In der Bundesrepublik Deutschland gibt es zurzeit etwa 700 anerkannte Werkstätten für Menschen mit geistigen, psychischen oder schweren körperlichen Behinderungen mit rund 280.000 Plätzen. Auch in der Städteregion Aachen sind mehrere dieser Einrichtungen ansässig. Die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), so die offizielle Bezeichnung nach dem SGB IX, sind keine profitorientierten Erwerbsbetriebe.
Sie sind Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation und sollen Menschen mit Behinderungen die Teilnahme am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit ermöglichen. Unterstützt werden sie dabei von Fachpersonal aus den Fachbereichen und sozialen Berufen.
Die Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH feierte im letzten Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Sie gründete sich als sogenannte „Beschützende Werkstatt“ in Aachen-Brand. Parallel dazu existiert der Verein Lebenshilfe Aachen e.V. und ist Gesellschafter der Werkstatt. In den folgenden Jahren war sie an mehreren Standorten im Stadtgebiet ansässig. 1988 und 1992 wurden die heutigen Betriebsstätten in Aachen-Eilendorf (Werk 1) und Aachen-Haaren (Werk 2) errichtet.
Wir stellen euch hier u.a. die Arbeit vom Verein Lebenshilfe Aachen vor. Marijke Stasch hat außerdem die Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH besucht, Bewohner unterschiedlichster Wohnformen getroffen, einen Betreuer begleitet und mehr über die Arbeit der Stiftung Lebenshilfe Aachen gelernt.
In den verschiedenen Wohnformen der Lebenshilfe kann jeder ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen. Wie sieht es z.B. in einer 3er-WG von Menschen mit besonderen Bedarfen aus? Kollegin Marijke Stasch hat gemeinsam mit Steffen Johr, Betreuer beim Ambulant Betreuten Wohnen der Lebenshilfe in einer solchen WG vorbeischauen dürfen. In Aachen-Brand leben Gertrud, Dieter und Harald zusammen.
Täglich schaut dort jemand vom Ambulant Betreuten Wohnen vorbei, geht mit ihnen zum Arzt, zu Behörden oder einkaufen. Die zwei sind verlobt und sehr selbstständig. Sie kochen gern, treffen sich oft mit Freunden und Heiko macht Musik.
Die Lebenshilfe betreibt auch sieben "besondere Wohnformen". Hier leben mehrere Bewohner zusammen. Tag und Nacht sind Betreuer vor Ort. Kollegin Marijke Stasch durfte mit Einrichtungsleiterin Melanie Dang-anh eine Runde durchs Haus Drimborn in Aachen drehen.
Bei der Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH wird Menschen mit geistigen, psychischen oder schweren körperlichen Behinderungen die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht. Vom Gartenlandschaftsbau über Verpackung von Lebensmitteln bis hin zur Holzwerkstatt wird jeder nach seinen Vorlieben und Stärken in Aachen-Brand und Aachen-Haaren eingesetzt. Heiko recycelt z.B.
Die Bilder und Kunstwerke die dort entstehen, werden teils ausgestellt, oft auch auf dem Weihnachtsmarkt oder im Internet verkauft. Projektleiter Hans Bothur hat Kollegin Marijke Stasch dort mal herumgeführt. Dort hat sie viele Talente entdeckt.
Eingesetzt werden die Mitarbeiter*innen in vielen Produktions- und Dienstleistungsbereichen wie Metall- und Holzbearbeitung, in der Konfektionierung und Verpackung, sowie Dienstleistungen wie Catering und Gartenbau. Auch Eigenprodukte werden hergestellt und vermarktet.
Die Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH ist eine anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen nach § 225 SGB IX. Die Werkstätten & Service GmbH verfügt über ein breites Angebot an Arbeitsplätzen und Möglichkeiten zur Ausübung einer geeigneten Tätigkeit, um Art und Schwere der Behinderung, der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit, Entwicklungsmöglichkeit sowie Eignung und Neigung der Mitarbeiter so weit wie möglich Rechnung zu tragen.
Hier eine Übersicht der Tätigkeitsfelder:
Es gibt Arbeitsplätze am Computer und an einer Maschine, zum Beispiel in der Metallwerkstatt. In den Betriebsrestaurants vom „Cafe Life“ gibt es auch Arbeitsplätze.
Über 80 Beschäftigte haben ihren Arbeitsplatz nicht in einem der beiden Werke der Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH. Sie arbeiten direkt bei einer Firma auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Das nennt man betriebsintegrierte Arbeitsplätze.
Die Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH gibt auch für Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen Arbeitsplätze.
Die Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH ist mit der Wirtschaft in der Region eng verbunden. Viele Unternehmen sind Kunden. Sie geben Aufträge an die Werkstatt und sichern dadurch viele Arbeitsplätze. Alle Mitarbeiter in der Werkstatt sind stolz darauf, dass die Qualität ihrer Arbeit von den Kunden geschätzt wird.
Z. im Verpackungsbereich ausgeführt werden:
Maschinenausstattung:
Arbeiten, die z. Z. im Holzbereich ausgeführt werden:
Ein eigener Pflegedienst und soziale Fachdienste unterstützen die individuelle Förderung ebenso wie Unterrichte, Sport und Gymnastik.
Im Heilpädagogischen Arbeitsbereich (HPA) sind vor allem Menschen mit schweren und Mehrfachbehinderungen eingesetzt. Die Arbeitsgruppen sind meist kleiner und es stehen mehr geschulte Betreuer*innen zur Verfügung. Aber auch gegenseitige Hilfe ist gefragt. Es werden hier beispielsweise Anzündhilfen (kleine Holzstäbchenbündel) konfektioniert und im hauseigenen Basar an jedermann verkauft.
Zum Schluss gab es dann noch einen Einblick in die hauseigene Großküche. Von dieser werden täglich die Beschäftigten in beiden Werken mit Essen und Getränken versorgt. Die Küche wird darüber hinaus auf Bestellung zum Caterer für Veranstaltungen bis 200 Personen, auf Wunsch auch mit Service-Personal.
Die Lebenshilfe Werkstätten betreiben außerhalb ihrer Werke sogar ein eigenes Cafè, das „Cafè Life“.
Aber die Lebenshilfe Werkstätten betreiben auch eine vollausgestattete Metallbearbeitungswerkstatt und Garten- Landschaftsbau, sind im Montage-Service in einem großen Autohaus integriert und unterstützen mit einem Office-Team externe Betriebe.
Einnahmen über den eigenen Geschäftsbedarf fließen über den Verein Lebenshilfe e.V. wieder zurück und kommen den behinderten Menschen wieder zugute. Sie erhalten für ihre Arbeit einen Lohn und bereits nach 20 Jahren haben sie einen gesetzlichen Anspruch auf eine Arbeitsunfähigkeitsrente. Viele arbeiten aber darüber hinaus weiter, einige haben schon ihr 50.
Die LEWAC gGmbH unterstützt Menschen mit Behinderung dabei, eine Arbeit zu finden. Die Mitarbeiter begleiten bei der Berufswahl und am Arbeitsplatz.
Folgenden Dienste und Maßnahmen bietet die LEWAC an:
Die Unterstützte Beschäftigung ist eine Maßnahme, die von der Agentur für Arbeit bezahlt wird. Sie dauert meistens 2 Jahre. Bei der Unterstützten Beschäftigung macht man an 4 Tagen ein Praktikum in einem Betrieb. Der 5. Tag ist ein Schultag.
Um Menschen mit Behinderung besser unterstützen zu können, gibt es die Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit. Das ist so etwas wie ein Test, der aber 12 Wochen dauert. Man macht ein Praktikum in einen Betrieb. Zum Beispiel im Bereich Werken oder im Bereich Küche. Und man geht zum Schulunterricht zur LEWAC.
Wenn man in der Werkstatt arbeitet und den allgemeinen Arbeitsmarkt kennenlernen möchte, dann kann man den Fachdienst BiAP fragen. Dieser hilft zunächst bei der Suche nach einem Praktikum. Zum Beispiel in einer Firma oder einem Geschäft. Ist das Praktikum ein Erfolg, kann man dort arbeiten. Man bleibt trotzdem Beschäftigter der Werkstatt.
Ein neuer Fachdienst bei der LEWAC gGmbH heißt Autismus und Arbeit. Hier bekommen Menschen mit Asperger Autismus genau die Hilfe, die sie bei der Suche nach einem Arbeitsplatz brauchen.
Lebenshilfe Aachen CleanCare GmbH ist im Januar 2013 gegründet worden. Sie ist ein Integrationsunternehmen im Bereich Reinigung. Das heißt, hier arbeiten 29 Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Sie haben alle ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.
Folgende Reinigungsarbeiten werden durchgeführt:
Die Menschen mit Behinderung erhalten Begleitung und Unterstützung durch verschiedene Fachleute. Und zwar im fachlichen Bereich, im beruflichen Bereich und im persönlichen Bereich. Bei der Planung und Verteilung der Arbeiten werden die Fähigkeiten jedes Einzelnen berücksichtigt.
Die meisten Aufträge hat die CleanCare GmbH in den Kindertagesstätten, Wohnstätten und der Lebenshilfe Aachen Werkstätten & Service GmbH. Inzwischen hat die Lebenshilfe Aachen CleanCare GmbH auch 2 kleinere externe Kunden aus der Sozial- bzw. Gesundheits-Branche.
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