Haarausfall ist für viele Krebspatienten eine der schlimmsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Man fühlt sich nicht mehr hübsch, wird bei jedem Blick in den Spiegel an die Krankheit erinnert, jeder Fremde erkennt einen als krebskrank. Hier erfahren Sie, warum Haare nach einer Chemotherapie ausfallen, ob dies vermeidbar ist und was Betroffene tun können.
Infografik zum Haarausfall bei Chemotherapie (Quelle: Krebsinformationsdienst)
Das Grundproblem einer Krebserkrankung ist, dass sich die bösartigen Zellen unkontrolliert vermehren. Dadurch wird das Nachbargewebe infiltriert und gesundes Gewebe zerstört. Die Krebszellen reagieren nicht mehr auf Wachstumssignale des Körpers und können vom Immunsystem nicht mehr kontrolliert werden. Das führt dazu, dass sie sich unkontrolliert im Körper ausbreiten können.
Die Krebsmedikamente, auch Zytostatika genannt, wirken aber im ganzen Körper und können nicht unterscheiden, ob es sich bei ihrem Angriffspunkt um eine Krebszelle oder eine normale Körperzelle handelt. Deshalb sind neben den Krebszellen auch Körperzellen von der Wirkung betroffen, die sich schnell vermehren. Dazu gehören zum Beispiel die Haarwurzelzellen. Auch Schleimhautzellen vermehren sich schnell. Deshalb kann eine Chemotherapie zum Beispiel zu Schleimhautentzündungen im Mund mit Schmerzen beim Essen oder Entzündungen im Darm mit Durchfall führen.
Bei Haarausfall durch Chemotherapie handelt es sich um ein anagenes Effluvium, d.h. die Haare fallen in der Wachstumsphase aus. Im Gegensatz dazu steht das telogene Effluvium, bei dem die Haare vorzeitig in die Ruhephase eintreten.
Die allermeisten Patienten, die von einem Haarverlust unter Chemotherapie betroffen sind, verlieren ihr Kopfhaar bis zur Glatze. Grundsätzlich können aber alle Körperhaare betroffen sein. Auch Barthaare, Augenbrauen und Wimpern können ausfallen. Gelegentlich kommt es vor, dass die Haare nicht ausfallen, sondern direkt am Ansatz abbrechen, sodass kurze Haarstoppeln auf dem Kopf zurückbleiben. Ab und zu passiert es, dass die Haare nicht ausfallen, sondern nur langsamer wachsen. Dabei können sie ihre Farbe und Struktur verändern.
Klassischerweise beginnt der Haarausfall im Rahmen einer Chemotherapie nach etwa zwei bis vier Wochen. Auch für Außenstehende sichtbar wird der Haarverlust in der Regel erst, wenn mindestens die Hälfte aller Kopfhaare ausgefallen sind. Es fallen nicht alle Haare plötzlich und gleichzeitig aus, sondern der Haarverlust verstärkt sich nach und nach. Die Haare können einzeln oder büschelweise ausfallen. Noch bevor ein Haarverlust eintritt, spüren viele Betroffene, dass die Kopfhaut sehr berührungsempfindlich oder schmerzhaft ist.
Solange die Medikamente der Chemotherapie weiter gegeben werden, hält auch der Haarausfall an. Er wird erst gestoppt, nachdem die Therapie beendet wurde.
Bei der Strahlentherapie wird das Krebsgewebe zielgerichtet ionisierender Strahlung ausgesetzt. Ionisierende Strahlung schädigt die DNA und damit das Erbgut der Krebszellen. Damit wird ihre Teilungsrate verringert und die Zellen zum Absterben gebracht. Klassischerweise wird die Bestrahlung von außen mit bestimmten Formen von Röntgenstrahlung durchgeführt. Im Gegensatz dazu wird bei der sogenannten Brachytherapie die Strahlenquelle direkt im oder unmittelbar neben dem Krebsgewebe platziert.
Voraussetzung für eine Strahlentherapie ist, dass der Tumor strahlensensibel ist, also besonders empfindlich gegenüber ionisierender Strahlung.
Bei der Bestrahlung wird sehr genau auf die Krebszellen gezielt. Dennoch liegen andere Organe oder Gewebe oft im Strahlengang. Wenn Kopf- oder Körperbehaarung im Strahlengang liegt, kann es passieren, dass die Haare dort ausfallen. Im Gegensatz zu einer Chemotherapie fallen sie jedoch nur an diesem Ort aus und nicht überall. Haarausfall ist seltener als bei Chemotherapien und hängt vor allem von der individuellen Veranlagung des Patienten und der Strahlendosis ab.
Nach Therapieende erholen sich die Haarwurzeln normalerweise wieder und das Haar kann langsam nachwachsen. Bei sehr hohen Strahlendosen kann das Haarwachstum an der entsprechenden Stellen aber auch dauerhaft geschädigt sein.
Das Wachstum mancher Tumore wird durch Hormone, körpereigene Signaleiweiße, beschleunigt. Dazu gehören vor allem bestimmte gynäkologische Tumore wie einige Arten von Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs. Während die antihormonelle Therapie bei Brustkrebs oft ein wichtiger Behandlungspfeiler ist, ist sie bei Gebärmutter- und Eierstockkrebs von untergeordneter Bedeutung. Auch bei Prostatakrebs kann das Tumorwachstum durch Antihormon-Therapien reduziert werden.
Grundlage der Therapie ist, das Tumorwachstum durch Entzug der zum Wachstum benötigten Hormone zu reduzieren. Dazu wird durch die Therapie die Bildung der Hormone gebremst, das Eindringen der Hormone in die Tumorzelle verhindert oder die Hormone in ihrer Wirkung gehindert.
Hormone, die bei Brustkrebs oder Prostatakrebs eine Rolle spielen, gehören zu den Geschlechtshormonen. Ein Hormonentzug kann deshalb zu sexuellen Störungen führen, aber auch Nebenwirkungen wie Haarausfall haben. Zum Beispiel kann es bei Frauen zu ähnlichen Symptomen wie beim Beginn der Wechseljahre kommen und es kann ein diffuser Haarverlust auftreten, der jedoch meist nicht bis zur Glatze führt.
Insgesamt sind Nebenwirkungen meist schwächer als bei einer Chemotherapie, können gerade in der Summe die Betroffenen trotzdem stark beeinträchtigen.
Bei den zielgerichteten Therapien, auch "targeted therapies" genannt, richtet sich die Therapie gegen bestimmte biologische Merkmale des Tumors und greift so in dessen Wachstumsverhalten ein. Da die Zielstrukturen der Medikamente jedoch auch in gesunden Zellen vorkommen, hat die Therapie Nebenwirkungen. Es kann zu diffusem Haarausfall oder Haarbruch kommen, der Tage bis Monate nach dem Therapiebeginn einsetzt. Er ist jedoch sehr viel seltener als bei einer Chemotherapie.
Als Nebenwirkung kann es passieren, dass die Haare dünner werden oder fleckförmig ausfallen. Dies kommt jedoch sehr selten vor. Der Grund für den Haarverlust unter dieser Therapieform ist noch nicht abschließend geklärt. Man vermutet, dass dabei Entzündungsreaktionen entstehen, die das Haarwachstum einschränken können.
Sowohl bei zielgerichteten Therapien als auch bei Immuntherapien wachsen die Haare nach der Behandlung normalerweise nach.
Nicht jede Chemotherapie verursacht einen Haarausfall und auch die Ausprägung ist nicht immer gleich stark. Auch eine hohe Dosis der Medikamente oder kurze Abstände zwischen den Gaben erhöhen das Risiko. Wenn mehrere Mittel kombiniert gegeben werden, erhöht dies ebenfalls das Risiko eines Haarverlusts.
Im Folgenden sind Beispiele für Zytostatika aufgeführt, bei denen Patientinnen und Patienten sehr häufig, gelegentlich oder selten ihre Haare verlieren:
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Medikamente einer Chemotherapie, die über die Vene gegeben werden, häufiger einen Haarverlust verursachen als solche, die man als Tabletten nimmt. Genauere Hinweise, wie wahrscheinlich ein Haarverlust bei Ihnen persönlich ist, kann Ihnen Ihr behandelnder Arzt geben. Denn neben den hier aufgeführten häufig eingesetzten Krebsmedikamenten gibt es viele weitere, die vielleicht bei Ihnen notwendig sind. Außerdem werden häufig verschiedene Medikamente kombiniert, sodass das Risiko eines Haarverlusts sehr von der individuellen Therapie abhängt.
Den Haarausfall durch eine Chemotherapie verhindern kann man meist nicht. Durch die Therapie und viele Blutuntersuchungen kann eine Blutarmut und eventuell ein Eisenmangel auftreten. Ein Eisenmangel kann Haarausfall begünstigen. Im Rahmen einer Krebserkrankung ist häufig eine gesunde Ernährung erschwert - bedingt durch verschiedene Faktoren wie Übelkeit und Erbrechen durch Medikamente, Appetitlosigkeit, Durchfall oder Schmerzen im Mund. Dadurch können eventuell Vitaminmangelzustände auftreten, die ein gesundes Haarwachstum erschweren können.
Eine Möglichkeit, die Haarwurzeln zu stärken ist auch, eine PRP-Therapie beim Haarexperten durchführen zu lassen. PRP steht für Platelet Rich Plasma oder plättchenreiches Plasma. Bei dieser Eigenbluttherapie wird dem Patienten eine kleine Menge Blut entnommen und auf spezielle Art aufbereitet. Danach wird es in die Kopfhaut gespritzt. Dort kann es durch seine Nährstoffe und Wachstumsfaktoren das Haarwachstum stimulieren.
Eine immer wieder diskutierte Option ist der Einsatz von Kühlhauben zur Chemotherapie. Dabei werden während der Infusion der Krebsmedikamente, oft kurz vorher beginnend und bis zu anderthalb Stunden danach, Kühlkappen auf den Kopf gesetzt. Sie sehen ähnlich aus wie ein Fahrradhelm und enthalten gelgefüllte Kühlpads. Vor der Verwendung werden die Hauben eingefroren und müssen zwischendurch eventuell gegen eine neue Haube ausgetauscht werden.
Kühlhaube während der Chemotherapie (Quelle: Helios Klinikum Krefeld)
Ziel des Ganzen ist es, dass durch die Kühlung der Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen verlangsamt wird. Außerdem verengen sich die Blutgefäße in der Kopfhaut. Standardisierte, große Studien zur Wirksamkeit der Therapie gibt es bisher noch nicht. Es gibt lediglich erste Hinweise darauf, dass ein Haarverlust während der Chemotherapie vielleicht reduziert werden kann.
Die Kopfhautkühlung ist risikoarm und beeinträchtigt die Wirkung der Chemotherapie nicht. Manche Patienten empfinden die Kühlung jedoch als sehr unangenehm oder bekommen Kopfschmerzen davon. Da es bisher noch keine sichere Wirkung gibt, werden die Kosten für diese Methode nicht von den Krankenkassen übernommen. Sollten Sie sich trotzdem für diese Option interessieren, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Dass sich eine Chemotherapie auf die Haare auswirkt, ist oft nicht vermeidbar. Für die Patienten gehört der Haarausfall subjektiv zu den Nebenwirkungen, die sie am meisten belasten. Zu empfehlen ist, sich bereits vor der Therapie darüber zu informieren, ob bei Ihrer Chemotherapie mit Haarausfall zu rechnen ist.
Wenn Sie sich durch den drohenden Haarausfall psychisch sehr belastet fühlen, kann es helfen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen über den Umgang damit zu sprechen. Außerdem gibt es in vielen onkologischen Abteilungen eine psychologische Mitbetreuung, die die Patienten in Anspruch nehmen können.
Viele Betroffene möchten ihre Glatze nicht öffentlich zeigen und verdecken sie mit Tüchern, Mützen oder Perücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, sollte sich schon zu Therapiebeginn darum kümmern und sich über die Details informieren. Es gibt verschiedene Arten von Perücken, entweder Perücken aus Echthaar oder Kunsthaarperücken. Vorab sollte mit der Krankenkasse geklärt werden, in welchem Umfang die Kosten für einen Haarersatz übernommen werden. In der Regel werden bei Frauen die Kosten einer Perücke übernommen - einer "normalen" Perücke. Wer ein besonderes oder sehr teures Modell möchte, muss oft entweder den Differenzbetrag zum normalen Modell oder sogar die ganze Perücke zahlen.
Wer vor allem unter dem Verlust der Wimpern oder Augenbrauen leidet, kann sich von einem Kosmetiker beraten lassen. Oft gibt es sogar spezielle Seminare für Krebspatienten, wo Schminktechniken gezeigt werden.
Zu möglichen Frisuren nach einer Krebstherapie kann Sie ein Friseur beraten. Häufig gibt es sogar in der Klinik unmittelbar angrenzende Friseurstudios, die sich mit den speziellen Bedürfnissen krebskranker Patienten gut auskennen.
Schon während der Chemotherapie ist es wichtig, auf eine gute Kopfhautpflege zu achten, um hinterher ein gutes Haarwachstum zu ermöglichen. Man kann den Kopf mit Wasser und einem milden Shampoo oder Seife waschen und mit einer Creme pflegen. Achten Sie darauf, besonders bei Kälte die Haut mit einer Mütze oder einem Tuch zu schützen.
Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig, wenn auch während einer Krebsbehandlung manchmal schwer umzusetzen. Häufig machen die Nebenwirkung der Therapie oder auch die Krankheit selbst eine gesunde Nahrungsaufnahme schwierig. Machen Sie sich nicht zu viel Stress, wenn es nicht immer klappt, eine vitamin- und nährstoffreiche Ernährung einzuhalten. Vielleicht sind vorübergehend Nahrungsergänzungsmittel hilfreich oder es reicht aus, wenn Sie nach der Behandlung wieder normal essen können.
Eine weitere Möglichkeit, die bereits oben unter dem Punkt "Stärkung der Haarwurzeln" beschrieben wurde, ist die PRP-Therapie. Diese Eigenbluttherapie kann auch nach Abschluss der Behandlung helfen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und ein gesundes Haarwachstum zu stimulieren.
Die Haare können wieder wachsen, wenn die Chemotherapeutika und ihre Stoffwechselprodukte vollständig vom Körper abgebaut wurden. Vorübergehend kann das Haar anders sein als vorher. Viele Betroffene berichten, dass ihr Haar anfangs dicker, voluminöser oder lockiger war als früher. Nur sehr selten berichten Patienten, dass die Chemotherapie ihre Haare dauerhaft geschädigt hat.
Wenn ein dauerhafter Haarverlust bestehen bleibt, handelt es sich dabei am ehesten um Patienten, die eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Knochenmarktransplantation bekommen haben.
Ungefähr drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind bei den meisten die Haare wieder so dicht, dass sie den Haarverlust nicht mehr mit Mütze, Tüchern oder Perücke kaschieren müssen. Manche entscheiden sich auch, ganz ohne Haare nach draußen zu gehen.
Nach einer Chemotherapie kann das Kopfhaar manchmal etwas anders nachwachsen und anders aussehen als vorher. Es kann zum Beispiel gelockt statt glatt sein oder eine andere Farbe besitzen. Es kann beispielsweise heller oder dunkler als früher sein. Ein möglicher Grund ist, dass die Chemotherapie die Haarfollikel verändert. Woher die Effekte aber wirklich kommen, ist noch nicht geklärt.
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Ursachen | Zytostatika wirken auf schnell teilende Zellen, einschließlich der Haarwurzelzellen. |
| Vorbeugung | Kühlhauben können den Haarausfall reduzieren, sind aber nicht immer wirksam. |
| Umgang | Perücken, Tücher, Mützen, psychologische Unterstützung und Selbsthilfegruppen. |
| Haarwachstum | Die Haare wachsen in der Regel nach Therapieende wieder nach, können aber vorübergehend anders sein. |
Weitere Informationen über Krebsbehandlungen, Haarausfall und was Sie dagegen tun können, finden Sie auch beim Krebsinformationsdienst sowie der Krebsgesellschaft.
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