Haarausfall durch Chemotherapie: Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Haarausfall ist eine häufige und oft belastende Nebenwirkung von Chemotherapien. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Haarausfall während der Chemotherapie, gibt Tipps zur Vorbeugung und stellt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vor. Zudem werden alternative Ansätze und die emotionale Bewältigung des Haarverlusts thematisiert.

Ursachen von Haarausfall bei Chemotherapie

Chemotherapeutika wirken auf schnell wachsende Zellen im Körper, um Krebszellen zu bekämpfen. Leider können sie nicht zwischen Krebszellen und gesunden Zellen unterscheiden, was dazu führt, dass auch Haarfollikelzellen angegriffen werden. Da sich Haarfollikelzellen schnell teilen, sind sie besonders anfällig für die schädigenden Auswirkungen der Chemotherapie.

Etwa 65% der Patient:innen, die mit klassischer Chemotherapie behandelt werden, bekommen davon Haarausfall. Besonders stark betroffen sind die Haare, die sich während der Chemotherapie in der Wachstumsphase befinden. Das sind etwa 90% der Kopfhaare. Weil diese aktiv wachsenden Haare am empfindlichsten sind, ist der Haarausfall durch Chemotherapie oft so stark. Konkret handelt es sich bei dieser Art von Chemotherapie-bedingtem Haarausfall um ein anagenes Effluvium.

Einflussfaktoren auf den Haarausfall

Es gibt verschiedene Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit und Stärke des Chemotherapie-bedingten Haarausfalls beeinflussen:

  • Art der Chemotherapie: Bestimmte Medikamente verursachen häufiger und stärker Haarausfall, während andere weniger Auswirkungen auf die Haare haben.
  • Dosis der Medikamente: Eine höhere Dosis der Chemotherapie führt zu stärkerem Haarausfall.
  • Behandlungsdauer: Eine längere Chemotherapie erhöht die Wahrscheinlichkeit von Haarausfall und kann den Verlust verstärken.
  • Individuelle Empfindlichkeit: Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf die Chemotherapie.
  • Kombinationstherapie: Wenn mehrere Chemotherapeutika zusammen verwendet werden, kann der Haarausfall verstärkt werden.
  • Haarstruktur und -farbe: Menschen mit feineren oder helleren Haaren neigen möglicherweise zu stärkerem Haarausfall.
  • Stress und psychische Belastung: Psychische Belastungen durch die Diagnose und Behandlung können zu zusätzlichem Haarverlust beitragen.

Vorbeugung von Haarausfall

Um den Haarausfall möglichst zu minimieren, ist es wichtig, die Haare nicht zusätzlich zu strapazieren. Verzichte auf Färben, Glätten oder andere belastende Stylingmethoden. Ein Kopfkissen aus Satin oder Seide kann Reibung verringern, während sanfte Bürsten, milde Shampoos und wenig Waschen die Haare schonen können.

Kopfhautkühlung

Bei dieser Behandlung wird die Kopfhaut mit einer speziellen Kühlkappe auf unter 19°C gekühlt. Dadurch ziehen sich die Gefäße zusammen und es gelangen weniger Chemotherapie-Wirkstoffe zu den Haarfollikeln. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel der Zellen verlangsamt, wodurch auch die Aktivität der sich schnell teilenden Haarfollikelzellen reduziert wird und sie weniger anfällig für die Chemotherapie sind.

Die Kopfhautkühlung beginnt etwa 30 bis 60 Minuten vor der Chemotherapie und wird während der Behandlung fortgesetzt. Nach der Chemotherapie wird für eine bestimmte Zeit, meist zwischen 60 und 180 Minuten, weitergekühlt. Zum Abschluss wird die Kühlkappe noch für 5 bis 10 Minuten auf dem Kopf gelassen, um die Temperatur sanft wieder auf Zimmertemperatur zu bringen.

Kopfhautkühlung ist bei etwa 50-70% der Patient:innen eine wirksame Maßnahme gegen Haarausfall. Ob die Benutzung einer Kühlkappe erfolgreich ist oder nicht, hängt mit der Art und Dosis der Chemotherapie zusammen.

Kontraindikationen für Kopfhautkühlung:

  • Patient:innen mit hämatologischen Krebsarten, wie Leukämie und Lymphome.
  • Bestimmte Chemotherapie-Arten, wie zum Beispiel platinhaltige Verbindungen.
  • Bei einer Bestrahlung des Gehirns ist Kopfhautkühlung generell nicht empfohlen.

Behandlung von Haarausfall

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Haarausfall während der Chemotherapie umzugehen:

  • Perücken: Im Fachgeschäft können sich Krebspatientinnen und Krebspatienten zu Perücken beraten lassen. Echthaarperücken sind länger haltbar und haben natürliche Eigenschaften, sind aber teurer als Kunsthaarperücken.
  • Streuhaare: Bei dünnem Haar können die Betroffenen "Streuhaare" als Pulver auf das Haar streuen. Streuhaare bestehen aus Fasern, die sich durch statische Anziehung mit dem Eigenhaar verbinden. Dadurch sieht das Haar dichter aus.
  • Kopfbedeckungen: Tücher, Mützen, Kappen und Hüte sind eine gute Möglichkeit, den Kopf zu bedecken und sich wohler zu fühlen.

Alternative Ansätze

Neben den etablierten Methoden gibt es auch alternative Ansätze, die zur Behandlung von Haarausfall in Betracht gezogen werden können:

Amla-Pulver

Amla-Pulver, hergestellt aus der indischen Stachelbeere, wird im Ayurveda seit Jahrtausenden zur Förderung des Haarwachstums eingesetzt. Es ist reich an natürlichen Inhaltsstoffen, die sich positiv auf die Haargesundheit auswirken können. Amla-Pulver kann äußerlich als Maske oder innerlich eingenommen werden.

Anwendung von Amla-Pulver:

  • Äußerlich: 1 EL Amla-Pulver mit 1 EL Wasser verrühren und in die Kopfhaut einmassieren. Nach 15-20 Minuten auswaschen.
  • Innerlich: 2-5 g Amla-Pulver pro Tag in Smoothies oder Müsli mischen.

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Emotionale Bewältigung

Der Verlust der Haare kann seelisch sehr belastend sein. Das Äußere eines Menschen verändert sich deutlich, wenn er auf einmal keine Kopfhaare, Wimpern oder Augenbrauen mehr hat. Außerdem ist die Krebserkrankung für andere nun "sichtbar". Wenn Krebspatientinnen und Krebspatienten sehr unter ihrem Haarausfall leiden, stehen ihnen folgende Anlaufstellen zur Verfügung:

  • Das onkologische Behandlungsteam ist ein erster Ansprechpartner für Sorgen und Nöte.
  • Bei Bedarf kann eine psychologische Unterstützung durch eine Psychoonkologin oder einen Psychoonkologen hilfreich sein.
  • Selbsthilfegruppen und Gespräche mit anderen Gleichbetroffenen: Dies sind gute Gelegenheiten, den eigenen Kummer zu äußern und zu erfahren, wie andere mit ähnlichen Problemen umgehen.

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