Dagmar Manzel: Vom "Tatort"-Star zur vielseitigen Künstlerin

Dagmar Manzel zählt zu den beliebtesten "Tatort"-Schauspielerinnen überhaupt - doch jetzt macht sie Schluss mit ihrer Rolle als Franken-Kommissarin Paula Ringelhahn. Grund genug, die Schauspielerin etwas genauer unter die Lupe zu nehmen!

Wie wurde Dagmar Manzel berühmt?

Dagmar Manzel wurde am 1. September 1958 in Ost-Berlin geboren und absolvierte direkt nach ihrem Abitur eine Ausbildung an der Schauspielschule Berlin. Schon während ihres Studiums spielte sie in verschiedenen Theaterproduktionen mit, 1980 erhielt sie dann ein Engagement am Staatstheater Dresden, von 1983 bis 2001 war sie ein festes Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin.

Doch damit nicht genug: Seit den 80er-Jahren ist Dagmar Manzel auch regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen. Sie spielte zum Beispiel in Filmen wie "Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon", "Kati - Eine Kür, die bleibt" oder "Unterleuten - Das zerrissene Dorf" mit. Auch wirkte sie 1991 an der Seite von Veronica Ferres in dem Kultfilm "Schtonk" mit.

Dagmar Manzel aktuell: Das macht sie nach dem "Tatort"-Aus

Ihre wohl bekannteste Rolle im Fernsehen ist oder war jedoch die der Kommissarin Paula Ringelhahn im Nürnberger "Tatort". Im Oktober 2024 wird allerdings die letzte Folge mit Dagmar Manzel zu sehen sein, denn die Schauspielerin möchte sich von nun an anderen Projekten widmen.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur verriet Dagmar Manzel: "Ich gehe mit großer Freude und schönen Erinnerungen im Herzen und mache jetzt Platz für andere Künstler".

Nach zehn Folgen ist Schluss für Dagmar Manzel als Paula Ringelhahn im Nürnberger "Tatort". Seit 2015 ermittelte das Kommissars-Duo Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, 66) und Felix Voss (Fabian Hinrichs, 50) gemeinsam im Franken-"Tatort" aus Nürnberg und Umgebung. Am Sonntag, dem 6. Oktober, lief ab 20:15 Uhr im Ersten der letzte Film "Trotzdem" mit Manzel als Ermittlerin. Die Schauspielerin schied aus eigenem Wunsch aus, ganz ohne großen Knall.

Ringelhahn ging in ihrer letzten Episode schlicht und ergreifend in Rente und starb keinen spektakulären Filmtod - wie so viele ihrer Kolleginnen und Kollegen zuvor. Auch das geschah ganz im Sinne von Manzel.

Bereits im August 2023 wurde die zehnte Folge mit Manzel gedreht und damals gaben die Verantwortlichen auch den Abschied ihrer Figur aus dem "Tatort"-Kosmos bekannt. "Wenn's am schönsten ist, soll man aufhören", erklärte Manzel damals. Es sei eine "wunderbare, beglückende, intensive, zehnjährige Arbeit" mit dem verantwortlichen Bayerischen Rundfunk gewesen. Die Zeit habe sie bereichert und glücklich gemacht.

Paula sei eine spannende und vielschichtige Figur, "und ich bin sehr dankbar, dass ich sie gestalten durfte, und gleichzeitig gibt es noch viele andere Sachen, auf die ich unglaublich viel Bock habe". Dazu gehöre Opern inszenieren, mit den Enkelkindern spielen oder mehrere Wochen am Stück Urlaub machen.

Doch wie geht es jetzt ohne Manzel in Franken weiter? "Im elften 'Tatort' aus Franken, der 2024 gedreht und 2025 ausgestrahlt wird, wird Felix Voss, gespielt von Fabian Hinrichs, ohne Paula ermitteln", erklärte Bettina Ricklefs, BR-Programmbereichsleiterin Spiel-Film-Serie zur Zukunft des Teams in Nürnberg. Hinrichs bleibt demnach dem "Franken"-Tatort erhalten.

Das bestätigte der Schauspieler auch in einem aktuellen Interview mit dem österreichischen "Standard": "Ja, natürlich. Felix Voss ist ja noch jünger als Paula Ringelhahn. Zudem könne er sich zwar prinzipiell vorstellen, in Zukunft auch ohne einen festen Partner oder Partnerin an seiner Seite weiterzumachen, aber: "Wenn jemand allein ermittelt, dann ist es dramaturgisch schwierig. Mit wem sollte er oder sie sich dann über den Fall, über seine Gefühle, seine Gedanken, seine Sehnsüchte, Freuden und Sorgen austauschen?" Der einsame Großstadtmensch brauche seiner Meinung nach ein Gegenüber. Der Zuschauer schaue nicht auf Täter und Opfer, sondern auch auf die Ermittler.

Hat Dagmar Manzel Ehemann und Kinder?

Über das Privatleben von Dagmar Manzel ist hingegen nur wenig bekannt. Was wir jedoch wissen, ist, dass die Schauspielerin zweimal verheiratet war: In erster Ehe lebte sie mit Marcus Kaloff zusammen, der ebenfalls Schauspielerin ist und mit dem sie einen Sohn hat, der Paul heißt und 1993 zur Welt kam. Bis 2016 war sie mit dem Schauspieler, Maler und Lyriker Robert Gallinowski zusammen.

Dagmar Manzel hat auch eine Tochter, Klara, geb. 1983, die heute ebenfalls Schauspielerin ist.

Auswahl von Filmen der Künstlerin:

  • Schtonk!
  • Die Putzfraueninsel (Rolle: Frau Dr. Blaubeerblau (Rolle: Corinna Mühlbauer), 2010

Dagmar Manzel: Eine vielseitige Künstlerin

Dagmar Manzel ist nicht nur eine talentierte Schauspielerin, sondern auch eine vielseitige Künstlerin. Sie ist in Film, Theater und Musiktheater unterwegs.

Wir treffen uns in der Kantine der Komischen Oper, wo Dagmar Manzel gerade in den 1920er-Jahre-Operetten „Ball im Savoy“, „Die Perlen der Cleopatra“ und in „Eine Frau, die weiß, was sie will“ auf der Bühne steht. Sie wirkt ein wenig müde, wie sie da am Kantinentisch sitzt. Und trotz der vielen Gespräche und zwischen all den Interviewterminen und der Anprobe für die nächste Vorstellung ist sie eine sehr aufmerksame Zuhörerin, freundlich und zugewandt.

Obschon ihr vermutlich die Fragen nicht zum ersten Mal gestellt werden, hat sie doch einen Tag vorher die PAULA erhalten. Mit der PAULA werden Künstler(-innen) ausgezeichnet, die sich zuerst in der DDR und später um den gesamtdeutschen Film verdient gemacht haben.

Ist das Thema Ost-West für Dagmar Manzel noch ein Thema - 27 Jahre nach der Wende? Natürlich, sagt sie. Immerhin steht sie seit 1980 auf der Bühne, zuerst in Dresden und dann am Deutschen Theater in Berlin, hat mit Thomas Langhoff, Heiner Müller und Frank Castorf gearbeitet.

Am Deutschen Theater spielen zu dürfen, war so etwas wie der Schauspiel-Olymp der DDR, aber „auch eine Grenze, danach konnte nichts mehr kommen, oder man reiste aus“.

Zehn Jahre Schauspiel in der DDR also, natürlich prägt das. Dagmar Manzel ist Ur-Friedrichshagenerin, ist hier in den Kindergarten und zur Schule gegangen.

Ob Filme, Bücher oder Musik: Als Kind versank sie gerne in ihre eigene Welt in dem Friedrichshagener Elternhaus. Sie war eine ausgesprochene Leseratte. Da wurde beim Lesen dann auch schon mal die Station verpasst, wenn es mit der Straßenbahn nach Hause ging.

„Mir war völlig klar, dass ich später einmal zu den Indianern gehen würde. Ich las auch mit großer Begeisterung den Indianerroman ,Im Land der Salzfelsen‘ von Sat Okh, einem kanadisch-polnischen Autor, über den ich damals nichts wusste. Das war das einzige Mal, dass ich an den Schriftstellerverband der DDR geschrieben habe. Ich bat um einen Kontakt zu Sat Okh, dem ich gern mitteilen wollte, wie wichtig sein Buch für mich sei. Falls er aber schon zu alt sei, sollten sie mir die Adresse von seinem Sohn geben.

Wo ist man zu Hause? Was ist Heimat? Die Suche danach scheint für Dagmar Manzel immer wieder in ihrem Leben ein wichtiger Antrieb zu sein und im Zentrum ihrer Arbeit zu stehen. Gemeint ist nicht nur die Suche nach einem bestimmten Ort, auch in der Kunst, mit der sie sich auseinandersetzt, geht es um Heimat: In den Figuren, die sie darstellt, in den Chansons und Balladen, die sie interpretiert und vorträgt.

Das ist auch ein Grund, warum sie die Lieder von Friedrich Holländer, Werner Richard Heymann oder die Operetten von Oscar Straus, Paul Abraham Jahre so mag und gern singt. In der Musikwelt der 1920er und 30er Jahre fühlt sie sich zu Hause. Heimatlosigkeit sei auch das, was die von ihre dargestellten Frauenfiguren miteinander verbinde: Die Suche der Figuren nach einem Ort oder Raum, in dem sie ihrer Sehnsucht nachgeben können. Die dadurch entstehende Widersprüchlichkeit der Figuren reizt sie besonders - und sich daran abarbeiten zu können, die Kriemhild in Hebbels „Kriemhilds Rache“ zum Beispiel: „Das Faszinierende an dieser Kriemhild ist doch, dass sie nicht von Beginn an dieses Monster ist. Die junge Frau wird vom Schicksal in diese Rolle hineingetrieben. Sie veränderte sich, wurde hart und abweisend. Man spürt, dass sie sich selbst abgetötet hat. Das fand ich einfach großartig!

Auf die Frage, welche der vielen Frauenfiguren für sie am prägendsten war, sie am meisten herausgefordert hat, welche ihr am ähnlichsten sei und welche sie am meisten geliebt hat, antwortet Dagmar Manzel ganz klar: Keine. Es sei immer die, die sie gerade spielt. Sie bezeichnet sich nicht umsonst als Theatertier. Damit ist nicht allein ihre tierische Leidenschaft für das Schauspiel gemeint. Damit ist auch gemeint, dass sie sich die Rollen sorgfältig und akribisch erarbeitet, wenn sie ihrem eigenen Anspruch gerecht werden möchte, solides Handwerk zu liefern.

Insbesondere die Operetten, die von den Schauspielern Gesang, Gestaltung der Figuren und die ein oder andere Tanzszene abverlangen - dafür reicht nicht nur Talent. Und natürlich gehört zum Weiterkommen, sich Ausprobieren und An-sich-arbeiten das Scheitern dazu.

In einem Interview in der Berliner Morgenpost sagte sie bezeichnenderweise: „Starke Frauen gibt es doch nicht! Ich glaube, man wird dadurch stark, dass man Schwächen eingesteht. Dadurch wird man erkennbar. Fatal ist es, beides voneinander zu trennen. Ich hadere ständig. Ich bin selten mit mir zufrieden. Ist Perfektionismus also das, was Dagmar Manzel antreibt? Nicht nur, es sei vor allem Neugier.

Nicht nur, dass Dagmar Manzel in Film, Theater und Musiktheater unterwegs ist. Thomas Langhoff beschreibt treffend ihre Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit in einem persönlichen Brief: „Sicher sind wir ein gut eingetanztes Paar, aber jede Runde ist wieder abenteuerlich und spannend.

Wenn es um ihre Person geht, zitiert sie gerne den rumänischen Philosophen Emil M. Cioran: „In einer Welt ohne Melancholie würden die Nachtigallen anfangen zu rülpsen.“ Geht es doch darum, zwischen all den Gegensätzen eine Balance zu finden: zwischen glamouröser Diva und bodenständiger Berlinerin, zwischen Melancholie und Lebensfreude.

Das ausgleichende Element ist für Dagmar Manzel die Heimat, die sie in ihrem Schauspiel, in ihren Figuren oder vorgetragenen Liedern findet.

tags: #dagmar #manzel #frisuren

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