Autoimmunerkrankungen der Haut und Haare: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Haare und Nägel sind nicht nur ein wesentlicher Teil unseres äußeren Erscheinungsbildes, sondern auch ein Spiegel unserer Gesundheit. Veränderungen wie Haarausfall, brüchige Nägel oder Verfärbungen können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Unsere dermatologischen Expert:innen haben hierzu für Sie wichtige Informationen zusammengestellt.

Wenn Sie Veränderungen an Ihren Haaren oder Nägeln bemerken, zögern Sie nicht, sich an die kompetenten Fachkräfte zu wenden. Für die bestmögliche Behandlung ist eine gründliche Diagnostik notwendig.

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Im Folgenden werden wir uns mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Autoimmunerkrankungen der Haut und Haare auseinandersetzen.

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Unser Immunsystem hat die Aufgabe, uns vor Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern zu schützen. Dringen sie in den Körper ein, wird die Abwehr aktiviert, um die Fremd-stoffe zu bekämpfen. Körpereigene Strukturen bleiben von diesen Immunreaktionen norma-lerweise ausgenommen. Bei einer Autoimmunerkrankung aber richten sich die Abwehrkräfte gegen gesundes Gewebe - sie verhalten sich autoimmun. Diese Reaktion löst chronische Entzündungen aus und beschädigt die befallenen Strukturen.

Autoimmunerkrankungen können einzelne Organe, aber auch ganze Funktionssysteme betreffen. Sowohl bestimmte Zellen des Immunsystem als auch Antikörper sind an der Autoimmunreaktion beteiligt. Greifen diese den eigenen Körper an, spricht man von Autoantikörpern.

Gelegentlich werden Autoimmunerkrankungen mit Allergien gleichgesetzt. Der Unterschied zwischen beiden Diagnosen besteht darin, dass sich die Abwehrkräfte bei einer Allergie nicht gegen den Körper selbst richten, sondern hypersensibel auf eigentlich unschädliche Fremd-stoffe wie Nahrungsmittel, Tierhaare oder Pollen reagieren.

Häufige Autoimmunerkrankungen mit Auswirkungen auf Haut und Haare

Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor schädlichen Eindringlingen wie Bakterien und Viren. Bei Autoimmunerkrankungen greift das Immunsystem jedoch körpereigene Zellen an, was zu Entzündungen, Gewebeschäden und chronischen Beschwerden führt. Die Haut und Haare sind häufig betroffen, da sie oft Ziel von Autoimmunprozessen sind.

Hier eine Liste der häufigsten Autoimmunerkrankungen, die Haut und Haare beeinträchtigen können:

  • Kreisrunder Haarausfall: Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Haarfollikel angreift. Dies führt zu plötzlich auftretenden, runden, kahlen Stellen auf der Kopfhaut oder an anderen Körperbereichen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten und betrifft Männer sowie Frauen gleichermaßen.
  • Psoriasis (Schuppenflechte): Eine chronische Hauterkrankung, die auch die Nägel betreffen kann. Sie führt zu Veränderungen wie Rillen, Verfärbungen oder einer brüchigen Struktur. Die Erkrankung tritt oft zusammen mit Hautsymptomen auf.
  • Lupus Erythematodes: Eine Autoimmunerkrankung, die sich auf die Haut beschränken kann (kutane Form, LE) oder auch innere Organe betreffen kann (systemischer Lupus, SLE). Die typischen Hautveränderungen mit hoher Lichtempfindlichkeit sind scheibenförmige (diskoide) rote Plaques mit weißlichen anhaftenden Schuppen, die eingesunkene, kreisrunde, kahle weißliche Narben mit einem bräunlichen Rand hinterlassen.
  • Vitiligo: Eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung, die mit einer Pigmentstörung beziehungsweise einem Pigmentverlust einhergeht. Dabei greift das Immunsystem die Melanozyten an, also die Hautzellen, die das Pigment Melanin bilden.
  • Sklerodermie: Diese Erkrankung führt zu verhärteter, verdickter Haut und kann innere Organe betreffen.
  • Alopecia Areata: Bei dieser Form des Haarausfalls greift unser Immunsystem die Haarfollikel an, die mit Entzündung und Haarverlust reagieren.
  • Pemphigus oder Pemphigoid: Erkrankungen, die zu schmerzhaften Blasen und Wunden führen.

Ursachen von Autoimmunerkrankungen

Die Ursachen der chronischen und nicht vollständig heilbaren Erkrankungen sind zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht restlos geklärt. Sicher ist zumindest, dass es nicht nur einen Auslöser gibt, sondern mehrere Faktoren beim Ausbruch einer Autoimmunkrankheit eine Rolle spielen.

  • Genetische Veranlagung: Autoimmunerkrankungen sind keine Erbkrankheiten im eigentlichen Sinne, dennoch liegt in vielen Fällen eine genetische Veranlagung vor. Bei einigen Krankheitsbildern kann zudem eine familiäre Häufung beobachtet werden.
  • Umweltfaktoren: Giftstoffe, Weichmacher oder Chemikalien können das Immunsystem überstrapazieren. Auch einseitige Ernährung, die Einnahme bestimmter Medikamente, z. B. Antibiotika, und eine übertriebene Hygiene werden mit Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Faktoren können die Darmflora schädigen und das Gleichgewicht zwischen „guten“ und schlechten Darmbakterien stören, was Gewebsveränderungen und damit die Entstehung einer Autoimmunerkrankung begünstigt.
  • Organische Erkrankungen: Schwere virale und bakterielle Infektionen oder Tumorbehandlungen können das Immunsystem irritieren und die Produktion von Autoantikörpern gegen versehentlich als „fremd“ identifizierte Proteine stimulieren.
  • Hormonelle Veränderungen: Ob Lupus Erythematodes, rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose - Frauen leiden bis zu sechs Mal häufiger unter Autoimmunkrankheiten als Männer. Oft brechen sie nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren aus, wenn sich der Hormonhaushalt stark verändert. Neben den Geschlechtshormonen könnte auch eine altersbedingte Zunahme an B-Zellen, einer Gruppe der weißen Blutkörperchen, für die Häufigkeit der Erkrankungen mitverantwortlich sein.
  • Stress: Über den Zusammenhang zwischen extremem Stress und einer Schwächung des Immunsystems ist inzwischen viel bekannt. Befindet sich der Organismus ständig im „Flucht- und Kampfmodus“, werden verstärkt Stresshormone ausgeschüttet und die Produktion von Zytokin angekurbelt, einem Protein, das für die Aktivität der Immunzellen verantwortlich ist und ihre Vermehrung steuert. Ist der Zytokinspiegel chronisch erhöht, kann das einen Toleranzverlust des Immunsystems begünstigen.

Symptome von Autoimmunerkrankungen der Haut und Haare

Die Art und Ausprägung der Symptome hängt vor allem davon ab, welche Organe betroffen sind. Oft sind die Symptome jedoch unspezifisch.

Häufige Symptome sind:

  • Haarausfall (kreisrund oder diffus)
  • Veränderungen der Nagelstruktur (Verdickungen, Brüchigkeit, Verfärbungen)
  • Hautausschläge (schmetterlingsförmig, rote Plaques, Blasenbildung)
  • Juckreiz
  • Trockene Schleimhäute
  • Müdigkeit und Schwächegefühl
  • Muskel- und Gelenkschmerzen

Wichtig: Eine genaue Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Daher sollten Sie bei anhaltenden gesundheitlichen Problemen oder beim Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung unbedingt ärztlichen Rat suchen, um Gewissheit zu bekommen.

Diagnose von Autoimmunerkrankungen

Die Diagnostik von Haar- und Nagelerkrankungen beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Untersuchung und einem Gespräch (Anamnese). Dabei berücksichtigen unsere Ärzt:innen die Symptome, mögliche Auslöser und die persönliche sowie familiäre Krankengeschichte. Sichtbare Veränderungen wie Haarausfall, kahle Stellen, Verfärbungen oder strukturelle Auffälligkeiten an den Nägeln geben oft erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung.

Gegebenenfalls setzen unsere Expert:innen zusätzlich diagnostische Methoden wie eine Blutuntersuchung, eine mikroskopische Analyse oder eine Biopsie ein, um die Ursache genauer zu bestimmen. Bei Haarausfall führen Ärzt:innen häufig einen Haarzupftest durch, um die Stabilität der Haare zu überprüfen.

Häufig sind verschiedene Tests und Laboruntersuchungen bei verschiedenen Fachärzten notwendig, bis die Diagnose Autoimmunerkrankung gesichert ist. Trotz der unterschiedlichen Erscheinungsformen der Erkrankung lassen sich im Blut fast aller Betroffenen sogenannte antinukleäre Antikörper (ANA) finden. Die genaue Art der Antikörper gibt Aufschluss über die verschiedenen Kollagenosen.

Behandlungsmöglichkeiten

Leider gibt es bis dato kei-ne Therapie, die eine solche Erkrankungen ursächlich bekämpft. Bei der Behandlung geht es also vorranging darum, die Begleiterscheinungen zu lindern und die Lebensqualität der Patienten so gut wie möglich zu erhalten. Eine individuelle Therapie wird dabei jeweils auf den Patienten und auf die Art und Schwere der Krankheit abgestimmt.

Zu den häufigsten Behandlungsmethoden bei Autoimmunerkrankungen gehören:

  • Medikamentengabe zur Beeinflussung des Immunsystems, aber auch zur Schmerzlinderung
  • Ergo- und Physiotherapie zum Erhalt bzw. zur Verbesserung motorischer Fähigkeiten
  • Lichttherapie zur Behandlung chronischer Hautveränderungen
  • Äußerliche Anwendungen wie Kopfhautmassagen und spezielle Lösungen, die den Haarwuchs anregen können.
  • Haartransplantation, bei der gesunde Haare an betroffene Stellen verpflanzt werden.
  • Unterstützung des Immunsystems, etwa durch äußerlich aufgetragene Substanzen, die eine milde Reaktion hervorrufen (bei kreisrundem Haarausfall).
  • Regelmäßige Reinigung und Pflege der Nägel sowie lokale Lösungen, die das Wachstum des Pilzes hemmen (bei Nagelpilz).
  • Operativer Eingriff, bei dem der eingewachsene Teil des Nagels entfernt wird (bei eingewachsenen Zehennägeln).

Die Therapie von Autoimmunerkrankungen ist komplex und erfordert eine sorgfältige Abstimmung.

Beispiele für spezifische Behandlungen:

  • Lupus: Gezielte Immunmodulation, entzündungshemmende Medikamente und unterstützende Lichttherapie.
  • Sklerodermie: Topische Behandlungen, durchblutungsfördernde wIRA-Therapie und systemische Medikamente.
  • Vitiligo: Lichttherapie, innovative topische Cremes und systemische Immunmodulatoren.
  • Alopecia Areata: PRP-Behandlungen (Plättchenreiches Plasma), Immuntherapien und topische Medikamente.
  • Pemphigus oder Pemphigoid: Immunmodulation, wIRA-Therapie und unterstützende Pflege.

Seit Kurzem kann für Patienten und Patientinnen im Rahmen eines individuellen Heilversuchs eine neue Behandlung zum Einsatz kommen: die sogenannte CAR-T-Zell-Therapie. Aus dem Blut der Erkrankten werden Immunzellen, die T-Zellen, gewonnen und im Labor gentechnisch verändert.

Erkrankung Behandlungsmethoden
Lupus Erythematodes Immunmodulation, entzündungshemmende Medikamente, Lichttherapie
Sklerodermie Topische Behandlungen, wIRA-Therapie, systemische Medikamente
Vitiligo Lichttherapie, topische Cremes, Immunmodulatoren
Alopecia Areata PRP-Behandlungen, Immuntherapien, topische Medikamente
Pemphigus/Pemphigoid Immunmodulation, wIRA-Therapie, unterstützende Pflege

Vorbeugung und unterstützende Maßnahmen

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbeugung von Haar- und Nagelerkrankungen. Haare und Nägel benötigen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, um gesund zu bleiben. Besonders wichtig sind Eisen, Zink und Biotin, die das Haarwachstum und die Nagelstruktur stärken.

Chronischer Stress kann eine Vielzahl von Problemen verursachen, darunter diffusen Haarausfall und brüchige Nägel. Stress beeinflusst den Hormonhaushalt und kann die Wachstumsphasen der Haare verkürzen. Um Stress abzubauen, integrieren Sie Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen in Ihren Alltag.

Alkohol und Rauchen können die Gesundheit von Haaren und Nägeln erheblich beeinträchtigen. Alkohol entzieht dem Körper wichtige Nährstoffe, darunter Zink und Eisen, die für die Haar- und Nagelgesundheit essenziell sind. Rauchen reduziert die Durchblutung der Haarwurzeln und Nägel, was zu einer schlechteren Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen führt.

Die richtige Pflege von Haaren und Nägeln kann Erkrankungen vorbeugen. Schneiden Sie Ihre Nägel gerade und vermeiden Sie zu kurze oder abgerundete Schnitte, um eingewachsene Nägel zu verhindern. Verwenden Sie milde, pH-neutrale Shampoos und verzichten Sie auf aggressive Haarpflegeprodukte, die die Kopfhaut irritieren können. Föhnen Sie Ihre Haare nicht zu heiß. Vermeiden Sie häufiges Glätten oder Locken, da Hitze die Haarstruktur schwächen kann. Für die Nägel empfehlen unsere Expert:innen, sie regelmäßig mit feuchtigkeitsspendenden Produkten einzucremen.

Eine gute Hygiene mindert das Risiko von Infektionen wie Nagelpilz oder bakteriellen Erkrankungen. Trocknen Sie Ihre Füße nach dem Duschen gründlich ab, insbesondere zwischen den Zehen, denn Feuchtigkeit begünstigt Pilzbildung. Tragen Sie atmungsaktive Schuhe und wechseln Sie Ihre Socken täglich, um die Bildung von Pilzsporen zu verhindern.

Erkrankungen wie kreisrunder Haarausfall oder Veränderungen an den Nägeln können Fachärzt:innen früh erkennen und behandeln. Achten Sie deshalb auf Warnzeichen. Suchen Sie bei ungewöhnlichem Haarausfall, brüchigen Nägeln oder Verfärbungen rechtzeitig eine dermatologische Beratung auf.

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