Berühmte Schiedsrichter mit Glatze und ihre denkwürdigen Einsätze

Über ihre Pfiffe haben sich Zuschauer gefreut, gestritten oder auch mal gelacht: Das sind einige der bekanntesten Fußball-Schiedsrichter der Welt. Bei einer Weltmeisterschaft stehen bisweilen auch die Unparteiischen im Rampenlicht - sei es wegen guter Leistungen oder wegen denkwürdiger Ereignisse wie zum Beispiel dem "Wembley-Tor".

Pierluigi Collina

Der Italiener Pierluigi Collina ist wohl einer der berühmtesten Schiedsrichter überhaupt. Collina beendete 2005 nach 28 Dienstjahren seine Karriere als Referee, in der er unter anderem das Champions-League-Finale 1999 zwischen Bayern und Manchester United sowie das WM-Finale 2002 zwischen Brasilien und Deutschland gepfiffen hatte. Zudem leitete er zahlreiche Spiele bei WM- und EM-Turnieren.

Collinas Zwangspause wegen Glatze

Collina war zu seiner Zeit einer der besten Schiedsrichter der Welt. Nun erklärt er, warum er einst von der Schiedsrichter-Kommission ausgebremst wurde. Glatze, weit aufgerissene Augen, absolute Autoritätsperson: Pierluigi Collina war einer der besten Schiedsrichter der Welt. Der Italiener hinterließ bei Fans und Spielern gleichermaßen Eindruck.

In einem Interview erzählte Collina von dem bizarren Grund, aus dem er einst von der Schiedsrichter-Kommission aus dem Verkehr gezogen wurde: "Ich verlor meine Haare Mitte der 80er mit 24 Jahren wegen einer Krankheit in einer Zeit, als dieser Look längst keine Mode wie heute war", führte der sechsmalige Weltschiedsrichter aus. "Damals wurde mir ernsthaft gesagt: Jetzt pausierst du mal ein paar Monate mit dem Pfeifen, vielleicht wachsen die Haare ja wieder."

Knapp drei Monate später habe die Schiedsrichter-Kommission dann einen Test in der 4. Liga veranstaltet, vor "5000 oder 6000 Zuschauern". Der Grund: Man wollte herausfinden, ob "ein kahlköpfiger Referee überhaupt akzeptiert würde. Heute unvorstellbar." Collina sagte: "Natürlich nichts. Den Leuten war schnuppe, ob Glatze oder nicht. Wenn du deine Arbeit gut machst, ist doch die Frisur belanglos."

Heute weiß Collina, dass ihm der Look auf dem Platz sogar weiterhalf: "Er wurde dann zu einer Art Markenzeichen und einige sagten: Die Glatze hat dir zum exponierten Image geholfen." Auf und neben dem Rasen soll er auch „Glatze gnadenlos“ genannt worden sein.

Howard Webb

Der ehemalige Star-Schiedsrichter Howard Webb war 25 Jahre als Unparteiischer tätig. 2010 und 2013 wurde er Weltschiedsrichter und pfiff unter anderem das Champions-League-Finale 2009 sowie das WM-Finale 2010.

Sowohl seine Biographie (von Beruf ist Webb Polizist) als auch sein Aussehen (mit seiner Glatze erinnert ein wenig an den früheren italienischen Kult-Schiedsrichter Collina) hoben ihn unter den internationalen Pfeifenmännern hervor. Ein gewisses Charisma schadet ja auch bei Schiedsrichtern nichts.

Anders als etwa der Spanier Alberto Undiando (der Schiedsrichter des Deutschland-Serbien-Spiels) lässt er grundsätzlich viel laufen und gibt erst spät gelbe Karten. Zu beobachten war das auch im Champions-League-Finale. Auch das war ausschlaggebend für den Spielverlauf in Madrid. Am Sonntagabend kommt diese Grundsatzhaltung vielleicht der eher rustikalen Gangart von Hollands Sechsern Mark van Bommel und Nigel de Jong entgegen.

Die umstrittensten Entscheidungen in der Fußballgeschichte

Weitere bekannte Schiedsrichter

Neben Collina und Webb gibt es noch weitere Schiedsrichter, die für ihre Leistungen und Entscheidungen bekannt sind:

  • Viktor Kassai: Wurde 2011 zum Welt-Schiedsrichter gewählt.
  • Deniz Aytekin: Wurde bereits dreimal DFB-Schiedsrichter des Jahres. 2017 leitete er zum Beispiel das DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt. 2012 wurde er zudem zum DFB-Schiedsrichter des Jahres gewählt.
  • Felix Zwayer: Unter anderem pfiff er das WM-Finale 2014 zwischen Deutschland und Italien. Neben zahlreichen Bundesliga-Einsätzen pfiff er unter anderem im Jahr 2024 das Halbfinale der Europameisterschaft zwischen der Niederlande und England. Dennoch haftet Zwayer ein Makel an: Das DFB-Sportgericht sperrte Zwayer einst für sechs Monate, weil er die Spielmanipulation des früheren Schiedsrichters Robert Hoyzer aus dem Jahr 2005 erst verspätet anzeigte.
  • Felix Brych: Leitete 359 Bundesliga-Spiele, pfiff bei WM- und EM-Turnieren und war obendrein zweimal Welt-Schiedsrichter. Mit 359 Einsätzen ist Brych Bundesliga-Rekordschiedsrichter (Stand 2. Juli, 2025). 2004 und 2006 leitete er unter anderem jeweils das DFB-Pokalfinale sowie 2007 das Champions-League-Endspiel.
  • Michael Oliver: Seit 2012 ist er zudem FIFA-Schiedsrichter. Bei der FIFA Klub-WM pfiff Oliver unter anderem die Bayern im Achtelfinale gegen Flamengo.
  • Daniele Orsato: Nach dem EM-Viertelfinale 2024 zwischen England und Schweiz beendete Orsato seine Karriere.
  • Florian Meyer: und 2. Bundesliga pfiff der Bayer zum Beispiel auch das Europa-League-Finale 2012 zwischen Atlético Madrid und Athletic Bilbao. Während seiner aktiven Zeit soll er nach SZ-Informationen von Spielern wegen seines harten Auftretens „Imperator“ getauft worden sein.
  • Mateu Lahoz: 2023 beendete Lahoz seine aktive Karriere.
  • Günter Perl: 2013 pfiff er das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Stuttgart. Zuletzt war er unter anderem als Schiedsrichter-Experte für das ZDF bei der EM 2024 im Einsatz.
  • Manuel Gräfe: Gräfe verklagte den DFB, weil er seine Bundesligakarriere mit 47 Jahren nach 289 Einsätzen wegen der vom Verband festgelegten Altersbeschränkung beenden musste. Das Landgericht Frankfurt gab Gräfe Recht: Wegen festgestellter Altersdiskriminierung wurden ihm 48.500 Euro Entschädigung zugesprochen.
  • Kim Milton Nielsen: Die EM 1996 war Nielsens erstes großes Turnier. Bis zur EM 2004 verpasste er kein einziges UEFA- und FIFA-Turnier. 2005 folgte sein Karriereende.
  • Patrick Ittrich: 2011 leistete er gemeinsam mit den Assistenten Holger Hentschel und Frank Willenborg Erste Hilfe, als sich Hauptschiedsrichter Babak Rafati vor dem Bundesliga-Spiel zwischen Köln und Mainz das Leben nehmen wollte. 2024 rettete er Josuha Guilavogui beim Spiel Bayern gegen Mainz, in dem der Franzose seine Zunge verschluckte. Ittrich zog diese heraus und brachte Guilavogui in die stabile Seitenlage.

Historische Schiedsrichterentscheidungen

Einige Schiedsrichterentscheidungen sind in die Geschichte eingegangen und werden bis heute diskutiert:

  • Gottfried Dienst: War der Schiedsrichter, der im WM-Finale 1966 in der Partie Deutschland gegen England das umstrittene dritte Tor anerkannte.
  • Rudi Glöckner: Leitete das Finale der Weltmeisterschaft 1970 zwischen Brasilien und Italien in Mexiko.
  • Ali Ben Naceur: Übersah im Viertelfinale der WM 1986 zwischen England und Argentinien ein irreguläres Tor von Diego Maradona.
  • Sándor Puhl: Leitete unter anderem das Endspiel der Weltmeisterschaft 1994 zwischen Brasilien und Italien.
  • Urs Meier: Erhielt Michael Ballack im Halbfinale der WM 2002 gegen Südkorea die zweite gelbe Karte des Turniers - und war damit für das Finale gesperrt.
  • Markus Merk: Wurde dreimal zum "Weltschiedsrichter des Jahres" gewählt.

Rudolf Kreitlein

Rudolf Kreitlein war ein engagierter Förderer der Idee, die Vergabe von Gelben (Yellow, take it easy) und Roten Karten (Stop! You’re off) einzuführen, um stärkere Hilfsmittel in der Hand zu haben (außer der Polizei), renitente und Rudel bildende Spieler oder Blut-Grätscher wie Vinnie Jones, genannt „die Axt“, mit Gelb zu disziplinieren oder rauszuschmeißen (Rot), wenn Blut floß oder Knochenbrüche auf der Tribüne zu hören waren.

Kreitlein konnte beim Spiel der Engländer gegen die Argentinier nicht wissen, was sein Linienrichter Gottfried Dienst sieben Tage später noch anrichten würde. Als Schiedsrichter des WM-Finales 1966 zwischen England und Deutschland (4:2 n.V.) erkannte Dienst das berühmte Wembley-Tor von Geoff Hurst zum 3:2 für England an. 85 Millionen Deutsche waren und sind bis heute der Überzeugung, dass der Ball nicht drin war.

Übrigens war Kreitlein als Schiedsrichter für das WM-Finale vorgesehen, vorausgesetzt, Deutschland ist nicht Finalist. Aber Deutschland erreichte das Endspiel gegen England.

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