Docetaxel: Haarausfall während der Chemotherapie verhindern

Eine Chemotherapie ist eine bewährte und wirksame Behandlungsmöglichkeit bei vielen Krebsarten, einschließlich Prostatakrebs. Bei einer Chemotherapie kommen zelltötende Medikamente zum Einsatz, sogenannte Zytostatika oder Chemotherapeutika. Hierbei handelt es sich um Medikamente, die den Prozess der Teilung und Vermehrung von Körperzellen beeinträchtigen.

Die Chemotherapie wirkt auf alle Zellen des Körpers, insbesondere jedoch auf diejenigen, die sich schnell entwickeln. Da sich Tumorzellen deutlich häufiger teilen als gesunde Zellen, bremst die Behandlung den Tumor in der Prostata ebenso wie Metastasen in anderen Organen.

Lesen Sie alles über die Wirkung, den Ablauf und die Nebenwirkungen der Chemo. Außerdem: Was Sie gegen die Nebenwirkungen tun können.

Bei Prostatakrebs kommt die Chemo jedoch nur in speziellen Fällen zum Einsatz. Denn im Vergleich zu anderen Prostatakrebstherapien besitzt sie deutlich mehr und stärkere Nebenwirkungen. Außerdem wirkt sie kaum gezielt - im Gegensatz zu einer Hormontherapie. Vor allem bei älteren Männern, die oft noch zusätzliche Erkrankungen mitbringen und gesundheitlich nicht gut beinander sind, müssen Ärzte und Ärztinnen die Vor- und Nachteile immer gut abwägen.

Die Chemotherapie kann in diesem Fall zwar vielleicht einige Lebenszeit bringen, aber die Lebensqualität aufgrund der Nebenwirkungen beeinträchtigen. Nutzen und Schaden müssen also gut überlegt sein. Auch die persönlichen Wünsche, Vorstellugen und Überzeugungen eines Mannes spielen übrigens dabei mit.

Wann Chemotherapie?

  • bei fortgeschrittenem Prostatakrebs mit Metastasen in Kombination mit einer Hormontherapie
  • wenn die Hormontherapie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs nicht mehr ausreichend wirkt (kastrationsresistenter Prostatakrebs).

Die meisten Männer beginnen zuerst mit einer Hormontherapie, bei der die Produktion oder Wirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron blockiert wird. Bei einigen Männer wird der Prostatakrebs jedoch unempfindlich gegenüber den Medikamenten. Dann vermehren sich die Krebszellen auch ohne das Vorhandensein von Testosteron weiter.

Wann nicht?

Nicht empfohlen ist die Chemotherapie bei Männern mit lokal begrenztem oder lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs. Sie haben viele andere Behandlungsmöglichkeiten, zum Beispiel eine Operation (radikale Prostatektomie) oder eine Strahlentherapie.

Ob eine Chemotherapie für Sie in Frage kommt, hängt nicht nur vom Prostatakrebs, sondern auch von persönlichen Faktoren ab.

Ablauf einer Chemotherapie bei Prostatakrebs

So läuft eine Chemotherapie bei Prostatakrebs ab: Dem Patienten wird das Medikament, ein Zytostatikum oder Chemotherapeutikum, per Infusion in einer Klinik oder uroonkologischen Praxis verabreicht. Für die Infusion müssen Patienten in den meisten Fällen eine längere Zeit sitzen oder liegen. Damit die Zeit schneller vergeht, statten Sie sich am besten mit einer guten Lektüre, einem Hörbuch oder Rätselheft aus. Über ein Tablet oder Smartphone können Sie auch heruntergeladene Filme oder Serien schauen. Bei Nervosität kann es helfen, sich mit dem Ausmalen von Mandalas abzulenken. In größeren modernen Krebszentren gibt es auch manchmal Infusionsstühle mit Bildschirmen, über die Sie fernsehen können.

Extratipp: Nehmen Sie sich Kopfhörer mit Active Noise Cancellation-Funktion (ANC) mit zum Infusionstermin!

Ärzte und Ärztinnen verabreichen die Chemotherapie in Zyklen, also in bestimmten zeitlichen Abständen. In den Pausen dazwischen hat der Körper die Möglichkeit, sich zu erholen. Bei Prostatakrebs bekommen Männer die zelltötenden Medikamente in der Regel alle drei Wochen über eine Infusion. Die Wirkstoffe gelangen so direkt ins Blut und verbreiten sich schnell. Die Wirkung setzt allerdings nicht unmittelbar ein, sondern es dauert einige Zeit. Das Mittel der ersten Wahl bei Prostatakrebs ist das Zytostatikum Docetaxel. Kehrt der Prostatakrebs nach der Behandlung mit Docetaxel zurück (Rückfall, Rezidiv), ist Cabazitaxel eine weitere Therapiemöglichkeit.

Docetaxel und Cabazitaxel gehören zur Gruppe der Taxane. Der Grundstoff - das Taxol - kommt aus der Natur, nämlich aus der Rinde der Pazifischen Eibe. Taxane greifen in den Teilungsmechanismus der Krebszellen ein und sorgen so dafür, dass sie sich nicht vermehren können. Seit den 90er-Jahren sind die Substanzen ein fester Bestandteil der Krebstherapie.

Viele Patienten vertragen die ersten beiden Zyklen der Chemotherapie gut und bemerken erst nach dem dritten oder vierten Zyklus Nebenwirkungen. Vor allem der Zeitraum zwischen dem ersten und dritten Tag nach der Infusion kann herausfordernd sein. Je nach Wirkstoff und persönlicher Verfassung schlafen manche Patienten überdurchschnittlich lange. In dieser Phase ist es besonders wichtig, sich die Ruhe und nötige Erholung auch zu gönnen, auf den eigenen Körper zu hören und auf dessen Bedürfnisse zu reagieren. Lassen Sie es zunächst also langsam angehen. Ihr normaler Rhythmus pendelt sich mit der Zeit ganz automatisch wieder ein. Aber: Jeder Patient ist anders. Manche fühlen sich fit und haben Lust auf Bewegung und Gesellschaft, andere benötigen eher Ruhe und Entspannung.

Bei vielen Patienten führt die Chemotherapie auch zu Geschmacksverlust. Achten Sie dennoch darauf, sich mit ausreichend Energie und Nährstoffen zu versorgen.

Ein Therapietagebuch oder Achtsamkeitsbogen kann für Prostatakrebs-Patienten, die eine Chemo durchlaufen, eine wertvolle Ressource sein. So lassen sich nicht nur Fortschritte in der Behandlung dokumentieren, sondern auch Nebenwirkungen, Ängste, Sorgen und Emotionen festhalten. Das Tagebuch hilft Ihnen auch in Gesprächen mit Ihrem Arzt, wenn es um Nebenwirkungen oder den Verlauf Ihrer Behandlung geht. Ein Therapietagebuch können Sie auf verschiedene Weise führen. Entweder durch handschriftliche Notizen oder durch eine App auf dem Smartphone oder Tablet. Auch bei der Anzahl der Einträge sind Ihnen keine Grenzen gesetzt.

Inmitten all dieser Herausforderungen ist es wichtig, dass Krebspatienten sich selbst belohnen und ihre Fortschritte feiern - auch kleine Meilensteine wie beispielsweise die erste Therapiesitzung. Setzen Sie sich vorab Ziele: Nach dem Infusionstermin nehmen Sie sich etwas Schönes vor! Belohnungen können nämlich dabei helfen, sich auf die positiven Aspekte der Behandlung zu konzentrieren und die Stimmung heben.

Nebenwirkungen der Chemotherapie und was hilft?

Eine Chemotherapie kann bei Prostatakrebs auch Nebenwirkungen mit sich bringen. Da sich die Behandlung vor allem auf diejenigen Zellen des Körpers auswirkt, die sich schnell vermehren, sind neben den Krebszellen auch Haut- und Schleimhautzellen, Haarwurzelzellen und Knochenmarkszellen betroffen, was zum Beispiel zu Haarausfall oder Magen-Darm-Beschwerden führen kann. Nicht alle Nebenwirkungen treten bei jedem Patienten gleichermaßen auf. In vielen Fällen erhalten Patienten zusätzlich zur Chemotherapie eine Begleitmedikation, um Nebenwirkungen vorzubeugen.

Eine Chemotherapie bringt in vielen Fällen nicht unerhebliche Nebenwirkungen mit sich. Doch Übelkeit, Erbrechen oder Entzündungen der Schleimhäute lasse sich heute gut mit unterstützenden Behandlungen - den supportiven Therapien - in den Griff bekommen. Nur gegen den Haarausfall ist noch kein wirksames Kraut gewachsen. Die wichtigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie mit Taxanen im Überblick.

Haarausfall - typisch bei Chemotherapie

Taxane bremsen die Zellteilung, vor allem jener Zellen, die sich schnell teilen und erneuern. Und das trifft nicht nur auf Krebszellen, sondern auch auf die Zellen der Haarfollikel zu. Dies ist auch der Grund, warum bei einer Chemotherapie in der Regel die Haare ausfallen. Meist leiden nicht nur die Haare am Kopf, sondern am gesamten Körper: Augenbrauen, Scham- und Achselhaare sowie die Wimpern können ausfallen.

Männer kommen (angeblich) mit dem Haarausfall besser zurecht als Frauen, weil ein spärlicher Haarwuchs oder eine Glatze bei ihnen gesellschaftlich viel mehr akzeptiert ist. Für Frauen bdeute der Kahlkopf dagegen eine Entstellung, so das Urteil des Bundessozialgerichtes aus dem Jahr 2015. Auch einige Landesgerichte urteilten so. Deshalb bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen Männern, deren Haare während einer Chemotherapie ausfallen, auch keine Perücke - eigentlich ist das ein klarer Fall von Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung.

Demnach haben Männer grundsätzlich keinen Anspruch auf den künstlichen Haarersatz. Nur in Ausnahmefällen können sie auf Kostenübernahme durch die Kassen hoffen, zum Beispiel wenn die Kopfhaut stark vernarbt ist. Manchmal sind Krankenkassen jedoch auch kulant und übernehmen zumindest einen Teil der Kosten.

Soforthilfe bei Haarausfall durch Chemotherapie - Stockperücke von Heydecke Hamburg

Was hilft bei Haarausfall?

Es gibt Experimente mit Kühlkappen während der Chemotherapie, welche die Durchblutung in den Haarwurzeln drosseln. Dadurch zirkulieren geringere Mengen Blut in den Haarzellen - und damit auch geringere Mengen an Zytostatika. In einigen Studien - vor allem bei Frauen mit Brustkrebs - konnten die Kühlhauben starken Haarausfall verhindern. Kühlhauben sind jedoch noch keine Routine in der Arztpraxis.

Die gute Nachricht ist: Der Haarausfall ist nur vorübergehend. Nach dem Ende der Chemotherapie wachsen die Haare wieder nach.

Fatigue

Fatigue lässt sich Zustand körperlicher, geistiger und seelischer Erschöpfung beschreiben. Typisch ist, dass sich die Fatigue auch durch ausreichenden Schlaf und Erholung nicht bessert. Viele Krebskranke kommen im Lauf ihrer Erkrankung an diesen Punkt. Ihnen fehlen der Antrieb und die Motivation, sie fühlen sich müde, energie- und kraftlos, obwohl sie sich weder körperlich noch geistig verausgabt haben.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Begleiter einer Chemotherapie. Aber nicht alle Zytostatika rufen diese Symptome im gleichen Ausmaß hervor.

Was hilft gegen Übelkeit und Erbrechen?

Übelkeit und Erbrechen lassen sich gut mit Anti-Brech-Mitteln behandeln, sogenannten Antiemetika. Die Medikamente wirken direkt im Brechzentrum im Gehirn und dämpfen seine Aktivität. So lassen sich Übelkeit und Erbrechen meist gut in Schach halten.

Daneben kommen Kortikosteroide ("Kortison") zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen vor dem Chemotherapiezyklus zum Einsatz, beispielsweise Dexamethason

Hilfreich kann auch Ingwer sein.

Angegriffene Haut und Schleimhäute

Die Chemotherapie mit Taxanen kann die Haut und Schleimhäute in Mitleidenschaft ziehen, denn auch Hautzellen teilen sich rasant und sind ein (ungewolltes) Angriffsziel der Zytostatika. Die Haut kann sich röten, schuppen, jucken, austrocknen oder entzünden. Manche Menschen entwickeln durch die Chemotherapie einen Hautauschlag, der einer Akne ähnlich ist.

Was hilft der Haut?

Wichtig bei einer Chemotherapie ist eine gute, sanfte Hautpflege, die die Haut nicht weiter strapaziert und vor Druck, Hitze, Feuchtigkeit und Verletzungen schützt. Einige Tipps:

  • Lauwarmes statt heißes oder kaltes Wasser verwenden
  • Die Haut nur abtupfen statt trocken rubbeln
  • Verletzungen vermeiden, etwa beim Nassrasieren, und so Infektionen vorbeugen
  • Keine zu enge Kleidung und Schuhe tragen, die die Haut aufreiben
  • Haut vor direktem Sonnenlicht schützen, nicht ins Solarium gehen, im Freien lichtundurchlässige Kleidung tragen
  • Eincremen, zweimal täglich

Gegen Juckreiz hilft Kühlen. Bei Schmerzen sind die Wirkstoffe Paracetamol oder Ibuprofen geeignet

Was hilft den Schleimhäuten?

  • frühzeitige und umfassende Zahnkontrolle beim Zahnarzt - vor der Chemotherapie Zahnschäden reparieren lassen
  • Sorgfältige und regelmäßige Mundpflege: Zähne putzen (weiche Zahnbürste), Zahnzwischenräume reinigen
  • häufige Mundspülungen: vier- bis sechsmal täglich für etwa eine Minute mit 15 ml Wasser oder isotonischer Kochsalzlösung spülen
  • Nach dem Spülen für 30 Minuten auf Essen und Trinken verzichten
  • Auf Rauchen und Alkohol verzichten
  • keine sehr scharfe, heiße oder saure Getränke und Speisen zu sich nehmen
  • eventuell Eiswürfel vor der Chemotherapie lutschen

Nagelveränderungen

Darüber hinaus kann Docetaxel die Nägel dunkel verfärben. Manchmal werden die Nägel brüchig und rissig, bekommen Rillen und Furchen oder lösen sich vom Nagelbett ab. Die Haut um die Nägel herum kann sich mit Bakterien und Pilzen infizieren und entzünden, was schmerzhaft werden kann.

Was hilft den Nägeln?

Das Tragen von Kühlhandschuhen während der Chemotherapie schützt offenbar die Fingernägel. Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Es fließt weniger Blut und somit auch weniger des Krebsmedikaments durch das gekühlte Gewebe. Auch die Fußnägel lassen sich mit Kühlkissen schützen. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Ärztin danach, ob das Kühlen eine Möglichkeit ist.

Veränderungen des Blutbildes

Taxane beeinflussen die Bildung bestimmter Blutzellen im Körper. So sinkt die Anzahl an weißen Blutkörperchen, den Leukozyten. „Neutropenie“ ist der medizinische Fachausdruck dafür. Dadurch sinkt die Schlagkraft des Immunsystems, was einen Menschen anfälliger für Bakterien, Viren oder Pilze macht. Für Krebskranke kann dies besonders gefährlich werden. Deshalb fertigen Ärzte und Ärztinnen vor der jeder Chemotherapie ein Blutbild an und prüfen die Anzahl der Leukozyten. Auch im Anschluss an die Behandlung kontrollieren Onkologen diese regelmäßig.

Daneben lässt die Chemotherapie auch die Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der Blutplättchen (Thrombozyten) sinken. Erythrozyten sind für den Transport von Sauerstoff in die Organe und Gewebe wichtig, Blutplättchen für die Blutgerinnung. Blutarmut (Anämie) und ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) sind die Folgen.

Was hilft bei Blutveränderungen?

Manchmal setzen Ärzte bei Blutarmut besondere Medikamente ein, um die Bildung von Blutzellen zu stimulieren (blutbildenden Mittel).

Arzneien mit Wachstumsfaktoren helfen, einem Mangel an weißen Blutkörperchen vorzubeugen. Sie kurbeln die Bildung weißer Blutzellen an.

Sind die Blutwerte jedoch zu niedrig, müssen Ärzte manchmal die Chemotherapie unterbrechen, den nächsten Zyklus verschieben oder die Dosis der Zytostatika verringern.

Nervenschäden und Nervenschmerzen

Taxane können die Nerven angreifen und schädigen, vor allem an den Händen und Füßen. Medizinisch heißen die Nervenschäden „Neuropathie“. So können Missempfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen, Taubheitsgefühle, Störungen des Feingefühls oder Nervenschmerzen in den Armen und Beinen auftreten. Manche fühlen sich auch beim Gehen unsicher. Dies kann besonders bei älteren Menschen zum Problem werden, weil sie leichter stürzen.

Was hilft den Nerven?

Gegen die Nervenschäden durch die Chemotherapie gibt es noch kein wirkliches “Rezept” - die Behandlund ist schwierig. Manchmal sind die Nervenschäden mild ausgeprägt oder bessern sich nach dem Ende der Chemotherapie wieder. Bei Nevenschmerzen können Medikamente helfen, beispielsweise Antidepressiva wie Duloxetin, Venlafaxin oder Amitryptilin; Medikamente gegen Epilepsie (Antikonvulsiva), beispielsweise Gabapentin und Pregabalin; Opioide; Pflaster mit Capsaicin (8 %) oder Lidocain (5 %) , Menthol-Creme (1%), evtl. Akupunktur (Wirkung noch nicht ausreichend...

Wenn eine Chemotherapie ansteht löst das bei vielen Patienten und Patientinnen Ängste aus. Denn eine Chemotherapie greift nicht nur den Tumor an, sondern kann auch den kompletten Körper in in Mitleidenschaft ziehen. Doch eine Chemotherapie ist heute viel besser verträglich als früher. Was für Möglichkeiten Ihnen unterstützend zur Verfügung stehen und was zu tun ist, um Langzeitfolgen zu vermeiden, haben wir für Sie zusammengefasst.

Die Haarwurzeln sind schnell teilende Zellen, die durch eine Chemotherapie vorübergehend geschädigt werden können. Nicht jede Chemotherapie verursacht jedoch Haarausfall, und tatsächlich gibt es seit einiger Zeit die so genannte Kühlkappen-Therapie, welche den Haarausfall eindämmen soll. Durch die Kälte wird die Kopfhaut während der Infusion schlechter durchblutet und die Gefäße verengen sich, sodass eine geringere Dosis des Medikaments in die Haarwurzeln gelangen kann. Trotzdem wird das Haar etwas ausgedünnt, der Haarausfall als solcher kann jedoch aufgehalten werden. Die Kosten von 100 Euro pro Anwendung müssen vom Patienten übernommen werden. Risikoreich ist diese Behandlung jedoch, wenn der Patient unter einer Tumorart leidet, die zu Absiedlungen in der Haut neigt.

Aber auch wenn die Haare ausfallen, gibt es Wege und Mittel, sich weiterhin wohl in seiner Haut zu fühlen. Für manche Frauen ist die Glatze kein Problem, andere fühlen sich mit einer Perücke wohler. Ist diese gut gemacht, ist optisch kein Unterschied feststellbar. Die Krankenkasse übernimmt bei Frauen einen Grundbetrag von 400 Euro, Männerperücken werden nicht von jeder Krankenkasse bezahlt.

In der Regel setzt der Haarwuchs zwei bis vier Wochen nach der letzten Chemotherapie-Anwendung wieder ein. Nach sechs Wochen ist oft schon so viel neues Haar vorhanden, dass auf die Perücke verzichtet werden kann.

Ärzte unterscheiden drei Arten von Übelkeit und Erbrechen: Das akute Erbrechen, welches zwei bis vier Stunden nach der Therapie auftritt, das verzögerte Erbrechen, das bis zu 24 Stunden auf sich warten lässt und das antizipatorische Erbrechen. Gegen diese Beschwerden lässt sich allerdings im Voraus einiges unternehmen. Besonders wichtig sind der zeitliche Ablauf und die korrekte Einhaltung des Behandlungsschemas bei der Erstgabe der Chemotherapie. Es werden vorbeugend Medikamente verabreicht, welche die Übelkeit erst gar nicht entstehen lassen. Verbindet der Patient erst einmal Übelkeit und Erbrechen mit der Infusion, schleppt er diese Abwehrhaltung mit zu jeder neuen Chemotherapiesitzung. Sollte dennoch Übelkeit auftreten, können weitere Medikamente gegen die akuten Beschwerden eingenommen werden. So oder so: Der Alptraum, danach wochenlang das Badezimmer nicht verlassen zu können, ist Geschichte!

Müdigkeit und Erschöpfung sind die Nebenwirkungen, die leider kaum einem Chemotherapiepatienten erspart bleiben. Grund dafür ist unter anderem die durch die Chemotherapie verursachte Blutarmut. Körperliche Aktivität kann hier helfen: Patienten, die sich trotz der Krankheit bewegen, fühlen sich während der Therapie kraftvoller und minimieren die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Das ist mittlerweile durch Studien belegt, wie Prof. Tanja Fehm im Interview vom SABCS 2018 ausführt. Auch das Abdriften der Erschöpfung in die chronische Fatigue kann somit möglicherweise verhindert werden. Wichtig ist allerdings, die Balance zwischen An- und Überforderung zu finden.

Weiterhin können Schäden an den Nerven der Hände und Füße die Folgen einer Chemotherapie sein. Diese äußern sich durch Veränderungen der Sensibilität, vermindertes Tastempfinden und ein beginnendes Taubheitsgefühl in Händen und Füßen. Häufig kann diese Nebenwirkung bei den Medikamenten Oxaliplatin, Taxol und Taxotere auftreten. In jedem Fall kann der Arzt Klarheit verschaffen, ob die Nervenschäden tatsächlich eine Nebenwirkung der verschriebenen Chemotherapie sind. Durch das Vermeiden von Kälte können die Beschwerden durch Polyneuropathien abgemildert werden. Bei kaltem Wetter empfiehlt es sich, Handschuhe und dicke Socken zu tragen. Experten raten außerdem zu regelmäßigen Bewegungsübungen. Gängig sind Knetübungen mit den Händen und die Füße über Rollen gleiten lassen. Im Test sind außerdem auch Kälteschuhe und -handschuhe, die durch die verminderte Durchblutung eine ähnliche Wirkung wie die oben vorgestellte Kältekappe entfalten.

Durch die Chemotherapie werden leider nicht nur die Krebszellen, sondern auch die gesunden Zellen des Knochenmarks zerstört. Dieses ist neben den lymphatischen Organen für die Blutbildung zuständig. Auch die weißen Blutkörperchen sind für das Abwehrsystem werden dort gebildet und sind maßgeblich für die Immunabwehr verantwortlich. Wenn diese durch die Therapie verringert werden, sollte wegen der Infektgefahr eine besonders sorgfältige Körperpflege betrieben werden. Dazu zählen gründliches Händewaschen nach jedem Stuhlgang, regelmäßige Mundhygiene zum Vorbeugen einer Mundschleimhautentzündung mit einer weichen Zahnbürste und auch regelmäßiges Baden und Duschen. Größere Menschenansammlungen und öffentlich stark frequentierte Orte sollten gemieden werden.

Verständlich ist das Bedürfnis, sich schnellstmöglich des Giftes zu entledigen. Experten warnen jedoch ausdrücklich vor dubiosen Diäten. Diese sind zum Teil sehr einseitig und können daher sogar schaden. Stattdessen wird klassisch empfohlen, viel zu trinken. Zwei bis drei Liter pro Tag helfen dabei, Medikamente auszuscheiden, die Schleimhäute zu schützen und Verstopfungen vorzubeugen. Es sollte gegessen werden, worauf Sie Lust haben - je ausgewogener, umso besser. Nikotin und Alkohol sollten jedoch vermieden werden oder zumindest nur in geringen Maßen aufgenommen werden. Sie stellen weitere Belastungen für den Körper dar, der eh schon einiges zu bewältigen hat.

Rund zwei Drittel aller Krebspatienten leiden unter krankheitsbedingten Schlafstörungen. Tagsüber fühlen sie sich dann erschöpft, können sich nicht konzentrieren und sind ständig müde. Tritt eine anhaltende Erschöpfung im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung auf, wird sie als Tumor-assoziierte Fatigue bezeichnet. Typisch für Fatigue sind eine ausgeprägte Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit.

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