Kati Wilhelm zählt zu den erfolgreichsten deutschen Biathletinnen des letzten Jahrhunderts. Kaum eine andere kommt an ihre Erfolge ran. Sie blieb sich treu. Nicht nur ihr Markenzeichen, ihre roten Haare, hat sie sich bewahrt, auch ihren Ehrgeiz und ihre Gradlinigkeit. Auf der Piste fühlte sie sich zu Hause. Neben ihren roten Haaren, zeichneten sie besonders ihre Gradlinigkeit und ihr Ehrgeiz aus.
Kati Wilhelm bei einer Ehrung im Jahr 2013
Los ging es für Kati Wilhelm 1983 im Skilanglauf. Mit sieben Jahren war sie schon so gut, dass sie die folgenden Jahre stark gefördert wurde. Bei ihren ersten Olympischen Spielen 1998 in Nagano lief sie noch in der Disziplin Skilanglauf und holte mit der Staffel den fünften Platz. Ein Wechsel in das Biathlon-Lager kam ihr zu dieser Zeit noch nicht in den Sinn.
Nur drei Jahre nach dem Abitur - Kati Wilhelm war damals Teil der Sportfördergruppe der Bundeswehr - nahm sie als Langläuferin an ihren ersten Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano (Japan) teil und erreichte mit der Staffel einen fünften Platz.
In der darauffolgenden Saison wechselte sie dann zum Biathlon und ging in der Saison 2000 / 2001 erstmals im Biathlon-Weltcup für den SC Motor Zella-Mehlis an den Start.
Ihren ersten großen Erfolg feierte sie direkt bei ihrem allerersten Rennen der Biathlon-Weltmeisterschaft 2001 in Pokljuka - im Sprintrennen gewann sie die Goldmedaille. Von den Olympischen Winterspielen in Salt Like City 2002 kehrte sie mit zwei Gold- und einer Silbermedaille nach Hause. Den Höhepunkt ihrer beeindruckenden Karriere feierte Kati 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin. Dort trug sie bei der Eröffnungsfeier die Fahne der Deutschen Delegation und holte auch noch eine Goldmedaille in der 10-km-Verfolgung.
Zu ihren persönlich größten Erfolgen zählt sie die Olympischen Winterspiele in Turin vier Jahre später, mit Gold in der Verfolgung und Silber im Massenstart und der Staffel. Ein weiterer Karrierehöhepunkt war die WM im südkoreanischen Pyeongchang 2009, bei der sie zwei Gold- und zwei Silbermedaillen sammelte. Erstmals konnte sie auch im Einzel, ihrer Achillesferse, triumphieren. Es war der Lohn für mutige Schritte in der Vorbereitung. Kati Wilhelm hatte ihre Heimat verlassen und den Trainingsmittelpunkt nach Bayern verlegt, unterstützt von einem eigenen Trainerstab.
Kati Wilhelm ist dreifache Olympiasiegerin und fünffache Weltmeisterin, hat insgesamt 20 Medaillen bei Großveranstaltungen gesammelt und in der Wintersaison 2005/2006 den Gesamtweltcup gewonnen.
Für ihre Erfolge wurde sie auch als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet.
Ihr Erfolgsrezept? „Ich brauchte einen langen Atem. Der Weg war schon sehr steinig“, sagt die hochdekorierte Sportlerin heute. Sie habe früh eine gute Balance gefunden. Es war ihre vier Jahre ältere Schwester, die Kati Wilhelm zum Training in ihrer Heimatstadt Steinbach-Hallenberg, einem Wintersportort im Thüringer Wald, gebracht hat.
Noch zu DDR-Zeiten verwehrte eine krumme Wirbelsäule ihr den Sprung an die Oberhofer Kinder- und Jugendsportschule.
Nicht zuletzt dank Kati Wilhelm erlebte der Frauen-Biathlon in Deutschland einen Boom. Die TV-Quoten schossen in die Höhe, Millionen Zuschauer schalteten regelmäßig ein. Oberhof, Ruhpolding und Antholz wurden zu Biathlon-Hochburgen. Ein Autogramm der Thüringerin oder gar ein Foto mit ihr waren begehrt, die Anfragen für Fotoshootings, Sponsorentermine und Talks häuften sich.
„Mir fiel es nicht schwer, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich habe es genossen, gefragt zu sein und den Trubel ganz gut verkraftet.
Trotzdem - oder gerade deswegen - ist ihr Kalender voll, sie ständig auf Achse.
2010 beendete unsere Gold-Kati dann die sportliche Karriere. Nach den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver entschied sie sich, ihre erfolgreiche Karriere zu beenden. Die Zeit nach der Karriere rief, wobei Biathlon sie weiterhin begleiten sollte. Allein schon durch ihren Lebensgefährten Andreas Emslander, der als Skitechniker arbeitete.
Aber auch abseits der Loipe engagiert sich Kati Wilhelm: Seit Oktober 2024 ist sie Vizepräsidentin des Deutschen Skiverbandes (DSV) und bringt damit ihre langjährige Erfahrung aus dem Spitzensport in die Verbandsarbeit ein.
Darüber hinaus setzte Kati Wilhelm im Mai 2025 einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere: Auf dem Verbandstag des Thüringer Skiverbandes (TSV) wurde sie mit großer Mehrheit zur Präsidentin gewählt. Nach mehreren Jahren als Vizepräsidentin übernimmt die Spitzensportlerin nun die Führung eines der bedeutendsten Wintersportverbände Thüringens.
Als Vize-Präsidentin des Thüringer Skiverbands hat sie die Wintersportvereine im Blick.
Aktuell absolviert Kati Wilhelm ihre Trainerausbildung, im Frühjahr steht die Prüfung für den Trainerschein an. Darüber hinaus begeistert sie vormittags als Bewegungscoach, ein Projekt des Landessportbunds Thüringen, den Nachwuchs in Kindergärten und Grundschulen für den Vereinssport. Die Nachmittage sind dem Training der jungen Sportlerinnen und Sportler in ihrem Heimatverein in Steinbach-Hallenberg gewidmet. „Ich möchte nicht nur darüber fachsimpeln, warum zu wenig Athleten nachkommen, sondern anpacken und die Potenziale ausschöpfen. Die Arbeit an der Basis erdet.
Seit nunmehr zehn Jahren leitet sie zudem ihr eigenes Herzensprojekt: Das Kati-Camp, bei dem die talentiertesten Nachwuchsbiathleten Deutschlands in Oberhof zusammenkommen, um gemeinsam mit ihr und den besten Coaches zu trainieren.
Statt kühle Winterluft umgibt sie jetzt der warme Duft frischer Ur-Fladen. Kati führte bis 2022 ihr eigenes Lokal, das "Heimatlon". Serviert wurden einheimische Suppen, knusprige Fladen aus dem Holzofen und Omas bester Kuchen.
Dabei war sich der ehemalige Biathlon-Star für nichts zu schade: "Ich schaffe es schon, drei Teller mit Kuchen gleichzeitig zu servieren", plauderte Wilhelm. Unfallfrei. "Aber ich gehe auch in die Küche zum Abwaschen". Wo Kati Wilhelm draufsteht, soll auch Kati Wilhelm drinstecken.
Auch abseits der Piste gibt Kati Gas. Wenn sie nicht gerade in ihrem eigenen Lokal steht, macht sie auch vor der Kamera eine gute Figur. Im Wechsel mit Magdalena Neuner begleitet Kati Wilhelm als ARD-Expertin die Übertragungen der Biathlon-Wettbewerbe. So meint sie selbst: "Früher mit Lotta war es einfacher - mit zwei Kindern wird es schon schwieriger ", aber "ich liebe und brauche es, unterschiedliche Dinge zu tun. Nur Mama sein, das könnte ich nicht. Ich wollte mit dem Sport noch ein bisschen verbunden bleiben. Deshalb passt der Job bei der ARD so gut." Gut so!
Zwölf Jahre lang arbeitete sie im „Das Erste“ als Biathlon-Expertin und erklärte dem Publikum die Leistungen ihrer Nachfolger. Daneben sind ihre Erfahrungen als Speakerin gefragt. „Nach über 25 Jahren kenne ich mich mit Erfolg, aber auch mit Niederlagen aus.
Nach dem Rücktritt gründeten sie eine Familie. Mit Tochter Lotta und Sohn Jakob lebt das Paar in Wilhelms Elternhaus in Steinbach-Hallenberg, meistern den neuen Alltag, treiben aber auch viel Sport und lieben das gemeinsame Reisen, zum Skifahren in den hohen Norden oder mit dem Camper nach Sardinien. „Jakob stand mit dem Schnuller auf dem Langlaufski.
Neben ihrer Expertise im Biathlon besteht weiterhin die Lust an neuem Wissen, sodass sie ab März 2006 International Management studierte. In Kombination mit ihren Jobs als Expertin und Wirtin ist Kati seit 2014 auch Doppel-Mutti. Ihre Familie bedeutet ihr viel - nach der Geburt ihrer beiden Kinder Lotta (2011) und Jakob (2014) ist ihr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen am wichtigsten.
| Disziplin | Erfolge |
|---|---|
| Olympische Spiele | 3 Goldmedaillen |
| Weltmeisterschaften | 5 Goldmedaillen |
| Gesamtweltcup | Sieg in der Saison 2005/2006 |
| Medaillen bei Großveranstaltungen | Insgesamt 20 |
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