Augenbrauen sind mehr als nur Haare über unseren Augen. Sie formen das Gesicht und verleihen ihm Ausdruck. Im Laufe der Zeit hat sich die Brauenmode immer wieder gewandelt, von aufgemalten Brauen im Japan des 12. Jahrhunderts bis zu Augenbrauenersatz im England des 18. Jahrhunderts. Zupfen, wachsen lassen, dünn und gerade oder dicht und buschig - ganz klar, es geht um Augenbrauen.
Tatsächlich können gepflegte Augenbrauen ein Gesicht schöner machen und den Ausdruck vervollkommnen, wohingegen verzupfte Augenbrauen das Gesamtbild massiv stören. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - unterlagen Augenbrauen über die Jahrtausende zahllosen Schönheitsidealen und sind bis heute Ausdruck bestimmter Stilrichtungen.
Warum sie so viel Aufmerksamkeit verdienen? "Sie formen das Gesicht und geben dem ganzen Gesicht einen Ausdruck", sagt die Kosmetikerin Nastaran Azadi vom Beauty-Boom in Köln. So weit so ästhetisch. Warum der Mensch biologisch mit der Braue über dem Auge ausgestattet ist, ist dagegen nicht so klar. Eine Vermutung: Sie sollen den Schweiß auffangen, der unseren Vorfahren von der Stirn tropfte. Eine andere wichtige Funktion: die Verständigung. Die Brauen sind existenziell für unsere Mimik. Je breiter die Braue, desto deutlicher die nonverbale Kommunikation.
Bereits die Frauen des Alten Ägyptens wussten um die Macht eines guten Make-ups. Vor allem die Pharaonin Kleopatra und Nofretete, die Gemahlin des altägyptischen Königs Echnaton, haben geschwärzte Augenränder und stark geschwungene, dunkle Augenbrauen so populär gemacht, dass sie im Alten Ägypten sogar von Männern getragen wurden. Was die wenigsten wissen: Die starke Bemalung diente vor allem gesundheitlichen Aspekten! Beauty-Historikerin Doreen Bloch zufolge wurden Kajal und Mineralien damals vor allem um das Auge herum aufgetragen, um Augenkrankheiten vorzubeugen und vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen. Die Augenbrauen wurden damals in Form gezupft, rasiert und anschließend mit einem Gemisch aus Ruß und Eisenoxid nachgezeichnet.
Im mittelalterlichen Europa sollten Augenbrauen dagegen vor allem dünn und unauffällig sein. So rückte man im 15. und 16. Jahrhundert den feinen Härchen mit Bleichmitteln, Ölen zum Hemmen des Haarwachstums und Pinzette vehement zu Leibe. Seinen Höhepunkt erreichte der Trend wohl mit Queen Elizabeth I., die heute für ihren brauenlosen Look bekannt ist. Ob dies wirklich so gewünscht oder Folge ihres exzessiven Gebrauchs von giftigem Bleiweiss als Make-up war, ist heute nicht mehr ganz nachzuvollziehen. So oder so hat sie brauenlose Gesichter salonfähig gemacht!
Im 16. und 17. Jahrhundert, den Hochzeiten des Barock und Rokoko, ging der Trend zurück zu dichten, vollen Augenbrauen. Die Frauen nutzen nach wie vor Bleiweiss als Grundierung für einen vornehm blassen Teint und mussten bei den Augenbrauen durch den daraus resultierenden Haarausfall, wie schon die Frauen in der Antike, nachhelfen und klebten sich Mäusefell als Augenbrauenersatz an.
Im 20. Jahrhundert gehörten zahlreiche Produkte mit bedenklichen Inhaltsstoffen endlich der Vergangenheit an. Dennoch war die Begeisterung für kunstvoll getrimmte Augenbrauen ungebrochen! Ansonsten wurden die Brauen in den 20er Jahren bevorzugt dünn und lang gezupft, schwarz betont und mit ein paar Tropfen Öl zum Glänzen gebracht. Ihren Höhepunkt erreichten die linienhaften Augenbrauen in den 1930ern: Schauspiel-Ikonen wie Marlene Dietrich und Greta Garbo stilisierten ihre Augenbrauen zu hauchdünnen, stark geschwungenen Bögen die jegliche Natürlichkeit vermissen ließen; dennoch aber charakteristisch für das damalige Schönheitsideal wurden.
In den 1950ern durften die Augenbrauen wieder stärker betont und gerne breit gewachsen sein. Bekanntestes Beispiel ist wohl die phantastische Audrey Hepburn, deren markante Augenbrauen ihrem Gesicht viel Ausdruck und Persönlichkeit verliehen. In den Sechzigern inszenierte Filmdiva Sophia Loren ihre Augenbrauen regelrecht wie Kunstobjekte: Ihre natürliche Augenbrauenform verlieh ihrem Gesicht ihrer Ansicht nach einen traurigen Ausdruck; also rasierte sie sie kurzerhand ab und ließ ihre Augenbrauen fortan aufzeichnen - dramatisch geschwungen verliehen sie der Loren zusammen mit geheimnisvollen Smokey Eyes einen katzengleichen, divenhaften Ausdruck.
Während sich die Modeepochen im vorigen Jahrhundert in 10er-Schritte unterteilen ließen, ist dies im 21. Jahrhundert schwieriger geworden - die Welt ist sichtlich schnelllebiger und vielfältiger. Stars wie Drew Barrymore und Gwen Stefani zupften ihre Augenbrauen während der Nullerjahre zu präzisen, schmalen Streifen, bis Cara Delevingne markante dunkle Augenbrauen 2009 zu ihrem Markenzeichen und zum neuen Hype machte. Kim Kardashian brachte perfekt geformte Augenbrauen mit sinnlichem Bogen nochmal auf ein neues Level und wurde kürzlich gar als „Frau mit den schönsten Augenbrauen der Welt“ tituliert. Aktuell sollen „Straight Brows“, eine gerade, fast horizontale Form wie in den Fünfziger Jahren, ein Comeback erleben.
Heute sind persönliche Vorlieben und Individualität wichtiger, als bestimmte Schönheitsideale, und wir können den Augenbrauenstil wählen, der am besten zu unserem Gesicht und unserer Persönlichkeit passt.
Hier eine Übersicht einiger aktueller Trends:
Egal, ob du dich für fluffige oder sehr dünne Brauen entscheiden, das Wichtigste ist, dass du dich sich mit deinem Look wohlfühlst. Experimentiere mit verschiedenen Stilen, finde heraus, was zu dir passt, und vergiss nicht, deine Augenbrauen gut zu pflegen.
Augenbrauen bestimmen die Architektur des Gesichts. Sie bilden den Rahmen für jeden Ausdruck. Ob buschig, schmal gezupft, abrasiert und nachtätowiert: Die Form der Brauen kann unser Aussehen komplett verändern.
| Epoche | Augenbrauenstil | Bekannte Persönlichkeiten |
|---|---|---|
| Altes Ägypten | Stark geschwungen, dunkel | Kleopatra, Nofretete |
| Mittelalter | Dünn, unauffällig | - |
| 1920er | Dünn, lang, glänzend | Marlene Dietrich, Greta Garbo |
| 1950er | Breit, betont | Audrey Hepburn |
| 1960er | Dramatisch geschwungen | Sophia Loren |
| 2010er | Markant, perfekt geformt | Cara Delevingne, Kim Kardashian |
| Heute | Vielfältig, individuell | - |
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