Viele Haare bei Geburt: Ursachen und Mythen

Ob Babys mit Haaren geboren werden oder nicht, süß sind sie alle. Doch warum kommen manche Babys mit einem wuscheligen Haarschopf, zartem Flaum oder gar keinen Haaren zur Welt? Wir haben nachgeforscht, warum Neugeborene mit so unterschiedlicher Haarpracht aufwarten können.

Wann wachsen die ersten Babyhaare?

Die Haare von Babys beginnen schon während der Schwangerschaft zu wachsen. Um die 20. Schwangerschaftswoche (SSW) ist es soweit. Ganz langsam entwickelt sich der erste Flaum auf dem zarten Köpfchen Deines ungeborenen Kindes.

Als einigermaßen erwiesen gilt, dass das Haarwachstum auf dem Kopf, sofern es denn einsetzt, um die 30. Schwangerschaftswoche herum beginnt (manchmal auch früher). Nämlich dann, wenn das den Körper schützende Lanugohaar ausfällt.

Ursachen für unterschiedliche Haarpracht

Ob Babys bei der Geburt einen wuscheligen Haarschopf, zarten Flaum oder gar keine Haare haben, kannst du vorher nicht sicher wissen. Warum ist das so? Weshalb kommen manche Babys mit Haaren zur Welt und andere oben ohne? Ganz sicher ist sich die Wissenschaft nicht.

Welche Farbe und Struktur die Haare Deines Babys bekommen, ist genetisch bedingt. Auch, ob ein Baby mit vielen Haaren oder nahezu gar keinen Haaren zur Welt kommt, ist genetisch bedingt. Die Erinnerungen eurer Eltern an eure Babyzeit helfen also schon weiter, um einen Tipp abzugeben. Leider sieht man etwaigen Flaum im Ultraschall nicht besonders gut.

Genetik: Die Gene spielen eine große Rolle dabei, ob das Kind mit Haarschopf geboren wird oder eben nicht.

Hormone: Die Hormonaktivität während der Schwangerschaft beeinflusst das Haarwachstum des Babys. Höhere Hormonspiegel können zu mehr Haarwachstum führen.

Lanugohaar: Im Mutterleib tragen Kinder ein dünnes, weiches Fell. Manchmal sind Reste der Ganzkörperbehaarung auch nach der Geburt noch vorhanden.

Was ist die Lanugobehaarung?

Das Lanugo oder Lanugohaar ist ein feiner Haarflaum, der den Körper des Fötus im Mutterleib bedeckt (Fetalhaarkleid). Das dünne, marklose und unpigmentierte Haar entwickelt sich etwa ab der 13-17. Schwangerschaftswoche. Der Name geht auf das lateinische Wort "lana" (=Wolle) zurück, weshalb mitunter auch der Begriff Wollhaar gebräuchlich ist.

Die Lanugobehaarung trägt dazu bei, dass die von den Talgdrüsen produzierte Käseschmiere (Vernix caseosa), an der Haut haften bleibt. Das bewahrt die empfindliche Haut des Fötus davor, im Fruchtwasser aufzuweichen und bildet außerdem einen kleinen Schutzpuffer vor Erschütterungen, Schall und Druck. Wie eine Isolierschicht helfen die Härchen darüber hinaus bei der Wärmespeicherung.

Noch während der Schwangerschaft geht das Lanugohaar größtenteils aus und auch ein Teil der Käseschmiere geht dabei verloren. Der Grund: Weil sich mit der Zeit mehr und mehr Unterhautfettgewebe bildet, braucht der Fötus die Schutzschicht irgendwann nicht mehr so sehr. Das geschieht so etwa um die 30. bis 32. Bei der Geburt sind dann meist nur noch Reste der flaumartigen Lanugobehaarung an den Schultern, im Bereich der Augenbrauen und am unteren Rücken nahe dem Kreuzbein übrig.

Normalerweise haben nur Babys im Mutterleib und Neugeborene das Lanugo, eine flaumartige Körperbehaarung. Bei Erwachsenen weist ein erneutes Aufreten von Wollhaar daher auf gesundheitliche Probleme hin.

Mythos Sodbrennen

Sodbrennen in der Schwangerschaft: Ursachen, Tipps und was wirklich dagegen hilft

Ein altes Ammenmärchen besagt, dass Schwangere mit Sodbrennen Babys mit Haaren zur Welt bringen. Während einer Studie aus dem Jahr 2006 zeigte sich, dass die Kopfbehaarung der Neugeborenen in direktem Zusammenhang dazu stand, wie ausgeprägt das Sodbrennen bei ihren Müttern war.

Kurz gesagt, je mehr Sodbrennen in der Schwangerschaft, desto mehr Haar bei der Geburt! Was reichlich kurios klingt, kann simpel erklärt werden: Wahrscheinlich sind mal wieder mütterliche Hormone schuld. Das würde auch erklären, warum die meisten Babys mit Haaren selbige schon bald verlieren.

Laut einer Studie von 2006 aus den USA hingegen besteht ein Zusammenhang zwischen Schwangerschaftssodbrennen und dem schon im Mutterleib prächtig entwickelten Haarwuchs eines Kindes. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Birth" veröffentlicht. Die Babys derjenigen Frauen, die nicht oder kaum unter Sodbrennen litten, hatte dagegen zu etwa 80 Prozent keine oder nur sehr wenige Haare.

Für die Hebamme Ursula Jahn-Zöhrens, die seit drei Jahrzehnten als Geburtshelferin arbeitet, gehört die These auf jeden Fall in die Kategorie "Mythos".

Welche Hormone genau und in welchem Maße verantwortlich sind, bleibt noch zu klären. Und Ausnahmen gibt es ganz sicher. Wir sind neugierig, wie es bei dir und deinem Kind war.

Haarfarbe und -struktur

Viele Babys kommen jedoch mit hellem Haarflaum zur Welt. Hat Dein Baby helles Haar, kann dieses noch nachdunkeln. Die Farbpigmente bilden sich erst mit der Zeit. Je mehr Eumelanin die Haare produzieren, desto dunkler sind die Haare.

Eltern, deren Babys mit vollem Haarschopf zur Welt kamen, wissen genau: Das muss nicht so bleiben! Denn auch die schönsten Babyhaare beginnen oft kurz nach der Geburt wieder auszufallen. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn Neugeborene mit dicken, dunklen Haaren als Kleinkinder feines, weißblondes Haar haben, das nur langsam wächst.

Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres sollten sich bei deinem Baby Haare zeigen. Erst danach würde man auf einen etwaigen Mangel hin untersuchen. Denn vor allem Eisenmangel kann dazu führen, dass die Haare im Kleinkindalter nicht so wachsen, wie sie eigentlich könnten.

Warum fallen Babyhaare aus?

Einige Babys verlieren zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat fast komplett ihre Haare. Der Hauptgrund dafür ist die hormonelle Umstellung. In der Schwangerschaft ist Dein Östrogenspiegel - und damit auch der Deines Babys - erhöht. Östrogen hält die Haare länger in der Wachstumsphase. Nach der Geburt fällt der Östrogenspiegel dann deutlich aus. Auf einen Schwung kommen viel mehr Haare in die Ruhephase und fallen aus.

Einige Babys verlieren vermehrt Haare am Hinterkopf. Das passiert, wenn sie viel auf dem Rücken liegen. Die Reibung kann den Haarausfall fördern.

Mit der Zeit reguliert sich das Haarwachstum Deines Babys in der Regel von selbst. Der Haarausfall lässt nach und es bilden sich vermehrt neue Haare.

Pflege der Babyhaare

Unabhängig davon, wie viel Haar Dein Baby hat, ist die Pflege wichtig. Denn die zarte Kopfhaut Deines kleinen Lieblings benötigt besondere Aufmerksamkeit.

  • Sanftes Waschen: Verwende ein mildes Babyshampoo, um die Haare Deines Babys zu waschen.
  • Bürsten: Auch wenn Dein Baby nur wenig Haare hat, ist es ratsam, sie sanft zu bürsten.
  • Hüte und Sonnenschutz: Wenn Dein Baby wenig Haare hat oder Du in sonnigen Gebieten lebst, ist es wichtig, den Kopf Deines Babys vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen.
  • Schonendes Trocknen: Nach dem Waschen des Haars Deines Babys tupfe es sanft mit einem weichen Handtuch trocken, anstatt es kräftig zu rubbeln.

Der Haarflaum von Neugeborenen ist sehr zart und empfindlich. Zudem hat die Kopfhaut noch keine ausreichenden Schutzmechanismen entwickelt, wie z.B. die Talgproduktion. Es reicht daher vollkommen aus, wenn Du das Köpfchen beim Baden oder auf dem Wickeltisch mit einem feuchten Waschlappen sanft reinigst. Verwende dafür nur Wasser.

Nach etwa vier bis sechs Monaten werden die Haare bei den meisten Babys langsam dichter. Dann kannst Du die Haare ein bis zweimal pro Woche mit einem sanften Babyshampoo reinigen.

MerkmalBeschreibung
Haarwachstum während der SchwangerschaftBeginnt um die 20. SSW
EinflussfaktorenGenetik, Hormone, Lanugohaar
Mythos SodbrennenMögliche Korrelation, aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt
HaarausfallHormonelle Umstellung führt oft zu Haarausfall in den ersten Monaten
PflegeSanftes Waschen, Bürsten, Sonnenschutz

tags: #viele #Haare #bei #Geburt #Ursachen

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen