Diffuser Haarausfall: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Diffuser Haarausfall ist eine häufige Form des Haarverlusts, bei der das Haar gleichmäßig über die gesamte Kopfhaut hinweg ausdünnt. Betroffene leiden unter einer merklichen Reduzierung der Haardichte, was zu einer sichtbaren Veränderung des Haarvolumens führen kann. Unter diffusem Haarausfall (Alopecia diffusa) versteht man einen Haarverlust, der nicht auf einzelne Kopfhautzonen beschränkt ist. Vielmehr betrifft er die gesamte Haarwuchszone: „diffus“ stammt vom lateinischen diffusum = ausgegossen, verstreut. Der medizinische Fachbegriff für die Erscheinung lautet Alopecia diffusa.

Beim diffusen Haarausfall dünnt das Haar über den gesamten Kopf aus. Bemerkbar macht sich das dadurch, dass täglich mehr als 100 Haare ausfallen. Anzeichen dafür ist, dass täglich mehr als 100 Haare ausgehen. Von diffusem Haarausfall spricht man, wenn sich das Haar auf dem Kopf insgesamt ausdünnt und die Kopfhaut stärker durchschimmert als üblich. Mitunter macht sich der Haarausfall an den Schläfen, am Vorderkopf und im Scheitelbereich verstärkt bemerkbar.

Anders als beim anlagebedingten oder kreisrunden Haarausfall, bilden sich beim diffusen Haarausfall üblicherweise keine kahlen Stellen. Es passiert auch nicht, dass die Haare komplett ausfallen. Die gute Nachricht: Diffuser Haarausfall ist oft reversibel, wenn die Ursachen erkannt und behandelt werden.

Ursachen von diffusem Haarausfall

Diffuser Haarausfall kann viele verschiedene Ursachen haben. Meist gibt es ein auslösendes Ereignis. Die Ursachen für den Haarausfall sind sehr verschieden. Bei einem Teil der betroffenen Menschen ist die Ursache unklar.

So können beispielsweise hormonelle Schwankungen, wie sie etwa in der Schwangerschaft, nach der Geburt, in den Wechseljahren oder bei einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten, diffusen Haarausfall auslösen. Ein weiterer wichtiger Faktor für diffusen Haarausfall ist psychischer oder physischer Stress. Er kann die Haarwachstumsphasen negative beeinflussen, was wiederum in verstärktem Haarverlust resultiert.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Akute Stress-Situationen: Dazu zählen schwere Operationen, Verletzungen oder psychische Belastungen.
  • Geburt: Während bei vielen Schwangeren die Haare vermehrt wachsen und dichter werden, passiert nach der Geburt das Gegenteil: Die Haare fallen stärker aus als üblich.
  • Wechseljahre: In den Wechseljahren nimmt die Menge am weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ab. Dies kann sich durch Haarausfall bemerkbar machen.
  • Empfängnisverhütung mit Hormonen: Frauen, die mit der Anti-Baby-Pille verhüten und die Einnahme beenden, beobachten manchmal einen verstärkten Haarausfall.
  • Infektiöse und entzündliche Erkrankungen der Kopfhaut: Sie können Ursache für diffusen Haarausfall sein. Dazu zählen zum Beispiel Kopfpilz (Tinea capitis), bakterielle Infektionen der Kopfhaut wie eine Haarbalgentzündung (Follikulitis), das seborrhoische Ekzem oder Schuppenflechte (Psoriasis).
  • Erkrankungen des Hormonsystems: Dazu gehören zum Beispiel die Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann es neben vielen anderen Symptomen wie trockener Haut zu stumpfem, brüchigem Haar oder Haarausfall kommen. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann sich zusätzlich zu Symptomen wie warm-feuchter Haut mit weichem, dünnem Haar und diffusem Haarverlust zeigen.
  • Fieberhafte Infektionskrankheiten: Durch Viren verursachte Erkrankungen wie Grippe oder Covid-19 können mit Haarausfall einhergehen.
  • Chronische Erkrankungen: Zum Beispiel der Leber oder des blutbildenden Systems.
  • Einnahme von Medikamenten: Haarausfall kann als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten. Dazu gehören zum Beispiel Blutverdünner, Cholesterinsenker oder bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck. Bei einem Verdacht sollte man die Medikamente niemals selbstständig absetzen, sondern immer mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen, ob es eine Alternative gibt.
  • Nährstoffmangel: Ein Mangel an Nährstoffen kann Haarausfall auslösen. Mögliche Gründe sind zum Beispiel eine schnelle Gewichtsabnahme, einseitige Ernährung, Diät, Essstörung, ein Eisen- oder Zinkmangel.

Haarausfall tritt auch als Nebenwirkung einer Chemotherapie oder Bestrahlung auf. Solche Behandlungen schädigen gesundes Gewebe, das schnell wächst und sich erneuern kann - wie die Haare. In der Folge der Therapie verkümmern die wachsenden Haare und fallen ein bis vier Wochen später aus. Das passiert meist sehr rasch und großflächig. In der Regel betrifft es neben dem Kopfhaar auch Augenbrauen, Wimpern und Schambehaarung.

Vergiftungen, zum Beispiel mit Schwermetallen wie Thallium oder Kadmium, können ebenfalls zu einem raschen Ausfall der Haare führen.

Medikamente, die Haarausfall auslösen können:

  • Antibiotika
  • Heparin ("Blutverdünner")
  • ACE-Hemmer und Betablocker (u. a. gegen hohen Blutdruck)
  • Lipidsenker (Arzneimittel, die die Blutfette senken)
  • Retinoide (Vitamin-A-Abkömmlinge wie der Wirkstoff Acitretin)
  • Schilddrüsenmedikamente (sog. Thyreostatika)
  • Schmerzmittel (Analgetika)

Einige Dermatologen konnten in der Vergangenheit einen Zusammenhang zwischen diffusem Haarausfall und der Jahreszeit erkennen. Manche Frauen verlieren demnach im Herbst oder im Frühjahr mehr Haare, als im Rest des Jahres.

Diagnose von diffusem Haarausfall

Die besten Tipps gegen Haarausfall | Dr. Johannes Wimmer

Um die Ursache des diffusen Haarausfalls zu bestimmen, sind verschiedene Diagnosemethoden hilfreich. Um diffusen Haarausfall festzustellen, sind ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung wichtig.

Bei Menschen, die natürlicherweise fülliges Haar haben, ist ein diffuser Haarausfall häufig nicht zu erkennen. Es kann daher hilfreich sein, zum Besuch bei der Ärztin oder dem Arzt Vorher-Nachher-Fotos mitzunehmen.

Ärztliches Gespräch

Im Gespräch wird die Ärztin oder der Arzt verschiedene Fragen zur Lebenssituation, Ernährungsgewohnheiten und zur Krankengeschichte stellen. Dabei geht es zum Beispiel darum herauszufinden, ob man:

  • zuletzt akut krank war und Fieber hatte
  • eine chronische Erkrankung hat, beispielsweise der Haut oder der Leber
  • regelmäßig Medikamente einnimmt
  • seine Ernährung umgestellt hat oder eine Diät macht
  • emotionalem Stress ausgesetzt ist oder war
  • mit hormonellen Präparaten wie der Anti-Baby-Pille verhütet und diese abgesetzt hat
  • vor einigen Wochen ein Kind geboren hat

Körperliche Untersuchung und Blut-Tests

Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Haare, die Kopfhaut und die Nägel. Außerdem prüft sie oder er eventuell mit einem Zupftest, ob es sich um einen aktiven Haarausfall handelt. Zusätzlich lässt sich mit einem Trichogramm bestimmen, wie viele Haare sich im Ausfall-Stadium befinden.

Besteht der Verdacht, dass ein Mangel an Mineralstoffen wie Eisen oder eine Schilddrüsen-Erkrankung den Haarausfall ausgelöst hat, helfen Blutuntersuchungen weiter.

Möchte der Arzt oder die Ärztin den Haarausfall von anderen Formen abgrenzen, kann eine Untersuchung mit dem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) sinnvoll sein.

Ist trotz eines ausführlichen Gesprächs und einer genauen Untersuchung der Kopfhaut die Diagnose unklar, kann die Entnahme von Gewebe (Biopsie) manchmal weiterhelfen.

Weitere Diagnosemethoden:

  • Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über eventuelle Nährstoffmängel, Hormonstörungen oder Erkrankungen geben.
  • Trichogramm: Mit dieser Methode lässt sich der Zustand der Haarwurzeln beurteilen, indem eine bestimmte Anzahl Haare analysiert wird.
  • Dermatoskopie: Durch eine Untersuchung der Kopfhaut mit einem speziellen Mikroskop lassen sich Anzeichen für eine Entzündung oder andere Auffälligkeiten erkennen.
  • Anamnese: Ein ausführliches Gespräch über Lebensstil, Ernährung und mögliche Stressfaktoren ist essenziell, um die Ursache des Haarausfalls einzugrenzen.

Behandlung von diffusem Haarausfall

Um diffusen Haarausfall behandeln zu können, ist es wichtig, den Auslöser zu finden und zu beseitigen. Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich immer nach der jeweiligen Ursache.

Findet man den Auslöser für den diffusen Haarausfall und kann ihn beheben, wachsen die Haare innerhalb eines halben bis ganzen Jahres nach. Für gewöhnlich beginnt der Haarausfall zwei bis drei Monate nach dem auslösenden Ereignis. Bis die Haare wieder sichtbar nachgewachsen sind, dauert es zwischen sechs bis zwölf Monaten. Manchmal kann es passieren, dass der Haarausfall vier bis sechs Monate oder länger anhält.

  • Liegt eine Erkrankung vor, muss diese entsprechend behandelt werden.
  • Ist die Einnahme von Medikamenten der Auslöser, kann der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin eventuell ein anderes Präparat verschreiben. Wichtig ist, die Medikamente nicht eigenmächtig abzusetzen.
  • Wenn der Haarausfall durch eine Diät entstanden ist, ist es sinnvoll, die Diät zu beenden und auf eine ausgewogene Ernährung umzustellen.
  • Besteht ein anhaltender Mangel an Nähr- oder Mineralstoffen, kann die Ärztin oder der Arzt diesen feststellen und gegebenenfalls ein geeignetes Präparat verschreiben.

Weitere gängige Maßnahmen sind:

  • Anpassung der Ernährung: Bei Nährstoffmangel können Nahrungsergänzungsmittel oder eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung helfen.
  • Hormonelle Therapie: Bei hormonellen Störungen kann eine gezielte Therapie, etwa mit Schilddrüsenhormonen oder Antiandrogenen, sinnvoll sein.
  • Stressbewältigung: Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder progressive Muskelentspannung können helfen, stressbedingten Haarausfall zu reduzieren.
  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen können Haarwuchsmittel wie Minoxidil oder spezielle Shampoos den Haarausfall stoppen.
  • Haarwachstumsstimulation: Spezielle Behandlungen wie PRP (Platelet-Rich Plasma) oder Mesotherapie können das Haarwachstum anregen.

Manche Ärztinnen und Ärzte verschreiben Minoxidil-Präparate zum Auftragen auf die Haut oder zum Einnehmen. Dieser Wirkstoff kommt vornehmlich beim anlagebedingten Haarausfall zum Einsatz. Ob er auch bei diffusem Haarausfall hilft, ist nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Eigenhaar zu verpflanzen, ist bei Menschen mit diffusem Haarausfall keine geeignete Maßnahme.

Unterstützende Maßnahmen

Wenn die Ursache des diffusen Haarausfalls behoben wurde, setzt nach einiger Zeit das Haarwachstum wieder ein. Als unterstützende Maßnahme, um das Haar wieder gesund und voll werden zu lassen, können bio-regenerative Methoden dienen. Besonders infrage kommen diese Therapieformen, wenn keine Ursache für den Haarausfall gefunden werden kann und daher eine spezifische Behandlung nicht möglich ist.

Auch bei anderen Patienten können bio-regenerative Methoden frühzeitig eingesetzt werden, um nicht unnötig viele Haare zu verlieren. In der Regel kann das Fortschreiten des Haarverlusts nach ein bis zwei Behandlungen gestoppt werden.

  • PRP-Therapie (PRP= Platelet Rich Plasma): Es handelt sich um eine Eigenbluttherapie. Dem Patienten wird Blut entnommen und speziell aufbereitet. Dadurch entsteht konzentriertes Blutplasma, das reich an Zytokinen, Mikronährstoffen und Wachstumsfaktoren ist. Daneben enthält es viele Blutplättchen, die wertvolle Proteine für das Zellwachstum und die Zellregeneration enthalten. Das aufbereitete Blut wird dem Patienten in die Kopfhaut injiziert. Dort stimuliert es die Haarwurzel, sodass diese wieder aktiviert wird und das Wachstum neuer Haare beginnen kann. Auch die Neubildung von Gefäßen in der Kopfhaut wird gefördert.
  • Eine weitere Möglichkeit, die Durchblutung der Kopfhaut zu verbessern und das Haarwachstum zu stimulieren, ist die Low-Level-Laser-Therapie.
  • Ergänzend kann eine Stammzellen-Therapie wirken. Dabei wird dem Patienten Unterhautfettgewebe entnommen und aufbereitet, um es dann in die Kopfhaut zu spritzen.
  • Eine Methode aus der Alternativmedizin ist die Meso-Therapie. Je nach Indikation werden verschiedene Medikamente, Vitamine, Spurenelemente, homöopathische Mittel oder Hyaluronsäure in die Kopfhaut injiziert, um dort die Selbstheilungskräfte anzuregen.

Was kann ich tun, wenn mich der Haarausfall belastet?

Wer sich mit Haarverlust unwohl fühlt, kann ihn auf verschiedene Weise verbergen (kaschieren). Belastet der Haarausfall sehr stark, ist es sinnvoll, sich zusätzlich an eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten zu wenden.

Manche Menschen mit Haarausfall entscheiden sich dafür, ein Kopftuch, eine Mütze oder einen Hut zu tragen. Andere fühlen sich wohler damit, den Haarausfall mit einem Haarteil oder einer Perücke zu kaschieren. In manchen Fällen - etwa bei Haarausfall aufgrund einer Chemotherapie - trägt die Krankenkasse die Kosten für den Haarersatz.

Manchmal lässt sich diffuser Haarausfall durch Hairstyling kaschieren.

Vorbeugende Maßnahmen

Sie selbst können mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zu einer guten Nährstoffversorgung beitragen. Giftstoffe wie Nikotin oder Alkohol sind dem Haarwachstum nicht zuträglich. Achten Sie auf die richtige Haarpflege mit milden Shampoos, wenig Hitzeeinwirkung, seltenes Färben und gönnen Sie sich hin und wieder eine Kopfhautmassage.

Tipps und Tricks, wie Frauen dünne Haare pflegen und kaschieren können:

  • Beim Fönen - und auch bei starker Sonneneinstrahlung - ein Hitzeschutzspray auftragen.
  • Für mehr Volumen Haarspray und Styling-Schaum für den Haaransatz verwenden.

Wenden Sie sich frühzeitig an unsere Spezialisten für Haarausfall, wenn sie einen verstärkten Haarausfall bemerken.

Heilbarkeit von diffusem Haarausfall

Ob diffuser Haarausfall heilbar ist, hängt von der Ursache ab. In den meisten Fällen ist diffuser Haarausfall jedoch reversibel, wenn die zugrundeliegenden Probleme behoben werden. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie sind entscheidend, um den Haarausfall zu stoppen und das Haarwachstum wieder anzuregen.

Da die Haarwurzeln oft nicht vollständig zerstört sind, sondern sich nur in einem Ruhemodus befinden, ist der Haarverlust in vielen Fällen wieder vollständig reversibel.

Insbesondere für Patienten, bei denen keine Ursachen gefunden werden können oder die trotz Behandlung weiterhin unter Haarverlust oder reduzierter Haarqualität leiden, ist die Behandlung in einem Haarzentrum wichtig. Sollten auch dann noch kahle Stellen verbleiben oder einzelne Regionen, zum Beispiel am Scheitel, stark ausgedünnt sein, kann eine Haartransplantation helfen. Sie kommt dann infrage, wenn alle bio-regenerativen Methoden ausgeschöpft sind. Der Grund des Haarverlusts sollte zuerst behoben werden, sonst droht auch ein Ausfall der transplantierten Haare.

Eine der modernsten Methoden der Haartransplantation ist die I-FUE-Methode (Intermittend Follicular Unit Extraction). Dabei werden einzelne Follikuläre Einheiten aus Stellen gesunden Haarwachstums entnommen und nach nur kurzer Verweilzeit außerhalb des Körpers an eine kahle Stelle transplantiert. Durch die schonende minimal-invasive Technik entstehen nur mikroskopische Narben und die Chancen für hohe Anwuchsraten sind gut.

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