Die Frisur eines Soldaten ist mehr als nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Sie ist ein Ausdruck von Disziplin, militärischer Tradition und kann sogar ein Spiegelbild gesellschaftlicher Veränderungen sein. Dieser Artikel beleuchtet die Frisuren deutscher Soldaten, insbesondere während des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit, und untersucht deren Bedeutung im Kontext von Disziplin, militärischer Tradition und gesellschaftlichem Wandel.
Unter der Haube: Ein Bundeswehrsoldat im Januar 1972 mit dem damals für langhaarige Soldaten obligatorischen Haarnetz.
Ein typischer Haarschnitt, der oft mit der Wehrmacht in Verbindung gebracht wird, ist der sogenannte "Stahlhelm-Haarschnitt". Dieser Haarschnitt war jedoch keineswegs exklusiv für die Wehrmacht, sondern vielmehr ein weitverbreiteter Standard für Jungen und Männer in den ersten 60 Jahren des 20. Jahrhunderts.
Der Ursprung dieses Haarschnitts liegt in der Einführung der Stahlhelme Ende des Ersten Weltkriegs. Da das Futter dieser Helme hauptsächlich aus einem umlaufenden Stahlgurt und einer aufgespannten Lederdecke bestand, war es notwendig, dass der Helm im Bereich des Gurtes einen vernünftigen Kontakt zum Kopf hatte. Lange Haare störten dabei. So entstand der "Stahlhelm-Haarschnitt", bei dem das Haar umlaufend vom Nacken bis zu den Ohren kurz (1/10 cm) geschnitten wurde, während der Rest eine klassische Fasson bildete.
In der Nachkriegszeit, insbesondere in den 1960er Jahren, veränderte sich die gesellschaftliche Einstellung zu Haarmoden. Längeres Männerhaar etablierte sich als Zeichen der Abgrenzung von der konformen Restgesellschaft. Als die Beatles in Deutschland populär wurden, kam auch das Markenzeichen der Fab Four, der Pilzkopf, in Mode. Mit Elvis Presley und den pilzköpfigen Beatles kamen längere Haare auch bei den Männern in Mode.
Diese Entwicklung machte auch vor der Bundeswehr nicht Halt. Am 8. Februar 1971 setzte der damalige Verteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) einen Erlass in Kraft, der es den Wehrpflichtigen erlaubte, lange Haare und Bärte zu tragen. Dieser sogenannte Haarerlass trug dem Zeitgeist Rechnung, indem er feststellte: „Die Bundeswehr kann in ihrem Erscheinungsbild die Entwicklung des allgemeinen Geschmacks nicht unberücksichtigt lassen.“
Allerdings gab es eine Einschränkung: „Haare und Bart müssen sauber und gepflegt sein. Soldaten, deren Funktionsfähigkeit und Sicherheit durch ihre Haartracht beeinträchtigt wird, haben im Dienst ein Haarnetz zu tragen.“ Um die "innere Haarführung" zu gewährleisten, schaffte die Bundeswehr rund 750.000 Haarnetze an, die 1971 und im Jahr darauf etwa 360.000 D-Mark kosteten.
Soldat mit Zwiebelsack: Der sogenannte Haarerlass von 1971 erlaubte den Soldaten das Tragen langer Haare.
Die Liberalisierung des Erscheinungsbildes der Bundeswehr stieß jedoch nicht nur auf Zustimmung. Führung und Bevölkerung waren verunsichert. Die konservative militärische Führung und weite Teile der Bevölkerung sahen in der neuen Regelung eine Vernachlässigung der Disziplin und eine Beeinträchtigung des Abschreckungswertes der Truppe.
Die Süddeutsche Zeitung zitierte damals eine besorgte Mutter: „Unser Holger war immer fleißig und ordentlich. Nun muss er zur Bundeswehr. Ich habe so Angst, dass er da verlottert.“ Spott erntete die Bundeswehr auch unter den Nato-Verbündeten. Unter der Hand hieß es bald „German Hair Force“ - das Ansehen der Armee im Ausland litt.
Aufgrund der Kontroversen und der im Truppenalltag auftretenden Probleme nahm Helmut Schmidt den Erlass im Mai 1972 wieder zurück. Von da an galt der bis heute bestehende Haar- und Barterlass mit den Vorgaben: Die Haare von Soldaten müssen kurz geschnitten sein. Ohren und Augen dürfen nicht bedeckt werden. Das Haar ist so zu tragen, dass bei aufrechter Kopfhaltung Uniform- und Hemdkragen nicht berührt werden.
Für weibliche Soldaten gilt: Die Haartracht von Soldatinnen darf die Augen nicht bedecken. Haare, die bei aufrechter Körper- und Kopfhaltung die Schulter berühren würden, sind am Hinterkopf komplett gezopft auf dem Rücken oder gesteckt zu tragen. Dabei sind Form und Farbe der Haarspangen/Bänder dezent zu halten.
Das Experiment einer Liberalisierung des Erscheinungsbildes der Bundeswehr war gescheitert.
Die Frisur eines Soldaten kann auch als Ausdruck von Protest und Provokation dienen. Ein Beispiel dafür ist der Fall des Fallschirmjägers Guy Whidden, der sich 1944, kurz vor dem D-Day, einen Irokesen schneiden ließ, um die Nazis in den Kämpfen zu erschrecken. Obwohl die Frisur in der Nacht vor dem D-Day verboten wurde, zeigt dieser Vorfall, wie Haarmode als Mittel eingesetzt werden kann, um eine bestimmte Botschaft zu vermitteln.
Einst wollte er die Deutschen im Zweiten Weltkrieg mit seiner Frisur erschrecken - 76 Jahre später lässt sich Fallschirmjäger Guy Whidden (96) einen Irokesen schneiden, um Menschen in der Corona-Krise aufzumuntern.
Auch in der rechtsextremen Szene spielt Haarmode eine Rolle. Während rechtsextreme Akteure früher oft mit Bomberjacken, schwarzen Stiefeln und kahlrasierten Schädeln auftraten, hat sich ihr Erscheinungsbild im Laufe der Zeit gewandelt. Moderne Rechtsextremisten kleiden sich heute oft dezenter und unauffälliger.
Es gibt verschiedene Gruppierungen innerhalb der rechtsextremen Szene, die unterschiedliche Stile pflegen: "Die Scheitel", deren Habitus sich am "Dritten Reich" orientiert und Adolf Hitler als Vorbild für Frisur und Kleidung nehmen; "Die Glatzen", die den Stil der britischen Skinhead-Subkultur pflegen; und die "Autonomen Nationalisten", die die Kleidung der Skater-, Hardcore- oder Hip-Hop-Szene tragen.
Rechtsextreme Akteure nutzen bestimmte Modemarken bewusst, um ihre Gesinnung zu zeigen. Bekleidungsmarken wie "Lonsdale", "Fred Perry", "Alpha Industries" und "Helly Hansen" wurden von Rechtsextremen instrumentalisiert, obwohl diese Marken selbst keine direkten Bindungen an die rechtsextreme Szene haben.
Es gibt aber auch Bekleidungsmarken, die speziell für rechtsextreme Zielgruppen entworfen wurden, wie "Consdaple", "Thor Steinar", "Erik & Sons" und "Ansgar Aryan". Diese Marken dienen als Erkennungsmerkmal von Rechtsextremisten und werden oft mit Symbolen und Motiven aus dem Nationalsozialismus, der Wikinger-Ästhetik oder der Hardcore-Szene versehen.
Die Frisur und die Kleidung eines Menschen können also viel über seine Gesinnung und seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe aussagen. Im militärischen Kontext ist die Frisur ein Ausdruck von Disziplin und Tradition, während sie in anderen Kontexten als Mittel des Protests, der Provokation oder der Selbstdarstellung dienen kann.
| Epoche | Haarmode | Bedeutung |
|---|---|---|
| Preußen um 1880 | Gebügelt, gescheitelt, gestriegelt | Disziplin, Ordnung |
| Zweiter Weltkrieg | Stahlhelm-Haarschnitt | Funktionalität, militärische Notwendigkeit |
| Bundeswehr 1971 | Lange Haare, Haarnetz | Liberalisierung, Zeitgeist |
| Bundeswehr heute | Kurze Haare | Disziplin, militärische Tradition |
| Rechtsextremismus | Verschiedene Stile (Scheitel, Glatze, etc.) | Gesinnung, Zugehörigkeit |
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