Blonde und blaue Haare: Ursachen, Genetik und Lösungen

Von blond bis schwarz, glatt bis lockig, Glatze bis Afro: Unsere Haarpracht ist so vielfältig wie unsere Charaktere. Das menschliche Haupthaar erfüllt schon lange nicht mehr nur eine Schutzfunktion, sondern ist seit Jahrtausenden auch Fashion Statement, Persönlichkeitsausdruck oder politisches Zeichen. Tagtäglich beschäftigen wir uns mit unserer Frisur, trotzdem bleiben Fragen offen: Warum, zum Beispiel, unterscheiden sich Haarfarben von Mensch zu Mensch und wieso sind unsere Haare nicht von Natur aus blau? Was bestimmt, ob wir Locken, Wellen oder glatte Haare haben?

Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für blonde und blaue Haare, die genetischen Grundlagen der Haarfarbe und gibt praktische Tipps zur Pflege und Vermeidung unerwünschter Farbstiche.

Die Genetik der Haarfarbe

Die natürliche Haarfarbe einer Person hängt von ihrem jeweiligen Melaningehalt in den verhornten Zellen ab. Melanine sind die Farbpigmente, die unserer Haut und unseren Haaren ihre charakteristische Farbe geben. Sie werden von sogenannten Melanozyten in den Haarfollikeln - Strukturen, die die Haarwurzel umgeben - produziert. Das bekannteste Pigment beim Menschen ist Melanin. Es bestimmt unter anderem die Haut- und Haarfarbe und kommt in zwei Varianten vor: Eumelanin und Phäomelanin. Melanine werden in spezialisierten Hautzellen hergestellt, den Melanozyten.

Für braune und schwarze Farben ist das Eumelanin zuständig. Dieser Farbstoff sorgt auch für Sonnenbräune. Deutlich seltener ist das orangerote Phäomelanin. Blonde oder hellbraune Haare enthalten insgesamt wenig Melanin, also wenig Eumelanin und Phäomelanin.

Je nachdem, in welchem Mischungsverhältnis die beiden Melanintypen stehen, entstehen die natürlichen Haarfarben. Menschen mit braunen Haaren haben zum Beispiel viele der großen Eumelanin-Farbpigmenten, während die Melanozyten von Menschen mit roten Haaren mehr von den feineren Phäomelanin-Farbpigmenten produzieren. Bestimmt wird der jeweilige Melaningehalt durch unsere Gene.

Laut einer gemeinsamen Studie der Universität Rotterdam und dem King’s College London aus dem Jahr 2018 beeinflussen insgesamt 124 Genregionen unsere Haarfarbe. Bereits durch kleinste Mutationen in einer dieser Regionen kann die Haarfarbe verändert werden. Allgemein geht man davon aus, dass etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung braunes oder schwarzes Haar haben.

Es muss unter den afrikanischen Ahnen des heutigen Homo sapiens immer wieder Mutationen im MC1R-Gen gegeben haben. Doch in Afrika haben sich auffällig wenige gehalten: lediglich 5 von den mehr als 70 bisher gefundenen MC1R-Varianten. Und diese 5 führen allesamt zu funktionsfähigen Rezeptoren und damit zu dunkler Pigmentierung.

Die Evolution der blonden Haare

Blonde Haare kamen ursprünglich durch eine seltene Genmutation zustande. Wie sich die Haarfarbe in der Eiszeit so schnell in Europa ausbreiten konnte, war bisher ein Rätsel. Für die Studie analysierte das Team um Ghirotto 348 DNA-Proben aus archäologischen Stätten in 34 Ländern in Westeuropa und Asien.

Die älteste, 45.000 Jahre alte Probe stammt vom Ust'-Ishim-Individuum, das 2008 in Westsibirien entdeckt wurde. Allerdings sind viele der untersuchten DNA-Proben so stark beschädigt oder unvollständig ("degradiert"), dass die Forschenden die Pigmentierungsmerkmale (wie Haut-, Haar- und Augenfarbe) nicht direkt ablesen konnten.

Vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren blieben die ersten Homo sapiens dauerhaft in Europa. Genetisch hatten sie sich noch nicht weit von ihren modernen Vorfahren in Afrika entfernt. Zwar gab es wohl immer mal Ausnahmen, etwa blaue Augen, aber die meisten Menschen in Europa hatten auch noch während der Kupferzeit vor etwa 5000 Jahren dunkle Haut und dunkle Haare. Laut der Studie könnte die helle Haut für die frühen Sammler und Jäger einen evolutionären Vorteil bedeutet haben.

Dagegen hatte die hellere Augenfarbe wohl keine größeren evolutionären Vorteile. Noch ist aber nicht abschließend geklärt, welche evolutionären Vorteile helle Haut, Haare und Augen den Menschen in Europa genau brachten.

Nicht nur mancher Gentleman der Neuzeit bevorzugt Blondinen - schon Höhlenmänner fanden die Vorgängerinnen von Marilyn Monroe, Brigitte Bardot und Scarlett Johansson besonders attraktiv.

Zu diesem Schluss kamen jetzt Forscher zweier britischer Universitäten. Schuld sei die Evolution: Gegen Ende der Eiszeit hätten sich blondes Haar und leuchtend blaue Augen bei Frauen als Reaktion auf Nahrungs- und Männermangel herausgebildet, glauben Forscher der renommierten Universitäten St.

Ihre außergewöhnliche Haarfarbe brachte den Blondinen offenbar bessere Chancen auf Fortpflanzung. Nur so könne er sich erklären, warum sich blondes Haar, ursprünglich eine seltene genetische Mutation, in einer vergleichsweise kurzen Zeit in Nordeuropa ausgebreitet habe, sagte Frost.

Die Verteilung blonder Haare

Die frühen Europäer hatten wahrscheinlich dunkle Haare, dunkle Augen und dunkle Haut. Bis zur Eisenzeit vor etwa 3000 Jahren waren Menschen mit hellen Haaren, hellen Augen und heller Haut die große Ausnahme. Heute gibt es in Nordeuropa in Ländern wie Norwegen, Schweden und Finnland sogar Regionen, in denen über 80 Prozent der Bevölkerung von Natur aus blond sind. Im Rest Europas sind blonde Haare eher eine Ausnahme, die meisten Europäer haben braune Haare.

Verteilung der Haarfarbe in Europa

Unerwünschte Farbstiche nach dem Blondieren

Gerade bei blondierten Haaren ist ein Blaustich keine Seltenheit. Menschen, die die Haare blondiert haben, kennen ihn vermutlich: den Blaustich. Die Entfernung eines Blaustichs aus den Haaren gestaltet sich meist etwas schwierig. Die Ursache liegt in den blauen Pigmenten der Blondierung. Diese sollen dem unerwünschten Gelbstich entgegenwirken.

Verantwortlich für einen Lilastich kann das Waschen mit einem Silbershampoo sein, das vor allem Verwendung findet, wenn die Haare blondiert wurden. Ein sofortiges erneutes Blondieren bringt nichts. Das verschlimmert eher die Lage. Grundsätzlich sollte das Problem spätestens nach mehrmaligem Waschen der Haare ohne Silbershampoo erledigt sein. Allerdings kann es trotzdem Wochen und Monate dauern. Im Zweifel kann Ihnen Ihr Friseur weiterhelfen.

Was tun bei einem Blaustich?

Eine erneute Blondierung hilft Ihnen nicht weiter. Bestenfalls färben Sie Ihr Haar mit dunklen Haartönen oder greifen auf ein Hausmittel zurück, wenn das Färben der Haare noch nicht zu lange zurückliegt:

  • Mischen Sie Honig und warmes Wasser zu gleichen Teilen.
  • Die Mischung auf das Haar auftragen.
  • Mit einem Handtuch einwickeln und circa 60 Minuten einwirken lassen.
  • Danach die Haare mit Shampoo intensiv waschen.

Wollen Sie den Blaustich mit einer anderen Farbe bekämpfen, bietet sich das "Color-Correcting" an. Die Aufhebung der Farben erfolgt durch entsprechende Kombinationen:

  • Rot neutralisiert Grün
  • Gelb eliminiert Blau

Eine vollständige Entfernung des Blaustichs ohne Nachfärben mit einer dunklen Farbe ist nicht möglich. Eine Mischung aus zwei Teelöffeln Backpulver, Spülmittel und etwas Zitronensaft kann den Effekt jedoch abmildern. Geben Sie das Gemisch auf Ihre Haare und lassen es ca. 30 Minuten einwirken. Anschließend spülen Sie mit warmem Wasser ab.

Weitere Tipps zur Korrektur von Farbstichen

Das Auftragen von Ketchup auf die Haare wirkt wie eine Kur. Das “Gewürz“ repariert vorhandene Schäden aufgrund von Chlor, Sonneneinstrahlung und Meerwasser. Die Säure darin lässt angehäufte Mineralien verschwinden. Darüber hinaus bildet der hohe Zuckergehalt eine Schutzschicht um die Haare. Sogar unerwünschte Grünverfärbungen verschwinden. Die enthaltene Komplementärfarbe Rot gleicht den Grünstich aus.

Tipp: Tragen Sie Ketchup ziemlich dick auf Ihre Haare auf. Unter einer Duschhaube lassen Sie es circa 30 Minuten einwirken.

Entfärben: Haare blau / grün - und nun?

Haarpflege nach dem Färben

Häufiges Waschen, am besten mit einem Tiefenreinigungsshampoo, kann überschüssige Pigmente aus den Haaren spülen und die Farbe sanft aufhellen. Klingt erstmal verrückt, doch Silbershampoo ist nicht nur für Blondinen der Retter in der Not. Es kann bei zu warmen, dunklen Tönen helfen, den Stich ins Rötliche oder Bräunliche abzumildern und das Ergebnis kühler und optisch heller wirken zu lassen.

Intensive Wasch-Sessions mit Tiefenreinigungs- und Silbershampoo können Ihre Mähne ordentlich strapazieren. Backpulver wirkt aufgrund zweier Gründe leicht aufhellend: Erstens enthält es Natriumbicarbonat, welches die Schuppenschicht Ihrer Haare leicht öffnet. Zweitens hat es eine sanfte Peeling-Wirkung und kann die Farbschicht daher nach und nach entfernen.

Sie können die Haarfarbe aus den Haaren ziehen, indem Sie zwei Esslöffel Backpulver mit Ihrem Lieblings-Shampoo mischen, es ins nasse Haar einmassieren und für circa fünf bis zehn Minuten einwirken lassen.

Vitamin C ist ein toller Aufheller für zu dunkel gefärbte Haare, da die natürliche Ascorbinsäure oxidierte Farbpigmente angreift und sie auf sanfte Weise aus der Haarstruktur löst. Diese sanfte Säure zielt dabei vor allem auf überschüssige Pigmente ab, ohne die Haarstruktur stark zu schädigen.

Essig, besonders Apfelessig, ist ein echter Allrounder für Ihr Haar. Die leichte Säure hilft dabei, die Schuppenschicht zu öffnen und überschüssige Farbpigmente schonend zu lösen. Essig kann jedoch nicht nur braunes Haar aufhellen, sondern stärkt gleichzeitig die Haarstruktur, indem er den pH-Wert ausgleicht und das Haar glatter und glänzender macht.

Honig hingegen wirkt wie ein natürlicher Aufheller, wenn Sie ihn mit etwas warmem Wasser vermischen und als Maske für ein bis zwei Stunden einwirken lassen.

Kokosöl ist ein wahres Pflege-Multitalent, das nicht nur Feuchtigkeit spendet, sondern auch überschüssige Farbpigmente aus Ihrem Haar ziehen kann.

Ob Backpulver-Peeling, Color Remover oder Aufheller - nach dem Aufhellen benötigt Ihr Haar eine Extraportion an Pflege. Integrieren Sie aufbauende Pflegeprodukte mit Keratin und Proteinen in Ihre Pflegeroutine, die das Haar von innen stärken und für mehr Geschmeidigkeit sorgen.

Die Sonne kann nicht nur Ihre Haut, sondern auch Ihr Haar austrocknen und den Farbton verblassen lassen.

Fazit: Haare zu dunkel gefärbt? Es gibt viele Wege, Ihre zu dunkel gefärbten Haare wieder aufzuhellen. Achten Sie jedoch darauf, Ihrem Haar nach der Aufhellung jede Menge Pflege zu gönnen und wählen Sie Produkte, die Ihre Mähne von innen heraus stärken. Noch besser: Vermeiden Sie Haarfärbe-Fails in Zukunft und finden Sie jetzt heraus, welche Haarfarbe zu Ihnen passt.

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