Haarausfall nach Corona: Ursachen, Behandlung und was Sie wissen müssen

Viele Menschen berichten nach einer überstandenen Corona-Infektion von einem neuen, belastenden Symptom: Haarausfall nach Corona. Dieser tritt oft einige Wochen oder Monate nach der akuten Erkrankung auf und betrifft Frauen wie Männer gleichermaßen. Auch bei Long COVID ist Haarausfall ein häufiges Begleitsymptom. Doch was steckt dahinter? Ist der Haarverlust dauerhaft? Und was kann man gegen Haarausfall nach Corona tun?

Der Haarausfall nach einer Corona-Infektion zählt zu den sogenannten "postinfektiösen" Symptomen und wird medizinisch meist als diffuser Haarausfall oder „telogenes Effluvium“ eingeordnet. Diese Art des Haarausfalls betrifft in den meisten Fällen die gesamte Kopfhaut und nicht nur einzelne Bereiche - es entsteht also kein kreisrunder Haarausfall, wie bei Alopecia Areata, sondern ein flächendeckender Haarschwund. Betroffene berichten davon, beim Bürsten oder Duschen große Mengen an Haaren zu verlieren - teilweise über ca. drei bis sechs Monate.

In den letzten Monaten haben Wissenschaftler mehr Erkenntnisse über mögliche Risikofaktoren sowohl für eine Corona-Erkrankung als auch Kenntnisse über Nebenwirkungen, wie z.B. Haarverlust, gewonnen. Es mangelt jedoch an ausreichenden Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Haarausfall und Corona.

Haarausfall als Folge einer überstandenen Corona-Infektion tritt oft erst dann auf, wenn es sich um einen schweren Krankheitsverlauf, der mit hohem Fieber einhergeht, handelt. Vor allem wenn die Erkrankung ohne hohes Fieber verlief, kann die Ursache eine andere sein. So wichtig es ist, Beschwerden ernst zu nehmen, so wenig ist es notwendig, bei Haarausfall einen Corona-Test durchführen zu lassen.

Mögliche Ursachen für Haarausfall nach Corona

Die genauen Auslöser für den verstärkten Haarausfall nach einer COVID-Erkrankung sind vielfältig:

  • Physischer Stress: Eine akute Virusinfektion wie COVID-19 stellt für den Körper eine enorme Belastung dar.
  • Fieber: Fieber ist eines der Symptome von Corona und wahrscheinlich einer der Hauptgründe für den nachfolgenden Haarausfall. Fieber ist eines der häufigsten Symptome von COVID-19, aber es ist auch einer der Auslöser, die den normalen Lebenszyklus der Haare stören. Dies führt dazu, dass mehr Haare in die Haarausfallphase (Telogenphase) übergehen. Diese Phase dauert 3 bis 4 Monate, was die Zeitspanne zwischen der Infektion und dem Haarausfall nach dem Covid erklärt.
  • Nährstoffmangel: Während und nach der Erkrankung kann es zu einem Mangel an wichtigen Vitaminen und Spurenelementen kommen, z. B. Eisen, Zink oder Vitamin D.
  • Stress: Die emotionale Belastung durch diese beispiellose globale Epidemie und ihre vielfältigen Auswirkungen auf das tägliche Leben erklärt auch den bei vielen Menschen beobachteten Anstieg des Haarausfalls.

Neben gängigen krankheitsbedingten Symptomen während einer Corona-Erkrankung können auch später auftretende Symptome wie Haarausfall die Folge sein. Mangelernährung und schlechte Nährstoffaufnahme während der Erkrankung können den Haarausfall zusätzlich begünstigen.

Haarausfall als Teil von Long COVID-19

Eine weitere Facette der Corona-Erkrankung ist das sogenannte Long COVID-Syndrom, bei dem Menschen nach der Genesung von COVID-19 noch anhaltende Symptome haben. Haarausfall kann ein Teil dieser Symptome sein. Bei einigen Betroffenen tritt der Haarausfall mehrere Monate nach der Infektion auf. Langzeitfolgen von COVID-19 werden derzeit wissenschaftlich untersucht.

Long COVID ist ein Zustand, bei dem die Symptome von COVID-19 bei manchen Menschen über die akute Phase hinaus anhalten und das tägliche Leben beeinträchtigen. Einige häufige Symptome von Long COVID sind Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Husten, Brustschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme. Auch Haarausfall wird als Symptom von Long Covid gemeldet.

Haarausfall nach Corona-Infektion? Das kannst du tun!

Wie lange dauert der Haarausfall nach Corona?

Der Haarausfall nach einer Corona-Infektion beginnt typischerweise 2 bis 3 Monate nach der Genesung und kann mehrere Wochen bis Monate andauern. In der Regel normalisiert sich das Haarwachstum nach etwa 6 Monaten von selbst. In den meisten Fällen handelt es sich also um eine temporäre Störung - die Haare wachsen wieder.

Es ist bekannt, dass plötzlicher Haarausfall, Telogenes Effluvium, 2 bis 3 Monate, nachdem Ihr Körper ein belastendes oder traumatisches Ereignis erlebt hat, auftritt. Der Haarausfall dauert im Durchschnitt 3 bis 6 Monate. Darauf folgt die Ruhephase, nach der sich das Haarwachstum erholt.

Auch bei Long COVID, dem chronischen Verlauf nach einer Corona-Erkrankung, ist Haarausfall ein häufig dokumentiertes Symptom. In einer veröffentlichten Studie berichteten rund 20 % der Long-COVID-Patienten von anhaltendem Haarverlust.

Formen des Haarausfalls bei Corona

Corona führt zu unterschiedlichen Formen des Haarausfalls, häufig treten sie in Kombination auf.

  • Diffuser Haarausfall: Über das gesamte Kopfhaar hinweg fallen die Haare aus.
  • Alopecia Areata (kreisrunder Haarausfall): Diese Haarwurzeln werden von den eigenen Abwehrkräften angegriffen.

Corona löst Autoimmunerkrankungen aus bzw. reaktiviert jene, die in Vergangenheit aufgetreten sind. Corona beschädigt Gefäße, aktuellen Erkenntnissen zufolge greifen Autoantikörper die innere Haut der Gefäße an (Endothel). Woraufhin die Versorgung von Zellen und Organen nicht mehr optimal funktioniert. Durch eine Unterversorgung der Haarfollikel mit Sauerstoff und Nährstoffen werden sie geschädigt und funktionieren nicht mehr richtig bzw. sterben ab. Das zeigt sich im anagenen Effluvium (Haarausfall in der Wachstumsphase der Haare mit unterschiedlichen Haarlängen).

Es wird zwischen der vernarbender und nicht-vernarbender Alopezie unterschieden. Bei der nicht vernarbenden Alopezie sterben die Haarwurzeln in aller Regel nicht ab. Sie gehen in einen Ruhezustand über. Bei der vernarbenden Form der Autoimmunerkrankung werden die Haarfollikel und teilweise auch das umgebende Bindegewebe (bspw. die Haut) zerstört. Dies äußert sich in einem Absterben und Vernarben der Haarwurzeln. Dazu gehört u.a. die Folliculitis Decalvans, dahinter steckt eine Entzündung der Kopfhaut und Haarwurzeln, die die Haarfollikel unwiederbringlich zerstört.

Was können Sie gegen Haarausfall nach Corona tun?

In den meisten Fällen heilt der Haarausfall durch Corona von selbst. Denn je nach Art des Haarausfalls stellen die Haarfollikel “nur” vorübergehend ihre Funktion ein oder werden irreversibel geschädigt, so dass sie keine Haare mehr produzieren werden.

Wenn die Ursache beseitigt ist und/oder Ihr Körper nicht mehr beeinträchtigt wird, haben die Körperfunktionen, wie z. B. das Haarwachstum, eine Chance, sich zu erholen. In den meisten Fällen erholt sich das Haarwachstum nach einer Phase des Telogenen Effluviums von selbst und zwar ohne jegliche medizinische und/oder sonstige Behandlung.

Es ist immer wichtig, die Ursache des Haarausfalls zu kennen. Ihr Haus- oder Facharzt untersucht den Haarausfall, indem er alle weiteren gesundheitlichen Probleme ausschließt. Durch ein vollständiges Blutbild erhält er Aufschluss über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand, wobei Haarausfall keineswegs immer eine Folge von Corona ist.

Was können Sie selbst tun?

  1. Geduld: Bis sich die Wachstumsphase der Haare vollständig normalisiert hat, vergehen oft mehrere Monate.
  2. Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Versorgung von Vitaminen (z. B. D, B-Komplex), Mineralstoffen (Eisen, Zink) und Proteinen ist essenziell.
  3. Milde Pflege: Vermeide aggressive Pflegeprodukte oder häufiges Hitzestyling. Nutze milde Shampoos und Massagen zur Förderung der Durchblutung der Kopfhaut.

Behandlungsmöglichkeiten bei anhaltendem Haarausfall

Damit der Haarausfall durch COVID-19 gestoppt werden kann, ist möglichst schnell eine gezielte Therapie zu beginnen:

  • Analyse: Zunächst einmal müssen andere Einflüsse ausgeschlossen werden.
  • Immunsuppressive Therapie: Bei dieser Therapie wird das Immunsystem unterdrückt, sodass die Haarwurzeln nicht länger von den Abwehrkräften des Körpers angegriffen werden. Typischerweise wird hier mit Kortison bzw. wirkungsgleichen Medikamenten agiert.
  • Regenerative Therapie: Durch die Injektion von PRP (Plättchenreiches Blutplasma) und zytokin-reichem Plasma kann die schwere Entzündungsreaktion behandelt und die Haarwurzeln wieder regeneriert und ggf. reaktiviert werden. Es handelt sich also um eine gezielte Unterstützung der Haarfollikel, damit diese wieder genesen können.
  • Haartransplantation: Wenn Haarfollikel absterben, können kahle Stellen entstehen. Sind die Follikel bereits abgestorben, dann kann dort kein Haarwachstum mehr stattfinden.

Die modernste Möglichkeit zur Verjüngung der Haut und zur Behandlung von Haarausfall ist die sogenannte PRP-Therapie. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Eigenblutbehandlung, Vampire Lift und Plasmabehandlung bekannt. Bei der Therapie wird dem Patienten zunächst eine kleine Menge Blut entnommen, die dann speziell aufbereitet wird. Durch Zentrifugation wird das Blutplasma isoliert. Dabei handelt es sich um das PRP (platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma). Das PRP wird anschließend unter die Haut beziehungsweise in die Kopfhaut injiziert. Dort entfaltet es seine positive Wirkung: Die körpereigenen Regenerationsprozesse und die Neubildung von Zellen werden angeregt.

PRP steht für „Platelet Rich Plasma“, englisch für plättchenreiches bzw. thrombozytenreiches Blutplasma. Blutplättchen oder Thrombozyten enthalten alle biologischen Bausteine, Stammzellen sowie verschiedene Wachstumsfaktoren, die das Zellwachstum regulieren. Um das Plasma zu gewinnen, wird Blut abgenommen und zentrifugiert. „Das transparente Blutplasma spritze ich gezielt in die Regionen, die von Haarausfall betroffen sind. Bei den meisten also in erster Linie in den Vorderkopf, wo die Haare generell weniger dicht wachsen als am Hinterkopf und ausgedünnte Stellen schnell sichtbar werden. Oft reicht schon eine Behandlung, aber meist sind mehrere Behandlungen im Abstand von vier bis sechs Wochen nötig“, sagt Dr. Tina Peters. „Die Stammzellen des Blutes bauen die Haarwurzeln wieder auf.

PRP-Therapie zur Behandlung von Haarausfall

Ergebnisse von Studien

Inzwischen gibt es eine Reihe von Studien, die den Zusammenhang von Corona-Erkrankungen bzw. Long COVID und Haarausfall belegen. Auch nach einer Corona Impfung kann es zu Haarausfall kommen. Wir haben beobachtet, dass Impfungen mit Haarausfall-Erkrankungen einhergehen können. Die Inkubationszeit beträgt bei nicht-vernarbenden Alopezien etwa 4 bis 6 Wochen, nach Ansteckung bzw. Impfung.

Einige Studienergebnisse im Überblick:

Studie Häufigkeit von Haarausfall
Mai 2022 24% der COVID-19-Patienten
Oktober 2022 (Saudi-Arabien) 52,7% der Teilnehmer nach COVID-19-Infektion
Juli 2022 (Universität Birmingham) Haarausfall als eines der häufigsten Symptome nach 12 Wochen

Wichtiger Hinweis: Bitte beachten Sie, dass wir die hier beschriebene Behandlung derzeit leider nicht mehr in unserer Klinik anbieten.

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