Wenn untypisch viele Haare wachsen, nennt man das Hypertrichose. Der übermäßige Haarwuchs kann am ganzen Körper oder nur an bestimmten Stellen vorkommen, er kann vererbt oder erworben sein.
Ein Mädchen mit Hypertrichose
Mit Hypertrichose bezeichnet man einen übermäßigen Haarwuchs, der an einzelnen Stellen oder am gesamten Körper auftreten kann. Er kann angeboren sein oder erst im Lauf des Lebens entstehen.
Man unterscheidet drei Arten von Haaren: die weiche, für Säuglinge typische Flaumbehaarung (Lanugobehaarung), helle, weiche und flaumige Vellushaare sowie die kräftige erwachsene Terminalbehaarung, wie sie auf dem Kopf, in der Achselhöhle oder im Genitalbereich vorkommt.
Bei der Hypertrichosis lanuginosa congenita, einer vererbten Hypertrichose, ist die Behaarung am auffälligsten, da sie den gesamten Körper betrifft.
Wichtig zu wissen: Die Hypertrichose ist kein Hirsutismus.
Der übermäßige Haarwuchs kann den gesamten Körper betreffen. Man spricht dann von einer generalisierten Hypertrichose. Tritt der vermehrte Haarwuchs nur an bestimmten Stellen auf, handelt es sich um eine lokalisierte Hypertrichose.
Die Haare, die vermehrt wachsen, können unterschiedlich aussehen:
Zu den Körperstellen, die bei der vererbten lokalen Form verstärkt behaart sind, zählen die Unterarme und Ellenbogenbeuge, die Hand- und Fußflächen, die Ohrmuscheln und Nasenspitze sowie der vordere oder hintere Halsbereich.
Bei der angeborenen Hypertrichosis lanuginosa ist der gesamte Körper mit bis zu 10 Zentimeter langen feinen silbergrauen bis blonden Lanugohaaren bedeckt.
Für eine Hypertrichose gibt es - je nach Art des übermäßigen Haarwuchses - verschiedene Ursachen.
Bei den seltenen vererbten Syndromen, die mit dieser Form des übermäßigen Haarwuchses einhergehen, ist häufig die Entwicklung der Haarfollikel gestört. Tritt die Hypertrichose bei Kindern vor der Pubertät auf, kann eine erhöhte Menge des Geschlechtshormons Testosteron der Grund sein.
Entwickelt sich die Hypertrichose im Lauf des Lebens, sind häufig Medikamente die Ursache, beispielsweise:
Besteht die übermäßige Behaarung aus feinen Lanugohaaren, die normalerweise nur bei Säuglingen vorkommen, kann eine Krebserkrankung der Grund sein - meist Lungen- oder Darmkrebs.
Angeborene Muttermale sind häufig verstärkt behaart. Auch bei seltenen angeborenen Fehlbildungen wie dem Cornelia-de-Lange-Syndrom oder dem Rubinstein-Taybi-Syndrom kommt es zu einer lokalen Hypertrichose.
Zudem können wiederholte Verletzungen, Scheuerstellen oder Entzündungen zu einer vermehrten Behaarung führen. Beispielsweise entwickeln viele Arbeiterinnen und Arbeiter, die häufig Lasten auf dem Rücken tragen, eine Hypertrichose auf dem Rücken.
Eine Hypertrichose ist am übermäßigen Haarwuchs leicht zu erkennen.
Zunächst gilt es festzustellen, ob sie angeboren oder erworben ist. Dazu stellt die Ärztin oder der Arzt verschiedene Fragen, etwa zur Familiengeschichte und zu eingenommenen Medikamenten.
Im nächsten Schritt wird der vorherrschende Haartyp bestimmt. Bei der körperlichen Untersuchung achten Ärztin oder Arzt auch auf weitere Fehlbildungen oder Begleitsymptome.
Besteht der Verdacht eines seltenen vererbten Syndroms, können sich genetische, neurologische und andere Untersuchungen anschließen.
Eine Hypertrichose bedarf - rein medizinisch gesehen - keiner Behandlung.
Es gibt Menschen, die gut mit der vermehrten Körperbehaarung leben können. Wer sich aber unwohl damit fühlt, kann die unerwünschte Behaarung mit verschiedenen Methoden entfernen.
Am einfachsten und schnellsten lassen sich Enthaarungscremes anwenden. Diese entfernen die Haare aber ohne ihre Wurzel, sodass die Haare schnell wieder nachwachsen. Zudem führen die Cremes häufig zu Hautreizungen.
Eine fachärztliche Laserbehandlung ist am effektivsten, um die Haare dauerhaft zu entfernen. Ein weiteres Verfahren ist die Elektroepilation. Dabei werden die Haare mit den Haarwurzeln herausgedreht.
Ist die Hypertrichose als Nebenwirkung eines Medikaments aufgetreten, bildet sich der Haarwuchs in der Regel zurück, wenn man das Medikament absetzt. Auch andere erworbene Hypertrichosen gehen meist wieder zurück, wenn sich die Ursache beheben lässt.
Handelt es sich um eine vererbte Hypertrichose, begleitet sie einen in der Regel ein Leben lang. Auch die eigenen Kinder können sie bekommen. Ist der übermäßige Haarwuchs auffällig und gut sichtbar, kann das seelisch sehr belastend sein.
Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.
Bei der Traktionsalopezie handelt es sich nicht um eine körperliche Erkrankung, sondern um einen Haarausfall durch übermäßige mechanische Belastung des Haars. Meistens sind Frauen betroffen, die häufig enge, straffe Zöpfe tragen.
Eine Traktionsalopezie tritt durch eine übermäßige mechanische Belastung der Haare auf. Der Haarausfall tritt dort auf, wo die Haare der Belastung ausgesetzt sind. Bei engen Haarbändern oder straffen Frisuren ist dies meist der Haaransatz an der Stirn und den Seiten - denn dort liegt die größte mechanische Belastung vor.
Traktionsalopezie
Wer erste Symptome nicht bemerkt und entsprechend handelt, riskiert ein weiteres Fortschreiten des Haarverlusts. Das Haar wird an den betroffenen Stellen dünner, es können vermehrt kurze abgebrochene Härchen auftauchen (zum Beispiel am Haaransatz), der Haaransatz kann zurückweichen, es können kahle Stellen entstehen.
Wird die Ursache nicht behoben, können die Haarfollikel so stark geschädigt werden, dass sie vernarben und keine neuen Haare mehr bilden können. Auch die Kopfhaut kann glänzend und vernarbt sein.
Meist bemerkt man zuerst, dass die strapazierten Haare am Haarschaft abbrechen und Frizz entsteht - einzelne Härchen, die aus der Frisur abstehen.
Eine Traktionsalopezie entsteht durch wiederholte mechanische Reizung bestimmter Haarbereiche. Durch Druck, Zug oder Reibung kommt es zu einer Verkrümmung der Haarwurzel. Dadurch werden die Haare immer dünner und die Wachstumsphase verkürzt sich. Schließlich fällt das Haar aus.
Da Frauen und Mädchen meist längere Haare haben und häufiger engere Frisuren tragen oder die Haare aufwendig stylen, sind sie häufiger betroffen als das männliche Geschlecht. Aber auch Männer mit langen Haaren, die oft einen Pferdeschwanz tragen, können betroffen sein.
Die meisten Arten des Haarausfalls bilden ein charakteristisches Muster. Bei der Traktionsalopezie fallen die Haare in den Regionen aus, die mechanisch belastet sind, also meistens an den Haaransätzen der Stirn und der Schläfen.
Manchmal kommt es aber vor, dass nicht nur eine reine Traktionsalopezie vorliegt, sondern die Haare zusätzlich durch Mangelerscheinungen geschwächt sind und dadurch empfindlicher. Mit einer Blutentnahme und anschließender Laboruntersuchung kann festgestellt werden, ob ein Mangel an Vitaminen, Nährstoffen oder Spurenelementen vorliegt, die den Haarausfall verstärken. Besonders häufig kommt ein Eisenmangel vor.
Zusätzlich sollte ausgeschlossen werden, dass eine andere Ursache dem Haarausfall zugrunde liegt. Neben der Traktionsalopezie gibt es weitere Formen des Haarausfalls, die sich durch ein charakteristisches Muster voneinander unterscheiden. Beim diffusen Haarausfall ist das Haar meist insgesamt ausgedünnt, manchmal auch an einzelnen Stellen verstärkt.
Prinzipiell ist eine Traktionsalopezie keine Krankheit. Es liegt keine körperliche Ursache vor, die den Haarausfall bedingt. Wenn die Stressbelastung für die Haare frühzeitig behoben wird, solange die Haarwurzeln noch nicht zu sehr geschädigt sind, kann das Haar normal nachwachsen. Meistens setzt innerhalb von sechs Monaten wieder ein normaler Haarwuchs ein.
Die Regeneration der Haare kann gefördert werden, wenn an der Haarwurzel ausreichend Vitamine, Nährstoffe und Wachstumsfaktoren vorhanden sind. Das kann vor allem durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung ermöglicht werden.
In manchen Fällen, wenn die Haare dauerhaft hohem mechanischem Stress ausgesetzt sind, kann die Haarwurzel irreparabel beschädigt sein. Teilweise können sogar Narben auf der Kopfhaut entstehen. Man spricht dann von einer vernarbenden Alopezie. Es bleiben kahle Stellen, an denen das Haar nicht mehr nachwächst.
Eine Traktionsalopezie wird behandelt, indem man ihren Auslöser vermeidet. Frisuren oder Kopfbedeckungen sollten so gestaltet sein, dass sie keine Zugkraft oder Druckbelastung auf das Haar und die Haarwurzel ausüben. Das Haar sollte öfter mal einfach locker oder offen getragen werden. Auch das tägliche Styling kann die Haare überstrapazieren.
Auch eine gute Pflege der Kopfhaut ist wichtig, um die Haare zu kräftigen. Bei der Meso-Therapie zum Beispiel handelt es sich um eine Methode aus der Alternativmedizin. Es werden ausgewählte Medikamente, homöopathische Mittel, Vitamine, Spurenelemente oder Hyaluronsäure in die Kopfhaut injiziert.
Eine weitere Möglichkeit ist die PRP-Therapie. PRP steht für Platelet Rich Plasma. Es handelt sich um eine Eigenbluttherapie. Dem Patienten wird Blut entnommen und durch ein besonderes Verfahren aufbereitet, um ein thrombozytenreiches Konzentrat herzustellen. Dieses ist reich an Zytokinen, Mikronährstoffen und Wachstumsfaktoren. In die Kopfhaut gespritzt aktiviert es die Haarwurzeln und regt die Bildung und das Wachstum neuer Haare an. Zusätzlich wird die Durchblutung der Kopfhaut verbessert und die Bildung neuer Kapillaren angeregt.
Wenn keine andere Therapie hilft, kommt als letzte Option eine Haartransplantation infrage. Sie ist jedoch erst dann sinnvoll, wenn der Stress der Haare so weit reduziert wurde, dass der Haarausfall nicht weiter fortschreitet und wenn alle alternativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind. Sollten dann immer noch kahle Stellen auf dem Kopf verbleiben, ist eine Transplantation möglich.
Einer Traktionsalopezie lässt sich vorbeugen, indem man Stress für die Haare so weit wie möglich reduziert. Dazu gehört insbesondere das richtige Styling und der richtige Haarschmuck. Es spricht nichts dagegen, auch mal eine straffe Frisur zu tragen. Das sollte man aber nicht täglich tun.
Wenn die Frisur durch Zug an den Haaren schmerzt, sollte man sie direkt lösen. Auch chemischen Stress für die Haare sollte man vermeiden - dazu gehören vor allem Färben, Tönen und Blondieren. Psychisch mit sich im Reinen zu sein ist auch gut für die Haare - manche Menschen neigen dazu, bei Stress an den Haaren zu ziehen oder sich die Haare auszureißen.
tags: #aus #einer #haarwurzel #mehrere #haare #ursachen
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.