Erblich bedingter Haarausfall und Haartransplantation: Was Sie wissen müssen

Der Verband Deutscher Haarchirurgen e.V. (VDHC) ist eine gemeinnützige Organisation von Ärztinnen und Ärzten, die sich auf Haartransplantationen in Deutschland spezialisiert haben. Der VDHC bietet ärztliche Aufklärung, Information und Beratung für Interessierte. Oft fällt es den Betroffenen schwer, im Dickicht der medizinischen Informationen und teils kommerziellen Angeboten eine seriöse Orientierung zu finden.

Androgenetische Alopezie

Was ist erblich bedingter Haarausfall?

Eine häufige Ursache für Haarausfall ist die genetische Veranlagung, die als androgenetische Alopezie bezeichnet wird. Bei dieser Form des Haarausfalls reagieren die Haarfollikel empfindlich auf das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), was zu einer schrittweisen Verringerung der Haardichte führt. Beim erblich bedingten Haarausfall werden die Haare am Oberkopf, bedingt durch eine vererbte Hormonsensibilität dünner, während die Haare am Hinterkopf und an den Seiten (Haarkranz) in der Regel hormonunsensibel sind.

Bei dieser Form des Haarausfalls sind bestimmte Bereiche des Kopfes von Haarausfall betroffen, wie der Haaransatz, die Geheimratsecken und der Tonsurbereich. Eine Haartransplantation ist ausschließlich bei erblich bedingtem Haarausfall sinnvoll. Dieser kommt bei etwa 80 % aller Männer, aber auch bei ungefähr 50 % der Frauen vor. Er geht auf eine vererbte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen körpereigene Sexualhormone zurück, die Androgene.

Charakteristika des erblich bedingten Haarausfalls:

  • Beginnt an der Stirn (frontal) und an den Schläfen (temporal)
  • Schreitet am oberen Hinterkopf (Vertex) fort
  • Ein Haarkranz um den gesamten Hinterkopf bleibt stehen

Es gibt verschiedene Entnahmetechniken für die Haarwurzeln aus dem Haarkranz. Wichtig ist folgende Information: Die Haare wachsen in kleinen natürlichen Gruppen bzw. Einheiten, den Follicular Units (FU) mit je 1-4 Haaren aus einer Pore. Jede FU entspricht also einem Transplantat (engl. graft) und enthält 1-4 Follikel bzw. Haarwurzeln.

Haartransplantation als Lösung

Bei einer Haartransplantation werden die unempfindlichen Haarwurzeln des Haarkranzes genutzt, um dauerhaft natürlichen Haarwuchs zu ermöglichen. Haarfollikel können aus dem Haarkranz entnommen werden und in die ausgedünnten oder bereits kahlen Areale am Oberkopf umverteilt werden. Die hormonunempfindlichen Haarwurzeln behalten ihre Eigenschaften nach der Transplantation und produzieren lebenslang Haare. Haarfollikel können auch in Narbengewebe gepflanzt werden und damit nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Qualität der Narbe verbessern.

Verlorenes Haar kann ersetzt werden. Diese Behandlung erfreut sich zunehmender Beliebtheit und wird immer öfter angeboten. Wir möchten deshalb allen Interessierten unser Wissen und Knowhow bereitstellen, das auf langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Haarverpflanzung beruht. Grundsätzlich können alle Haare (Kopf, Bart, gesamter Körper) verpflanzt werden und als Spenderhaar dienen.

Geeignete Bereiche:

  • Behandlung von Geheimratsecken
  • Zurückgewichener Haarlinie
  • Glatze am Oberkopf
  • Diffusem Haarausfall und breitem Scheitel, insbesondere bei Frauen

Methoden der Haartransplantation:

  • Entnahme von Haargruppen vom voll bewachsenen Hinterkopf
  • Einpflanzung in kahle Stellen
  • Verschiedene Techniken verfügbar

Haartransplantation - Was ist die FUE-Methode?

Ablauf einer Haartransplantation

Die Haartransplantation ist eine mikrochirurgische Umverteilung von eigenen Haaren. Dauerhafte, hormonresistente Haarwurzeln werden aus dem eigenen Haarkranz bzw. vom Hinterkopf entnommen. Diese werden sogleich in die kahlen oder wenig behaarten Gebiete umgesetzt. Dort wachsen sie kräftig weiter und verdichten das Haarbild nach einigen Monaten langfristig. Die ambulante Prozedur erfolgt in örtlicher Betäubung der Kopfhaut innerhalb einiger Stunden.

Am Anfang werden Haare und Kopfhaut genau untersucht und beurteilt. Mittels Trichoskopie oder digitalen Messungen werden Haardichte, Haardicke, der Bedarf an Haaren und die Kapazität der verfügbaren Spenderhaare bestimmt. Dort wird besprochen, was realistisch möglich und sinnvoll ist. Ein maßgeschneiderter Behandlungsplan wird erstellt. Der zu bepflanzende Bereich und die Haarlinie werden eingezeichnet. Die Prozedur, die Risiken und das Vorgehen werden erklärt. Beispielhafte Abbildungen und Vorher- Nachher- Fotos werden gezeigt. Es werden auch der Preis und die Kosten der Haartransplantation veranschlagt.

Die moderne Eigenhaartransplantation nutzt innovative Laser- und Mikrochirurgie, um gesunde Haarwurzeln ästhetisch umzusetzen:

  • Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung und ist in der Regel schmerzfrei.
  • Die punktförmige Entnahme einzelner Haarfollikel und Haarfollikelgruppen aus dem behaarten Hinterkopf - zurück bleiben viele, kaum sichtbare, punktförmige Narben, die später nicht mehr sichtbar sind.
  • Die entnommenen Haarwurzeln werden unter dem Mikroskop sorgfältig in kleinste Einheiten (follicular units) selektiert und präpariert.
  • Anschließend werden die Transplantate in zuvor geschaffene Implantationskanäle im kahlen Gebiet eingesetzt.
  • Die gesamte Eigenhaartransplantation dauert ca. 2-4 Stunden.

Minimalinvasiver Eingriff: Im Vergleich zu früheren Methoden der Haartransplantation ist die heutige Technik weniger invasiv, was zu einer schnelleren Genesung und weniger Komplikationen führt.

FUE Haartransplantation Ablauf

Methoden der Haartransplantation

Es gibt verschiedene Entnahmetechniken für die Haarwurzeln aus dem Haarkranz:

  1. Punktuelle, direkte Entnahme einzelner follikulärer Einheiten mittels einer Mikrostanze, sogenannte Einzelhaarentnahme oder FUE (Follicular Unit Excision).
  2. Entnahme eines schmalen, elliptischen Hautstreifens und anschließende Präparation der einzelnen follikulären Einheiten unter dem Mikroskop, sogenannte Streifentechnik oder FUT (Follicular Unit Transplantation).

Schlüsselpunkte dabei sind die möglichst gering zu haltende Verletzung von Haarwurzeln bei der Entnahme und ein möglichst unauffälliges Narbenbild. Beide Techniken können bei fachgerechter Ausführung und gut beschaffener Haut exzellente Narben liefern, die später kaum sichtbar sind.

  • FUE-Technik: Mit speziellen Hohlnadeln bzw. Mikrostanzen von 0,7-1,2 mm Durchmesser wird manuell bzw. mit Hilfe eines von Hand geführten Präzisions- Motors oder Roboters jede follikuläre Einheit kreisförmig rotierend umstochen. Sie wird dabei mit den Haarwurzeln von der Umgebungshaut gelöst und dann mit feinen Pinzetten herausgezogen (extrahiert). Hierbei muss auf den Wuchswinkel der Haare und die Länge der Haarwurzeln sowie auf die Beschaffenheit der Haut geachtet werden, um eine Verletzung der empfindlichen Haarfollikel zu vermeiden.
  • FUT-Technik: Ausschließlich das länglich-schmale Hautareal, welches entnommen werden soll, wird kurz rasiert. Die übrigen Haare am Hinterkopf können lang bleiben. Der elliptische Streifen ist meist 1-1,5 cm hoch und je nach Bedarf an Transplantaten 10-30 cm lang. Durch spezielle Instrumente werden kaum Haarwurzeln beim Herausnehmen des Streifens verletzt.

Nachdem die Haarfollikel entnommen wurden, werden sie ständig feucht gehalten und sortiert. Sie müssen direkt und zügig, aber auch vorsichtig in das gewünschte Empfängerareal eingepflanzt werden. Dies geschieht in örtlicher Betäubung. Zur Transplantation in das Empfängerareal werden vom Arzt kleine, passgerechte Pflanzkanäle in die Haut gestochen. Dies erfolgt mit Hilfe von Nadeln oder winzigen Mikro- Skalpellen. Diese Schlitze sollten an die Größe und Länge der FU- Haartransplantate angepasst werden. Die Schlitze geben die spätere Wuchsrichtung der Haare vor.

Nachsorge und Ergebnisse

Die Kopfhaut sollte weniger sichtbar und besser abgedeckt sein. Die verpflanzten Haare sollen in der Richtung und Lage den Originalhaaren angepasst wachsen, so dass möglichst wenig von der erfolgten Operation erkennbar ist. Die Haarlinie soll unregelmäßig und nicht zu gerade gestaltet werden. Der Haaransatz muss zu den Proportionen von Kopf und Gesicht passen. Die Verteilung der Haare sollte auch nach vielen Jahren noch typgerecht sein. Auch die Bereiche der Haarentnahme sollten kaum auffallen, ggf. ist die Haarlänge entsprechend anzupassen.

Ein Verband auf den Transplantatstellen ist meist nicht empfehlenswert. Es bilden sich punktförmige Krusten, welche die Haarwurzeln in der Haut fixieren und schützen. In den ersten 1-2 Wochen sollte Reiben, Scheuern, Kratzen oder Stoßen der Kopfhaut vermieden werden. Danach ist wieder normales Waschen möglich. Die Haarwurzeln sind dann wieder fest eingewachsen, die Krusten fallen von allein ab. Ein Teil der Haare fällt erstmal aus, einige wachsen gleich weiter. In der Regel ist nach 8-12 Monaten mit dem Ergebnis zu rechnen.

Erfolgsquote und Dauer der Haartransplantation:

  • Die Erfolgsquote einer Haartransplantation ist meist hoch, da die transplantierten Haarwurzeln in der Regel gut anwachsen und natürlichen Haarwuchs ermöglichen.
  • Die genaue Dauer sowie die Kosten des Eingriffs hängen von der Anzahl der Transplantate und dem Umfang des Haarausfalls ab.

Kosten einer Haartransplantation

Die Kosten richten sich nach Aufwand und Anzahl der Transplantate und werden in der Regel nach der amtlichen ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) berechnet. Im Ausland sind die Kosten erheblich niedriger. Die Kosten belaufen sich in Deutschland im Schnitt auf etwa 2500 bis 8000 Euro. Dabei kommt es ganz darauf an, wieviele Transplantate verwendet wurden und welche Zusatzleistungen von Patient*innen noch erwünscht sind. Es gibt daher immer einen individuellen Behandlungspreis.

Faktor Einfluss auf die Kosten
Anzahl der Transplantate Je mehr Transplantate, desto höher die Kosten
Methode (FUE, FUT) FUE kann teurer sein als FUT
Klinik und Standort Preise variieren je nach Klinik und Land
Zusatzleistungen Zusätzliche Behandlungen können die Kosten erhöhen

Wichtige Hinweise

  • Die Eignung für eine Haartransplantation sollte vom Arzt in der persönlichen, individuellen Voruntersuchung geprüft werden.
  • Wichtig ist, nur so viele Haare wie nötig zu verpflanzen, um eine gute Abdeckung zu erreichen.
  • Auch eine langfristig gutaussehende Platzierung und Verteilung der Haare ist wichtig. Es muss eine vorausschauende Planung im Vorfeld erfolgen. Diese sollte auch ein eventuelles Fortschreiten des Haarausfalls berücksichtigen.
  • Erfolgreich transplantierte Haare bleiben lebenslang erhalten und sind immun gegen Hormone, die erblich bedingten Haarausfall verursachen.

Diese Faktoren unterstreichen die Wichtigkeit einer umfassenden, kompetenten Betreuung, Durchführung und Nachsorge, wie sie die Mitglieder des Verbandes Deutscher Haarchirurgen empfehlen. Die Haartransplantation ist eine effektive, aber allerdings auch kostspielige Therapieoption für Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall. Sie ermöglicht es ihnen, ihr Haarwachstum wiederherzustellen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

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