Camillo Felgen: Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren und mehr

Camillo Felgen war ein TV- und Radio-Star, der als Moderator von „Spiel ohne Grenzen“ unvergessen bleibt. Was nur wenige wissen ist, dass er zu den erfolgreichsten Textern im Schlager-Metier zählte. Ob Peter Alexander oder die Beatles, sie bekamen von ihm den perfekten Text für ihre Hits. Der vielseitige Künstler kam als Camille Jean Nicolas Felgen am 17. November 1920 in Luxemburg zur Welt.

Fangen wir einfach einmal in der Mitte seiner Karriere an und lassen ihn zunächst einmal singen. Seinen ersten Hit landete der vielseitige Künstler, der zunächst als Volksschullehrer und Dolmetscher tätig war, mit „Bonjour les amis“.

Aus dem Nachrichtensprecher wurde im Laufe der Jahre der Programmchef, der aus dem bis dahin regionalen Sender den Unterhaltungssender Nummer 1 in Europa werden ließ. 125 Mal moderierte Camillo Felgen die Kult-Show „Spiel ohne Grenzen“. 1972 wurde er unterstützt vom noch jungen Frank Elstner.

Beenden wir diese Erinnerung an einen großen Unterhaltungskünstler mit einem weiteren Schlager, den er selbst gesungen hat. „Sag warum“.

Camillo Felgen:Ferne und Einsamkeit La Lontananza

Camillo Felgen als Texter

Was nur wenige wissen ist, dass Camillo Felgen mehr als 2000 Schlagertexte verfasst hat. Das Original von „Schöner fremder Mann“ ist nur wenigen wirklich bekannt.

Wie man dem Buch „1000 Nadelstiche“ entnehmen kann, waren für den „Sie liebt Dich!“-Text der Religionslehrer und Plattenfirmenangestellte Lawrence Yaskiel und Camillo Felgen verantwortlich. Für die Pilzköpfe verwandelten er und sein Mitautor gleich die erste Strophenzeile „You think you lost your love“ in „Du glaubst, Sie liebt nur mich“.

Aus dem freundschaftlichen Dialog, von dem „She loves you!“ handelt, wurde ein Gespräch zwischen Rivalen. Auch in der Frage nach Schuld und Vergebung scheinen die Verhältnisse auffallend verdreht. Aus „She said you hurt her so, she almost lost her mind“ machen Yaskiel und Felgen „Sie hat Dir weh getan, sie wusste nicht warum.“

Psychologisch könnte man daraus manche Schlüsse ziehen.

In Kürze geht der Eurovision Songcontest 2016 über die Bühne. Deutschland schickt Jamie-Lee Kriewitz nach Stockholm. Ob das Manga-Mädchen mit dem Titel Ghost einen Blumentopf gewinnen kann? Seit 1970 wissen wir: Wunder gibt es immer wieder! Damals landete Katja Ebstein mit diesem Titel auf Platz 3 und erreichte die bis dato beste Platzierung beim ESC, der damals noch Grand Prix de la Chanson hieß.

Apropos Songcontest: 1984 wollte es Loose noch einmal wissen. Für die Formation Rainy Day verfasste er Text und Musik zu Welche Farbe hat der Sonnenschein, den Schweizer Beitrag für Luxemburg. Das Lied landete auf Platz 17, und Loose beendete seine höchst erfolgreiche Karriere als Textdichter.

"Ich hab Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren" im Kontext von Altersstereotypen

Kukidents! Grufties! Vorbei die Zeiten, da Camillo Felgen anno 1961 in einem Schlager noch seine "Ehrfurcht vor schneeweissen Haaren" besang. Sind Begriffe wie "Uhus" (unter Hundert) oder "Üfüs" (über Fünfzig) noch nicht sonderlich despektierlich, so deuten die Wortschöpfungen "Kukidents" und "Grufties" auf einen deutlichen Wertewandel hin.

Besonders negativ ausgeprägte Altersstereotype, so hat eine Studie der Yale School of Public Health aus Baltimore jetzt gezeigt, sind aber unter Umständen nicht ohne gesundheitliche Nebenwirkungen im höheren Lebensalter.

Männer und Frauen im Alter von 18-49 Jahren, die man seit dem Jahr 1968 im Rahmen einer Längsschnittstudie ("Baltimore Longitudinal Study of Aging") kontinuierlich untersuchte, waren später sehr viel häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen, wenn sie in einer Befragung zu Beginn der Studie besonders negative Urteile über das Alter und Ältere abgegeben hatten. Dieser Zusammenhang ließ sich auch dann bestätigen, wenn man in multivariaten Analysen eine Vielzahl anderer Einflussfaktoren für Erkrankungen mitberücksichtigte.

Knapp 400 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren, die alle noch nicht von einer Herz-Kreislauferkrankung betroffen waren, wurden für diese Studie aus einer größeren Längsschnitt-Untersuchung ausgewählt. Alle hatten zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Jahr 1968 auch in einem Fragebogen Auskunft gegeben über ihre Krankheitsgeschichte und ihr Gesundheitsverhalten, ihr Bildungsniveau, Einkommen und weitere sozialstatistische Merkmale.

Darüber hinaus waren verschiedene medizinische Untersuchungen bei ihnen durchgeführt worden (Blutdruck, Cholesterin usw.) und schließlich hatten sie in einem Fragebogen auch ihre Meinung über das Alter und Ältere kundgetan. Diese Einstellung wurde anhand von fünf Aussagen erfragt, zu denen man jeweils verschiedene Grade der Zustimmung oder Ablehnung ankreuzte:

  • Es läuft schlechter, wenn man älter wird;
  • Ich habe jetzt genau so viel Elan wie letztes Jahr;
  • Man ist im Alter zunehmend weniger nützlich;
  • Ich bin jetzt genau so glücklich wie ich es früher war;
  • Wenn man älter wird, ist vieles besser als man früher gedacht hat.

Bei den Teilnehmern wurde dann im Zeitraum 1968 bis 2007 kontrolliert, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftraten. Es gab insgesamt 89 solcher Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Es zeigte sich dann, dass diese Erkrankungen umso häufiger auftraten, je negativer das Altersbild der Teilnehmer früher gewesen ist. So hatten innerhalb eines Zeitraums von 30 Jahren nur 13 Prozent derjenigen mit einem positiven Altersbild ein Herz-Kreislauf-Ereignis, aber rund doppelt so viele (25 Prozent) derjenigen mit einem ausgeprägt negativen Altersstereotyp.

Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn eine multivariaten Analyse durchgeführt wurde, bei der eine Vielzahl weiterer, auch denkbarer Einflussfaktoren mitberücksichtigt wurde: Alter, Geschlecht, Bildung, Familienstand, Body Mass Index, Rauchen, Depressivität, Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands, chronische Erkrankungen und andere.

Die Wissenschaftler diskutieren ihre Befunde nur sehr kurz, so dass auch unklar bleibt, wie sich der Zusammenhang zwischen Altersbild und späterer Gesundheit erklären lässt.

Ein Erklärungsansatz, wenngleich nicht der einzige, wurde schon in einer früheren Studie der Forschungsgruppe entdeckt: Wer ein negatives Bild vom Alter hat, zeigt auch häufiger gesundheitlich riskante Verhaltensweisen wie wenig Sport und körperliche Bewegung, ungesunde Ernährung.

Wie es scheint, würde ein negatives Altersbild bedeuten: Vom Alter erwarte ich ohnehin nur wenig Gutes, dann kann ich jetzt im jüngeren Alter auch ohne Rücksicht auf meine Gesundheit leben.

Die neuere Studie ist in der Zeitschrift "Psychological Science" online vorab veröffentlicht.

Merkmal Positive Altersbilder Negative Altersbilder
Herz-Kreislauf-Ereignisse (innerhalb von 30 Jahren) 13% 25%

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