Vorübergehender Haarausfall gehört zu den möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Krebs ist nicht greifbar, aber dennoch allgegenwärtig. Ist Meister im Nicht-Auffallen, schlummert vor sich hin. Spielt verstecken. Und sobald er gefunden wird, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel. Man setzt alles daran, ihn komplett ausfindig zu machen und zu vertreiben.
Bei einer Chemotherapie greifen die verabreichten Medikamente (Zytostatika) in ganz spezieller Weise in den Teilungsvorgang der Krebszellen ein: Entweder stoppen sie das Wachstum der Zellen oder sie verhindern, dass sich die Zellen vermehren. Dabei wirken Zytostatika vor allem auf sich teilende Zellen. Da Tumorzellen sich ständig vermehren, werden vor allem diese geschädigt. Allerdings greifen Zytostatika auch gesunde Zellen an, die sich oft teilen, etwa die Schleimhaut- und Haarwurzelzellen.
Der Haarausfall ist für viele Menschen eine der schwersten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Er kann zum Beispiel belasten, weil andere nun erkennen können, dass man an Krebs erkrankt ist. Auch das Selbstbild als Frau oder Mann kann leiden. Bei Frauen spielt dabei in erster Linie der Verlust des Kopfhaars, bei Männern auch der von Bart- und Körperhaaren eine Rolle.
Es gibt einige Wege, mit diesen Belastungen umzugehen: Wer lange Haare hat, kann sich zum Beispiel schon vor Beginn der Chemotherapie eine Kurzhaarfrisur schneiden lassen. Setzt der Haarausfall dann ein, wirken ausgefallene Haarbüschel weniger groß und beängstigend. Sich die Haare selbst abzurasieren, bewahrt vor dem Gefühl des dauernden Haarverlusts - und davor, immer wieder Haare zum Beispiel aus dem Bett, von der Kleidung oder im Bad entfernen zu müssen.
Um die kahle Kopfhaut zu bedecken, eignen sich Mützen, Tücher, Kappen oder Perücken aus Kunst- oder Echthaar. Aus Echthaar geknüpfte Perücken lassen sich so schneiden wie die frühere Frisur und wirken sehr natürlich. Sie sind allerdings teurer als Kunsthaarperücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, kann sich von der Ärztin oder dem Arzt, der die Chemotherapie verabreicht, ein Rezept dafür ausstellen lassen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel einen Teil der Kosten für eine Kunsthaarperücke.
Ausgefallene Wimpern und Brauen können durch künstliche Wimpern und Make-up ersetzt werden. Wer sich vorher nicht selbst geschminkt hat, kann sich in einer Vielzahl von Videos im Internet Tipps und Anregungen holen, manche Kliniken und Selbsthilfe-Organisationen bieten auch spezielle Kurse an.
Eine Möglichkeit ist auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder bei einer Psychoonkologin oder einem Psychoonkologen Unterstützung zu suchen und über die Sorgen und Ängste zu sprechen, die mit dem Haarausfall zusammenhängen.
Bis die Haare wieder komplett nachgewachsen sind, pflegt man sie am besten sehr schonend. Es gibt keine zuverlässige Methode, dem Haarausfall bei einer Chemotherapie vorzubeugen. Manche Patientinnen oder Patienten versuchen es mit einer Kühlung der Kopfhaut während der Behandlung. Die Methode ist aber nicht gut untersucht.
Wer eine Chemotherapie bekommt, muss je nach Medikament mit Haarausfall rechnen. Auch wenn die Haare nach Abschluss der meisten Chemotherapien wieder nachwachsen: Diese Nebenwirkung ist für viele Krebspatientinnen und -patienten besonders belastend. Mittel, die dem Haarausfall zuverlässig vorbeugen oder ihn behandeln könnten, gibt es nicht. Erwachsene, die trotzdem etwas zur Vorbeugung ausprobieren möchten, können ihre Ärztin oder ihren Arzt nach einer Kopfhaut-Kühlung fragen.
Eine Chemotherapie wird in sogenannten Zyklen gegeben: Man bekommt die Krebsmedikamente an den Behandlungstagen, meist als Infusion. Danach folgen je nach Mittel etwa 2 bis 4 Wochen Pause bis zur nächsten Behandlung.
Die Kopfhaut wird gekühlt, während man die Infusion bekommt. Manchmal wird schon 10 bis 20 Minuten vorher begonnen, nach der Behandlung kann die Kühlung noch bis zu eineinhalb Stunden fortgesetzt werden.
Für die Kühlung werden Kühlkappen verwendet, die man wie einen Fahrradhelm trägt. Vor dem Anlegen der Kühlkappe werden meist die Haare befeuchtet. Die meisten Modelle sind heutzutage an ein Gerät angeschlossen, das Kühlflüssigkeit durch die Kappe pumpt und die Kopfhaut so auf etwa 20 Grad Celsius abkühlt. Andere Kappen bestehen aus mit Gel gefüllten Kühlelementen. Sie werden vor der Behandlung tiefgefroren.
Kühlhaube zur Vorbeugung von Haarausfall bei Chemotherapie
Durch die Kühlung verengen sich die Blutgefäße in der Kopfhaut. Dadurch werden die Zellen in den Haarwurzeln weniger durchblutet. Außerdem sorgt die Kälte dafür, dass sich der Stoffwechsel in den Haarwurzelzellen etwas verlangsamt.
Bislang gibt es nur wenige geeignete Studien zur Kopfhaut-Kühlung. Zusammengefasst zeigen sie: Im Vergleich zu Personen, die keine Kopfhaut-Kühlung erhielten, hatten die Personen, bei denen die Kopfhaut während ihrer Chemotherapie gekühlt wurde, weniger Haarausfall. Sie benötigten nach der Chemotherapie zum Beispiel seltener eine Perücke.
Diese Ergebnisse haben aber nur eine begrenzte Aussagekraft: An den Studien nahmen recht wenige Personen teil, meist waren es auch deutlich mehr Frauen als Männer. Die verabreichten Krebsmedikamente und die Dauer der Chemotherapie unterschieden sich.
Grundsätzlich ist die Kopfhaut-Kühlung gut verträglich und risikoarm. Sie sorgt zwar dafür, dass weniger Chemotherapie-Medikamente in die Kopfhaut gelangen - es gibt aber keine Hinweise, dass die Kühlung die Wirksamkeit der Chemotherapie einschränkt.
Die häufigste Nebenwirkung sind Kopfschmerzen. Manche Personen empfinden die Kälte jedoch als so unangenehm, dass sie die Kühlung abbrechen.
Die Kühlung eignet sich nur dazu, dem Ausfall der Kopfhaare vorzubeugen. Für manche Betroffene ist aber vor allem der Verlust von Wimpern oder Augenbrauen sehr belastend.
Manchmal wird versucht, dem Haarausfall durch Druck auf die Kopfhaut vorzubeugen. Dazu werden zum Beispiel Druckmanschetten oder enge Hauben angelegt. Die Kopfhaut wird dadurch weniger durchblutet, sodass weniger Krebsmedikamente an die Haarwurzel gelangen sollen. Allerdings ist nicht belegt, dass diese Methode etwas bringt.
Es gibt bislang kein Medikament, das vor Haarausfall während einer Chemotherapie schützen kann. Manche Menschen probieren Haarwuchsmittel zum Auftragen auf die Kopfhaut aus, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Minoxidil. In Studien konnte dieses Mittel den Haarausfall aber nicht verhindern. Unklar ist auch, ob die Haare nach der Behandlung schneller wieder nachwachsen, wenn man das Mittel während der Chemotherapie anwendet. Mögliche Nebenwirkungen von Minoxidil sind Herzrhythmusstörungen und Wassereinlagerungen im Gewebe.
Bestimmte Vitamine und Nahrungsmittel wie Hirse gelten als haarwuchsfördernd und werden auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.
Hier sind einige Tipps für den Umgang mit Haarausfall während der Chemotherapie:
Der Haarausfall bei einer Chemotherapie ist vorübergehend. Nach Abschluss der Behandlung wachsen die verlorenen Haare im Regelfall wieder nach. Etwa drei Monate nach dem letzten Zyklus sind die Kopfhaare oft schon wieder so lang, dass die meisten Menschen ohne Perücke auskommen.
Der Kontakt zu einem Psychoonkologen kann eine große Hilfe sein. Selbsthilfegruppen und Gespräche mit anderen Gleichbetroffenen sind gute Gelegenheiten, den eigenen Kummer zu äußern und zu erfahren, wie andere mit ähnlichen Problemen umgehen.
Ein gepflegtes Äußeres kann zu mehr Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen helfen.
| Maßnahme | Beschreibung |
|---|---|
| Kopfhautkühlung | Verwendung von Kühlhauben während der Chemotherapie, um die Durchblutung der Kopfhaut zu reduzieren. |
| Perücken | Verwendung von Kunst- oder Echthaarperücken, um den Haarverlust zu kaschieren. |
| Mützen und Tücher | Verwendung von Mützen und Tüchern, um die Kopfhaut zu bedecken und vor Sonne zu schützen. |
| Kosmetik | Verwendung von Make-up, um fehlende Wimpern und Augenbrauen zu ersetzen. |
| Psychoonkologische Unterstützung | Inanspruchnahme von psychologischer Unterstützung, um mit den emotionalen Belastungen des Haarausfalls umzugehen. |
Infografik zum Thema Haarausfall bei Krebsbehandlungen (Quelle: Krebsinformationsdienst)
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