Die Geschichte der Barbie mit langen Haaren: Von Lilli zur globalen Ikone

Die Barbie-Puppe ist eine der bekanntesten und meistverkauften Puppen der Welt. Seit ihrer Einführung im Jahr 1959 hat sie sich von einem Miniatur-Mannequin zum Spiegel der Zeit entwickelt. Doch die wenigsten wissen, dass die Barbie eigentlich deutsche Wurzeln hat und ursprünglich Lilli hieß.

Die Bild-Lilli Puppe, die als Inspiration für die Barbie-Puppe diente (Quelle: Wikimedia Commons)

Die deutschen Wurzeln: Von der Bild-Lilli zur Barbie

Die Inspiration für Amerikas berühmteste Puppe wurde 1952 in Deutschland geboren und war eine freche Comicfigur namens Lilli. Ursprünglich als Karikatur in der "Bild"-Zeitung geschaffen, wurde die Lilli-Puppe so beliebt, dass sie in Plastik verewigt wurde.

Die Figur der "Lilli" ist typisch für die Zeit des deutschen "Wirtschaftswunders". Mit ihren weiblichen Rundungen entspricht sie dem Schönheitsideal der 50er-Jahre. Mit Schmollmund und schwarzen Wimpern setzt sie aber nicht nur modische Trends, die "Lilli" drückt in den Karikaturen eine neu gewonnene Freiheit und Lebensfreude aus - und spiegelt das Frauenbild der 50er. Bereits ein Jahr nach ihrem Erscheinen ist die "Lilli" so populär, dass sich die Redaktion der "Bild" entschließt, aus der Figur eine Puppe als Werbemittel zu entwickeln.

Die "Bild-Lilli" ist nicht nur in Deutschland ein Verkaufsschlager am Kiosk, sondern in ganz Europa und sogar in Übersee. Und so entdeckt Ruth Handler, die Mitbegründerin der Firma Mattel, die Puppe bei einem Urlaub 1956 in der Schweiz. Sie ist begeistert von der "Lilli".

Am 9. März 1959 präsentiert Ruth Handler auf einer amerikanischen Spielzeugmesse in New York schließlich die Barbie-Puppe. Sie ist der "Lilli" wie aus dem Gesicht geschnitten. Mit der Einführung der Barbie beginnt das langsame Ende der "Lilli". Der letzte Beuthien-Comic erscheint am 5. Januar 1961. Drei Jahre später, 1964, kauft Mattel die Rechte an der "Bild-Lilli". Während sich die Barbie in den USA zu einem Verkaufshit entwickelt und noch heute viel Umsatz macht, muss die Produktion der "Lilli" in Deutschland eingestellt werden. Heute ist die Werbepuppe ein begehrtes Sammlerstück.

Barbie: Ein Spiegelbild der Zeit

Zurück in den USA ließen die Handlers die Barbie dann nach Vorbild der Bild-Lilli produzieren. Das fertige Produkten benannten sie nach dem Spitznamen ihrer Tochter Barbara, die immer "Barbie" genannt wurde. Erst fünf Jahre später, im Jahr 1964 kauften die Unternehmer die Rechte an der Bild-Lilli - und konnten sie so auch in Deutschland verkaufen. Die Barbie-Ära hatte begonnen.

Die Erfinder der Puppe, das US-amerikanische Ehepaar Ruth und Elliott Handler, Gründer des heutigen Spielzeugherstellers Mattel, wollten die Barbie stets an aktuelle modische Trends und Entwicklungen anpassen.

Hier sind einige Beispiele dafür, wie Barbie im Laufe der Jahre verschiedene Karrieren und Stile verkörperte:

  • 1965: Barbie reiste erstmals ins All - vier Jahre, bevor der Mensch erstmals den Mond betrat.
  • 1967: Das britische Model Twiggy war der erste Promi, der eine Puppe besaß, die ihr ähnelte.
  • Bis heute: Barbie hat mit 64 Jahren schon über 250 inspirierende Karrieren hinter sich - darunter Astronautin, Pilotin, Feuerwehrfrau, Journalistin und Unternehmerin.

Die "Totally Hair"-Barbie

Die meistverkaufte Barbie-Puppe aller Zeiten war die 1992 veröffentlichte "Totally Hair"-Barbie mit bodenlangen Haaren. Mehr als 10 Millionen Stück wurden weltweit verkauft. Die "Totally Hair"-Barbie kam in verschiedenen Ausführungen: In standardblond oder brünett. Haarschmuck und Stylinghaargel für die klassischen 90er-Jahre-Frisuren waren bei der "Totally Hair"-Barbie inklusive.

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Die "Totally Hair" Barbie aus dem Jahr 1992 (Quelle: eBay)

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Barbie als Symbol für Emanzipation und Diversität

Im Rückblick steht der Siegeszug der Barbie für einen Umbruch in der Kulturgeschichte. Im 19. Jahrhundert spielten Mädchen meist mit Babypuppen, welche sie auf die Mutterrolle vorbereiten sollten. Ein Spielzeug in Form einer erwachsenen Frau stand deshalb auch für Emanzipation.

Die Barbie-Regale dieser Welt sind diverser geworden, beherbergen kurvige, schwarze, kleine, alte und behinderte Puppen. 2016 führte Mattel eine neue Reihe namens "Fashionistas" ein, um Mädchen die Auswahlmöglichkeiten zu bieten, die die heutige Welt besser widerspiegeln. Eingeführt wurden verschiedene Körpertypen, Hautfarben und Frisuren. Im April dieses Jahres wurde eine Barbie mit Downsyndrom präsentiert, um die Inklusion voranzutreiben. Bei dem Design hat Mattel mit Menschen mit Trisomie 21 und deren Umfeld zusammengearbeitet.

Die Marke Barbie hat im Laufe der Jahre bedeutende Veränderungen durchgemacht, um Vielfalt und Inklusion zu fördern. Hier ist ein Überblick über einige wichtige Meilensteine:

  • 1967: Mattel bringt die Puppe "Coloured Francie" heraus, die zwar eine dunklere Hautfarbe hat, aber die gleichen Gesichtszüge wie die weißen Figuren.
  • 1968: "Christie", Barbies erste dunkelhäutige Freundin, wird veröffentlicht und gilt als erste "echte" afroamerikanische Puppe im Mattel-Universum.
  • 1980: Mattel verkauft zum ersten Mal eine Black Barbie und eine hispanische Barbie.
  • 2016: Die "Fashionistas"-Reihe wird eingeführt, um Mädchen mehr Auswahlmöglichkeiten in Bezug auf Körpertypen, Hautfarben und Frisuren zu bieten.
  • 2023: Eine Barbie mit Downsyndrom wird vorgestellt, um die Inklusion weiter voranzutreiben.

Der Barbiecore-Trend

Eigentlich geht es um eine - sehr schlanke und die längste Zeit sehr blonde - Puppe aus Plastik: Barbie. Viele von ihnen bewegen sich dabei im Takt eines Popsongs aus den 1990ern: „Barbie Girl“ von der Eurodance-Band Aqua. „Barbiecore“ nennt sich der Mode- und Lifestyle-Trend, der immer mehr Anhängerinnen und Anhänger findet. Die an den Begriff Hardcore angelehnte Wortschöpfung beschreibt das extreme, geradezu exzessive Ausleben der Barbie-­Ästhetik.

So sei die Farbe Pink, die ­Barbie nach wie vor personifiziere, nicht mehr so stark mit rein niedlichen Attributen zu assoziieren, sagt ­Kerstin ­Mayer, die am Institut für Marketing an der Universität Hamburg forscht. „Für mich steht Pink längst für Empowerment.“ Auch ­Michel ­Clement, Hamburger Professor für Marketing und Medien, ordnet den Barbie-­Hype so ein: „Jeder Trend braucht eine Symbolik. Bei der Farbe Rosa war ein einschneidender Punkt der Women’s March 2017. Eine weltweite Demonstration für Frauenrechte, bei der selbst gestrickte pinke Kappen als Zeichen des Protests eingesetzt wurden.“ Die knallige Farbe hätte sich seither zum Symbol für Diversität, Feminismus und Gleichberechtigung entwickelt.

Der Barbie-Kinofilm

Barbies fulminanter Sprung aus dem Kinderzimmer ist auch Hollywood nicht entgangen - das zeigt ein starbesetzter Kinofilm, der die künstliche Barbiecore-Welt nun erstmals als Realverfilmung präsentiert: In „­Barbie“, der Ende Juli in Deutschland im Kino mit viel Medienrummel angelaufen ist, erkennt die gleichnamige Hauptfigur, gespielt von Margot Robbie, dass wahre Schönheit von innen kommt und nichts mit der oberflächlichen Plastikwelt zu tun hat, die sie umgibt. Begleitet wird sie von einem einfältigen Ryan ­Gosling in der Rolle des Ken - inklusive gestähltem und poliertem Sixpack sowie wasserstoffblondierten Haaren.

Bereits vor der Erscheinung wurde der Kinofilm, der zum Teil von Barbie-Produzent Mattel mitfinanziert wurde, hoch gehandelt. Fortsetzungen sind im Gespräch. Entsprechend hoch das Werbebudget: 50 Millionen US-Dollar standen zur Verfügung; etwa für Puppen-Spezialeditionen und anderes Merchandise sowie den von Top-Produzent Mark ­Ronson produzierten Soundtrack, der mit zahlreichen eigens für den Film aufgenommenen Songs aufwartet, darunter Stücke von jungen Popstars wie Dua ­Lipa und ­Nicki ­Minaj.

Plakat des Barbie Kinofilms mit Margot Robbie und Ryan Gosling (Quelle: Amazon)

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