Chemie beim Friseur: Anwendung und Techniken

Die chemische Haarumformung ist ein beliebtes Verfahren in der Friseurbranche. Es ermöglicht, die Haarstruktur dauerhaft zu verändern, um Locken zu erzeugen, zu glätten oder Volumen zu verleihen.

Chemische Verfahren beim Friseur: Die verschiedenen Methoden

Es gibt verschiedene Methoden der chemischen Haarumformung, die in Friseursalons angewendet werden. Diese Methoden sind speziell auf unterschiedliche Haarstrukturen und gewünschte Ergebnisse abgestimmt.

Zu den bekanntesten Verfahren gehören:

  • Dauerwelle: Bei diesem Verfahren wird das Haar lockig gemacht. Dazu werden die Haare auf Wickler aufgedreht und mit einer chemischen Lösung behandelt. Zum Beispiel kann eine Dauerwelle angewendet werden, um glattes Haar in eine lockige Struktur zu verwandeln. Dies kann sowohl für eine komplette Haarveränderung als auch für Teilbereiche des Haars verwendet werden.
  • Haarglättung: Hierbei wird eine chemische Lösung verwendet, um die Haarstruktur zu brechen und das Haar glatt zu ziehen. Angenommen, Du möchtest eine dauerhafte Glättung durchführen: Reinige das Haar vorsichtig, trage die Glättungslösung auf und lasse sie für die empfohlene Zeit einwirken. Neutralisiere anschließend das Haar und pflege es mit einem geeigneten Pflegeprodukt.
  • Haarvolumen: Eine Technik, die dem Haar mehr Volumen verleiht, indem die Haarstruktur aufgelockert und mit chemischen Mitteln behandelt wird.

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Chemische Haarumformung Techniken: Was Du wissen musst

Bevor Du eine chemische Haarumformung in Betracht ziehst, gibt es einige wichtige Techniken und Aspekte, die Du wissen musst. Diese Techniken helfen dabei, das gewünschte Ergebnis zu erzielen und gleichzeitig die Gesundheit Deiner Haare zu schützen.

Hier sind einige der wichtigsten Techniken:

  • Haaranalyse: Bevor eine chemische Behandlung beginnt, muss eine Analyse des Haartyps und des aktuellen Zustands durchgeführt werden. Eine gründliche Haaranalyse ist der Grundstein jeder erfolgreichen chemischen Haarumformung. Bei der Analyse wird der Haartyp bestimmt (fein, normal, dick, wellig oder kraus) und es wird überprüft, ob das Haar beschädigt oder gesund ist. Diese Informationen sind unerlässlich, um die richtige chemische Lösung und die korrekte Einwirkzeit zu wählen. Eine falsche Analyse kann zu unbefriedigenden Ergebnissen und Haarschäden führen.
  • Vorbehandlung: Das Haar wird gereinigt und vorbereitet, um eine gleichmäßige chemische Behandlung zu gewährleisten. Die Rolle der Vorbehandlung ist entscheidend, um eine gleichmäßige Wirkung der Chemikalien zu gewährleisten. Eine gründliche Reinigung entfernt Rückstände und öffnet die Haarschuppen, sodass die chemische Lösung besser eindringen kann. Bei besonders widerstandsfähigem Haar kann eine tiefergehende Vorbereitung notwendig sein, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
  • Auftragen der Chemikalien: Die spezifische chemische Lösung, die verwendet wird, hängt von der gewünschten Umformung ab (Locken, Glättung oder Volumen). Trage die chemische Lösung gleichmäßig auf das Haar auf und achte darauf, die Einwirkzeit entsprechend den Anweisungen zu beachten.
  • Einwirkzeit: Die Chemikalien müssen eine bestimmte Zeit einwirken, um die Haarstruktur zu verändern. Achte darauf, die genauen Einwirkzeiten zu befolgen, um Haarschäden zu vermeiden.
  • Neutralisation: Nach der chemischen Umformung wird das Haar neutralisiert, um die chemischen Prozesse zu stoppen und die neue Haarform zu fixieren. Der Prozess wird gestoppt, indem eine neutralisierende Lösung aufgetragen wird. Die Neutralisation ist ein entscheidender Schritt in der chemischen Haarumformung. Hierbei werden spezielle Neutralisationsmittel verwendet, die die Wirkung der chemischen Lösungen stoppen. Dies hilft, die neue Haarform zu stabilisieren und das Haar vor Schäden zu schützen. Wenn dieser Schritt nicht sorgfältig durchgeführt wird, kann es zu Haarschäden und ungleichmäßigen Ergebnissen kommen. Ein tieferer Blick auf die Neutralisation zeigt, dass es nicht nur darum geht, den chemischen Prozess zu stoppen, sondern auch die neu geformte Haarstruktur zu stabilisieren. Neutralisatoren enthalten oft Inhaltsstoffe, die helfen, das Haar zu beruhigen und seinen pH-Wert wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Eine unzureichende Neutralisation hinterlässt das Haar alkalisch und anfällig für Schäden. Ein Beispiel für den Schritt der Neutralisation ist die Anwendung einer Fixierlösung nach der Dauerwelle. Diese Lösung hilft, die neuen Locken zu fixieren und stabilisieren.
  • Nachbehandlung: Schütze und pflege das Haar nach der Behandlung mit speziellen Produkten. Eine Nachbehandlung mit Pflegeprodukten ist wichtig, um das Haar zu stärken und zu schützen. Verwende pflegende Produkte, um das Haar zu stärken und Schäden vorzubeugen.

Tipp: Verwende immer hochwertige Pflegeprodukte nach einer chemischen Haarumformung, um das Haar gesund und glänzend zu halten.

Haarumformung Chemie: Wichtige Grundlagen

Die Chemie hinter der Haarumformung ist komplex, aber das Verständnis der grundlegenden Prinzipien ist für die Ausbildung unerlässlich. Hier sind die wichtigsten chemischen Konzepte, die Du verstehen musst:

  • Schwefelbrücken: Diese chemischen Bindungen halten die Haarstruktur zusammen und müssen gebrochen werden, um die Haarform zu ändern. Die chemische Reaktion vom Haarkeratin sorgt für diese Haarverformung - die Cystinbindungen im Haarkeratin, welche für die Festigkeit des Haares sorgt, wird durch die Reduktion mit Thioglykolsäure desertiert. Die Disulfidbindungen, welche für die Stabilität verantwortlich sind, können mit der Oxidation durch Wasserstoffperoxid aus den reduzierten Sulfhydrylgruppen erneut fabriziert werden.
  • Cystein und Cystin: Diese Aminosäuren in der Haarstruktur spielen eine Schlüsselrolle bei der Bildung von Schwefelbrücken.
  • pH-Wert: Der pH-Wert der verwendeten Produkte beeinflusst die Effektivität und Sicherheit der Haarumformung.
  • Salzbrücken: Die Salzbrücken des Haarkeratins werden durch das Einwirken von Wasser gelöst, dadurch wird das Haar formbarer und ist mehr zu dehnen. Bei sogenannten Föhnfrisuren wird das ,noch feuchte, Haar erst mal in die gewünschte Form gebracht und dann lässt man das Wasser verdunsten.
Begriff Erklärung
Schwefelbrücken Starke chemische Bindungen im Haar, die die Form und Struktur des Haars stabilisieren
pH-Wert Ein Maß für die Säure oder Alkalität einer Lösung, wichtig für die chemische Haarumformung

Chemische Haarumformung Durchführung: So geht's richtig

Die erfolgreiche Durchführung einer chemischen Haarumformung erfordert präzise Techniken und sorgfältige Vorbereitung. Hier sind die essentiellen Schritte, die Du befolgen solltest:

  1. Vorbereitung: Reinige das Haar gründlich und analysiere die Haarstruktur, um die beste Strategie zu wählen.
  2. Auftragen der Chemikalien: Trage die chemische Lösung gleichmäßig auf das Haar auf und achte darauf, die Einwirkzeit entsprechend den Anweisungen zu beachten.
  3. Neutralisation: Nach der gewünschten Einwirkzeit muss das Haar neutralisiert werden, um die Wirksamkeit der Chemikalien zu stoppen.
  4. Nachbehandlung: Verwende pflegende Produkte, um das Haar zu stärken und Schäden vorzubeugen.

Tipp: Verwende immer Handschuhe und arbeite in einem gut belüfteten Bereich, um Deine Gesundheit zu schützen.

Häufige Fehler bei der chemischen Haarumformung

Auch wenn Du die Techniken der chemischen Haarumformung beherrschst, gibt es einige häufige Fehler, die vermieden werden sollten, um unerwünschte Ergebnisse und Haarschäden zu verhindern:

  • Falsche Diagnose: Eine ungenaue Analyse der Haarstruktur kann zu ungleichmäßigen Ergebnissen führen.
  • Überdosierung: Zu viel Chemikalien oder zu lange Einwirkzeiten können das Haar stark schädigen.
  • Mangelnde Neutralisation: Unzureichende Neutralisation kann die Haarstruktur destabilisieren und zu Brüchigkeit führen.

Tipp: Achte darauf, die Anweisungen der verwendeten Produkte genau zu befolgen, um optimale und sichere Ergebnisse zu erzielen.

Chemische Haarumformung Produkte: Was Du brauchst

Für eine erfolgreiche chemische Haarumformung benötigst Du die richtigen Produkte und Werkzeuge. Diese sorgen dafür, dass der Umformungsprozess effektiv und schonend für das Haar ist.

Werkzeuge und Zubehör für die chemische Haarumformung

Für die chemische Haarumformung brauchst Du eine Vielzahl von Werkzeugen und Zubehör. Hier sind die wesentlichen Dinge, die Du bereithalten solltest:

  • Wickler: Für die Dauerwelle oder um Locken zu erzeugen. Bei einer Dauerwelle nutzt Du Wickler, um das Haar aufzuwickeln, bevor Du die chemische Lösung aufträgst. Dies hilft, gleichmäßige Locken zu formen. Ein tieferer Blick auf Wickler zeigt, dass es sie in verschiedenen Größen und Materialien gibt. Die Wahl des richtigen Wicklers hängt von der gewünschten Lockengröße und dem Haartyp ab. Wickler aus Metall sind besonders langlebig, während Wickler aus Kunststoff leichter und einfacher zu handhaben sind. Der richtige Wickler sorgt dafür, dass die Chemikalien gleichmäßig verteilt werden und das Haar in die gewünschte Form gebracht wird.
  • Kämme und Bürsten: Zum Entwirren und Teilen des Haars.
  • Handschuhe: Zum Schutz Deiner Hände vor den Chemikalien.
  • Applikatorflaschen: Zum präzisen Auftragen der chemischen Lösungen. Spezielle Flaschen, die es ermöglichen, chemische Lösungen präzise und gleichmäßig auf das Haar aufzutragen.
  • Schutzschürze: Zum Schutz Deiner Kleidung vor Chemikalien.
  • Handtücher: Für den Fall, dass Lösungsreste entfernt werden müssen.

Tipp: Verwende immer hochwertige Wickler, um gleichmäßige Locken zu erzielen und das Haar nicht zu beschädigen.

Pflege nach der chemischen Haarumformung: So bleibt Dein Haar gesund

Nach einer chemischen Haarumformung ist die richtige Pflege entscheidend, um das Haar gesund und glänzend zu halten. Hier sind einige wichtige Pflegetipps:

  • Feuchtigkeitsspendende Shampoos: Verwende Shampoos, die speziell für chemisch behandeltes Haar entwickelt wurden. Ein tieferer Einblick in die Pflegeprodukte zeigt, dass feuchtigkeitsspendende Shampoos Inhaltsstoffe wie Arganöl, Kokosöl oder Sheabutter enthalten, die das Haar intensiv nähren.
  • Pflegespülungen: Diese helfen, das Haar zu entwirren und geschmeidig zu halten. Pflegeserien für chemisch behandeltes Haar sind oft pH-neutral, um den natürlichen Säureschutzmantel des Haars zu bewahren und es vor weiteren Schäden zu schützen.
  • Haarmasken: Einmal pro Woche angewendet, stärken sie das Haar und reparieren Schäden. Nach einer chemischen Glättung kannst Du eine Feuchtigkeitsmaske anwenden, um das Haar nach der Behandlung wieder aufzubauen und zu stärken. Dies hilft, das Haar weich und glänzend zu halten.
  • Hitzeschutzprodukte: Schütze das Haar vor Föhnhitze und anderen heißen Styling-Tools.

Beispiel: Nach einer chemischen Glättung kannst Du eine Feuchtigkeitsmaske anwenden, um das Haar nach der Behandlung wieder aufzubauen und zu stärken. Dies hilft, das Haar weich und glänzend zu halten.

Tipp: Nach einer chemischen Haarumformung solltest Du das Haar nicht täglich waschen, um seine natürliche Feuchtigkeit zu bewahren.

Säuren und Basen in der Haarpflege

Bestimmt kennt jeder die Ausdrücke oder weiß, dass diese Begriffe etwas mit den Haaren bzw. einer Haarfärbung, einer Dauerwelle oder Blondierung oder einer Haarkur zu tun haben. Nur was genau, weiß man oft nicht. In diesem Artikel erklären wir die Begriffe Säure und Base. Base wird auch oft einfach nur Alkali oder Alkalität genannt.

Verreibt man etwas Ammoniakwasser zwischen den Fingern, so fühlt sich die Haut schlüpfrig-glitschig an. Die Haut wird durch Basen schlüpfrig, weil sie die obersten Schichten der Epidermis aufquellen. Basen quellen die Haut auf. Auch das Haar wird durch Basen gequollen. Je nach Stärke der verwendeten Base (Alkalität) quillt das Haar um 40-70 %, d. h. Von dieser quellenden Wirkung der Basen macht man Gebrauch bei der Dauerwelle, beim Blondieren und Haarfärben.

Bei der Dauerwelle soll die Quellung des Haares die natürliche Elastizität des Haares vermindern und die Verformbarkeit begünstigen. Beim Haarfärben fördert die Quellung das Eindringen der Farbstoff-Vorstufen in das Haar, denn in eine aufgelockerte Haarsubstanz können Stoffe leichter eindringen.

Leider ist die manchmal erwünschte aufquellende Wirkung der Basen gelegentlich auch von Nachteil. Haare, die wiederholt basischen Behandlungen ausgesetzt würden, werden rauh, glanzlos und spröde. Basen beeinträchtigen mit der Zeit die Struktur der Schuppen- und Faserschicht des Haares. Die Schuppen stehen ab, der Faserstamm wird aufgelockert, Teile der Haarsubstanz können verlorengehen. Besonders blondiertes und hellergefärbtes Haar ist gegenüber basischen Einwirkungen sehr empfindlich, da es in seiner Struktur schon geschädigt ist.

Starke Basen können das Haar vollständig auflösen. Von dieser hornlösenden Wirkung der starken Basen macht man in bestimmten Haarentfernungsmitteln Gebrauch. Sie enthalten starke Basen, die den Haarschaft so stark quellen und auflockern, daß man die Haare mit einem Spatel abschaben kann.

Starke Säuren wirken auf Haut und Haar ähnlich zerstörend wie die starken Basen. In Schwefelsäure z. B. wird die Haarsubstanz so stark angegriffen, daß man das brüchig gewordene Haar leicht zerzupfen kann. Auf die Haut wirken starken Säuren ätzend, sie erzeugen schwere, tiefgreifende Hautzerstörungen, die nur langsam heilen.

Schwache Säuren hingegen können auf Haar und Haut eine direkt segensreiche Wirkung entfalten. Sie wirken auf Haut und Haar entquellend - ein vorher unter dem Einfluß basischer Mittel aufgequollenes Haar nimmt wieder an Durchmesser ab, es zieht sich zusammen. In der Fachsprache des Friseurs nennt man dieses Zusammenziehen und Entquellen adstringieren.

Man verwendet schwache Säuren, hauptsächlich die organischen Säuren (Essigsäure, Zitronensäure, Weinsäure), in der Praxis des Friseurs und Kosmetikers in allen Präparaten, die eine entquellende Wirkung haben sollen. So enthalten die Fixierungen Säuren, die nach der Dauerwelle zur Entquellung des Haares beitragen sollen. Die Nachbehandlungsmittel für Färbungen und Blondierungen (Kräuterspülungen usw.) reagieren in der Regel sauer Oft ist in ihrem Namen schon der Begriff Säure enthalten (z. B. Kräuter-Azid, von latein. acidum = Säure). Auch viele Haarkurmittel reagieren sauer, weil sie das Haar adstringieren und glätten sollen.

Haare färben: Ein chemischer Prozess

Haarfärbemittel erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit, da sie eine schnelle und individuelle Veränderung des Aussehens ermöglichen. In Deutschland färben sich 77 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer mindestens halbjährlich die Haare. Egal ob beim Friseur oder in Selbstregie zuhause, was passiert da eigentlich genau mit den Haaren?

Das menschliche Haar besteht zum größten Teil aus Keratin, einem widerstandsfähigen Eiweiß. Beim Färben dringen die Inhaltsstoffe des Haarfärbemittels in die Haarfaser ein und verändern die natürliche Pigmentierung des Haares.

Aufhellung der Haarfarbe: Bei permanenten Haarfarben wird häufig Ammoniak verwendet, um die Schuppenschicht (die äußere Schutzschicht des Haares) zu öffnen. Dadurch können die Farbpartikel in das Innere des Haares eindringen. Gleichzeitig wird das natürliche Pigment (Melanin) durch Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid entfernt oder aufgehellt.

Einlagerung neuer Farbpigmente: Nachdem die natürliche Haarfarbe verändert wurde, lagern sich neue Farbpigmente im Haar ein. Die chemischen Prozesse beim Färben schwächen die Haarstruktur, da die natürliche Schutzschicht des Haares (die Schuppenschicht) geöffnet und das Innere des Haares angegriffen wird.

Wie die Haarfarbe an den Haaren haftet - und vor allem auch wie lange - kommt auf die Art der Färbung an. Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen einer temporärenTönung (Level 1), einer semi-permanenten Intensiv-Tönung (Level 2) und einer dauerhaften Permanent-Coloration (Level 3).

Bei Haartönungen legen sich wasserlösliche Farbstoffe von außen um die Schuppenschicht des Haares. Sie dringen nicht in die Haarstruktur ein und verändern sie nicht. Eine Tönung ist daher die haarschonendste Art, die Haare zu färben. Die Haarstruktur bleibt während des gesamten Tönungsprozesses intakt.

Dadurch, dass die Farbstoffe in einer Tönung bereits „fertig“ in der Tube sind und nicht erst in einem chemischen Prozess aktiviert werden, spricht man hier übrigens auch von „Direktziehern“. Direktzieher bestehen also aus nur einer Komponente, die nicht angemischt werden muss. Daher sind Direktzieher auch einige Zeit nach Anbruch haltbar.

Die Farbhaftung beruht bei Direktziehern auf einem physikalischen Wirkprinzip, genauer gesagt auf dem Prinzip der elektrostatischen Anziehungskraft. Die Farbstoffe haben eine positive Ladung und verbinden sich mit den negativen Ladungen des Haarkeratins. Sie haften dort wie ein Magnet. Unter den Direktziehern gibt es auch Farbstoffe ohne eigene Ladung. Diese zeichnen sich dafür durch die geringe Größe ihrer Farbmoleküle aus.

Aufgrund dieser Wirkweise eignen sich Level 1 Tönungen besonders gut zur haarschonenden Farbauffrischung der Naturhaarfarbe oder von vorangegangenen Permanent-Colorationen. Auch zur Farbkorrektur eignen sich Tönungen, beispielsweise können sie Gelb- oder Orangestiche nach einer Blondierung bis zu einem gewissen Grad neutralisieren.

Die Farbstoffe sind jedoch zu schwach, um graue Haare verlässlich abzudecken oder die Ausgangshaarfarbe um mehrere Nuancen zu verändern.

Im Gegensatz zu einer Tönung bleibt eine Permanent-Coloration dauerhaft im Haar. Die Farbstoffe sind noch nicht „fertig“, sondern bestehen zum Großteil aus kleinen, farblosen Farbstoffvorstufen, die erst noch im Haar chemisch reagieren müssen. Daher hat die aufzutragende Farbcreme einer Coloration in den allermeisten Fällen eine ganz andere Farbe als das spätere Endergebnis.

Zusätzlich zu den Farbvorstufen kommen Oxidationsmittel (wie bspw. Wasserstoffperoxid) und so genannte Alkalisierungsmittel (wie bspw. Ammoniak) zum Einsatz. Das Alkalisierungsmittel raut die äußere Schuppenschicht der Haare an. Das Haar „quillt“ auf, indem es die Schuppen leicht abspreizt. So können die Farbstoffvorstufen tief in das Haar bis in die Faserschicht des Haares vordringen. Dort reagieren sie dann mit dem Sauerstoff des Wasserstoffperoxids: Die gewünschte Haarfarbe entsteht in großen Farbmolekülen, die aufgrund dieser Größe nicht mehr ausgespült werden können.

Durch den Eingriff in die Haarstruktur braucht das Haar eine gewissenhafte Pflege und jeweils einige Wochen Erholungspause zwischen zwei Colorationsvorgängen. Dafür können graue Haare mit dieser Färbemethode bis zu 100% verlässlich abgedeckt werden.

Eine Level 1 Tönung ist nach nur wenigen Haarwäschen wieder komplett ausgewaschen, eine Level 3 Permanentcoloration verbleibt dauerhaft im Haar. Die Level 2 Variante liegt - logisch - irgendwo dazwischen. Eine definitive Zuordnung, ob es sich bei der Zwischenstufe eher um eine Tönung oder um eine Coloration handelt, fällt schwer. Das äußert sich auch an der Bezeichnung: Denn manchmal ist hier von Intensivtönung, manchmal von semipermanenter Coloration die Rede.

Gemeint ist das Gleiche: Eine Haarfarbe, die (je nach Hersteller-Rezeptur) etwa 6-8 Wochen bzw. Um diese längere Farbhaftung erreichen zu können, kommt eine Intensiv-Tönung, obwohl sie auch Direktzieher enthält, nicht mehr gänzlich ohne Alkalisierungsmittel aus. Zudem ist sie, wie eine Coloration, oxidativ. Der Unterschied zur Permanent-Coloration besteht jedoch in der Stärke und Konzentration von Peroxid und Alkali.

Während in Permanentcolorationen bspw. meist Peroxid der Stärken 6% oder 9% enthalten ist, arbeiten Intensivtönungen eher mit 3% Peroxid. Dadurch dringen die Farbstoffe zwar in die Faserschicht des Haares vor und reagieren dort, das natürliche Melanin des Haares bleibt jedoch bestehen. Ein Teil der Farbstoffe wäscht sich wie bei einer Tönung wieder aus, ein Teil muss jedoch herauswachsen. Bei einer Intensiv-Tönung muss man also auch damit rechnen, dass sie nicht rückstandslos wieder ausgewaschen wird.

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