Anton Hofreiter Frisuren: Ein Politikum?

Die Frisuren der Mächtigen sind seit jeher ein wesentlicher Teil ihrer Inszenierung. Politiker investieren ein Vermögen in ihr Hairstyling - aus gutem Grund. Das war schon bei den alten Ägyptern und den Römern so.

Anton Hofreiter, aufgenommen im März 2024 (Quelle: dpa)

Immer wieder werden Frisuren von Politikern zum Thema öffentlicher Diskussion. So spottete CSU-Chef Markus Söder über die Langhaar-Frisur von Grünen-Politiker Anton Hofreiter. Der Betroffene, der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hofreiter, reagierte knapp: Solange er mir keine Kolumbianische Krawatte verpassen will, der Haarschnitt kostenlos und nicht an Bedingungen für eine nachhaltige, klimaschonende und vegane Lebensweise geknüpft ist, würde ich das Angebot wohl annehmen.

Die öffentliche Wahrnehmung und das Äußere in der Politik

Es ist unfair, aber das Aussehen von Politikern ist wichtig. Politik ist ein brutales Geschäft - und natürlich ist sie nicht fair. Seitdem gibt es in der Partei unter der Hand Gegrummel, dass der „Toni“ zwar ein kluger Mann sei, aber halt nicht so dolle rüberkomme. Wie auch immer: Hofreiter hat jetzt in der taz angekündigt, als Spitzenkandidat bei den Bundestagswahlen anzutreten - und es ehrt ihn, dass er sein Äußeres offensiv thematisiert: Er glaube, viele Leute hätten die Nase voll von „genormten Figuren“: „Die Leute wollen eher Politiker, die nicht vorgeben, etwas zu sein, was sie nicht sind.“

Es ist ungerecht, aber viele Wählerinnen und Wähler schauen eben doch, ob da jemand nur mit bayerischem Akzent sprechen kann, ob die Frisur vielleicht in den 70ern in Oberbayern cool war und ob da jemand etwas zu viele Kilos auf die Waage bringt oder nicht.

Ein aus dem Rahmen fallendes Äußeres kann sich in der Demokratie nur leisten, wer an anderer Stelle, etwa in der Rhetorik, glänzen kann. Dann kann das sperrige Äußere sogar etwas Cooles haben.

Historische Beispiele und Vergleiche

Merkel wurde vor ihrer Kanzlerschaft auch deshalb lange nicht für voll genommen, weil ihre Frisur so seltsam war - man erinnere sich etwa an die Sixt-Werbung. Joschka Fischer hat das gespürt: Er joggte sich geradezu brutal die Kilos vom Leib, als Mitte der neunziger Jahre eine rot-grüne Machtperspektive sichtbar wurde - auch seinen Stil änderte er radikal, von der Lederjacke zum schicken Anzug. Trägt man es Jürgen Trittin wirklich nach, dass er irgendwann seinen Schnauzer der Macht oder der Seriosität opferte - und Angela Merkel, dass sie sich im Styling ihrer Garderobe beraten ließ und angeblich sogar den so peinlichen Hauptstadtfigaro Udo Walz beehrte?

Doch gegen Donals Trumps Maiskolbenfrisur ist die Hofreiter-Welle harmlos: Das Gebilde - eine Art Zuckerwatte mit Vordach und Heckspoiler - gibt Rätsel auf. Im Wahlkampf erfüllt die Frisur auf jeden Fall ihre Funktion: als unverwechselbares Markenzeichen.

Hofreiters politische Karriere und sein Stil

Anton Hofreiter nennt sich selbst Toni, trägt eine Langhaarfrisur und einen Bart. Er sieht aus, wie grünen-Politiker vor 25 Jahren aussahen. Als Biologe und aktiver Naturschützer ist er der Vorzeige-Grüne und der perfekte Gegenpart zur eher konservativen Katrin Göring-Eckardt, mit der er sich den Fraktionsvorsitz teilt.

Mit 14 Jahren ging er zu seiner ersten Demonstration. Dies war dann gleich jene in Wackersdorf gegen die dortige Wiederaufbereitungsanlage für Brennstäbe aus Kernreaktoren, was ihn dazu veranlasste hat, sich grüner Politik anzuschließen. Er war jahrelang in der Kommunal- und Landespolitik aktiv. Seit 2005 ist der Münchner Mitglied des Deutschen Bundestags und hatte von 2011-2013 den Vorsitz des Ausschusses Verkehr, Bau und Stadtentwicklung inne.

Als Befürworter des "gläsernen Abgeordneten" legt Anton Hofreiter seine persönlichen Verdienste und alle weiteren Mittel, die er als Bundestagsabgeordneter zur Verfügung hat, offen.

Die Rolle von Frisuren in der Politik

Wer ein Land regieren will, muss seriös aussehen: Hillary Clintons Frisur verleiht ihr Stabilität und Glaubwürdigkeit. Keine First Lady wechselte so oft das Styling wie Hillary: eine züchtige Banane für offizielle Abendtermine, tagsüber schulterlange Südstaatenlocken oder einfach nur kurz.

Clinton lässt sich ihre Frisur einiges kosten, doch damit ist sie nicht die einzige: Der französische Präsident François Hollandes zahlt seinem Friseur monatlich 9875 Euro. Auf Staatskosten.

Haare sind eben immer für eine Geschichte gut: "Wenn ich eine Titelgeschichte will, ändere ich einfach meine Frisur", sagte Hillary Clinton 1995, als Senatorin des Bundesstaats New York.

Bis zum Bäume-Umarmer und Grünen-Fresser Markus Söder hat sich das noch nicht herumgesprochen. Er glaube Hofreiter erst, dass er für die Bundeswehr ist, wenn der sich einen ordentlichen, militärischen Haarschnitt zulege. So kann man das Thema auch angehen. Oder aber man versucht es mit Inhalten.

Fazit

Die Diskussion um Anton Hofreiters Frisur zeigt, dass das Äußere von Politikern nach wie vor eine Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung spielt. Während einige Politiker ihr Aussehen bewusst gestalten, um Seriosität und Glaubwürdigkeit zu vermitteln, setzt Hofreiter auf Authentizität und thematisiert sein Äußeres offensiv.

Das bedeutet der Faktor R | Kanzlerin Merkel erklärt dir die Reproduktionszahl 😅

tags: #anton #hofreiter #frisuren

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