Rechtsextreme Codes und Glatzen: Wie sich Neonazis kleiden und was das bedeutet

Die Zeiten, in denen Rechtsextremisten ausschließlich mit Bomberjacke, schwarzen Stiefeln und kahlrasierten Schädeln oder mit Trachtenhemd, Scheitel und Schnauzer in Erscheinung traten, sind vorbei. Moderne Rechtsextremisten kleiden sich heute oft dezent und unauffällig, wobei sie verschiedene Stile adaptieren und bestimmte Marken und Symbole nutzen, um ihre Gesinnung auszudrücken.

Neonazi-Demo in Hamburg (Quelle: Wikimedia Commons)

Verschiedene Gruppen, verschiedene Stile

Innerhalb der rechtsextremen Szene lassen sich verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Kleidungsstilen identifizieren:

  • Die Glatzen: Diese Neonazis pflegen den Stil der britischen Skinhead-Subkultur. Ihr Outfit orientiert sich am Habitus der britischen Arbeiter der 1960er Jahre: Kurzhaarfrisur, Jeans mit Hosenträgern und Boots. Sie kleiden sich martialisch und kampfbereit. Damit fühlen sie sich als die letzten „richtigen Männer“.
  • „Die Scheitel“: Ihr Habitus orientiert sich am „Dritten Reich“. Vorbild für Frisur und Kleidung ist Adolf Hitler. Solche völkischen Neonazis verstehen sich als Elite und als letzte Kämpfer gegen alles Moderne.
  • Die „Autonomen Nationalisten“: Sie tragen die Kleidung der Skater-, Hardcore- oder Hip-Hop-Szene. Optisch unterscheiden sie sich stark von den etablierten Rechtsextremisten und orientieren sich an eher linken Jugendkulturen. Sie treten bevorzugt in Großstädten auf. Manche von ihnen haben die Dresscodes der autonomen Linken übernommen: Palästinensertücher, Sonnenbrillen auch am Abend, Piercings, schwarze Kapuzenpullover und Baseballcaps mit Buttons; allerdings mit Aufdrucken wie „I LOVE NS“ = „Ich liebe Nationalen Sozialismus“ oder „KEIN BOCK AUF ANTIFA“). Dazu tragen sie Turnschuhe.

Ihr Stil ist modisch und vor allem diskret: Bei „Demos“ oder „Sprühaktionen“ sind sie von anderen Gruppierungen kaum zu unterscheiden. Ihre Ideologie ist zwar der „Nationale Sozialismus“, doch ihr Lifestyle ist attraktiver und für viele Jugendliche salonfähig: Lehrer und Eltern stellen keine unangenehmen Fragen.

Instrumentalisierte Modemarken

Rechtsextreme Akteure nutzen bestimmte Modemarken bewusst, jedoch lässt sich dadurch nicht schlussfolgern, dass die entsprechenden Modemarken selbst der rechtsextremen Szene zugeordnet werden können. Oftmals erfolgte eine Instrumentalisierung der Modemarke. Es gibt Marken, die selbst ganz klar rechtsextreme Inhalte Teilen, andere setzten sich für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein und werden dennoch von rechtsextremen Akteuren getragen.

Einige Beispiele für Marken, die (oder deren Logos) von Rechtsextremen instrumentalisiert werden:

  • Lonsdale: Die britische Boxsportmarke erlangte in der rechtsextremen Szene Beliebtheit, da unter einer geöffneten Jacke die Buchstabenreihe „NSDA“ zu erkennen ist. Lonsdale startete 2003 eine Kampagne mit dem Titel „Lonsdale loves all colours“ und beliefert heute bewusst keine bekannten Geschäfte von Rechtsextremisten.
  • Fred Perry: Die Sportmarke des Tennisspielers Fred Perry wurde zur beliebten Marke in der Skinhead-Szene und dann auch bei Rechtsextremisten.
  • Alpha Industries: Der amerikanische Bekleidungshersteller machte die Rechtsextremen durch den Stil seiner Jacken (unter anderem der „Bomberjacke“, die Alpha Industries für das US-Militär produziert) auf sich aufmerksam.
  • Helly Hansen: Die Outdoor-Marke wurde schlichtweg deshalb von Rechtsextremisten entdeckt, weil sie das HH im Logo hat.
  • New Balance: Beim Sportartikel-Hersteller wurde das Interesse der Rechtsextremen durch das Logo, ein großes „N“, geweckt.

Die Marketingkonzepte dieser Firmen sind auf Käufer aus „gewaltorientierten“ Szenen (Hooligans, Skinheads, Rocker) spezialisiert. Sie spielen und kokettieren mit dem Image gewaltbereiter „Gesetzloser“. Deshalb werden diese Bekleidungsmarken auch gerne von Rechtsextremisten getragen. Diese gewinnorientiert arbeitenden Firmen haben zwar teilweise Verbindungen in die rechtsextreme Szene, gelten aber nicht als rechtsextreme Modemarken.

Marken speziell für rechtsextreme Zielgruppen

Verfassungsschützer bezeichnen diese Marken als „szenetypische Bekleidung“ und Erkennungsmerkmal von Rechtsextremisten. Die Firmen sind gewinnorientiert. Sie bemühen sich, keinen Anlass für Verbote ihrer Kollektionen zu liefern. Denn das würde ihrem Geschäft schaden.

Bekannte Marken dieser Kategorie sind:

  • Consdaple: Die Marke aus Erding bei Landshut lehnt sich mit dem Design ihres Schriftzuges an das englische Label Lonsdale an. Als Lonsdale begann, Programme gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu unterstützen, wandte sich die rechtsextreme Szene ab. Consdaple entdeckte die entstehende Marktlücke. Das Wort ist nur scheinbar der englischen Sprache entlehnt. Wichtig ist nur, dass der Schriftzug „NSDAP“ vollständig zu erkennen ist. Über dem Schriftzug befindet sich oft ein Logo, welches dem im Nationalsozialismus verwendeten Reichsadler ähnlich sieht.
  • Thor Steinar: „Thor Steinar“ (Thor = altnordischer Donnergott) ist eine erfolgreiche und bekannte „Kultmarke“ in rechtsextremen Kreisen, aber auch darüber hinaus. Qualitativ hochwertig und modisch auf dem Stand der Zeit, können Rechtsextreme durch das Tragen der Marke ihre Gesinnung zeigen. Typisch für die Marke sind heute das Logo mit der Gebo-Rune und die Verwendung der norwegischen Flagge.
  • Erik & Sons: Die Marke versucht, an den Erfolg von Thor Steinar in der rechtsextremen Szene anzuknüpfen. Im rechtsextremen Versandhandel ist Erik & Sons auf die gleiche Zielgruppe ausgerichtet. Hier wird die Naudiz Rune als Logo genutzt.
  • Ansgar Aryan: Die Marke spielt gerne mit Wikinger-Ästhetik. Aber auch Motive der Hardcore-Szene oder der deutschen Wehrmacht werden genutzt. Neben Symbolen wie der Triskele, einer Art dreiarmiges Hakenkreuz, prangen Sätze wie „Gott mit uns“, der Losung auf den Gürtelschnallen deutscher Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Auch an historische Ereignisse wird erinnert: „17.
  • Rizist: Die Bekleidungsmarke versucht, durch ihre Logos und Schriftzüge im Graffito-Stil neue Zielgruppen zu erschließen. Der Name ergibt phonetisch das englische „resist“, also „widerstehen“, und knüpft damit eher an linksextreme Rhetorik an. Baseball Caps, Baggy Hosen und Windbreaker gehören zum Sortiment für das städtische Publikum. Rizist wendet sich auch an die „Autonomen Nationalisten“ (AN): Rechtsextreme, die die Kleidung der Skater- und Hip-Hopper-Szene schätzen.

Thor Steinar Laden (Quelle: endstation-rechts.de)

Neonazi-Kleidung ohne eigenes Label

Solche Eigenprodukte werden über den Versandhandel sowie bei Konzerten vertrieben und kaum über Ladengeschäfte verkauft.

Bezüge zu rechtsextremer Musik und Lifestyle: Weit verbreitet sind Merchandise Artikel von rechtsextremen Bands, beispielsweise der verbotenen Gruppe „Landser“ oder ihrem Nachfolger „Lunikoff Verschwörung“.

Logos rechtsextremistischer Organisationen: Sie wirken meist auch zur Einschüchterung des politischen Gegners. Dazu zählen die „White Power“-Faust sowie Hammer und Schwert als Erkennungszeichen von Rassisten. Die Kopie des Symbols der Antifaschistischen Aktion, eine schwarze und eine rote Fahne, werden von den „Autonomen Nationalisten" verwendet.

Eine besondere Vorliebe haben Rechtsextremisten für geheime Codes und (versteckte) Drohungen, die sie in vielfältiger Weise auch auf bedruckten Textilien zur Schau stellen. Beispielsweise werden T-Shirts mit dem Schriftzug „DIVISION 88“ (= „Division Heil Hitler“) getragen.

Wer sich besonders martialisch geben will, demonstriert Verbundenheit mit der Terrorgruppe „Combat 18" („C18“). Rechtsextreme Textilien sind beispielsweise mit dem Aufdruck „Combat 18 Actiongroup“, „TERRORMASCHINE COMBAT 18“ oder mit Motiv Bombe mit Zeitzünder versehen: „COMBAT 18 PARCEL SERVICE“ („Kampfgruppe Adolf Hitler Paket-Service“).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kleidungsstile und Marken in der rechtsextremen Szene vielfältig sind und sich ständig weiterentwickeln. Sie dienen nicht nur der Erkennung und Abgrenzung, sondern auch der Verbreitung rechtsextremer Ideologien und der Einschüchterung politischer Gegner. Es ist wichtig, diese Codes und Symbole zu kennen, um die dahinterstehenden Botschaften zu verstehen und ihnen entgegenzutreten.

Zur SCHAU getragen: Symbole, Codes und Mode der NEUEN RECHTEN | VIDEO ESSAY

Kategorie Merkmale Beispiele
Bekleidungsmarken, die auch von Rechtsextremen getragen werden Keine direkten Bindungen an die rechtsextreme Szene, Instrumentalisierung der Marke Lonsdale, Fred Perry, Alpha Industries, Helly Hansen, New Balance
Bekleidungsmarken speziell für rechtsextreme Zielgruppen "Szenetypische Bekleidung", Erkennungsmerkmal von Rechtsextremisten Consdaple, Thor Steinar, Erik & Sons, Ansgar Aryan, Rizist
Kleidung von Neonazis für Neonazis ohne eigenes Label Eigenprodukte, Vertrieb über Versandhandel und Konzerte Merchandise-Artikel rechtsextremer Bands, Logos rechtsextremistischer Organisationen, geheime Codes und Drohungen

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