Die Tradition der Perücken im britischen Oberhaus

Das britische Oberhaus, auch bekannt als House of Lords, ist berühmt für seine tief verwurzelten Traditionen und zeremoniellen Praktiken. Eine der auffälligsten und historisch bedeutsamsten dieser Traditionen ist das Tragen von Perücken durch bestimmte Mitglieder des Oberhauses, insbesondere Richter und einige Parlamentsbeamte.

Parlamentseröffnungen in Großbritannien beginnen oft mit großem Pomp und Zeremonie. König Charles III. und Königin Camilla fahren in einer goldenen Kutsche vom Buckingham Palast nach Westminster. Dort nimmt der König, gekleidet in einen purpurnen Mantel und mit der Reichskrone auf dem Kopf, auf einem Thron Platz. Vor ihm versammeln sich Hunderte von Anwesenden, darunter die Lords des Oberhauses in langen Roben und weißen Perücken.

Die Tradition der Perücken im britischen Rechtssystem und Parlament geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Zeit wurden Perücken zu einem Symbol für Würde, Autorität und Kontinuität. Sie dienten dazu, die Identität des Einzelnen zu verbergen und die Unparteilichkeit und Objektivität des Amtes zu betonen.

Ein Richter des Oberhauses mit traditioneller Perücke.

Historischer Hintergrund

Nach der Restauration der Monarchie im Jahr 1660 unter Karl II. erlebte das Tragen von Perücken in England einen Aufschwung. Ursprünglich waren Perücken ein modisches Accessoire für den Adel und die Oberschicht, wurden aber bald auch von Angehörigen der Rechtsberufe übernommen. Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert standardisierte sich die Praxis, dass Richter und Anwälte Perücken trugen, um Seriosität und Professionalität zu vermitteln.

Diese Entwicklung fiel in eine Zeit, in der das Rechtssystem selbst eine Phase der Professionalisierung durchlief. Das Tragen von Perücken trug dazu bei, eine visuelle Unterscheidung zwischen Rechtsgelehrten und der allgemeinen Bevölkerung zu schaffen, was die Autorität und das Ansehen des Gerichts stärkte.

Die Bedeutung der Perücke

Die Perücke im britischen Oberhaus ist mehr als nur ein Kleidungsstück; sie ist ein Symbol mit tiefer Bedeutung:

  • Autorität und Würde: Die Perücke verleiht dem Träger ein Gefühl von Autorität und Würde, das für die Ausübung seines Amtes unerlässlich ist.
  • Unparteilichkeit: Indem sie die Individualität des Trägers verdeckt, soll die Perücke die Unparteilichkeit und Objektivität des Rechtsfindungsprozesses betonen.
  • Tradition und Kontinuität: Die Perücke ist ein sichtbares Zeichen für die lange Tradition und Kontinuität des britischen Rechtssystems und Parlaments.

Arten von Perücken

Es gibt verschiedene Arten von Perücken, die im britischen Oberhaus getragen werden, jede mit ihrem eigenen Design und Zweck:

  • Vollperücke (Full-bottomed wig): Diese lange, lockige Perücke wird hauptsächlich bei zeremoniellen Anlässen getragen.
  • Kurze Perücke (Bench wig): Diese kürzere, einfachere Perücke wird von Richtern im täglichen Gerichtsbetrieb getragen.
  • Zeremonielle Perücke: Diese Perücken sind oft aufwendiger gestaltet und werden bei besonderen Anlässen wie der Parlamentseröffnung getragen.

Die Parlamentseröffnung

Die Parlamentseröffnung ist ein herausragendes Beispiel, bei dem die Tradition der Perücken im Oberhaus besonders deutlich wird. Bei dieser feierlichen Zeremonie trägt der Monarch die Reichskrone und verliest die "King's Speech", in der die Regierung ihr Programm für die kommende Sitzungsperiode vorstellt. Die anwesenden Lords, gekleidet in ihre roten Roben und weißen Perücken, bilden eine beeindruckende Kulisse, die die historische Bedeutung und den zeremoniellen Charakter des Ereignisses unterstreicht.

Die Parlamentseröffnung im britischen Oberhaus mit den Lords in traditionellen Roben und Perücken.

Aktuelle Entwicklungen

In den letzten Jahren gab es Diskussionen darüber, ob die Tradition des Tragens von Perücken im 21. Jahrhundert noch zeitgemäß ist. Einige argumentieren, dass sie veraltet und unnötig ist, während andere sie als wichtigen Bestandteil der britischen Rechts- und Parlamentsgeschichte verteidigen. Trotz dieser Debatten bleibt die Perücke ein fester Bestandteil des britischen Oberhauses und ein Symbol für seine einzigartige Tradition und Geschichte.

Die Traditionen des Unterhauses spiegeln sich auch in der Bekleidungsordnung wider, die im 18. Jahrhundert eingeführt wurde. Bei feierlichen Akten, vor allem im Beisein der Queen, tragen die Mitglieder des Unterhauses auch heute noch edle Roben, Handschuhe, weiße Perücken und einen traditionellen Hut.

Die britische Tradition, Gesetze auf Pergament zu schreiben, ist ebenfalls ein Überrest jenes europaweiten Pergament-Konservativismus.

Das "State Opening of Parliament" gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigsten Terminen im politischen und royalen Kalender in Großbritannien und wird stets mit großem Pomp und teils skurril anmutenden Traditionen begangen.

Die roten Roben der Lords, die schulterlangen Perücken von Richtern und die bunten Uniformen der Herolde tragen zu dem farbenfrohen Auftritt bei.

Obwohl es immer wieder Diskussionen über die Sinnhaftigkeit solcher Traditionen gibt, bleibt die Perücke ein starkes Symbol für die Kontinuität und den Respekt vor der Geschichte im britischen Oberhaus. Sie erinnert an die lange Entwicklung des Parlaments und des Rechtssystems und an die Werte, die sie verkörpern.

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