Ernährung bei Schuppenflechte: Leitlinien und Empfehlungen

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die weltweit etwa 2-3 % der Bevölkerung betrifft. Neben genetischen Faktoren und Störungen des Immunsystems spielen auch Lebensstilfaktoren eine zunehmend wichtige Rolle. Insbesondere die Ernährung könnte die Krankheitsaktivität beeinflussen, wobei bisherige Studien sich hauptsächlich auf mediterrane Populationen konzentrierten. Eine neue Untersuchung im 'British Journal of Nutrition' analysiert nun erstmals die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ernährungsmustern und der Psoriasis-Schwere in einer nicht-mediterranen Bevölkerung.

Ernährungsmuster und Psoriasis-Verlauf

Im Rahmen der Asking People with Psoriasis about Lifestyle and Eating (APPLE)-Studie wurden 257 Erwachsene mit Psoriasis in einer Querschnittsstudie befragt. Die Teilnehmenden füllten einen 147-Item-Food-Frequency-Fragebogen aus, um ihre Adhärenz an verschiedene Ernährungsmuster zu bewerten. Die Forscher untersuchten dabei insbesondere folgende Ernährungsscores:

  • Mediterranean Diet Score (MDS)
  • Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH) Score
  • Plant-based Diet Index (PDI) mit Unterkategorien für gesunde (hPDI) und ungesunde (uPDI) pflanzliche Ernährung

Die Schwere der Psoriasis wurde anhand einer Selbsteinschätzung mittels des Simplified Psoriasis Index (SPI) bestimmt.

Zentrale Studienergebnisse: Ernährungsqualität beeinflusst Krankheitsaktivität

Nach Anpassung der Daten um Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Alkoholkonsum, Energieaufnahme und psychische Belastung ergaben sich folgende Hauptergebnisse:

  • Eine sehr niedrige Adhärenz an die DASH-Diät war signifikant mit einer höheren Psoriasis-Schwere assoziiert (OR = 3,75; p = 0,01).
  • Sehr niedrige Adhärenz an die gesunde pflanzliche Ernährung (hPDI) korrelierte ebenfalls mit schwereren Psoriasis-Verläufen (OR = 4,04; p = 0,02).
  • Geringe Adhärenz an die ungesunde pflanzliche Ernährung (uPDI) war hingegen mit einer niedrigeren Psoriasis-Schwere verbunden (OR = 0,25; p = 0,01).
  • Nach Korrektur für den Body-Mass-Index (BMI) zeigte sich zudem, dass eine sehr niedrige Adhärenz an den originalen PDI (oPDI) mit einer höheren Psoriasis-Schwere einherging (OR = 3,46; p = 0,05).

Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Ernährungsqualität - unabhängig vom Körpergewicht - eine Rolle für die Krankheitsaktivität bei Psoriasis spielen könnte.

DASH-Diät und pflanzenbasierte Ernährung

Die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) wurde ursprünglich zur Blutdrucksenkung entwickelt und zeichnet sich durch einen hohen Verzehr von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, fettarmen Milchprodukten und magerem Fleisch aus. Gleichzeitig werden Salz, Zucker sowie gesättigte Fettsäuren reduziert.

Die gesunde pflanzenbasierte Ernährung (hPDI) fokussiert sich auf einen hohen Anteil an Vollkornprodukten, Nüssen, Hülsenfrüchten, ungesättigten Pflanzenölen und minimal verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln. Im Gegensatz dazu umfasst die ungesunde pflanzenbasierte Ernährung (uPDI) einen höheren Konsum von raffinierten Kohlenhydraten, gesüßten Getränken und stark verarbeiteten pflanzlichen Produkten, die mit negativen gesundheitlichen Effekten assoziiert sind.

Was hilft bei Psoriasis? Bei Schuppenflechte juckt und brennt die Haut | Die Ernährungs-Docs | NDR

Ernährungsempfehlungen bei Schuppenflechte

Die Symptome einer Schuppenflechte (Psoriasis) entstehen durch übermäßige Entzündungsreaktionen im Körper. Die Ernährung ist für viele Patienten eine wichtige Stellschraube im Umgang mit der Krankheit. Denn einige Nahrungs- und Genussmittel fachen die Entzündungsprozesse zusätzlich an, während andere sich wiederum positiv auswirken und Entzündungen hemmen.

Diese Ernährungsregeln bei Schuppenflechte sind ratsam:

  • Reichlich Gemüse und Obst: Früchte und Gemüse enthalten Vitamine, die zum Aufbau einer gesunden Haut wichtig sind, und außerdem viele sekundäre Pflanzenstoffe, die als Radikalfänger wirken. Sie machen aggressive Sauerstoffmoleküle unschädlich, die Entzündungen provozieren.
  • Wenig Fleisch: Fleisch und Wurst enthalten viel Arachidonsäure, die Entzündungen befeuert. Das gilt auch für fettreiche Milchprodukte und Eier. Empfehlenswert sind nicht mehr als ein bis zwei kleine Portionen Fleisch pro Woche.
  • Öfter Fisch: Vor allem fettreiche Kaltwasserfische sind reich an Omega-3-Fettsäuren. Diese scheinen besonders wirksam zu sein, um Entzündungsprozesse in Schach zu halten.
  • Gesunde Pflanzenöle: Auch Pflanzenöle enthalten teilweise hohe Mengen an Omega-3-Fettsäuren. Sie sind allerdings kurzkettiger als die von Fisch. Trotzdem sind Leinöl, Walnuss-, Raps- oder Hanföl sowie Leinsamen und Walnüsse wertvoll für die Psoriasis-Ernährung.
  • Kein Alkohol: Wein, Bier und andere alkoholische Getränke lösen bei manchen Menschen eine Schuppenflechte aus oder halten sie in Gang. Psoriasis-Patienten verzichten besser darauf.
  • Kalorienarme Kost: Grundsätzlich ist es wichtig, dass übergewichtige Psoriasis-Patienten überschüssige Pfunde loswerden. Körperfett, insbesondere im Bauchraum, produziert dauernd Botenstoffe, die Entzündungen zusätzlich befeuern. Die Betroffenen sind gut beraten, auf Lebensmittel mit wenig Kalorien zu setzen. Zudem schont ein gesundes Körpergewicht die Gelenke - das ist besonders für Menschen mit Psoriasis-Arthritis wichtig.

Spezielle Ernährung bei schweren Verläufen

Bei seltenen, schweren Formen der Psoriasis passiert es, dass die extreme Schuppenbildung Eiweiß-, Vitaminmangel und Blutarmut verursacht. In dem Fall empfiehlt es sich, die Ernährung anzupassen oder mit entsprechenden Präparaten zu unterstützen.

Ernährung bei Psoriasis-Arthritis

Für Menschen mit Psoriasis-Arthritis gelten die gleichen Ernährungsempfehlungen wie für andere Schuppenflechte-Patienten. Ziel ist es, durch die Ernährung zu vermeiden, dass sich Entzündungsprozesse verschlechtern. Zusätzlich setzen einige Psoriasis-Arthritis-Betroffene auf Heilfasten, um auf neue Ernährungsgewohnheiten umzusteigen. Es ist möglich, dass bei manchen Menschen während der Fastentage oder danach die Schuppenflechte weniger Beschwerden bereitet oder die Krankheit eine Zeit lang sogar vollständig ruht.

Die Rolle von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Pflanzenöle und daraus hergestellte Salatdressings enthalten Omega-6-Fettsäuren, die pro-inflammatorisch wirken können. Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) hingegen hemmen die Produktion inflammatorischer Zytokine. Ob eine Supplementierung mit Fischöl den Patienten hilft, ist jedoch noch nicht eindeutig belegt.

Glutenfreie Ernährung

Die Zöliakie kommt bei Psoriasispatienten doppelt so häufig vor wie in der Normalbevölkerung. Bei Patienten mit nachgewiesener Glutenunverträglichkeit ist eine glutenfreie Ernährung empfehlenswert. Bei seropositiven Patienten kann testweise für drei Monate auf eine glutenfreie Kost umgestellt werden, um zu sehen, ob sich ein positiver Effekt ergibt.

Weitere Ernährungstipps

  • Ketogene Ernährung: Eine ketogene Ernährung zeigt über verschiedene molekulare Mechanismen einen anti-inflammatorischen Effekt.
  • Mediterrane Ernährung: Viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Fisch stehen bei der mediterranen Ernährungsform wenig Milchprodukten, Süßigkeiten, rotem Fleisch und Wein gegenüber.
  • Nachtschattengewächse: Es gibt keinen definitiven Nachweis, dass sich Nachtschattengewächse auf Psoriasisschübe auswirken.
  • Vitamin D: Vitamin-D-Topika zeigen einen positiven Effekt auf die Plaques - ob eine orale Supplementierung das auch erreichen kann, wird diskutiert.

Expertenstimmen: Ernährung als Teil der Psoriasis-Therapie

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass eine hohe Adhärenz an eine nährstoffreiche, pflanzenbetonte Ernährung mit einem geringeren Schweregrad der Psoriasis korreliert, während eine unausgewogene Ernährung das Krankheitsbild verschlechtern kann.

Die Studienautoren betonen die Relevanz der Ergebnisse für den klinischen Alltag. Prof. Wendy Hall erklärt: „Diese Forschung liefert dringend benötigte Evidenz, dass Ernährungsberatung als Ergänzung zur Standardtherapie bei Psoriasis sinnvoll sein könnte.“

Die Bedeutung von Messwerten

Dermatologen bestimmen die Ausprägung der Erkrankung anhand international anerkannter Messverfahren wie BSA (Body Surface Area), PASI (Psoriasis Area and Severity Index) und DLQI (Dermatologischer Lebensqualitäts-Index).

Zuviel Salz hemmt Immunabwehr

Eine salzreiche Kost ist nicht nur schlecht für den Blutdruck, sondern auch für das Immunsystem. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass bakterielle Infekte bei salzreicher Ernährung schwerwiegender verlaufen.

Reduktion von gesättigten Fettsäuren

Eine Reduktion von freien gesättigten Fettsäuren in der Ernährung kann eine Psoriasis verbessern. Adipöse Menschen mit pharmakologisch therapierter Psoriasis können durch Vermeidung gesättigter Fettsäuren die Krankheitsschwere verbessern und proinflammatorische Mediatoren senken.

Welt-Psoriasis-Tag

Am 29. Oktober wird weltweit der Welt-Psoriasis-Tag begangen, um über die Hauterkrankung Schuppenflechte zu informieren, Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und neue Erkenntnisse zu teilen.

Fazit

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung kann die Schuppenflechte positiv beeinflussen. Empfehlenswert ist eine gesunde und abwechslungsreiche Kost, die überwiegend aus pflanzlichen Lebensmitteln, Fisch und gesunden Ölen besteht. Es ist wichtig, dass du für dich persönlich herausfindest, welche Lebensmittel dir guttun und welche nicht.

Empfohlene und zu vermeidende Lebensmittel bei Psoriasis
Lebensmittelgruppe Empfohlen Zu vermeiden
Gemüse und Obst Reichlich (5 Portionen pro Tag) Keine spezifischen Einschränkungen, aber individuelle Unverträglichkeiten beachten
Fleisch Mageres Fleisch in Maßen (1-2 Portionen pro Woche) Fettes Fleisch, Wurst
Fisch Fettreiche Kaltwasserfische (z.B. Lachs, Hering, Makrele) Keine spezifischen Einschränkungen
Öle Pflanzliche Öle (Oliven-, Raps-, Walnuss-, Leinöl) Tierische Fette
Getreide Vollkornprodukte Weißmehlprodukte
Milchprodukte Fettarme Milchprodukte (bei guter Verträglichkeit) Fettreiche Milchprodukte (ggf. bei Unverträglichkeit)
Getränke Wasser (1,5 Liter pro Tag) Alkohol, zuckerhaltige Getränke

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