Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Bis zu 50 Prozent der Männer und Frauen sind davon betroffen. Es gibt verschiedene Formen des Haarausfalls, wobei der sogenannte androgenetische Haarausfall die häufigste ist. Auslöser sind Androgene, die auch bei Frauen während und nach den Wechseljahren vermehrt gebildet werden. Eine andere Form des Haarausfalls ist die Alopecia areata, charakterisiert durch einen kreisförmigen Haarverlust. Hierfür dürften in erster Linie Autoimmunprozesse verantwortlich sein.
Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken, und stoßen dabei auf verschiedene Mittel und Substanzen. Eine davon ist L-Arginin, eine Aminosäure, die im Körper vielfältige Funktionen erfüllt. Doch kann L-Arginin tatsächlich bei Haarausfall helfen? Dieser Frage gehen wir im folgenden Artikel auf den Grund.
Es gibt verschiedene biochemische Mechanismen, die am Haarausfall beteiligt sein können, zum Beispiel Entzündungen, oxidativer Stress, Stoffwechsel der Androgene, Störungen der Mikrozirkulation und ein Mangel an Mikronährstoffen. Für das Wachstum und die Struktur der Haare sind zahlreiche Mikronährstoffe erforderlich.
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Die Rolle von L-Arginin bei der Haarversorgung
L-Arginin besitzt gefäßerweiternde Eigenschaften und kann die Mikrozirkulation der Kopfhaut verbessern. Der untere Teil der Haarfollikel ist von Blutgefäßen umgeben, die die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff ermöglichen. Eine Einschränkung der Mikrozirkulation kann das Haarwachstum beeinträchtigen.
Chinesische Wissenschaftler publizierten 2023, dass ein Argininmangel das Haarwachstum beeinträchtigen kann.
Wichtig: Solide wissenschaftliche Studien zu L-Arginin und androgenetischem Haarausfall gibt es nicht.
Weitere wichtige Aminosäuren und Nährstoffe für das Haarwachstum
Neben L-Arginin gibt es auch andere Aminosäuren und Nährstoffe, die eine wichtige Rolle für das Haarwachstum spielen:
- Cystein: Die schwefelhaltigen Aminosäuren Cystein und Methionin sind Ausgangssubstanzen für die Keratinsynthese. Cystein ist ein wichtiger Bestandteil des Keratins mit einem Mengenanteil von 10 bis 17 Prozent. Die Haare bestehen zu 95 Prozent aus Keratinen, bei denen es sich um faserbildende Strukturproteine handelt. Das Haarwachstum, der Haardurchmesser und die Proteinsynthese sind abhängig von der Cysteinverfügbarkeit. Cystein hat eine zentrale Bedeutung für die Stabilität der Keratinfasern durch die Bildung von Disulfidbrücken.
- Lysin: Lysin ist eine essenzielle Aminosäure und daher prinzipiell wichtig für alle Wachstumsvorgänge. Bei Lysin-armer Ernährung, zum Beispiel bevorzugtem Verzehr von Getreideprodukten, kann es deshalb auch zu einem vermehrten Haarausfall kommen.
- Vitamine:
- Vitamin C ist ein wichtiges wasserlösliches Antioxidans und ein essenzieller Cofaktor für die Bildung von Kollagen. Vitamin C unterstützt das Cross-Linking der Keratinfasern. Ein Vitamin-C-Mangel kann zu gekräuselten Haaren führen. Vitamin C spielt auch eine Rolle für die Verminderung des oxidativen Stresses, der zu einer Degeneration der Haarfollikel führt. Vitamin C ist bedeutsam für die Aufnahme von Eisen aus dem Darm.
- Vitamin B6 spielt eine wichtige Rolle für die Proteinsynthese und ist auch an der Bildung von Keratinen in Haarfollikeln beteiligt.
- Folsäure ist an der Synthese und an der Reparatur von RNA und DNA beteiligt. Deshalb ist die Neubildung von Zellen und das Haarwachstum von einer ausreichenden Folsäureversorgung abhängig. Folsäure hat einen günstigen Einfluss auf das Ergrauen der Haare und reguliert die Funktion der Talgdrüsen.
- Vitamin B12: Prinzipiell sind alle B-Vitamine wichtig für die Gesundheit und das Wachstum der Haare. Ein Vitamin-B12-Mangel kann sich durch vermehrten Haarausfall bemerkbar machen. Verschiedene Medikamente können die Vitamin-B12-Aufnahme beeinträchtigen. Wichtig ist die Sicherstellung einer ausreichenden Vitamin-B12-Zufuhr bei veganer Ernährung.
- Biotin ist erforderlich für das Wachstum und für die Differenzierung von epidermalen Zellen. Ein Biotinmangel kann trockene, schuppige Haut, brüchige Nägeln und Haarausfall nach sich ziehen. Bei einem Biotinmangel oder einer suboptimalen Biotinversorgung ist eine Supplementierung von Biotin empfehlenswert.
- Vitamin A: Sowohl eine zu hohe wie auch eine zu niedrige Vitamin-A-Zufuhr können zu Haarausfall führen.
- Vitamin D3 moduliert das Wachstum und die Differenzierung der Keratinozyten durch Bindung an den Vitamin-D-Rezeptor im Zellkern. Vitamin D3 ist auch ein wichtiges Regulatormolekül des Immunsystems und kann Autoimmunreaktionen reduzieren.
- Mineralstoffe:
- Zink wird benötigt für die Intaktheit von Haut und Schleimhäuten. Bei Personen mit Haarausfall sind die Zinkspiegel im Serum oder Vollblut häufig erniedrigt. Ein ausgeprägter Zinkmangel hat meist Haarausfall zur Folge.
- Eisen: Ein Eisenmangel ist nicht selten mit Haarausfall assoziiert. Jüngere Frauen mit niedrigen oder suboptimalen Ferritin-Spiegeln (kleiner 50 Mikrogramm pro Liter) klagen häufig über vermehrten Haarausfall, der aber nicht mit dem Stoffwechseleinfluss von Androgenen erklärt werden kann. Eisen ist ein zentraler Bestandteil des Hämoglobins, das für die Sauerstoffversorgung der Matrixzellen unerlässlich ist. Außerdem ist Eisen ein Cofaktor für die Ribonukleotidreduktase, einem zentralen Enzym für die DNA Synthese.
- Kupfer ist wichtig für die richtige Vernetzung der Keratinmoleküle. Ein Kupfermangel vermindert also die Stabilität und Elastizität der Haare, die dadurch an Glanz verlieren und vorzeitig ergrauen können. Kupfer ist für die Melaninbildung erforderlich.
- Calcium und Magnesium: Magnesium ist wesentlich für die Zellteilung und auch an Immunreaktionen beteiligt. Es ist bekannt, dass ein Magnesiummangel die Entzündungsaktivität erhöht und dadurch auch zu einem Haarausfall beitragen kann. Calcium spielt eine wichtige Rolle für den Erhalt und die Gesundheit der Haare, besonders in den Wechseljahren.
Weitere Faktoren, die Haarausfall beeinflussen können
Neben der Versorgung mit Nährstoffen gibt es noch weitere Faktoren, die Haarausfall beeinflussen können:
- Stress: Stress ist nach der Genetik die zweithäufigste Ursache für Haarausfall. Stress beeinflusst durch gewisse Hormone und Signalstoffe den fragilen Haarzyklus und die Kopfhautdurchblutung.
- Corona: Eine Infektion mit Covid bedeutet Stress für die Haarfollikel. Die Haare fallen dann vorzeitig aus. In aller Regel wachsen sie wieder nach, Sie brauchen nur etwas Geduld.
- Medikamente: Verschiedene Medikamente können die Vitamin-B12-Aufnahme beeinträchtigen.
Was hilft wirklich gegen Haarausfall?
Es gibt verschiedene Ansätze, um Haarausfall entgegenzuwirken:
- Ausgewogene Ernährung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist essenziell, um Mangelerscheinungen, die Haarausfall zur Folge haben können, entgegenzuwirken. Essen Sie Lebensmittel, die reich an Eisen, Omega-3-Fettsäuren, Zink, Biotin, Selen und Vitamin B5 sind. Auch Proteine und Antioxidantien haben Benefits für die Haare.
- Nahrungsergänzungsmittel: Bei einem ungeklärten Haarausfall ist eine Blutuntersuchung ratsam, bei der die Schilddrüse, der Vitaminhaushalt, Eisenstatus, Mineralstoffe, Spurenelemente, Elektrolyte und Hormone im Körper untersucht werden. Wird ein Mangel festgestellt, sollte man diesen mit den entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln supplementieren. Die prophylaktische Einnahme ist meist nicht zielführend.
- Beauty-Treatments: Als besonders effektiv gilt ein sogenanntes PRP-Treatment. "PRP ist die Kurzform für plättchenreiches Plasma, das aus dem entnommenen Blut der zu behandelnden Person gewonnen wird", erklärt die Dermatologin. "Um die Blutplättchen zu isolieren, wird das Blut zentrifugiert. Das daraus gewonnene Material enthält körpereigene Wachstumsfaktoren - in die Kopfhaut injiziert, regen diese Wachstumsfaktoren den Haarwuchs an." Eine Alternative zum PRP ist die Mesotherapie. Hierbei wird statt Plasma ein individuell abgestimmter Nährstoff-Mix aus Vitaminen, Koffein und Melatonin in die Kopfhaut injiziert.
- Medikamente: Bei androgenetischem Haarausfall verkümmern die Haarfollikel, und die Blutgefäße, welche die Haare mit Nährstoffen versorgen, schrumpfen. Das Medikament Minoxidil setzt genau an dieser Stelle an, erweitert die Blutgefäße und behebt so die Mangelversorgung der Haarwurzel durch die Erhöhung der Gefäßdurchblutung. Für Männer ist außerdem noch das Anti-Haarausfall-Medikament Finasterid zugelassen.
- Koffein: Haarwuchsmittel mit Koffein regen die Durchblutung an. Durch die verbesserte Zirkulation werden die Haarwurzeln besser versorgt.
| Nährstoff | Funktion für das Haarwachstum | Lebensmittelquellen |
| L-Arginin | Verbessert die Mikrozirkulation der Kopfhaut | Nüsse, Samen, Fleisch |
| Cystein | Bestandteil von Keratin, sorgt für Stabilität der Haarfasern | Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte |
| Lysin | Wichtig für alle Wachstumsvorgänge | Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte |
| Vitamin C | Antioxidans, unterstützt die Kollagenbildung | Zitrusfrüchte, Beeren, Paprika |
| Vitamin B6 | Wichtig für die Proteinsynthese | Fleisch, Fisch, Eier, Gemüse |
| Folsäure | Beteiligt an der Zellneubildung | Grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte |
| Vitamin B12 | Wichtig für die Zellgesundheit | Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte |
| Biotin | Erforderlich für das Wachstum von Haut und Haaren | Eier, Nüsse, Samen |
| Zink | Wichtig für die Intaktheit von Haut und Schleimhäuten | Fleisch, Fisch, Nüsse, Samen |
| Eisen | Bestandteil des Hämoglobins, sorgt für Sauerstoffversorgung | Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte |
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