Apfel Shampoo DDR: Inhaltsstoffe und die Geschichte von Undine

In der DDR erfreute sich die Kosmetikserie "Undine" großer Beliebtheit, insbesondere wegen ihres Duftes nach frischen grünen Äpfeln. Winnie Hortenbach hat diese DDR-Serie als Naturkosmetik wiederbelebt.

Winnie Hortenbach hat die DDR-Serie „Undine“ als Naturkosmetik wiederbelebt.

Die Geschichte von Undine

Die Apfelkosmetik war eigentlich ein "Parteitagskind". Zu Parteitagen wurden für die Entwicklung von Produkten und dem damit oft verbundenen Einkauf von Zutaten in nichtsozialistischen Ländern extra Devisen freigemacht. Vor allem junge Leute sollten mit trendigen Produkten versorgt werden.

So kam in den 1980er-Jahren unter anderem auch die peppig aufgemachte Serie „Action“ mit Make-up- und Haarstylingprodukten sowie Nagellack auf den Markt. Entwickelt und produziert wurde Kosmetik im VEB Chemisches Kombinat Miltitz.

Die Serie „Undine“ hatte damals mehrere Produktionsstandorte: Pflege in Waldheim, Seife in Riesa, Duschgel und Shampoo in Zeitz, Körperspray in Oberlichtenau.

Der Markenname UNDINE wurzelt in der 1979 beim deutschen Patentamt angemeldeten Marke Undine. Die Markenanmelder war das VEB Chemisches Kombinat Miltitz. Die Serie „UNDINE war in den 80er Jahren Inbegriff einer modernen, duftintensiven und ausdrucksstarken Kosmetik. Konzipiert für eine junge frische Zielgruppe, die das Besondere sucht.

Leitbild der Marke war der unverwechselbare frische Duft nach knackigen grünen Äpfeln. Auch dieser wundervolle Duft wurde in Miltitz (heute Stadtteil von Leipzig) hergestellt.

Bereits 1976 wurde mit den Entwicklungsarbeiten zu einer, dem damaligen Zeitgeist entsprechenden, Apfelduft-Serie begonnen. Der unbeschreibliche Duft wurde im VEB Chemisches Kombinat Miltitz, Standort Miltitz (jetzt Bell Flavours & Fragrances) produziert. Die Serie war in den 80er Jahren Inbegriff einer modernen, duftintensiven und ausdrucksstarken Kosmetik. Der Apfel war Leitbild dieser Serie.

Winnie Hortenbach kann sich noch an viele dieser Kosmetika erinnern.

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Der Weg zur eigenen Naturkosmetik

Nach dem Studium der Lebensmittelchemie an der TU Dresden bewarb sie sich Mitte der 1990er-Jahre bei verschiedenen Firmen der Branche in der Dresdner Region als Lebensmittelkontrolleurin. Das Arbeitsamt vermittelte schließlich einen Job in Waldheim bei Florena.

Zunächst Sicherheitsbewerterin - Produkte müssen zehn Jahre lang archiviert und immer wieder überprüft werden -, übernimmt sie schon drei Jahre später einen Teil der Entwicklung, 2004 dann wird sie Chefin der Abteilung. Doch auch die zur Beiersdorf AG gehörende Florena befand sich im Umbruch.

Das Mutterunternehmen ließ 2008 zwar die Produktion in Waldheim, verlegte jedoch Marketing sowie Forschung und Entwicklung nach Hamburg. Nach kurzer Zeit bei einem Joghurtproduzenten in Freiberg und damit im eigentlichen Metier tätig, wird auch hier die Entwicklungsabteilung verlagert. Die gebürtige Roßweinerin steht wieder vor einer Entscheidung.

Diese Unstetigkeit, dieses immer wieder von vorn anfangen, keine klare Linie, keinen langfristigen Kompetenzaufbau, das will sie nicht mehr, stattdessen mit der Familie ganz neue Wege gehen.

Nach vielen Bewerbungen und ebenso vielen Absagen reift der Gedanke zur Selbstständigkeit. Als Beiersdorf 2013 die Marke abmeldet, greift sie zu, telefoniert in der Zeit auch mit ehemaligen Produzenten und sichert sich die Internetdomain. Der Entschluss wird immer stärker: Statt erneuter Bewerbungen und vager Hoffnung wählt Winnie Hortenbach die Selbstständigkeit.

Die Inhaltsstoffe und der Duft

Das alte „Undine“-Rezept ließ sich wegen der mittlerweile in Kosmetik verbotenen Moschus-Verbindungen nicht mehr verwenden. Sie fragt sich stattdessen: Wo will ich hin? Die Antwort ist einfach: Es sollte Naturkosmetik sein und die Zulieferer sollten aus der Region kommen: „Das Produkt sollte ICH sein.“ Einen Anspruch, genau denselben „Undine“-Duft wie früher in der DDR zu kreieren, hat sie nicht.

Nach vielem Mischen, Mixen und Probieren dann endlich ein Naturduft, der dem früheren sogar etwas ähnlich ist.

Aber die Zutaten sind nicht vergleichbar. Für die Unternehmerin sind deshalb andere viel wichtiger: Leinöl, Kamillenextrakt, Hyaluronsäure, Apfelsaft.

Die Äpfel für „Undine“ kommen von einer Fruchtsaftfirma aus Roitzsch, einem Ortsteil von Wurzen, und ergeben einen puren, trüben Apfelsaft. Die Parfümeure eines Duftherstellers aus Leipzig kreieren dazu den frischen Duft für Duschgel, Shampoo, Deo Roll-on und Lotion. Nur wenige Tropfen genügen davon.

„Der Duft und die Inhaltsstoffe sind ein Spagat zwischen dem Markenursprung und mir“, meint Hortenbach.

Undine Produkte heute

Seit letzten November sind die ersten Produkte am Markt. Im nächsten Jahr sollen noch Handcreme und Gesichtspflege dazukommen.

Hier eine Übersicht der aktuellen Undine-Produkte:

  • Undine Apfel-Deodorant mit Bio-Apfelsaft, Roller 50ml, ohne Aluminiumsalze, Naturkosmetik.
  • Undine Apfel-Schaumdusche mit Bio-Apfelsaft, in 135ml PET-Flasche (mit Schaumdispenser).
  • Undine Apfel-Lotion mit Bio-Apfelsaft, PET-Flasche 200ml, Naturkosmetik.
  • Undine Apfel-Duschgel mit Bio-Apfelsaft, PET-Flasche 200ml, Naturkosmetik.

Die Produkte reihen sich ein in das bereits große Angebot in Bioläden, Drogeriemärkten und Lebensmitteldiscountern. Sie alle profitieren von dem Boom - 2017 nahm der Absatz um 7,9 Prozent zu. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro.

Außer in der Messestadt ist „Undine“ auch in Bernburg, Markkleeberg, Roßwein und Chemnitz erhältlich. Und natürlich im Onlineshop.

Im Fall des Neulings "Undine" heißt das: Nicht nur verkaufen, sondern das neue Produkt auch möglichst großflächig bekannt zu machen. Offenbar geht die Strategie auf: Der Onlineshop macht gute Umsätze.

Als zweites Standbein entwickelt Hortenbach Rezepturen für andere Kosmetikfirmen und arbeitet als Sicherheitsbewerterin für einen großen Hersteller von medizinischer Hautpflege. Bewusst hat sie sich für den Beginn für kleine Räumlichkeiten entschieden - „ich bin vorsichtig“.

Deshalb ist im Sommer der Umzug in größere Räume vorgesehen.

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