Augenbrauen sind mehr als nur ein Rahmen für das Gesicht; sie sind ein Ausdruck von Persönlichkeit, ein modisches Statement und manchmal sogar ein Erkennungsmerkmal. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Trends entwickelt, die die Vielfalt und Bedeutung der Augenbrauen unterstreichen. Dieser Artikel beleuchtet einige dieser Trends, von "Rainbow Brows" bis hin zu "Bleached Brows", und untersucht ihre Bedeutung innerhalb der LGBTQ+ Community und darüber hinaus.
Ursprünglich als Erkennungsmerkmal innerhalb der lesbischen Community gedacht, hat sich der Augenbrauen-Trend zu einem modischen Statement entwickelt, das von vielen getragen wird. Viele Frauen äußerten den Wunsch, lesbische oder bisexuelle Frauen leichter erkennen zu können. Ein Einschnitt in der Augenbraue diente als Zeichen, verlor aber mit der Zeit an Bedeutung, da er von immer mehr Menschen übernommen wurde. Es ist mir jetzt nich aufgefallen, dass das überproportional oft von lesbischen Mädchen/Frauen getragen wird aber oft eher in der alternativen Szene und da sind vielleicht überproportional oft lesbische Mädchen/Frauen anzutreffen.
Ich kenne eine Frau, die jahrelang ein Augenbrauen-Piercing trug. Seit geraumer Zeit hat sie es entfernt aber mann sieht ähnlich dem Foto auch zwei Lücken, vermutlich wurden dort die Haarwurzeln beschädigt. Das hat doch nichts mit Lesben zu tun!? Manche Frauen finden das halt cool. Es ist einfach nur ein modischer Aspekt und persönlicher Geschmack.
Euch sind „Pencil Brows“ oder Augenbrauen verziert mit kleinen Nägelchen dann doch etwas zu viel? Ja, können wir durchaus verstehen. Also macht euch bereit füüüüür - kurzer Konfetti-Regen an dieser Stelle - „Rainbow Brows“! Jaha! Also vergesst Regenbogen-Haare oder „Rainbow Lashes“ - diesen Sommer verpassen wir unseren Augenbrauen ein knalliges Upgrade. Passend übrigens zum LGBTQ-Monat, der aktuell in Amerika läuft und die herrlichen Regenbogenfarben zu seinem Markenzeichen gemacht hat.
Doch egal ob als Zeichen für mehr Gleichberechtigung, auch unabhängig von der LGBTQ-Bewegung sind die „Rainbow Brows“ ein echter Hingucker. Immerhin steht der Sommer vor der Tür und schreit einem an jeder Ecke in seiner bunten Pracht entgegen. Da kann man schon mal in Sachen Beauty ein wenig nachlegen. Denn alles, was ihr für den knalligen Look braucht, sind eigentlich die richtigen Farben. Besonders cool wirken die Regenbogen-Augenbrauen nämlich, wenn der Farbverlauf von einer Braue bis zur nächsten geht.
Heißt: Ihr startet auf der einen Seite mit den warmen Tönen (von Rot, über Orange bis hin zu Gelb) und geht dann auf der anderen Brauenseite in die kühleren Farben über (Grün, Blau und Lila). Das ist aber natürlich kein Muss. Ihr könnt auch beide Augenbrauen gleich schminken und weniger Farben verwenden. Hauptsache BUNT ist die Devise. Naaa, kitzelt es euch schon in den Fingern? Dann kramt schon mal in eurer Beauty-Schublade ein paar Farben raus.
Bei benefit gibt es jetzt ein Highlighter-Gel in sieben verschiedenen Nuancen, das eure Augenbrauen im Handumdrehen knallig erstrahlen lässt. Das Beste: Mit der soften Bürste lässt sich die Farbe super leicht auftragen. Für ein langanhaltendes Ergebnis, das sogar Wasser standhält. Unsere absolute Lieblingsfarbe: das knallige Magenta! Für den absoluten Regenbogen-Look liefert Kat von D Beauty mit seinen neuen Augenbrauen-Produkten die richtige Grundlage. Die cremige Textur hält nicht nur 24 Stunden und ist wasserfest, sondern sticht auch noch unschlagbar heraus. Erhältlich sind die 16 verschiedenen Farben online auf Kat von D und einen Teil der Nuancen gibt es darüber hinaus sogar bereits bei Galeria Kaufhof für ca.
Von Kendall Jenner bis hin zu Madonna: Die „Bleached Brows“ sind bei internationalen Promis und auf den Laufstegen gerade wegen ihres „edgy“ Looks heiß begehrt. Der Beauty-Trend könnte außerdem Ausdruck eines kollektiven Gefühlszustandes sein.
Die deutsche Rapperin Shirin David meldete sich kürzlich nach sechswöchiger Social-Media-Pause in gewohnt sexy Aufmachung mit einem Instagram-Post zurück, der sie mit wasserstoffblonden Wellen, starkem Make-up und in eng geschnittener Kleidung zeigt. Nur ein winziges Detail hatte die Musikerin an ihrem Äußeren geändert, doch gerade damit löste sie bei ihrer Anhängerschaft eine Welle der Kritik aus. Die Rapperin hatte sich die Augenbrauen gebleicht und irritierte damit ihre Fans, die auf Instagram ihrem Unmut mit deutlichen Kommentaren Luft machten. „Wo sind die Augenbrauen?“, fragte sich ein Follower. Ein anderer postete: „Ganz schlimm die Augenbrauen.“ Und ein weiterer kommentierte: „Manche Trends sollte man einfach nicht mitmachen.“
Das Urteil ihrer Fans lässt keinen Zweifel offen - Shirin David eckt mit ihrem neuen Look an. Verwunderlich ist das nicht - schließlich bilden die Augenbrauen den natürlichen Rahmen des Gesichtes. Verblasst der ins Unkenntliche, hat das einen geradezu verstörenden Effekt, der beim Betrachter zunächst einmal für Irritationen sorgt. Die Augen gewinnen an Strahlkraft
Eine Neuerscheinung sind die gebleichten Augenbrauen allerdings nicht. Der Beauty-Trend ist in der Punkszene der 1980er-Jahre begründet, als sich Jugendliche mit abrasierten Augenbrauen aus den Zwängen einengender Schönheitsideale befreiten. In den 1990ern und frühen 2000ern beriefen sich die internationalen Modedesigner mit den gebleichten Augenbrauen auf die rebellische Aussage des Punks und forderten damit bewusst die Grenzen des guten Geschmacks heraus.
2023 sind die „Bleached Brows“ zurück auf den Runways und leben auch heute wieder von ihrer disruptiven Wirkung auf das Gesicht. Bei Versace und Burberry geben die extrem zurückgenommenen Brauen tief schwarz umrandeten Augenpartien eine Bühne. Make-up-Künstlerin Diane Kendal inszeniert die Models auf dem aktuellen Runway von Marc Jacobs mit „blanker Stirn“ - als futuristische Goth-Ikonen, wie sie der amerikanischen „Vogue“ verrät. Die gebleichten Augenbrauen fügen sich hier in den dystopischen Beauty-Look der Models aus reduziertem Make-up, aschgrauen Haaren und punkigen Vokuhila ein.
Laut der Make-up-Künstlerin Arzu Kücük setzt man vor allem in der High Fashion gerne auf den Kunstgriff. „Gebleichte Augenbrauen sorgen sofort für einen edgy Look, der irgendwie alienhaft wirkt“, sagt sie. Aktuellstes Beispiel dafür ist wohl die Beauty-Kampagne von Dior, in der Heidi Klums Tochter Leni eine neue Nagelpflege des französischen Traditionshauses mit gebleichten Augenbrauen und wenig Make-up bewirbt. Der Störfaktor im sonst so symmetrischen Gesicht des Models bekommt auf Social-Media jede Menge Aufmerksamkeit und das Produkt findet als Konsequenz insbesondere bei Leni Klums Altersgenossen Anklang.
Aus der Nische in den Mainstream
So saß etwa die Schauspielerin Nicola Peltz Beckham im vergangenen September mit „nackter Stirn“ in der ersten Reihe der Frühjahr/Sommer-2023-Show von Givenchy und brachte damit den Beauty-Look der Models vom Laufsteg sozusagen auf die Straße. Kendall Jenner setzte den Trend schon vor ihr um und paarte die gebleichten Augenbrauen auf der letzten Met Gala mit opulent, aufgerüschter Goth-Robe von Prada. Beide Frauen zählen zu wichtigen Stilvorbildern der Generation Z. Ebenso wie Lady Gaga, Kim Kardashian und Bella Hadid, die aktuell alle mit den „Bleached Brows“ experimentieren.
Madonna zeigt sich neuerdings ebenfalls wieder mit gebleichten Augenbrauen. Hier zeigte die Pop-Ikone die „Bleached Bows“ in Kombination mit rotgefärbter Flechtfrisur, einem sexy Korsagen-Look und funkelndem Diamanten-Gebiss. Mit dem Video traf sie einen Nerv bei der Generation Z, die die Social-Media-Plattform gerne dazu nutzt, jegliche Form des Stilbruchs zu feiern. Die Kontroverse um Madonna hat den Hype um den ungewöhnlichen Beauty-Look zusätzlich befeuert. Das Schlagwort „Bleached Brows“ konnte bis dato mehr als 360 Millionen Aufrufe auf der Video-Plattform generieren.
In den sozialen Medien poppen immer wieder Trends aus den 1990ern und frühen 2000er-Jahren auf, die darauf ausgerichtet sind, zu polarisieren, denn gerade darin liegt für die jungen Menschen der besondere Reiz. So reihen sich die gebleichten Augenbrauen in eine lange Liste streitbarer Mode-Revivals ein, darunter etwa Tanga-Blitzer, Hüftjeans und dünn gezupfte Augenbrauen. Das ist wie eine Kettenreaktion. Wenn einer anfängt, ziehen die anderen viel mutiger nach“ sagt Kücük. „Die 16-Jährigen sind so etwas wie die neuen Beauty-Punks.“
Ebenso soll der Beauty-Trend Ausdruck eines kollektiven Gefühlszustandes sein. Make-up-Künstler Marcelo Gutierrez, der etwa den Beauty-Look von Dua Lipa und „Euphoria“-Star Alexa Demie zu verantworten hat, sieht darin laut der US-amerikanischen „Vogue“ einen spielerischen Gegenpol zur krisengebeutelten Realität. Der Lockdown hat einige Stilblüten dieser Art hervorgebracht, die zunächst im sicheren Raum der eigenen vier Wände getestet werden konnten und dann selbstbewusst in die Post-Lockdown-Ära getragen wurden. Die „Weird Girl Aesthetic“ ist etwa so entstanden. Ein Modetrend, dessen Anziehung auf jüngere Frauen vor allem darin besteht, dass unterschiedliche Stilrichtungen wild gemixt werden, die streng genommen nicht miteinander harmonieren. Genau wie die gebleichten Augenbrauen lebt auch diese Ästhetik von ihrem irritierenden Look.
Nicht mehr als ein Experiment
Die Generation Z möchte damit aber weniger schockieren, als vielmehr ihre Kreativität ausdrücken. Letztendlich macht man das Gesicht mit den gebleichten Augenbrauen laut Arzu Kücük zu einer Art Leinwand, auf der man sich ausleben kann. „Smokey Eyes wirken mit den gebleichten Augenbrauen einfach viel intensiver“, sagt die Make-up-Künstlerin. „Oder man legt damit den Fokus auf die Lippen.“ Auch ganz dünne Brauen, die in den 1990ern als „Skinny Brows“ gefeiert wurden, lassen sich auf den gebleichten Augenbrauen mit einem Stift aufmalen, ohne dass man mit Zupfen sein Aussehen langfristig verändern muss.
Laut Gutierrez sollen die „Bleached Brows“ vor allem Spaß und Lust auf Experimente machen.
Die Beziehung zwischen der LGBTQ+ Community und der Weiblichkeit ist kompliziert. Genau wie in der heterosexuell geprägten Welt, in der wir leben, wird Weiblichkeit auch innerhalb der LGBTQ+ Community sowohl unterbewusst als auch ganz offen als weniger wertvoll als Männlichkeit angesehen. Weiblichkeit wird demnach häufig mit Schwäche verwechselt und als oberflächlich abgetan. Eine feminine Person kann unmöglich sie selbst sein, sie ist vielmehr eine Projektion des heterosexuellen, männlichen Geschmacks. Um einem männlichen „Publikum“ zu gefallen, legt die weibliche Frau deshalb eine Art „Auftritt“ hin.
Weiblichkeit so zu betrachten, führt unter anderem dazu, dass feminine, queere Frauen und Femmes innerhalb der Gesellschaft quasi unsichtbar sind. Folgt man der Argumentation, verkleiden sich nämlich Frauen, die weiblich aussehen, um Männern zu gefallen. So existieren homosexuelle Frauen, die sich weiblich kleiden und geben - so wie ich -, in der Theorie ganz einfach gar nicht.
Die Bezeichnung ‚Femme’, die genau diese lesbische sexuelle Identität beschreibt, wurde eingeführt, um sich von ihrem Gegenstück, der nach Gendernormen eher maskulin wirkenden ‚Butch’, abzugrenzen. Es geht hier also vor allem um Sichtbarkeit. Seinen Ursprung hat der Begriff der Femme in der lesbischen Barszene der Fünfzigerjahre, in der Frauen ihr Verlangen nach anderen Frauen deutlich ausdrücken konnten, ohne dabei ihre Weiblichkeit leugnen zu müssen. Hier war es möglich, stereotype weibliche Dinge wie Lippenstift oder Kleider zu tragen, ohne entweder als unweiblich oder etwa nicht gay genug zu gelten. Diese lesbische sexuelle Identität wurde bewusst eingesetzt, um deutlich zu machen, dass Weiblichkeit und Homosexualität sich keinesfalls ausschließen, sondern ganz im Gegenteil maßgeblich dazu beitragen, wen man selbst begehrt und von wem man begehrt wird.
Was das klassische Verständnis von Geschlecht und Sexualität angeht, ist seit den Fünfzigerjahren zum Glück auch außerhalb der Barkultur gesellschaftlich einiges passiert. Das hat auch dazu geführt, dass der Begriff Femme inhaltlich erweitert wurde. So ist er nicht mehr nur für lesbische und bisexuelle Frauen reserviert, sondern wird als Beschreibung von einer Reihe von Menschen innerhalb der LGBTQ+ Community, wie Transfrauen oder homosexuellen Männern, genutzt. In gewisser Weise kann das als Fortschritt gewertet werden, als ein Zeichen dafür, dass die Weiblichkeit in der Community ihren Stellenwert verbessert. Tatsächlich ist es aber so, dass das Konzept von Weiblichkeit vielerorts weiterhin als nicht ausreichend queer angesehen wird. Wer sich nicht explizit von heteronormativen, patriarchalen Standards abgrenzt, ist nicht queer genug.
Einige meiner Freundinnen wurden offen dafür angegangen, dass sie sich nicht die Haare kurz schneiden wollten, mir selbst wurde gesagt, dass ich mit langen Fingernägeln keine „richtige Lesbe“ sei. Diese hetero-patriarchale Altlast existiert also weiterhin, auch in der LGTBQ+ Community. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man in Grindr-Profilen Sachen wie „no fats, no femmes“ liest, lesbische Frauen in Gay Bars als ‚Fag Hags’, also als Frauen, die sich am liebsten mit schwulen Männern umgeben, bezeichnet werden, oder Transfrauen bezichtigt werden, sie würden Weiblichkeit nachäffen.
In gewisser Weise ist femme zu sein also ein Protest. Es bedeutet, im Widerspruch zu geltenden Standards und Anforderungen zu stehen.
Ich habe vier sehr unterschiedliche Femmes interviewt. Die Bandbreite ihrer Antworten zeigt, wie komplex und gleichzeitig ermächtigend es heutzutage ist, Teil der LGBTQ+ Community und weiblich zu sein.
Dieser Artikel erschien zuerst im Beauty Issue des Ladybeard Magazine, einem britischen, feministischen Printmagazin. Das Magazin soll ein Ort sein, an dem offen über Geschlecht, Sexualität und Identität diskutiert werden kann. Aus der Perspektive eines traditionellen Hochglanzmagazins heraus sollen diese Themen spielerisch angegangen werden, ohne dabei Bedingungen oder Grenzen festzulegen.
Die letzte Ausgabe, das Beauty Issue, behandelt, wie wir dem Schönheitsbegriff unserer Kultur entsprechen, oder eben auch nicht. Das Magazin reist durch die Zeit und um die Welt, um herauszufinden, wer eigentlich die gängigen Schönheitsideale in einer Gesellschaft diktiert und was das über herrschende Machtverhältnisse aussagt.
| Jahrzehnt | Trend | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1980er | Abrasierte Augenbrauen | Als Ausdruck der Rebellion in der Punkszene |
| 1990er/2000er | Gebleichte Augenbrauen | Von Modedesignern aufgegriffen, um Grenzen des guten Geschmacks herauszufordern |
| 1990er | Skinny Brows | Sehr dünn gezupfte Augenbrauen |
| 2020er | Rainbow Brows | Farbenfrohe Augenbrauen als Zeichen für Gleichberechtigung und Ausdruck von Individualität |
| 2023 | Bleached Brows | Rückkehr der gebleichten Augenbrauen als "edgy" Look in der High Fashion und im Mainstream |
Abschließend lässt sich sagen, dass Augenbrauen-Trends einem ständigen Wandel unterliegen und oft mehr sind als nur ästhetische Entscheidungen. Sie können Ausdruck von Identität, Rebellion, Gleichberechtigung oder einfach nur Spaß und Experimentierfreude sein. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Trends die Zukunft bringen wird.
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