Neben den bekannten krankheitsbedingten Symptomen während einer Corona-Erkrankung kann auch Haarausfall als später auftretendes Symptom die Folge sein. Viele Menschen haben nach einer Corona-Erkrankung Erfahrungen mit Haarausfall gemacht. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass jeder Fall einzigartig ist und individuell betrachtet werden sollte.
Wenn die Haare plötzlich vermehrt ausfallen, sucht man schnell nach dem "Warum". Das ist gar nicht so einfach, denn Gründe kann es viele geben: Die Haare können saisonal bedingt ausfallen oder aufgrund eines Nährstoffmangels oder einer falschen Duschroutine. Doch kann auch eine vergangene Corona-Infektion dazu führen, dass die Haare ausfallen? Diese Frage haben uns Dermatologe Dr. Christian Merkel vom Haarzentrum an der Oper in München und Friseur Josef Baranowski von Josef & Sophie in München beantwortet.
Auch nach anderen Infekten, die mit Fieber einhergehen, kann Wochen später Haarausfall auftreten. Dies ist also kein ausschließliches Symptom einer Corona-Infektion.Einer der Gründe für vermehrten Haarverlust kann eine vorausgegangene Infektion der oberen bzw. unteren Atemwege sein, also ein fiebriger Infekt, der häufig nach einer Ansteckung mit dem Corona-Virus auftritt.
Wenn Sie unter Haarausfall nach einer Coronainfektion leiden, ist es ratsam, Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin aufzusuchen. Eine gründliche Untersuchung und Bewertung kann helfen, die genaue Ursache des Haarausfalls zu ermitteln und entsprechende Behandlungsoptionen zu besprechen.
Wie wir wissen, gibt es eine Vielzahl an Symptomen und (Langzeit-)Folgen, die eine Corona-Infektion mit sich bringen kann. Sollte man solche Symptome haben, ist es immer ratsam, einen Arzt bzw. eine Ärztin aufzusuchen. Auch die Gründe für Haarausfall sind vielfältig. Doch zurück zu Haarausfall als Long-Covid-Folge:
“Das ‘Warum’ ist nicht zu 100 Prozent geklärt, doch bei Corona handelt es sich um ein schweres Virusgeschehen. Und wenn man eine schwere Infektion wie Corona hat, kann es aber auch eine schwere Grippe oder auch ein operatives Ereignis sein, dann zentralisiert der Kreislauf etwas, und dementsprechend werden die Haare von Mikronährstoffen usw. minderversorgt und fallen in die sogenannte Telogenphase”, so Dr. Merkel über die Ursachen und die Hintergründe zum Haarausfall nach Corona.
Weiter erklärt er: “Unsere Haare haben zwei Wachstumsphasen: die Anagenphase, die circa fünf bis sieben Jahre andauert, und die Telogenphase (zwei bis drei Monate). In dieser fällt das Haar aus, und es wird ein neues in der Wurzel produziert. Bei bestimmten Ereignissen kann es sein, dass vermehrt Haare in diese telogene ‘Todesphase’ rutschen, und der:die Patient:in bemerkt auf einmal einen verstärkten Haarausfall. So verhält es sich auch bei der Corona-Infektion.”
Corona beschädigt Gefäße, aktuellen Erkenntnissen zufolge greifen Autoantikörper die innere Haut der Gefäße an (Endothel). Woraufhin die Versorgung von Zellen und Organen nicht mehr optimal funktioniert. Durch eine Unterversorgung der Haarfollikel mit Sauerstoff und Nährstoffen werden sie geschädigt und funktionieren nicht mehr richtig bzw. sterben ab. Das zeigt sich im anagenen Effluvium (Haarausfall in der Wachstumsphase der Haare mit unterschiedlichen Haarlängen). Die Folge ist diffuser Haarausfall, welcher sich über das gesamte Kopfhaar erstreckt.
Wir stellen immer wieder fest, dass Corona Autoimmunerkrankungen auslöst bzw. reaktiviert. Die Professorin und Leiterin der Immundefekt-Ambulanz, Carmen Scheibenbogen der Charité Universitätsklinik in Berlin stellte treffend fest: “Long-COVID hat alle Anzeichen einer Autoimmunkrankheit.” Corona führt also zumindest bei manchen Erkrankten dazu, dass das Immunsystem fehlgesteuert reagiert. Dabei werden körpereigene Zellen und Organe als Fremdkörper bzw.
Und dieses Muster sehen wir bei den Haarfollikeln ebenfalls, in Form von Alopecia Areata (kreisrundem Haarausfall). Diese Haarwurzeln werden also von den eigenen Abwehrkräften angegriffen. Es wird zwischen der vernarbender und nicht-vernarbender Alopezie unterschieden. Bei der nicht vernarbenden Alopezie sterben die Haarwurzeln in aller Regel nicht ab. Sie gehen in einen Ruhezustand über.
Bei der vernarbenden Form der Autoimmunerkrankung werden die Haarfollikel und teilweise auch das umgebende Bindegewebe (bspw. die Haut) zerstört. Dies äußert sich in einem Absterben und Vernarben der Haarwurzeln. Dazu gehört u.a. die Folliculitis Decalvans, dahinter steckt eine Entzündung der Kopfhaut und Haarwurzeln, die die Haarfollikel unwiederbringlich zerstört. Die meisten Fälle treten nach einer Infektion mit COVID-19 auf.
Eine weitere Facette der Corona-Erkrankung ist das sogenannte Long COVID-Syndrom, bei dem Menschen nach der Genesung von COVID-19 noch anhaltende Symptome haben. Haarausfall kann ein Teil dieser Symptome sein. Bei einigen Betroffenen tritt der Haarausfall mehrere Monate nach der Infektion auf. Langzeitfolgen von COVID-19 werden derzeit wissenschaftlich untersucht.
“Wir verlieren von Haus aus am Tag ungefähr 100 Haare. Nach Corona jedoch kann es deutlich mehr sein. Bleibt es bei den rund 100 Haaren, muss man sich normalerweise keine Sorgen machen, sie wachsen wieder nach. Wenn Haare wirklich büschelweise ausgehen, heißt, wenn nach sechs bis acht Wochen schon die Kopfhaut sichtbar wird, sollte man einen Arzt aufsuchen”, weiß Friseur Josef Baranowski.
Derselben Meinung ist auch Dermatologe Dr. Merkel: “Wer über einen längeren Zeitraum, also über Wochen, mehr als 100 Haare am Tag verliert, sollte einen Spezialisten aufsuchen, also zum Beispiel einen Dermatologen, und seine Blutwerte bestimmen lassen, um zu schauen, woher dieser vermehrte Haarausfall kommt, und dementsprechend gegebenenfalls eine Therapie einleiten.”
Zunächst etwas Positives: “Man muss klar sagen: Es kann nach einer Covid-Erkrankung zu Haarausfall kommen, muss es aber nicht. Die gute Nachricht: Die ausgefallenen Haare wachsen wieder nach. Der Körper braucht zwar etwas Zeit, bis er sich erholt hat und wieder in der Norm ist, aber keine Angst, alle Haare kommen wieder”, weiß Josef Baranowski - dazu aber später noch mehr.
“Es gab eine größere Studie in Italien, welche ergab, dass die Patient:innen im Schnitt 70 Tage nach Infektionsbeginn den Haarausfall erleiden. Meiner Erfahrung nach gibt es zwei verschiedene Gruppen. Manche berichten, schon innerhalb der ersten vier Wochen einen verstärkten Haarausfall zu erleiden, andere kommen ungefähr nach zehn Wochen, was auch Sinn ergibt, wenn man diesen bereits erwähnten Haarwuchs-Zyklus kennt. Das heißt: Wenn die Haare in die Todesphase oder Telogenphase hineingeraten, dann sind sie meistens noch etwa acht bis zehn Wochen nicht vital in der Haarwurzel und fallen dann aus”, erklärt Dr. Merkel.
Wie lange dieser Zustand anhält, weiß der Dermatologe ebenfalls: “Meiner Erfahrung nach dauert der Haarausfall ungefähr drei bis sechs Monate. Das heißt, die Patient:innen kommen meist nach drei Monaten, wenn sie bemerken, dass vermehrt Haare ausfallen. Und dann müssen sie noch mal durch ein Tal, wo vermehrt die Haare ausfallen. Das Gute ist, dass dieser Haarausfall nicht bleibt. Die Haarwurzel wird nicht beschädigt, und dementsprechend kommen die Haare auf jeden Fall wieder nach.”
Unsere Experten haben drei Tipps, die gegen den Haarausfall nach der überstandenen Covid-Erkrankung helfen können und schnelle Besserung versprechen:
Der Geheimtipp von Friseur Josef Baranowski: “Was ich absolut empfehlen kann, ist ein Haarwasser wie z.B. Minoxicutan. Das ist ein Produkt, das den Haarausfall stoppt bzw. aufhält und die Durchblutung der Kopfhaut anregt. Dadurch werden die Haarwurzeln zum Wachsen motiviert. Mein Tipp bei Haarausfall und Haarbruch - jeden Morgen ein bis zwei Teelöffel Bio-Kurkuma-Konzentrat (Pulver) in einem Glas lauwarmem Wasser auflösen und trinken. Kurkuma ist ein altes Hausmittel und wirkt entzündungshemmend.”
“Diese Therapie ist eine der ältesten Haartherapien: Bei der Mesotherapie werden Vitamine und Proteine in die Kopfhaut injiziert, um die Haarwurzeln, die in dem Moment ein bisschen verkümmert sind, optimal zu ernähren und sie zu unterstützen, wieder ein vollwertiges Haar zu bilden. Die Mesotherapie macht man ungefähr in monatlichen Abständen”, so Dr. Merkel.
Dermatologe Dr. Merkel kennt noch eine zweite Therapie, die helfen kann - die sogenannte PRP. “Das ist eine Kurzform für Platelet-Rich Plasma, wobei man Blut abnimmt, zentrifugiert und aktiviert und daraus eigenes Blutplasma gewinnt. In diesem befinden sich die eigenen Wachstumsfaktoren und Stammzellen.
Bei vermehrtem Haarausfall ist es grundsätzlich ratsam, Ihr Haar ausreichend zu pflegen und auf die Zufuhr wichtiger Nährstoffe zu achten. Verwenden Sie Haarpflegeprodukte, die speziell für empfindliches oder dünner werdendes Haar entwickelt wurden. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr bestimmter Nährstoffe, z. B. Seien Sie geduldig und geben Sie Ihrem Haar Zeit, sich zu erholen.
Die modernste Möglichkeit zur Verjüngung der Haut und zur Behandlung von Haarausfall ist die sogenannte PRP-Therapie. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Eigenblutbehandlung, Vampire Lift und Plasmabehandlung bekannt. Bei der Therapie wird dem Patienten zunächst eine kleine Menge Blut entnommen, die dann speziell aufbereitet wird. Durch Zentrifugation wird das Blutplasma isoliert. Dabei handelt es sich um das PRP (platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma). Das PRP wird anschließend unter die Haut beziehungsweise in die Kopfhaut injiziert.
Dort entfaltet es seine positive Wirkung: Die körpereigenen Regenerationsprozesse und die Neubildung von Zellen werden angeregt. Die PRP-Therapie findet ambulant statt und dauert etwa eine Stunde. Eine örtliche Betäubung sorgt dafür, dass die Behandlung ohne Schmerzen verläuft. Mit Einschränkungen oder Ausfallzeiten ist in der Regel nicht zu rechnen. PRP ist reich an Stammzellen und Wachstumsfaktoren. Es unterstützt gezielt die Reparaturmechanismen des Körpers. Da es sich ausschließlich um natürliche Substanzen handelt, ist die PRP-Therapie zudem sehr gut verträglich und belastet den Körper nicht. Sie kann mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden.
Vor allem die Verbindung aus Microneedling und PRP-Therapie hat sich in der ästhetischen Medizin als effektiv erwiesen.
Tabelle: Studien zum Thema Haarausfall nach COVID-19
| Studie | Veröffentlichungsdatum | Ergebnisse |
|---|---|---|
| Jin-Yin-tan-Krankenhaus in Wuhan | 2020 | 22% der Patienten gaben Haarausfall als Folge ihrer Corona-Infektion an. |
| Veröffentlichte Studie | Mai 2022 | Von 198 Patienten, die wegen COVID-19 behandelt wurden, litten 48 (24%) unter Haarausfall. |
| Veröffentlichte Studie in Saudi-Arabien | Oktober 2022 | Von den 806 Teilnehmern berichteten 52,7 % über Haarausfall nach einer COVID-19-Infektion. |
| Universität Birmingham | Juli 2022 | Haarausfall gehörte zu den 62 Symptomen, die nach 12 Wochen signifikant mit SARS-CoV-2 assoziiert waren. |
tags: #corona #haarausfall
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