Identität war im vergangenen Jahr ein zentrales Thema, wobei hitzige Debatten über Merkmale wie Hautfarbe, Geschlecht und sexuelle Orientierung entbrannten. In Zeiten starker Politisierung erfahren selbst viele alltägliche Dinge und Praktiken plötzlich eine symbolische Aufladung.
Grund genug, einmal die Identität der Heiligen Familie genauer unter die Lupe zu nehmen. Unser seit Jahrhunderten überliefertes Bild von der Jungfrau Maria und ihrem Sohn geht ja weniger auf die Heilige Schrift zurück als auf ein künstlerisches Erbe, das in der Renaissance entstanden ist. So hell, so weiß! Leider dürfte Matthias Grünewalds Darstellung von Mutter und Kind kaum der Realität entsprechen.
Dass europäische Maler seit dem 14. Jahrhundert immer hellere Hautfarben wählten, hatte manche pragmatischen Gründe (etwa Identifikationsstiftung), aber auch ideologische: Der Irrglaube, helle Haut zeuge von hoher Herkunft, reicht weit zurück bis ins alte Ägypten. In der Renaissance entstand ein wahrer Wettbewerb um die gelungenste Darstellung heller Haut auf Leinwand.
Zur hellen Haut gehört in der Kunstgeschichte nicht selten das blonde Haar. Umso erstaunlicher mutet eine rothaarige Jungfrau Maria an, wie sie etwa der flämische Meister Jan Provost (1465-1529) zeigt.
Grund war eine Fehlleistung von Papst Gregor I., der die angeblich rothaarige Maria Magdalena mit jener anonymen Sünderin gleichsetzte, die Jesus die Füße wusch. Aus der Sünderin wurde später eine Prostituierte und im Umkehrschluss jede Rothaarige zu einer Person von zweifelhaftem Ruf.
Rothaarige Jungfrau Maria von Jan Provost
Ob in Marias Kleiderschrank wohl auch gelbe oder grüne Kleidungsstücke zu finden waren? Wenn ja, dann müssen sie weit unten gelegen haben. Darin sind sich die meisten Künstler einig: Die Muttergottes hat am liebsten Blau getragen, so auch die „Madonna im Rosenhag“ des aus Meersburg stammenden Meisters Stefan Lochner (ca. 1400-1451).
Womit schon der Hauptgrund dieser merkwürdigen Vorliebe benannt ist: Gerade wegen ihrer Knappheit kennzeichnet die Farbe Blau den hohen Rang einer porträtierten Person - nicht umsonst haben sich eitle Herrscher wie Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. besonders gerne in Blau malen lassen. Dass die Farbe auch an himmlische Dimensionen denken lässt, war ein angenehmer Nebeneffekt.
So ein gewöhnlicher Heiligenschein ist vielen Künstlern der Renaissance nicht mehr genug, rund ums Haupt des Jesuskinds muss gleich ein ganzer Strahlenkranz blinken. Und als wäre die Krippe für ein Neugeborenes noch zu komfortabel, finden wir Jesus auffallend oft nackt auf dem kalten Boden vor.
Der im 14. Jahrhundert lebenden Mystikerin wurden mehrfach Visionen zuteil. Eine davon geschah während einer Pilgerreise ins Heilige Land: „Nackt und klar“ sowie von einem „unsäglichen Strahlenkranz“ umgeben habe sie das Kind „auf dem Boden liegen“ gesehen, berichtete sie. Zudem habe Maria ihr „goldglänzendes Haar“ offen getragen. Künstler wie Rogier van der Weyden (ca. 1399-1464) nahmen diese bildstarke Vorlage nur allzu gerne auf.
Christi Geburt in Bethlehems Stall, doch von der Mutter ist weit und breit nichts zu sehen? Tatsächlich, so haben viele Weihnachts-Darstellungen der frühen Kunstgeschichte ausgesehen. Bis Ende des vierten Jahrhunderts nahm Maria im Geschehen allenfalls eine Nebenrolle ein.
Im Linksextremismus existieren vielfältige Symbole, Erkennungszeichen und interne Codes. Auch hier gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen den Logos der kommunistisch ausgerichteten Parteien und der eher anarchistisch geprägten Szene. Zur Identifikation mit dem traditionellen Marxismus-Leninismus verwenden die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) bis heute die Symbolik der russischen Oktoberrevolution von 1917. Dabei symbolisieren Hammer und Sichel die Einheit von Arbeitern und Bauern, welche die Basis einer klassenlosen Gesellschaft sein sollte („Diktatur des Proletariats“).
Als weiteres klassisches Symbol des Kommunismus findet bis heute der rote fünfzackige Stern weite Verbreitung, zum Beispiel im Parteilogo der DKP, auf Fahnen und Transparenten bei Demonstrationen sowie häufig in Form von Graffiti im öffentlichen Raum. In abgewandelter Form (weiß auf pinken Grund) verwendet den Stern auch die strömungsübergreifende Gruppierung Interventionistische Linke (IL). Ein typisches Symbol in der linksextremen Szene bildet das aus den griechischen Buchstaben Alpha und Omega zusammengesetzte schwarz umkreiste „A“. Es steht für Anarchie und damit für die Ablehnung der staatlichen Ordnung an sich.
Die Verschmelzung von Kommunisten und Anarchisten auf dem Aktionsfeld „Antifaschismus“ spiegelt sich im Logo der Antifa wider. Erkennungszeichen der auch weltweit aktiven Antifaschistischen Aktion sind zwei wehende Fahnen. Die rote Fahne symbolisiert den Sozialismus, die schwarze den Anarchismus - als gemeinsame Front gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Gleiches gilt für das Symbol der geballten Faust als Zeichen der Kampfbereitschaft von Linksextremisten. Sie wird sowohl von Kommunisten als Zeichen der sozialistischen Arbeiterbewegung verwendet, als auch in der linksextremen Szene als Andeutung von Militanz, zum Beispiel durch das Tragen solcher Anstecker.
Logo der Antifaschistischen Aktion
International typisch für die Szene sind zudem Schriftzüge, Banner und Graffiti mit Zahlen- und Buchstabenkombinationen als Codes bestimmter Losungen. Vor allem im gewaltorientierten Spektrum findet die Abkürzung A.C.A.B. weite Verbreitung. Sie steht für „All Cops are Bastards“, was sich frei übersetzen lässt als „Alle Bullen sind Schweine“.
In der Öffentlichkeit finden sich anstelle des Buchstabenkürzels A.C.A.B. vielfach auch Graffiti und Schmierereien mit den Zahlen 1312. Die Kombination steht als Code für die Stelle der jeweiligen Buchstaben im Alphabet.
Unter Linksextremen sind auch andere Abkürzungen geläufig, beispielsweise 161 für A.F.A (Antifaschistische Aktion). Solche Codes werden auch im Rechtsextremismus verwendet oder - wie die Abkürzung A.C.A.B. - sogar übernommen.
Ähnlich wie die extreme Rechte nutzt auch die linksextreme Szene die sozialen Medien, um ihre Symbole und die damit verbundenen Botschaften zu platzieren. Einen Einstieg in die Ideologie bieten zum Beispiel auch vermeintlich humoristische Karikaturen und Memes, die als Möglichkeit gesehen werden, neue Kräfte zu gewinnen.
Wie gerade rechtsextreme Gruppierungen generell sehr engagiert und geschickt darin sind, ihre Ideologeme in den sozialen Medien attraktiv darzustellen und zu verbreiten, so scheinen sie auch gezielt nach Genres Ausschau zu halten, in denen gleichsam schon alles vorbereitet dafür ist, um an die jeweilige Dingwelt und Ästhetik anschließen und diese weltanschaulich überhöhen, mit einem ideologischen Spin versehen zu können. Dabei besteht das Ziel der politischen Akteure oftmals gar nicht darin, ein Genre komplett zu radikalisieren.
Genauso wichtig wie extremer Content, der die bereits überzeugten Anhänger bindet und den politischen Gegner triggern soll, sind Postings, in denen, fein dosiert, nur jeweils einzelne Ideologeme angesprochen werden. Auf diese Weise versucht man, nach und nach den Boden für eine Normalisierung rechtsextremer Ansichten zu bereiten.
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