Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das Männer und Frauen jeden Alters betrifft. Die Forschung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und andererorts hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte im Verständnis der Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Haarausfall erzielt. Dieser Artikel beleuchtet einige der neuesten Erkenntnisse.
Viele Menschen leiden unter hormonell bedingtem Haarausfall, doch viele der auf dem Markt erhältlichen Mittel sind wirkungslos. Nach dem erblich bedingten Haarausfall ist der kreisrunde Haarausfall die häufigste Ursache für den Haupthaarverlust. Obwohl eine Reihe von Deutschen darunter leidet, sind seine Ursachen bis heute nicht gänzlich geklärt: Gemeinhin führen die Mediziner kreisrunden Haarausfall auf eine Autoimmunstörung zurück.
Es bilden sich kahle Stellen auf Ihrem Haupt. Sind diese Stellen kreisrund oder oval, grenzen sie sich scharf vom restlichen Haar ab und sind von keinem einzigen Haar oder Pflaum bedeckt, dann leiden Sie sehr wahrscheinlich unter kreisrundem Haarausfall. Die kahlen Areale, egal ob sie Männer oder Frauen haben, sind im Durchschnitt zwei bis vier Zentimeter groß im Durchmesser. Die kahlen Stellen werden meist von kurzem, abgebrochenem Haar umschlossen.
Die freigelegte Haut oder der Haarverlust an sich ist dabei nicht schmerzlich. Begleitet wird die Alopecia Areata teilweise durch eine veränderte Struktur der Finger- und Fußnägel. Diese können bei der Autoimmunerkrankung rillig oder brüchig sein. Der kreisrunde Haarausfall betrifft am häufigsten das Kopfhaar. Aber auch die Gesichtsbehaarung - wie der Bart - oder die Körperbehaarung können vom Haarausfall betroffen sein. Sind dort münzgroße, runde, haarfreie Stellen zu verzeichnen, so spricht man von der Alopecia Areata.
Unter den Betroffenen zeigt sich kein Unterschied beim Geschlecht oder des Alters: Frauen und Männer, Kinder und Erwachsene sind gleichermaßen davon betroffen. Welche Gründe genau hinter dem kreisrunden Verlust der Haare stecken, ist bis dato nicht genau bekannt. Forscher und Mediziner gehen gemeinhin davon aus, dass hinter dem Verlust der Haare eine Autoimmunerkrankung steht. Sehr wahrscheinlich ist es, dass bei dieser Erkrankung und deren Erscheinungsbild das körpereigene Immunsystem fehlerhaft oder gestört arbeitet. Das hat zur Folge, dass der Körper seine eigenen Zellen angreift.
Im Falle des Haarausfalls torpediert das körpereigene Immunsystem die Zellen des Haares, genauer gesagt: die Haarfollikel. In diesen Haarfollikeln ist die Haarwurzel eingebettet, aus der die Haare erwachsen und die die verankert. Greift nun also das körpereigene Immunsystem die Haarfollikel an, kommt es zu einer Entzündungsreaktion. Eine weitere Ursache für diese Art von Haarverlust sehen die Mediziner in einer stark psychischen Belastungssituation. Eine Schockreaktion, große Trauer oder chronisch andauernde Stresszustände können den Haarausfall begünstigen.
Die gute Nachricht lautet: Alopecia Areata ist reversibel. Das heißt: Kreisrunder Haarausfall kann spontan ohne Behandlung wieder abheilen. Jedoch ist der Verlauf der Erkrankung schwer einschätzbar und weniger gut zu prognostizieren. Auch wenn der kreisrunde Haarausfall nicht gänzlich geheilt werden kann, so können seine Symptome doch sehr gut behandelt werden. Ist erstmal die Diagnose erstellt worden, so ist es ratsam, zeitnah mit der Behandlung zu starten, um weiteren Haarverlust zu verhindern. Erfahrungsgemäß ist die Behandlung dann am erfolgversprechendsten, wenn schnell damit begonnen wird und das Schlimmste eingedämmt werden kann. Die Therapiemethoden zeigen bei Frauen wie bei Männern gleiche Erfolge. Interessant ist folgende Beobachtung der Experten: Bei Kindern schlägt die Behandlung in der Regel besser an als bei Erwachsenen.
Wichtig zu wissen: Heilen lässt sich die Erkrankung nicht gänzlich, doch manchmal klingen die Symptome von ganz allein wieder ab oder sie können immerhin gut therapiert werden. Ein neuer an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) neu entwickelter Wirkstoff gibt Hoffnung; für ihr Projekt erhielten die FAU-Forscherinnen und -Forscher der Abteilung für Immunmodulation und der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen den m4 Award (*).
Systemische Entzündung als zentrales Schlachtfeld: Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Alopecia Areata eher durch systemische Entzündung als durch eine rein lokale Immunreaktion der Kopfhaut ausgelöst wird. Obwohl JAK-Inhibitoren weiterhin die wichtigste Therapie darstellen, könnten zusätzliche Behandlungen, die die Entzündung im gesamten Körper reduzieren - wie niedrig dosiertes orales Minoxidil oder GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion - die Ergebnisse verbessern und die Remission verlängern.
JAK-Inhibitoren: Eine Phase-3-Studie hat gezeigt, dass Deuruxolitinib, ein oraler JAK-Inhibitor, das Haarwachstum auf der Kopfhaut bei Erwachsenen mit schwerer Alopecia areata deutlich verbessert. Nach 24 Wochen erreichten bis zu 38 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten eine nahezu vollständige Kopfhaarbedeckung. Erste sichtbare Verbesserungen traten bereits nach zwölf Wochen auf, selbst bei Personen mit sehr ausgeprägtem Haarverlust. Das Medikament wurde insgesamt gut vertragen; berichtet wurden überwiegend leichte bis moderate Nebenwirkungen.
Lasertherapie: Eine 12-monatige Studie zeigt, dass die Low-Level-Lasertherapie (LLLT) langfristige Verbesserungen bei Menschen mit androgenetischer Alopezie. Die Teilnehmenden nutzten ein helmähnliches Heimgerät dreimal pro Woche. Im Studienverlauf zeigte sich eine durchschnittliche Zunahme der Haardichte um rund 25 Prozent sowie eine Steigerung der Haardicke um etwa 15 Prozent. Behandlungsbedingte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet, was die Lasertherapie als gut verträgliche, medikamentenfreie Begleitmaßnahme erscheinen lässt.
Pflanzliche Präparate: Eine große klinische Studie, veröffentlicht im British Journal of Dermatology, zeigt, dass Cinainu - ein topisches pflanzliches Präparat aus vier Pflanzenextrakten - das Haarwachstum bei Kindern und Jugendlichen mit mittelschwerer bis schwerer Alopecia Areata wirksam fördern kann. Anders als JAK-Inhibitoren verursacht Cinainu keine immunsuppressionsbedingten Nebenwirkungen, und die erzielten Verbesserungen blieben auch nach dem Ende der Behandlung bestehen.
Mechanische Zugkraft: Neue Forschung anhand hochauflösender 3D-Bildgebung menschlicher Haarfollikel - ex vivo kultiviert - legt nahe, dass Haarwachstum nicht ausschließlich durch Zellteilung in der Haarwurzel gesteuert wird. Die Wissenschaftler beobachteten eine spiralförmige Abwärtsbewegung der Zellen der äußeren Wurzelscheide (ORS) sowie einen deutlichen Aufwärtsstrom in den inneren, haarbildenden Schichten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mechanisches Ziehen ein zentraler Motor der Haarfaserbildung beim Menschen sein könnte - ein bislang unterschätzter Faktor, der neue Perspektiven für die Grundlagenforschung und zukünftige therapeutische Ansätze eröffnet.
Weitere Faktoren: Eine große Bevölkerungsstudie zeigt, dass die metabolische Fettlebererkrankung (MASLD) das Risiko für androgenetische Alopezie (AGA) deutlich erhöht - insbesondere bei Frauen. Ungünstige Lebensgewohnheiten wie ein hoher Kohlenhydratkonsum, wenig Bewegung oder fehlende lipidsenkende Therapie verstärken diesen Zusammenhang zusätzlich. Die Ergebnisse legen nahe, dass AGA ein frühzeitiger Hinweis auf zugrunde liegende Stoffwechselstörungen sein kann.
Schlafprobleme und Haarausfall könnten ebenfalls zusammenhängen, aber noch gibt es keine Beweise. Eine neue genetische Analyse chinesischer Forschender hat untersucht, ob schlechter Schlaf Haarausfall verursachen könnte - oder ob umgekehrt Haarausfall selbst den Schlaf beeinflusst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schlaflosigkeit mit einem erhöhten Risiko für Alopecia Areata verbunden sein könnte.
KI-gestützte Diagnose: Chinesische Forscher haben ein KI-gestütztes System entwickelt, das männlichen Haarausfall mit über 96 % Genauigkeit klassifizieren kann - und damit herkömmliche Bewertungsmaßstäbe wie die Norwood-Hamilton-Skala deutlich übertrifft.
| Behandlung | Beschreibung | Wirkung | Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| JAK-Inhibitoren (oral) | Systemische Therapie mit Deuruxolitinib | Deutliche Verbesserung des Haarwachstums | Leichte bis moderate Nebenwirkungen |
| Low-Level-Lasertherapie (LLLT) | Helmähnliches Heimgerät | Zunahme der Haardichte und -dicke | Keine berichteten Nebenwirkungen |
| Pflanzliches Präparat (Cinainu) | Topische Anwendung | Wirksame Förderung des Haarwachstums | Keine immunsuppressionsbedingten Nebenwirkungen |
| Minoxidil (oral, niedrig dosiert) | Systemische Therapie | Reduktion der Entzündung im Körper | Mögliche systemische Nebenwirkungen |
| GLP-1-Medikamente | Systemische Therapie zur Gewichtsreduktion | Reduktion der Entzündung im Körper | Mögliche systemische Nebenwirkungen |
Die hier dargestellten Informationen dienen lediglich der Information und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei Fragen oder Bedenken bezüglich Haarausfall sollte immer ein Arzt oder qualifizierter Gesundheitsdienstleister konsultiert werden.
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