Männer und ihre Haare - oft ein sensibles Thema. Viele Männer leiden unter Haarausfall und fragen sich, was die Ursachen dafür sind. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Haarausfalls bei Männern, von den hormonellen Ursachen bis zu den Behandlungsmöglichkeiten und dem Umgang damit.
Viele Männer fragen sich, warum ihnen die Haare ausgehen. Sind es die Gene? Oder die falsche Pflege? Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann im Laufe seines Lebens mindestens eine Halbglatze bekommt, ist hoch: 30 Prozent der weißen Männer sind bereits mit 30 Jahren betroffen. Mit 50 Jahren ist es schon die Hälfte. Und mit 70 Jahren hat nur noch jeder fünfte Mann keinerlei Anzeichen von Haarausfall (Expert Reviews in Molecular Medicine: Ellis et al., 2002).
Anfangs verschiebt sich der Haaransatz nach hinten, langsam verschwindet das Haar am Scheitel und auf der Kopfkrone. Manchmal geht es danach nur vorne weiter, während hinten das Deckhaar noch voll ist. Oder es bleibt ein mehr oder weniger breiter Kranz rund um den Kopf übrig. Und manchmal überhaupt nichts.
Um den Haarverlust möglichst genau zu beschreiben, eignet sich das Hamilton-Norwood-Schema, welches in sieben Kategorien von vollem Haar bis zur Platte einteilt.
Bisher glaubte man zu wissen, wer am allmählich lichter werdenden Haupthaar des Mannes schuld war: das Testosteron. Stimmt aber nicht ganz. Das bekannteste männliche Sexualhormon ist selbst nicht verantwortlich, sondern sein aktives Stoffwechselprodukt Dihydrotestosteron, kurz DHT. Je mehr Testosteron in DHT umgewandelt wird, desto schneller beginnt der Haarausfall - wenn Mann die genetische Disposition dazu besitzt. Und bei der häufigsten Form des Haarausfalls - der Androgenetischen Alopezie - reagieren die Haarfollikel empfindlicher auf Dihydrotestosteron. Dort wo in der Kopfhaut neue Haare sprießen, hemmt DHT ihr Wachstum. Der Follikel schrumpft, wird mit weniger Nährstoffen versorgt und am Ende wächst gar nichts mehr. Reguliert wird das alles von einem Enzym namens 5α-Reduktase (Indian Dermatology Online Journal: Mysore, 2012).
Ohne dieses Eiweiß bleibt dem Mann das Haupthaar erhalten (Science: Imperato-McGinley et al.). Entscheidend dafür, wer wann eine Glatze bekommt, ist also, wie aktiv 5α-Reduktase ist sowie die Zahl der Rezeptoren, an denen DHT am Follikel andocken kann (Journal of Endocrinology: Hibberts et al., 1998). Beides ist stark genetisch bedingt.
Auch wer klein ist, scheint häufiger eine Glatze zu bekommen. Das zeigt eine Studie (Nature Communications: Heilmann-Heimbach et al., 2017), die das Erbgut von mehr als 20.000 Männern europäischer Herkunft mit und ohne Haar untersuchte. An 63 Orten im menschlichen Genom konnte das Forscherteam Genvarianten ausmachen, die mit dem Risiko eines frühzeitigen Haarausfalls einhergehen. Einige dieser Gene waren auch mit einer geringeren Körpergröße verbunden. Kleine Männer sollten sich dennoch nicht sorgen, so der Mitautor Markus Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn. Wer klein ist, hat nur ein geringfügig erhöhtes Risiko.
Die häufigste Form des Haarausfalls betrifft sowohl Männer als auch Frauen und wird als Androgenetische Alopezie (AGA) bezeichnet. Etwa 95% aller Fälle von Haarausfall sind auf diese genetisch bedingte Form zurückzuführen. Der Begriff “androgenetische Alopezie” bedeutet übersetzt “Haarausfall durch männliche Hormone”. Es handelt sich um eine Form des Haarausfalls, bei der die Haarfollikel aufgrund einer veranlagungsbedingten erhöhten Empfindlichkeit gegenüber männlichen Sexualhormonen (Androgenen) beeinträchtigt werden. Diese Empfindlichkeit führt dazu, dass die Haarfollikel unter dem Einfluss von DHT (Dehydrotestosteron) - einem Abbauprodukt des körpereigenen Hormons Testosteron in Verbindung mit dem Enzym 5α-Reduktase - schrumpfen und weniger Haare produzieren.
Dieser Haarausfall ist genetisch vorbestimmt und hängt auch von familiären Veranlagungen ab. Die Veränderung beginnt normalerweise im mittleren Lebensalter (zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr). Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.
Beim weiblichen Geschlecht ist diese Form des Haarausfalls nicht zu beobachten. Hier zeichnet sich der Haarausfall oft im Bereich des Scheitels ab und dünnt diesen fortschreitend aus. Es entsteht dann eine Lichtung des Haupthaares. Bei der Frau ist die androgenetische Alopezie häufig mit einem maskulinen Behaarungstyp verbunden. So finden sich dann häufig auch Haare an den Unterschenkeln, an Zehen und im Gesichtsbereich.
Die Behandlung der androgenetischen Alopezie ist ein langfristiger Prozess. Wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung des erblichen Haarausfalls gibt es leider nicht. Relativ erfolgreich können in Haarwässern enthaltene Östrogene wirken. Sie neutralisieren die Wirkung von DHT im Haarboden. Bei der Behandlung gilt es zu verstehen, dass ein erneutes Wachstum der Haare an bereits kahlen Stellen nicht unbedingt zu erwarten ist. Frühzeitig erkannt, können Medikamente allerdings helfen, den Haarausfall zu stoppen.
Bei Frauen kann die Alopezie mit Hormonpräparaten behandelt werden, z. B. mit hormonellen Verhütungsmitteln oder örtlich aufgetragenen, östrogenhaltigen Mitteln. Männer können mit dem Wirkstoff Finasterid behandelt werden. Finasterid ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das bei über neunzig Prozent der Männer den Haarausfall stoppen soll - wenn es regelmäßig eingenommen wird. Finasterid hemmt das DHT und blockt damit den erblich bedingten Haarausfall ab. Zu diesem Medikament stehen Langzeitbeobachtungen noch aus. Es steht aber im Verdacht, Potenzprobleme hervorzurufen.
Ein weiteres Medikament ist Minoxidil - eine hormonfreie Lösung gegen anlagebedingten Haarausfall. Wichtig: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, um die beste Behandlungsmöglichkeit für Sie zu finden und beachten Sie, dass bereits verlorene Haare nicht wieder zurückkommen.
Männern, die sich mit dem Haarschwund nicht abfinden wollen, steht neben den Wirkstoffen Finasterid (prominentester Patient: Donald Trump) und Minoxidil noch die Möglichkeit der Haartransplantation offen. Es gibt spezielle Haarsprechstunden bei Fachärzten, die sich des Problems annehmen. Doch letztere müssen nun umdenken: Welche Botenstoffe des körpereigenen endokrinen Systems sind nun schuld am Haarausfall?
| Behandlungsmethode | Wirkung | Hinweise |
|---|---|---|
| Östrogenhaltige Haarwässer | Neutralisieren DHT im Haarboden | Relativ erfolgreich |
| Hormonpräparate (Frauen) | Behandlung der Alopezie | z.B. hormonelle Verhütungsmittel |
| Finasterid (Männer) | Hemmt DHT, stoppt Haarausfall | Verschreibungspflichtig, mögliche Nebenwirkungen |
| Minoxidil | Hormonfreie Lösung gegen Haarausfall | - |
| Haartransplantation | Verpflanzung von Haaren aus dem Hinterkopf | Ästhetisch brauchbare Ergebnisse |
In erster Linie hilft natürlich ein souveräner Umgang mit dem Haarverlust. Charakterköpfe, die einen solchen vorgelebt haben, gibt es genug. Man schaue sich nur die Büsten berühmter Männer an. Nicht umsonst wurzeln die sogenannten Geheimratsecken sprachlich beim “Geheimen Rat”, einem historischen Titel für die Einflüsterer von Fürsten. Eine soziale Stellung also, die mit Würde und Einfluss verbunden war - und durch die Namensgebung sollten es somit die Geheimratsecken auch sein.
Hollywood-Star Bruce Willis machte seine Glatze zum Markenzeichen. Aber in der Gesellschaft wird Haarverlust nicht immer so positiv wahrgenommen. Einst galt eine Glatze als ästhetisch - bis ihr Image im 20. Jahrhundert bröckelte. Kahlköpfigkeit entwickelte sich plötzlich zu einem Problem, das geheilt werden musste. Und langsam begann die Massenvermarkung von Produkten gegen Haarausfall. Parallel förderten Werbespots die Vorstellung, glatzköpfige Männer seien unattraktiv, wie Kevin Harvey, Professor für Soziolinguistik an der University of Nottingham, bereits im Jahr 2013 feststellte.
Heute tauchen Glatzen in den Massenmedien kaum noch auf, berichtet der Psychologe Dr. Glen Jankowski, Senior Lecturer an der School of Social Sciences der englischen Leeds Beckett University. Ausnahmen bleiben natürlich Berühmtheiten wie Bruce Willis, Andre Agassi oder Ben Kingsley, die ihren Kahlkopf praktisch als Markenzeichen etablierten.
Ein Blick auf die (Kunst-)Geschichte zeigt: Früher galten Männer mit Glatze als ebenso gesund, erfolgreich und zufrieden wie jene mit Haaren. Schon in privaten altägyptischen Gräbern von 2613 bis 525 vor Christus tauchten Malereien glatzköpfiger Männer auf. »Die Kunstwerke deuten darauf hin, dass die alten Ägypter kahlköpfige Männer nicht anders behandelten als ihre behaarten Altersgenossen«, so der Wissenschaftler. Neueste Forschungen belegen übrigens: Sogar der Eismann Ötzi hatte eine Glatze.
Auch in der europäischen Kunst erscheint die Glatze als normal. Zum Beispiel in Vincent van Goghs Gemälde »An der Schwelle zur Ewigkeit« von 1890, das einen glatzköpfigen Rentner zeigt. Der niederländische Künstler selbst schrieb einst dazu: »Was für ein schöner Anblick eines alten Arbeiters in seinem geflickten Bombazine-Anzug mit seiner Glatze.«
Eine Studie der University of Pennsylvania legt nahe, dass Männer mit kahlem Kopf oft als dominanter und erfolgreicher eingeschätzt werden. Sie werden zudem durchschnittlich als größer und stärker wahrgenommen. Männer mit Glatze werden tendenziell zwar älter geschätzt, aber auch als weise und intelligent empfunden.
Auch Stars haben Haarverlust, Geheimratsecken, Glatzen oder andere Haarprobleme. Bekannt durch seine Hauptrolle in Männer (1985) und Filme wie Willkommen bei den Hartmanns (2016) oder Der Fall Collini (2019), gehört Heiner Lauterbachs Glatze heute zu seinem unverkennbaren Look. Während sich viele Männer gegen den Haarverlust wehren, hat Lauterbach ihn einfach akzeptiert.
Weitere Beispiele sind:
Mit diesen Beispielen wird deutlich: Haarausfall ist kein Einzelfall - weder in Hollywood noch im echten Leben. Doch mit dem richtigen Selbstbewusstsein kann eine Glatze nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch für Nicht-Stars ein echtes Stil-Statement werden.
Abschließend lässt sich sagen, dass Haarausfall viele Ursachen haben kann, von genetischer Veranlagung bis zu hormonellen Einflüssen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen, sei es durch Akzeptanz oder durch medizinische Behandlungen. Wichtig ist, sich nicht entmutigen zu lassen und den eigenen Weg zu finden.
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