Die Frage nach der Rolle der Frauen in Hollywood ist aktueller denn je, insbesondere nach den Oscar-Nominierungen, die oft eine mangelnde Repräsentation von Regisseurinnen aufzeigen. Nach dem großen Missbrauchsskandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein stellt sich die Frage, ob die Filmindustrie wirklich bereit ist, sich zu ändern und inklusiver zu werden.
Kathryn Bigelow, die erste Frau, die einen Oscar für die beste Regie gewann, bei der 82. Oscar-Verleihung im Jahr 2010.
Im Herbst 2017 erschütterte die Enthüllungsgeschichte der "New York Times" Hollywood: Der mächtige Filmproduzent Harvey Weinstein soll jahrelang Frauen missbraucht, einige sogar vergewaltigt haben. Zu den Opfern gehörten Schauspielerinnen wie Rose McGowan, Rosanna Arquette, Daryl Hannah und Uma Thurman sowie rund 80 weitere Frauen. Die Berichte enthüllten ein regelrechtes System von Helfern, Schweigegeld und Drohungen gegen diejenigen, die auspacken wollten. Der Prozess gegen Weinstein in New York markiert einen Wendepunkt, der eine Kultur des Hinsehens und des sich Wehrens gegen die Kultur des Totschweigens setzt.
Die Frauen in Hollywood reagierten lautstark und sichtbar. Bei den Golden Globes 2018 erschienen sie geschlossen in schwarzen Roben und solidarisierten sich.
Die Time's-Up-Bewegung, Female Forward und Women and Hollywood sind Initiativen, die versuchen, Frauen in der Industrie zu fördern und über Ungleichheiten aufzuklären. Es gibt aktuelle Studien, die Hoffnung machen, dass sich tatsächlich etwas ändert, wenn auch nur langsam. Doctor Stacy Smith von der Universität USC Annenberg in Los Angeles hat die Anzahl von Regisseurinnen in Hollywoodfilmen in den vergangenen Jahren untersucht. Zum ersten Mal steige die Zahl der Regisseurinnen bei den Top 100 erfolgreichsten Filmen in den USA von zuvor etwa vier Prozent auf eine Zahl zwischen zwölf und 14 Prozent.
Trotzdem kein Grund zu feiern, meint die Schauspielerin Eva Longoria, mit der Stacy Smith auf der Bühne sitzt, um über Inklusion zu sprechen. "Wandel ist möglich, aber wir zelebrieren die reinen Zahlen - und das finde ich schlecht. Studios beklatschen sich, wenn sie 100 Prozent mehr Frauen einstellen, das heißt dann: Wow, wir haben nicht 1 Frau eingestellt, sondern 2! Wir haben die Zahl verdoppelt. Und man denkt sich - das ist keine Verbesserung!
Infografik zur Repräsentation von Frauen in der Filmindustrie.
Vicky Petela, eine freie Produzentin für Spielfilme und TV-Serien im Independentbereich, sagt: Es ist nach wie vor in ihrer Branche noch schwierig als Frau in einem Job zu arbeiten, in dem man eine Chefposition innehat:"Es ist schon erstaunlich, wie viele Männer es noch schwierig finden, eine Frau zum Chef zu haben.
Als Frau sei man immer wieder bestimmten Schwierigkeiten ausgesetzt - so wie in anderen Branchen auch: "Wir kennen das Thema sexuelle Belästigung in unserer Industrie. Ich habe es erlebt, und ich kenne keine Frau, die es nicht auch schon erlebt hat. Ich kenne Situationen, dass dich jemand einstellen will und sagt, dass man "nett zu ihm sein müsste", um den Job zu bekommen. Ich wurde am Set schon schikaniert, angeschrien. Es gibt diese Mikro-Aggressionen am Set, dass jemand zu mir sagte: Jetzt weine bloß nicht, nicht vor der Crew! Aber wenn ein Regisseur weint, weil es eine emotionale Szene ist, wird er applaudiert.
Filmproduzentin Robin Jonas findet es ebenfalls schade, dass in diesem Jahr keine Frau in der Kategorie "beste Regie" bei den Oscars nominiert wurde - aber: "Je mehr Frauen Filme machen, desto mehr Frauen können auch nominiert werden. Es ist hart, es sind ja nur fünf Plätze und ich glaube nicht, dass man einfach eine Frau nehmen sollte und nominiert, einfach um eine Frau zu haben."
Die Oscar Academy stand in den vergangenen Jahren immer wieder auch wegen der Zusammensetzung ihrer Mitglieder in der Kritik. 2012 waren nach einer Erhebung der "Los Angeles Times" 94 Prozent ihrer Mitglieder weiß, 77 Prozent männlich und nur 14 Prozent jünger als 50 - daher hat die Academy auch ihren Ruf, ein Verein alter, weißer Männer zu sein. Die Oscar Academy hat seit der Kritik an ihren Mitgliedern mehr Frauen und People of Color eingeladen. Die Zahl weiblicher Mitglieder soll bis 2020 verdoppelt werden.
Professorin Stacy Smith entwickelte den so genannten "Inclusion Rider" mit - jenes Papier, das Schauspielerin Frances McDormand in ihrer Oscar-Dankesrede 2018 dem Publikum benannte: Der Inclusion Rider - das ist eine Vertragsklausel, in der beispielsweise Schauspieler von Regisseuren oder dem Studio verlangen können, dass die Besetzung der Produktionscrew eines Films möglichst divers ist. Stacy Smith erläutert dieses Vertragskonstrukt im uni-eigenen YouTube-Kanal: "Schauspieler, Regisseure und andere können dies in ihren Vertrag schreiben und verlangen, dass mindestens 50 Prozent der Filmcrew divers ist. So soll sichergestellt werden, dass Frauen und People of Color also Menschen unterschiedlichster Hautfarbe mitarbeiten Mit dieser klaren Vertragssprache wollen wir gleich wenn es um die Einstellungsgespräche oder Castings geht auf zu Vielfältigkeit achten."
Das Problem mit diesem Papier: Es ist kaum nachvollziehbar, wer diese Klausel bisher genutzt hat. "Leute wie Matt Damon und Ben Affleck sagten, dass sie das nutzen würden. Tuns sie das? Es gibt gute Presse, wenn man sagt, das man etwas Gutes tut, und dann prüft das niemand nach." Zahlen, Nachweise, wie oft diese Klausel schon zum Einsatz gekommen ist, fehlen.
Auch Frisuren spielen eine Rolle in der Darstellung von Frauen in Film und Fernsehen. Der "Bixie", eine Mischung aus Pixie Cut und Bob, erinnert an die Kurzhaarfrisuren bekannter 90er-Stars wie Meg Ryan, Winona Ryder und Ashley Judd. Der "Mixie", eine Mischung aus Pixie Cut und Mullet, ist eine weitere Trend-Frisur, die für einen edgy Look sorgt. Shailene Woodley trug beispielsweise für ihre Rolle in "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" einen Kurzhaarschnitt, was ihre Darstellung in der "Divergent"-Reihe beeinflusste.
Ashley Judd mit einem Bixie-Haarschnitt.
Der Wandel in Hollywood ist möglich, braucht aber Zeit. Serien wie "Orange is the New Black", "Killing Eve oder "Big Little Lies" sind von Frauen und zeigen Frauen fernab des Sterotyps. TV und Streaming wirken seit Jahren oft moderner, als Hollywoods Filmindustrie. Sie können im besten Sinne ein Vorbild sein, für die oft verkrustet wirkenden Strukturen der Filmstudios.
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