Die Geschichte der Berufsjägerei reicht weit zurück und ist eng mit der Entwicklung der Jagd und der Forstwirtschaft verbunden. Dieser Artikel beleuchtet die Anfänge, die Blütezeit, den Niedergang und den Neubeginn der Berufsjägerei, insbesondere im deutschsprachigen Raum.
Jagdschloss Stern
Die Geschichte des Berufsjägertums beginnt mit einem Konflikt um die Nutzung von Wäldern. In merowingischer und salischer Zeit (ab dem 8. Jahrhundert) entstanden sogenannte Inforestationen, Waldgebiete, in denen sich der Herrscher alle Nutzungsrechte vorbehielt. Unter den ausschließlichen Nutzungen im Bannforst war die Jagd die wichtigste.
Die Entstehung und wachsende Bedeutung des Berufsjägertums waren eine Folge der sich immer stärker durchsetzenden Herrenjagd, welche die Volksjagd mehr und mehr verdrängte. Der feudale Jagdbetrieb erforderte jagdlich spezialisierte Hilfskräfte in unterschiedlichen Dienststellungen. So entstand das Berufsjägerkorps.
Der Berufsjäger betrachtete sich von Anfang an als zur Elite gehörig und benahm sich öfter dementsprechend. Deshalb war er bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Volk häufig unbeliebt, da er bei Gemeinschaftsjagden als Aufsichtsbeamter wirkte und hohe Wildbestände heranzog, die Saat und Ernte gefährdeten.
Die Berufsjäger waren bestrebt, niemanden in ihren Kreis eintreten zu lassen, der nicht dieselbe Ausbildung genossen hatte. Da es anfänglich keinen Lehrbrief gab, suchte man nach einem Zeugnis, welches als Ausweis dienen konnte: die Weidsprüche. Die Anfänge der deutschen Weidsprüche lassen sich bis in die Zeit um 1400 zurückverfolgen. Sie bestanden in der Regel aus einem Frage- und Antwortspiel. War die Antwort richtig, wusste der Fragende, dass er es mit einem Berufsjäger zu tun hatte.
Dasselbe gilt für die Anfänge der Jägersprache. Eine Fachsprache braucht jeder Experte, um sich korrekt auszudrücken. Die jagdliche Standessprache ist die Erfindung der Berufsjäger. Die Standessprache der Jäger und die Jägersprüche haben also gleiches Herkommen: Das Berufsjägerkorps wollte sich untereinander ausweisen und von denen abheben, die jagdlich nicht geschult waren.
Die Berufsjäger haben sich ein Denkmal gesetzt, indem sie den Wortschatz der Deutschen kräftig bereichert haben. Und ein weiteres Denkmal setzten sie sich beim Fachschrifttum. Zur europäischen Jagdliteratur hat Deutschland einen bedeutenden Beitrag geleistet. Im Unterschied zu Frankreich waren ihre Verfasser in der Mehrzahl Berufsjäger in höheren oder mittleren Dienststellungen.
Zu nennen ist an erster Stelle das vielleicht bedeutendste Jagdbuch, welches in deutscher Sprache geschrieben wurde, nämlich das 1626 vollendete „Puech von allerlai Jägerei und Waidmannschafften“ des in Salzburg und Kärnten beheimateten Oberstjägermeisters Martin Strasser v. Kollnitz. Und: Der zeitweise kursächsiche, später dänische Berufsjäger und Unternehmer Johann Täntzer legte 1682 den ersten Band seiner dreiteiligen Monographie „Der Dianen hohe und niedere Jagdgeheimnüß“ vor.
Das 17. und 18. Jahrhundert bildeten zweifellos die Blütezeit der Berufsjägerei. Sie war an den Zentren der damaligen Macht, sie stand in höchstem Ansehen bei Hof, sie bedeutete exzellentes und unersetzliches Fachwissen. Die Stellung eines Berufsjägers war anders als heute. Im 18. Jahrhundert, genau im Jahre 1731, nahm beispielsweise der kursächsische Oberhofjägermeister unter den insgesamt elf Oberhofchargen die vierte (!) Stelle ein.
Die Lehre dauerte drei Jahre. Der bedeutende barocke, deutsche Jagdschriftsteller Heinrich Wilhelm Döbel schrieb dazu 1747: „Im ersten Jahre muß der Junge pur nur mit der Flinte gehen, daß er sich darinne exercire; alsdenn bekommt er die Kugel-Büchse in die Hände." Freigesprochen sowie wehrhaft gemacht und damit in den Stand der Berufsjäger aufgenommen, wurde der Lehrling, indem er zunächst einen leichten Backenstreich seines Lehrprinzen erhielt.
Der Berufsjäger des 18. Jahrhunderts war mustergültig ausgebildet: Er war firm im Ansprechen des Rotwildes, kannte das Verhalten des Schwarzwildes aus dem FF, war überhaupt über die sogenannte Naturkunde, also die Lebensweise des Haar- und Federwildes, bestens unterrichtet. Er verstand es, den Leithund, aber auch andere Vierläufer, auszubilden, artgerecht zu halten und praxistauglich zu arbeiten.
Der Leiter der Forst- und Landwirtschaftsakademie zu Dreißigacker, Dr. Johann Matthäus Bechstein schreibt dazu 1820: „Wenn der Bauernstand … hauptsächlich die körperlichen und der Gelehrtenstand … hauptsächlich die geistigen Kräfte des Menschen in Anspruch nimmt, so muß in dem Jäger beydes in einem vorzüglichen Grade vereinigt seyn …“ Körperlich betrachtet, soll der Berufsjäger „gesund und fehlerfrey seyn, einen proportionirten Körperbau, vorzüglich einen untersetzten Wuchs, eine breite Brust, einen guten Athem und Gewandheit der Glieder haben“ , zudem über gutes Sehvermögen und einen ebensolches Gehör verfügen, gut riechen können sowie einwandfreie Zähne besitzen.
An weiteren „geistigen” Eigenschaften soll er mitbringen: Lesen, Schreiben und Rechnen können, aufgeschlossen sein und ein gutes Gedächtnis besitzen. Bemerkenswert und zeitlos sind Bechsteins Ausführungen zum Thema Missgunst: „Der Neid verträgt sich am allerwenigsten mit den Jägerpflichten.
Zugleich bahnte sich eine neue und andere Zeit an. Europa stand im 18. Jahrhundert vor einer Energiekrise. Denn eine sich immer stärker technisch orientierende Wirtschaft bedurfte der Energie. Als Rohstoff stand im Großen und Ganzen nichts Anderes als Holz zur Verfügung: Jeder Eisenhammer, jede Glashütte, jede Ziegelei, jede keramische Werkstatt, jeder Backofen und jede Heizung wurde mit Holz und nichts anderem als mit Holz betrieben. Der Holzbedarf stieg ins Unermessliche.
Deutschland drohte ein wirtschaftlicher Zusammenbruch, weil die Zuwachsraten im Waldbau weit hinter der jährlichen Nutzung zurückstanden. Es gab keine erfahrenen Förster. So entschloss man sich, die Berufsjäger zusätzlich mit forstlichen Aufgaben zu betrauen. Aus dem hirschgerechten Jäger, der das Sinnbild des deutschen Berufsjägers im 17./18. Jahrhundert war und den Meister der Leithundarbeit verkörperte, wurde der holzgerechte Jäger, der nicht nur auf das Wild, sondern auch auf den Wald schauen sollte.
Der Niedergang des Berufsjägertums begann zunächst mit dem nunmehrigen Primat der Forstwirtschaft. Die jagdlichen Aufgaben der Berufsjäger bestanden im Wesentlichen noch darin, die Residenzküche mit Wildbret zu beliefern und überschüssiges Wildfleisch zu veräußern. Zusätzlich zur Forstwirtschaft trug die Aufklärung zum Niedergang der Berufsjägerei bei: „Aufgeklärte” Landesherren waren verstärkt bemüht, das Wohl der Landbevölkerung in den Fokus zu rücken, also etwa auf völlig überhöhte Wildbestände zu verzichten bzw.
Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1919, wurde der „Verein Westdeutscher Berufsjäger” gegründet, der später in „Verein Deutscher Berufsjäger” und schließlich in „Bundesverband Deutscher Berufsjäger“ umbenannt wurde. Dies geschah in einer Zeit, in der die bis dato bestehende Gesellschaftsordnung aus den Fugen geraten war. Die Monarchie hatte ausgedient. Deutschland lag schon wegen der zu leistenden Reparationen wirtschaftlich am Boden.
Entscheidend für die Zukunft der Berufsjäger waren Berufsjägerprüfungen, die von einer öffentlich-rechtlichen Instanz durchgeführt wurden. Dies gelang zuerst in Preußen. Dort beschloss die Hauptlandwirtschaftskammer im Februar 1926, eine Hauptstelle für Berufsjägerprüfungen einzurichten. Schließlich wurde vom 17. bis 19. Oktober 1927 die erste amtliche, allerdings regionale Berufsjägerprüfung abgehalten.
Heute ist der Bundesverband Deutscher Berufsjäger (BDB) die Interessenvertretung der Berufsjäger in Deutschland und setzt sich für die Belange des Berufsstandes ein.
Die Jägersprache ist eine Fachsprache, die im Bereich der Jagd verwendet wird. Hier sind einige Begriffe und ihre Definitionen:
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Abbalgen | Abziehen der Haut bei Niederwild (außer Rehwild), einschließlich allem Federwild. |
| Abnicken | Wild durch Stich ins Genick töten. |
| Abschärfen | Abziehen der Schwarte beim Dachs bzw. der Decke beim Bären. |
| Ansprechen | Wild nach Art, Geschlecht, Alter und Zustand identifizieren. |
| Weidmannssprache | Die Fachsprache im Bereich der Jagd und unter Jägern. |
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