Der Faszination des Friseurhandwerks: Mehr als nur ein Haarschnitt

Das Friseurhandwerk ist mehr als nur ein Beruf; es ist eine Kunst, die handwerkliches Können mit kreativer Innovation verbindet.

Haare spenden - Wozu ist das gut? | neuneinhalb - Deine Reporter | WDR

Friseurinnen und Friseure, die ihren Job lieben, verbinden technische Perfektion mit kreativer Innovation - aus Kunst und Handwerk entsteht Kunsthandwerk, das sowohl die Haarkünstler:innen, als auch die Kundinnen und Kunden gleichermaßen begeistert und glücklich macht.

Die Grundlagen des Friseurberufs

Die Basics eines Friseurs wie Schneiden, Färben und Stylen lernt man in der Ausbildung und durch jahrelange Praxis, Weiterbildung und Erfahrung wird man zum Profi.

Der Fassonschnitt: Ein zeitloser Klassiker

Der Fassonschnitt zählt zu den Frisurenklassikern für Männer, er ist deshalb aber längst nicht altbacken. Der Cut ist total wandelbar und daher immer angesagt. Der Fassonschnitt zählt nicht ohne Grund zu den Favoriten der Männer, denn der fließende Cut steht Männern jedes Alters. Außerdem gilt er als Basis für viele Trend-Haircuts.

Beim Fassonschnitt - auch Façon geschrieben - handelt es sich um eine Fade-Frisur. Das bedeutet, dass das Haar im Nacken und an den Seiten am kürzesten ist und zum Deckhaar hin kontinuierlich länger wird. Dabei wird der natürliche Wuchs der Haare berücksichtigt und Unebenheiten werden geschickt ausgeglichen. Dank seiner Wandelbarkeit lässt sich dieser Hairstyle hervorragend fast jeder Kopfform anpassen.

Beim Schneiden des Übergangs ist vor allem zu klären, ob dieser eher fließend oder markant sein soll und wo seine Linien an den Seiten und am Hinterkopf enden. Ein harter Übergang mit einem Undercut wirkt zum Beispiel edgy und cool.

Beim Styling kannst du experimentierfreudig sein, indem du das Deckhaar strukturiert nach oben, leicht zur Seite oder in der „Out-of-Bed“-Variante stylst. Hierbei kommt es darauf an, wie du dein Deckhaar tragen möchtest. Wer das Deckhaar beim Fassonschnitt zum Pompadour gestylt trägt, sollte genügend Volumen ins Haar bringen. Tipp: Hier kann ein Volumen-Powder wahre Wunder vollbringen. Du hast von Natur aus voluminöses Haar? Der Fassonschnitt ist zwar ein Klassiker, hat sich jedoch in den letzten Jahren erfolgreich im Street Style etabliert. Deswegen passt er auch super zu trendbewussten Männern, die auf einen klassischen, aber modernen Stil setzen. Aufgrund des einfachen Stylings ist der Cut auch perfekt für den Alltag geeignet.

Der Kalligraphie-Haarschnitt: Für mehr Volumen und Fülle

Der Kalligraphie-Haarschnitt lässt sich auf viele verschiedene Haarstylings und Frisuren anwenden. Die einzige zwingende Voraussetzung für einen Haarschnitt mit einem Kalligraphen ist eine Mindesthaarlänge von 3 bis 4 Zentimetern, da die Haare unter einer gewissen Spannung stehen müssen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Daher sollte bei sehr radikalen Kurzhaarschnitten besser mit einer Schere gearbeitet werden. Bei einem Pixie Cut oder Pagenkopf-Schnitt lässt sich der Calligraphy Cut hingegen problemlos anwenden.

  • Bob-Frisuren: Ein platter Bob, der strähnig herunterfällt und eng am Kopf anliegt, ist nicht wirklich stylish. Mit dem Kalligraphie-Schnitt gewinnt selbst plattes Haar an Volumen, weshalb die Schneidetechnik für Bob-Frisuren aller Art bestens geeignet ist.
  • Stufige Frisuren: Viele Frauen mit feinem Haar verzichten auf Stufenschnitte, da diese das Haar oft noch „flattriger“ und dünner wirken lassen und zudem Spliss begünstigen. Da der Calligraphy Cut Splissbildung vorbeugt, macht er auch stufige Frisuren möglich.
  • Sleek Look: Gepflegtes, gesund aussehendes Haar ist eine wichtige Voraussetzung, damit glatte Hairstyles gelingen.

Nachhaltigkeit im Friseursalon: Haare retten die Ozeane

Im Salon Schenkel in Oestinghausen sammelt das Team abgeschnittene Haare. Und Schnitt für Schnitt sammelt das Team die abgeschnittenen Haare. Darüber hinaus kommt einmal im Monat jemand von „Hair help the oceans“, einer Unternehmergesellschaft aus Bückeburg, und holt einen großen Karton voll zusammengekehrter Haare ab. Die Haarreste werden an anderer Stelle zur natürlichen Säuberung von Gewässern wie Seen, Flüssen und Meeren verwendet.

Denn eine Eigenschaft von Haaren ist, dass sie Fette, wie Öl oder Sonnenmilchreste, und Benzin aus dem Wasser aufnehmen. Aufmerksam wurden Volker Schenkel und seine Frau Claudia auf das Projekt im Rahmen einer Fachmesse vor etwa zwei Jahren. Die Logistik, die es braucht, um aus teilnehmenden Salons - davon gibt es rund 83.000 in Deutschland - das zusammengekehrte Haar abzuholen und zur Filterproduktion weiterzuleiten, baut „Hair help the oceans“ in Deutschland auf.

Unsere Kunden finden das gut. Auch, zu wissen, dass ihre Haare nicht im Abfall landen“, sagt Schenkel. Auf der einen Seite zahlt er eine kleine Gebühr für das Abholen der Haare, auf der anderen Seite entfällt bei ihm einiges an Restmüll.

Vorbild für „Hair helps the ocean“ ist der südfranzösische Verein „Coiffeurs Justes“, was übersetzt faire Friseure bedeutet. Dessen Gründer, Friseur Thierry Gras, entwickelte das System zur Rettung der Gewässer bei gleichzeitiger Reduktion von Müll. Die Haare werden gereinigt und in Kompressionsstrümpfe gestopft. Diese können für größere Einsätze auch für längere Ringe zusammengefügt werden. So können beispielsweise Benzinreste um Bootstankstellen oder Ölreste im Motorraum eines Schiffes aufgefangen werden. Die Filter können bis zu achtmal ausgewaschen und wiederverwendet werden. Erstmalig kamen Haare 1978 zur Eindämmung einer Ölpest an der bretonischen Küste zum Einsatz. Neben Haaren sammeln Schenkels auch Alufolie. Denn wie Schenkel sagt: „Wir arbeiten dort, wo es möglich ist, ökologisch.

Wie Haare zu Ölfiltern werden

Das Prinzip ist simpel, aber wirkungsvoll: Menschliches Haar hat die Fähigkeit, das Achtfache seines Gewichts an Öl und Fett aufzunehmen. Möglich ist das durch die tannenzapfenartige Struktur des Haares an der Öle und Fette besonders gut haften. Die gesammelten Haare werden in eine Art überdimensionalem Nylonschlauch gepresst, oder zu verfilzten Matten verarbeitet. Diese „Wunderwaffen“ saugen im Wasser vorhandenes Öl auf, binden es und verhindern die weitere Ausbreitung. Sie sind außerdem echte Dauerbrenner, denn sie können gereinigt, und bis zu acht Mal wiederverwendet werden.

Die Einsatzmöglichkeiten sind beeindruckend vielseitig. Ganz aktuell wird bereits daran geforscht, unsere gesammelten Haare dafür zu verwenden, Mikroplastikpartikel zu filtern und somit das Leben im Meer schützen. Haare sammeln und recyceln - der Schlüssel zur Rettung der Ozeane.

Die beim Haarschnitt in teilnehmenden Innungsbetrieben anfallenden Haarreste werden zunächst im Salon gesammelt und von der Organisation „HAIR HELP the Oceans“ regelmäßig abgeholt. Anschließend wird der Rohstoff in alte Nylonstrümpfe gefüllt, aus denen schwimmende Haarschläuche geknüpft werden. Diese können bei Ölverschmutzungen in Gewässern dafür genutzt werden, um den Katastrophenherd sowohl physisch einzugrenzen als auch das ausgelaufene Öl zu binden.

Weiterer Vorteil: Die Haarschläuche lassen sich bis zu acht Mal waschen und erneut verwenden. So trägt jeder einzelne Haarschnitt dazu bei, Ölkatastrophen ganz ohne Chemikalien zu bekämpfen. Unter natürlichen Bedingungen kann der bakterielle Abbau von Öl etliche Jahre dauern - zu lang, um langfristige Umweltschäden zu vermeiden.

Jacqueline Müller und "Soul&Scissors"

Jacqueline Müller hat am 1. Juni ihren Friseursalon „Soul&Scissors“ in der Bayreuther Friedrichstraße eröffnet. Die Haare, die hier beim Schneiden auf den Boden fallen, landen aber nicht im Müll. Sie kommen in eine große Papiertüte, die in einer Ecke des Salons steht. Was dann mit den abgeschnittenen Haaren passiert? Sie kommen nach Bückeburg in Niedersachsen, wo das Unternehmen “Hair Help The Oceans” sie zu „Ölfängern“ verarbeitet.

Dazu werden die Haare zerkleinert, mechanisch verfilzt und zu Matten geformt oder mit zerkleinerten Korken in große Baumwoll-Schläuche gefüllt. Dann können sie an Badestränden Sonnencreme aus dem Wasser filtern oder nach Ölunglücken eingesetzt werden.

“Ich freue mich einfach, wenn ich mit dem Müll, der hier anfällt, noch etwas Sinnvolles machen kann”, sagt Jacqueline Müller. Sie erzählt allen Kundinnen und Kunden nach dem Haarschnitt, was nun mit ihren abgeschnittenen Haaren passiert. “Und die Leute freuen sich auch, wenn sie nicht nur eine neue Frisur, sondern auch das Gefühl haben, etwas Gutes getan zu haben.”

In ihrem Salon legt Müller Wert auf Nachhaltigkeit. Produkte, die Kundinnen und Kunden bei ihr im Salon kaufen, können sie sich zu einem günstigeren Preis dort wieder auffüllen lassen. Sie versteht Nachhaltigkeit aber noch auf eine weitere Art. “Auch wenn ich Auszubildende habe, lege ich Wert auf Nachhaltigkeit. Ich halte überhaupt nichts von Mitarbeiterverschleiß”, sagt Jacqueline Müller.

Haarspenden: Ein Akt der Nächstenliebe

Zöpfe mit einer Länge von 15 bis 20 Zentimetern schickt Volker Schenkel schon seit langem zusammen mit Perücken zurück, die er zur Ansicht im Salon hatte. Die Herstellfirma seiner Perücken arbeitet mit „Little Princess Trust“ zusammen, einer Wohltätigkeitsorganisation, die sich um Perücken für krebskranke Kinder und Jugendliche kümmert, die nach einer Chemotherapie oder aus anderen Gründen ihre Haare verlieren.

Rechtliche Aspekte der Haarspende

Wer seine Haare spenden möchte, sollte über die rechtliche Situation Bescheid wissen: Wem gehören die abgeschnittenen Haare beim Friseur, wem der abgeschnittene Zopf?

Haare, die beim Friseur abgeschnitten werden, gehören rechtlich dem Friseur. Das betrifft nicht nur Zöpfe, die zum Haare spenden geeignet sind, sondern sogar kurze Haare, die eigentlich Abfall sind. Willst du deinen Zopf selbst spenden oder mitnehmen, solltest du dem Friseur vor dem Schnitt Bescheid geben und den Wunsch klarstellen. Dieser wird in den meisten Fällen zustimmen, darf aber auch ablehnen. Dann solltest du zu einem anderen Friseur gehen. Setzt du dich - ohne vorher darüber zu sprechen - auf den Schneidesessel, gehören die Haare rechtlich dem Friseur. Wenn du sie danach mitnehmen möchtest, darf der Friseur ablehnen.

Warum Zöpfe spenden?

Lange Haare werden z.B. zur Perückenproduktion verwendet. Echthaarperücken sind sehr teuer, daher sind lange Zöpfe eine wahre Geldanlage! Zöpfe in gutem Zustand (mind. 25cm, gesund, ungefärbt, gut zusammengebunden) können gespendet werden - manche Firmen kaufen Zöpfe gegen Bargeld an.

Abgeschnittene, lose Haare beim Friseur können nicht für Zopfspenden verwendet werden. Diese waren bisher Müll und wurden vom Friseur entsorgt.

Unerwünschte Ergebnisse beim Friseur: Was tun?

Pannen passieren trotz vollmundiger Versprechen mancher Hersteller, wie einfach die Do-it-yourself-Anwendung beim Haare färben ist. Der Grund ist fehlendes Wissen über die eigene Haarstruktur und die Wirkung auf das Farbergebnis. Allein die Bezeichnung Blond umfasst zahlreiche Nuancen und die Mischung machts. Die Vorstellung, zu hell gefärbtes Haar ließe sich problemlos wieder dunkler färben, ist zwar richtig, aber wer sein Haar liebt, tut ihm diesen Stress nicht an. Noch mehr leidet das Haar bei dem Versuch ein zu dunkles Farbergebnis do-it-yourself wieder aufzuhellen.

Eine Coloration beim Profi ist schließlich mehr als Farbe und fertig. Ausgebildete Coloristen überprüfen vor jeder Farbbehandlung die Haarstruktur, beraten die Kundinnen und Kunden und stimmen die Farbe auf Typ, Stil und Hautton ab. Mit dem Wissen um die chemischen Prozesse hinter einer Farbveränderung ist die Herangehensweise eines Coloristen professionell und das Ergebnis entsprechend: perfekt!

Was tun bei einem missglückten Haarschnitt?

  • Sucht euch Hilfe bei einem anderen Frisör! Fragt Freunde und Bekannte welchen Haarsalon sie empfehlen können und lasst euch dort die Haar nochmal nachschneiden.
  • Eine neue Farbe kann Wunder bewirken! Denn gerade dunkle Farben lassen Stufen und kleine Patzer etwas verschwinden.
  • Seid offen für Neues! Neues Styling ausprobieren!

Weiterbildungsmöglichkeiten im Friseurhandwerk

Beim Friseurberuf geht es schließlich um viel mehr als handwerkliches Können - es steckt jede Menge technisches Know-how und künstlerische Kreativität dahinter. Der Titel Bachelor Professional und die HWK geprüfte Qualifikation ist der Einstieg in spannende Karrieremöglichkeiten oder sogar in ein weiterführendes Studium.

Fachkraft für Zweithaar ist eine echte Berufung - als Lebensberater, Ansprechpartner und Problemlöser. Empathie, Erfahrung und das gewisse Etwas im Umgang mit der belastenden Situation der Kund:innen sind das Erfolgsrezept eines Zweithaarstudios, das mit dieser speziellen Dienstleistung auf ein krisenfestes Einkommen setzen kann.

Deshalb umfasst die Weiterbildung zur HWK-geprüften Fachkraft für Zweithaar mehr als das Erlernen fachlicher Techniken. Unsere Dozenten vermitteln alles was Sie wissen müssen um Ihre Kund:innen souverän durch den gesamten Ablauf zu begleiten. Diese Ausbildung bietet Ihnen die perfekte Grundlage für eine freiberufliche Tätigkeit mit flexiblen Terminen und bei freier Zeiteinteilung.

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