Wer an Krebs erkrankt, muss sich häufig darauf einstellen, dass durch die Therapie die Haare ausfallen. Das bedeutet oft auch, eine gewisse Zeit mit einer Glatze zu leben. Chemotherapien, Bestrahlungen und Antihormontherapien sind häufig - aber nicht zwingend - mit Haarausfall verbunden. Selten tritt er bei zielgerichteten Therapien und Immuntherapien auf.
Nicht jede Chemotherapie geht mit Haarausfall einher. Ob es dazu kommt, hängt davon ab:
Typisch ist, dass die Haare bei einer Chemotherapie nach und nach ausfallen, manchmal büschelweise. Mit der Zeit fallen bei den meisten Menschen alle Haare aus und es bildet sich eine Glatze.
Bei einer Bestrahlung spielt es neben der Strahlendosis eine Rolle, welcher Körperteil bestrahlt wird und in welcher Form. Im Vergleich zur Chemotherapie ist eine Bestrahlung seltener mit Haarausfall verbunden. Wenn Haare ausfallen, passiert das nur an den Stellen, die bestrahlt wurden.
Eine Antihormontherapie bei Brustkrebs verändert den Hormonhaushalt. Dies geht oft mit diffusem Haarausfall einher. Dabei können die Haare insgesamt ausdünnen oder brüchig werden. Selten fallen die Haare komplett aus. Bei einer Behandlung mit Aromatasehemmern tritt Haarausfall beispielsweise häufig auf. Die Einnahme von Tamoxifen ist vergleichsweise seltener damit verbunden.
Bei zielgerichteten Therapien tritt Haarausfall selten und nur teilweise auf. Das Haar kann dünner oder brüchig werden; mitunter ändert sich die Farbe. Bei Männern kann der Bartwuchs nachlassen. Im Zuge einer Immuntherapie bilden sich bei manchen Menschen kreisrunde haarlose Flecken im Kopfhaar.
Bei einer Chemotherapie fallen die Haare üblicherweise ein bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn aus. Manchmal fängt der Haarausfall erst nach mehreren Therapie-Sitzungen an. Bei Haarausfall durch eine Bestrahlung verhält es sich ähnlich. Kommt es im Zuge einer zielgerichteten Therapie zu Haarveränderungen, treten diese indes erst zwei bis drei Monate nach Behandlungsbeginn auf.
Eine Krebsbehandlung mit Chemotherapie zielt darauf, die sich schnell teilenden Krebszellen in ihrem Wachstum zu hemmen oder sie zu zerstören. Diese Form der Therapie wirkt auf den ganzen Körper und schädigt auch schnell wachsendes, gesundes Gewebe - wie die Haarwurzel-Zellen. In der Folge hören die Haare auf zu wachsen und fallen aus.
Neben dem Kopfhaar können Augenbrauen, Wimpern, Bart, Achsel- und Schamhaare verloren gehen.
Chemotherapie Eine Krebsbehandlung mit Chemotherapie zielt darauf, die sich schnell teilenden Krebszellen in ihrem Wachstum zu hemmen oder sie zu zerstören. Diese Form der Therapie wirkt auf den ganzen Körper und schädigt auch schnell wachsendes, gesundes Gewebe - wie die Haarwurzel-Zellen. In der Folge hören die Haare auf zu wachsen und fallen aus. Neben dem Kopfhaar können Augenbrauen, Wimpern, Bart, Achsel- und Schamhaare verloren gehen.
Eine Bestrahlung zerstört die Krebszellen um den bestrahlten Bereich herum. Wird etwa der Kopf bestrahlt, kann das die Haarwurzeln schädigen und Haarausfall begünstigen.
Zielgerichtete Therapien greifen nur ganz bestimmte Strukturen der Krebszellen an. Gesundes Gewebe schädigen sie in der Regel nicht. Es gibt jedoch Wirkstoffe, die sich gegen Strukturen richten, die auch bei gesunden Zellen vorkommen. Betrifft es die Zellen der Haarwurzeln, ist Haarausfall möglich.
Immuntherapien dienen dazu, dass Immunsystem zu aktivieren und dieses gezielt gegen die Krebszellen zu richten. Wie es dabei genau zu Haarausfall kommt, ist bisher unklar. Man vermutet, dass Entzündungsprozesse an den Haarwurzeln eine Rolle spielen.
Wie Antihormontherapien mit Haarausfall zusammenhängen, ist ebenfalls noch nicht vollständig geklärt. Was man weiß: Geschlechtshormone beeinflussen das Haarwachstum.
Da die eigentliche Haaranlage durch eine Krebsbehandlung meist nicht geschädigt wird, wachsen die Haare nach Ende der Therapie in der Regel nach.
Ist die Behandlung abgeschlossen und sind die Medikamente im Körper abgebaut, wachsen die Haare wieder nach. Das passiert meist innerhalb von drei bis sechs Monaten. Bis das Haar vollständig nachgewachsen ist, kann es aber noch länger dauern.
Das nachwachsende Haar ist oft fülliger und lockiger. Zudem kann die Farbe der neuen Haare von der ursprünglichen Haarfarbe abweichen.
Ist bei der Therapie mit Haarausfall zu rechnen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten.
Einfache Pflege-Maßnahmen helfen, den Haaren und der Kopfhaut etwas Gutes zu tun. Dazu gehört zum Beispiel:
Manche Menschen entscheiden sich dafür, die Haare kurz zu schneiden oder abzurasieren noch bevor die ersten Haare ausfallen. Andere warten den Verlauf ab und entscheiden sich später. Wer lange Haare hat und sich langsam an die Veränderung gewöhnen möchte, kann die Haare stufenweise kürzer schneiden.
Hüte, Tücher, Mützen sind ein hilfreicher Begleiter während der Zeit des Haarausfalls und für die Zeit, wenn die Haare nachwachsen. Fehlt das eine oder andere in der Garderobe, kann man es im Voraus nachkaufen.
Möchte man eine Perücke oder ein Haarteil tragen, ist es sinnvoll, sich vorab darum zu kümmern. Für den Haarersatz wendet man sich am besten an ein spezialisiertes Zweithaarstudio. Sprechen Sie vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Haarersatz notwendig ist und er oder sie ihn verordnen kann. Der Farbton einer Perücke lässt sich auf die gewünschte Haarfarbe abstimmen.
Wer sich mit dem Haarausfall unwohl fühlt und in der Öffentlichkeit keine Glatze tragen möchte, kann ihn auf verschiedene Weise verbergen:
Es gibt Perücken aus Echt- und Kunsthaar, die verschieden geknüpft sind. Im Tragekomfort unterscheiden sie sich kaum. Perücken aus Echthaar sind jedoch aufwändiger zu pflegen und teurer.
Die Preise für Perücken sind sehr verschieden. Manche kosten einige hundert Euro, andere mehr als tausend Euro. Erkundigen Sie sich im Zweithaarstudio zu den aktuellen Preisen.
Bei der Wahl des Zweithaarstudios ist darauf zu achten, dass es von der jeweiligen Krankenkasse als Anbieter zugelassen ist.
Damit die Krankenkasse die Kosten für eine Perücke trägt oder anteilig übernimmt, muss der Arzt oder die Ärztin den Haarersatz verordnen. Zudem muss die Krankenkasse die Verordnung genehmigen.
Bei gesetzlich versicherten Frauen, Kindern und Jugendlichen erstatten die Krankenkassen in der Regel die Kosten für eine Perücke. Bei Männern ist es mit der Kostenerstattung schwieriger. Der Grund ist, dass man bei ihnen annimmt, dass sie selten unter dem Haarausfall leiden.
Ob die Kosten ganz oder teilweise übernommen werden, hängt vom Perücken-Modell ab. Hat die Perücke Eigenschaften, die über die medizinisch notwendige Versorgung hinausgehen, muss man die Mehrkosten selber tragen.
Fallen die Haare aus, ist die Kopfhaut an den haarlosen Stellen sehr empfindlich und benötigt eine spezielle und schonende Pflege.
Solange die Haare ausfallen und nicht vollständig nachgewachsen sind, ist es ratsam:
In dieser Zeit empfiehlt es sich:
Kühlkappen sollen helfen, Haarausfall zu vermeiden. Ärztinnen und Ärzte können sie anbieten, wenn mit starkem Haarverlust zu rechnen ist - etwa bei einer Chemotherapie über die Vene.
Man trägt die Kühlkappe einige Minuten vor, während und nach der Medikamentengabe. Das kann mit starkem Kälteempfinden und Kopfschmerzen verbunden sein.
Die Kälte bewirkt, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. In der Folge fließt weniger Blut durch die Kopfhaut. Dadurch gelangt auch weniger Chemotherapie-Medikament über das Blut in die Kopfhaut und schließlich in die Haarzellen.
Gleichzeitig drosseln die Haarwurzeln ihren Stoffwechsel und nehmen insgesamt geringere Mengen des Medikaments auf: Die Haare werden weniger geschädigt und können erhalten bleiben.
Der Einsatz von Kühlkappen eignet sich nicht für jede Krebsform und jede Krebsbehandlung. Zudem sind sie nicht überall verfügbar.
Sprechen Sie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, ob eine Kopfhautkühlung infrage kommt. Fragen Sie zudem bei Ihrer Krankenkasse nach, ob die Kosten dafür übernommen werden.
Generell ist vorab der Nutzen von Kühlkappen gegenüber den Risiken abzuwägen. Bei Brustkrebs gibt es die meisten Studien. Sie weisen darauf hin, dass eine Kühlung der Kopfhaut bei manchen Menschen starken Haarausfall verhindern kann. Ihr Nutzen ist bislang aber nicht abschließend geklärt.
Plötzlich und schnell die Haare zu verlieren, ist für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis.
Der Haarverlust kann dazu führen, dass man sich zum Beispiel traurig oder wütend fühlt. Auch fällt es manchmal schwer zu entscheiden, wie man am besten mit dem Haarausfall umgeht.
Dann kann es hilfreich sein:
Ist die emotionale Belastung sehr groß, bieten Psycho-Onkologinnen und Psycho-Onkologen therapeutische Hilfe.
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen.
| Therapie | Wahrscheinlichkeit des Haarausfalls | Details |
|---|---|---|
| Chemotherapie | Häufig | Abhängig vom Medikament und der Dosis; betrifft den ganzen Körper |
| Bestrahlung | Selten | Nur an bestrahlten Stellen |
| Antihormontherapie | Gelegentlich | Diffuser Haarausfall, Ausdünnung der Haare |
| Zielgerichtete Therapie | Selten | Teilweiser Haarausfall, dünneres Haar |
| Immuntherapie | Sehr selten | Kreisrunder Haarausfall |
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