Graue Schamhaare: Ursachen und Umgang mit dem Tabu

Graue Haare auf dem Kopf sind längst modisch akzeptiert, doch graue Schamhaare bleiben ein Tabu. Dabei sind sie genauso normal wie Lachfalten und andere Alterszeichen.

Besonders Frauen haben Sorge, dass sich durch graue Schamhaare ein „Oma-Feeling“ im Bett breit machen könnte.

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Warum haben wir Schamhaare?

Schamhaare erfüllen viele Funktionen im Körper. Forscher glauben, dass Schamhaare hauptsächlich dazu da sind, um diese drei Funktionen zu erfüllen:

  • Sie reduzieren die Reibung beim Laufen oder beim Sex. Das ist ein Vorteil, da die Haut im Genitalbereich sehr empfindlich ist.
  • Sie verhindern, dass Bakterien und andere Keime über die Geschlechtsteile in den Körper gelangen. Keime können in den Schamhaaren abgefangen werden. Es wird zudem vermutet, dass Schamhaare das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten verringern können.
  • Sie halten die Temperatur der Geschlechtsorgane im optimalen Bereich, verhindern Überwärmung oder Unterkühlung bei Nacktheit.

Eine weitere Theorie über die Funktion der Schamhaare ist, dass an ihnen menschliche Duftstoffe, sogenannte Pheromone, gut haften bleiben, was möglicherweise für das Sexualverhalten vorteilhaft ist. Außerdem ist das Wachsen der Schamhaare in der Pubertät ein optisches Zeichen, dass ein Mensch nun geschlechtsreif ist.

Wie wachsen Schamhaare?

Während ein einzelnes Haar auf dem Kopf etwa sieben Jahre lang wachsen kann, ist der Wachstumszyklus von Schamhaaren deutlich kürzer: Sie wachsen nur etwa sechs Monate, bis das Haarfollikel schließlich abstirbt. Das ist die Struktur, die jede einzelne Haarwurzel umgibt und das Haar in der Haut verankert.

Sobald die Wurzel abstirbt, fällt das Haar aus - der kurze Wachstumszyklus ist also der Grund, warum Schamhaare kürzer sind als die Kopfhaare.

Auffällig ist, dass Schamhaare nicht nur kürzer, sondern meist auch lockiger sind als die Haare auf dem Kopf. Schamhaare sind kraus aufgrund der Form des einzelnen Haares. Glatte Haare sind im Querschnitt eher rund. Schamhaare werden im Haarfollikel auf eine ovale Form zusammengepresst, wodurch sie sich kraus locken.

Wann sich die ersten Schamhaare zeigen, ist individuell verschieden. Bei Mädchen sprießen die ersten Härchen im Intimbereich etwa im Alter zwischen 8 und 14 Jahren. Jungen bekommen im Durchschnitt etwas später erste Schamhaare: etwa im Alter zwischen 10 und 15 Jahren.

Forscher glauben, dass das Wachstum der Schamhaare von den sogenannten apokrinen Drüsen angeregt wird. Das sind spezielle Schweißdrüsen, die Duftstoffe absondern. Diese Drüsen finden sich vor allem im Genitalbereich, in den Achselhöhlen und um die Brustwarzen herum. Sie nehmen ihre Arbeit erst mit Einsetzen der Pubertät auf.

Graue Schamhaare und Geschlechter-Doppelmoral

Männer mit grauen Schläfen gelten weltweit als Erotiksymbole - besonders - so das Klischee - wenn das Portemonnaie gut gefüllt ist. Ein ergrauter, älterer Mann wird daher oft als weise und begehrenswert angesehen, seine grauen Schamhaare sind kein Thema.

Frauen hingegen ergeht es ganz anders. Graue Haare - besonders im Intimbereich - bedeuten für sie ein Verlust an Attraktivität. Deshalb versuchen sie, sie zu verbergen.

Die Doppelmoral ist offensichtlich: Beim Mann gilt älter und grau als attraktiv, bei der Frau als Makel. Die sexuelle Emanzipation der Frau hat wohl noch viel Luft nach oben.

Graue Zeiten im Intimbereich: Wie sich Schamhaare im Laufe des Lebens verändern

Im Laufe unseres Lebens verändert sich vieles - auch unsere Schamhaare. Wenn der Körper nicht mehr genügend Melanin produziert, werden die Haare grau. Das betrifft nicht nur das Kopfhaar, sondern auch Intimbereich, Achselhaare, Bein- und Brustbehaarung.

Doch nicht nur die Farbe, auch die Textur und Konsistenz der Haare ändern sich. Aus dem süßen und seidigen Kräuseln wird oft störrisches Haar, das in alle Richtungen absteht und an Weichheit verliert. Hinzu kommt, dass das Schamhaar sich lichtet. Löcher im Haarbusch durch Haarausfall sind keine Seltenheit.

Ab wann muss ich mit grauen Schamhaaren rechnen?

Auch unsere Intimzone ist vor dem Zahn der Zeit nicht gefeit. So tauchen in der Regel um die 45 Jahre herum die ersten grauen Schamhaare auf. Zuerst wird die Kopfbehaarung grau. Die restliche Körperbehaarung zieht später nach.

Ob man sich dann alt fühlt und sich fragt, ob die jungen Jahre vorbei sind, ist individuell unterschiedlich. Wann das Ergrauen einsetzt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: genetische Veranlagung, Stress, Ernährung und Lebensgewohnheiten wie Rauchen und Alkoholkonsum spielen eine Rolle.

Graue Schamhaare: Sind die Vorurteile berechtigt?

Mit grauer Intimbehaarung geht die Vorstellung einher, dass sich auch der sexuelle Appetit, besonders bei Frauen, langsam davonschleicht. Doch was ist dran an den Annahmen, dass graue Intimhaare ein Zeichen für Alter, sexuelle Unlust oder gar Unfruchtbarkeit sind?

Natürlich sind graue Schamhaare ein Zeichen des Älterwerdens, aber das bedeutet nicht automatisch, dass die sexuelle Attraktivität oder Potenz darunter leidet. Insbesondere Frauen wird oft unterstellt, mit grauen Schamhaaren würden sie ihre sexuelle Anziehungskraft verlieren und von der Evolution ausgemustert werden. Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig, ist aber völlig unbegründet.

Wie man grauen Schamhaaren entkommen kann - 3 Möglichkeiten

Wieder einmal sind es vor allem Frauen, die versuchen, den Vorurteilen zu entkommen. Viele sagen den grauen Schamhaaren den Kampf an, als könnten sie dadurch den Alterserscheinungen entrinnen. Diese drei Möglichkeiten nutzen die meisten Frauen:

  1. Zupfen mit der Pinzette: Mit einer Pinzette lassen sich einzelne graue Schamhaare entfernen. Diese Methode ist zwar etwas schmerzhaft, aber in den Anfangsjahren, wenn nur wenige Haare ergraut sind, ist dies eine schnelle Lösung.
  2. Rasieren: Wer die grauen Haare vollständig entfernen möchte, kann zum Rasierer greifen. Zwei Drittel aller deutschen Frauen und Männer enthaaren ihren Intimbereich, um dem heutigen Schönheitsdeal zu entsprechen. Durch das Rasieren verschwinden die grauen Haare zunächst komplett. Allerdings gibt es auch Nachteile: Stoppeln, eingewachsene Haare, Entzündungen und Hautirritationen können Probleme machen.
  3. Färben: Für diejenigen, die ihre Schamhaare lieber behalten möchten, bietet sich das Färben an. Doch Vorsicht: Normale Haarfärbemittel eignen sich dafür nicht! Es gibt spezielle Färbemittel für den Intimbereich, die graue Haare effektiv abdecken.

Übrigens: Schamhaar-Toupet oder Schamhaar-Transplantate sind weitere, eher ungewöhnliche und seltene Möglichkeiten, um graue Schamhaare zu vertuschen.

Schamhaarentfernungsmethoden im Vergleich

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene Methoden zur Schamhaarentfernung, ihre Vor- und Nachteile:

Methode Beschreibung Vorteile Nachteile
Rasieren Abschneiden der Haare an der Hautoberfläche Einfach, günstig, relativ schmerzfrei Kurze Haltbarkeit, Stoppeln, eingewachsene Haare, Hautirritationen
Zupfen (Pinzette, Epilierer) Entfernen der Haare mit der Wurzel Längere Haltbarkeit als Rasieren Schmerzhaft, zeitaufwendig, eingewachsene Haare möglich
Wachsen/Sugaring Auftragen von Wachs oder Zuckerpaste und Ausreißen der Haare Längere Haltbarkeit, feineres Nachwachsen Schmerzhaft, erfordert gewisse Haarlänge, Hautirritationen möglich
Enthaarungscreme Chemische Auflösung der Haare Schmerzfrei Allergische Reaktionen möglich, unangenehmer Geruch
IPL (Intense Pulsed Light) Zerstörung der Haarfollikel durch Lichtimpulse Langfristige Reduktion des Haarwuchses Teuer, mehrere Sitzungen erforderlich, nicht für alle Haut- und Haartypen geeignet, Nebenwirkungen möglich

Älterwerden - nichts für Feiglinge

Eigentlich sind graue Schamhaare ein natürlicher Teil unseres vergänglichen Lebens und sollten kein Grund zur Besorgnis sein.

Wenn wir mit dem Herzen der Liebe schauen, anstatt mit dem urteilenden Verstand und durch die Brille der aktuellen Schönheitsideale, dann spielen ganz andere Dinge zwischen zwei liebenden Menschen eine Rolle als die Farbe der Schamhaare. Dann wird Grau nicht zu Friedhofsblond, sondern zu Silber, und das Versteckspiel voreinander macht wirklicher Intimität Platz.

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