sein. Gelegentlich treten Beschwerden wie Ejakulationsstörungen, verminderte Libido oder Hodenschmerzen auf. In seltenen Fällen bleiben diese Symptome auch nach Absetzen des Medikaments bestehen. Dies wird in Fachkreisen als Post-Finasterid-Syndrom bezeichnet.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie immer einen Arzt oder Apotheker, bevor Sie mit der Einnahme von Finasterid beginnen.

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