Die Frage nach dem Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen ist in Zeiten von Pandemien von großer Bedeutung. Eine Untersuchung der Technischen Universität Berlin (TU) liefert neue Erkenntnisse, die auch für Friseursalons relevant sind. Demnach sind Menschen in Büros und Schulen einem höheren Risiko ausgesetzt als etwa im Theater oder beim Friseur - vorausgesetzt, die gängigen Hygiene-, Abstands- und Lüftungsregeln werden eingehalten.
Eine Umfrage zeigt, dass die Hälfte der Bundesbürger Bedenken wegen Hygiene und Ansteckungsrisiken bei Friseurbesuchen hat, obwohl Friseure seit einiger Zeit wieder geöffnet sind.
Lüftungsexperte Martin Kriegel hat für die Untersuchung mithilfe eines Infektionsrisikomodells einen sogenannten situationsbedingten R-Wert abgeleitet. Ein R-Wert von 1 bedeutet, dass sich in einer bestimmten Situation oder in einem bestimmten Raum bei einem Infizierten eine weitere Person ansteckt.
Um den R-Wert zu berechnen, berücksichtigte Kriegel unter anderem die Aufenthaltsdauer, den Luftstrom und die Art der Aktivitäten im Raum (z. B. liegen, sitzen, Sport, wenig oder viel sprechen). Entscheidend für das Infektionsrisiko ist die eingeatmete Dosis an Aerosolpartikeln. Diese hängt neben der Ausstoßmenge auch von der Atemaktivität und der Aufenthaltsdauer im Raum ab.
Kriegel setzte für die Studie voraus, dass die AHA+L-Regeln eingehalten werden, also insbesondere gelüftet und Abstand gehalten wird. Außerdem geht er davon aus, dass eine Alltagsmaske oder eine medizinische Maske eine Filtereffizienz von 50 Prozent aufweist. „Sie setzt sich zusammen aus der verringerten Emission bei der infizierten Person und aus der Filterleistung beim Einatmen bei den gesunden Personen“, heißt es in der Studie.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein Supermarkt mit Maskenpflicht einen R-Wert von 1 hat. Ein Büro mit mehreren Personen habe hingegen bei einer 50 Prozent reduzierten Belegung, einer Aufenthaltsdauer von acht Stunden und ohne Maskenpflicht einen Wert von 8. Ein Infizierter steckt hier also maximal acht weitere Menschen an.
Bei einem Friseurbesuch mit Maske (zwei Stunden Aufenthalt) kommen die Wissenschaftler auf einen Wert von 0,6, in einem Fitnessstudio (1,5 Stunden Aufenthalt) mit 50-prozentiger Belegung und ohne Maske auf 3,4. In einem Restaurant (1,5 Stunden Aufenthalt), das nur die Hälfte der Sitzplätze anbietet, liegt der Wert bei 2,3. In einem Kino (zwei Stunden Aufenthalt) mit 30-prozentiger Belegung ist der R-Wert bei 1.
Vergleich des R-Werts in verschiedenen Räumlichkeiten (Quelle: Tagesspiegel)
Experte Kriegel führte diese Untersuchung durch, um die einzelnen Räumlichkeiten miteinander vergleichen zu können. Sein Fazit: „In Büros und Schule ist das Risiko einer Ansteckung sehr hoch.“ Der entscheidende Faktor ist Kriegel zufolge die Aufenthaltsdauer. Je länger man sich in einem Raum aufhalte, umso größer sei die eingeatmete Dosis an Aerosolpartikeln.
Neben dem allgemeinen Ansteckungsrisiko mit Viren gibt es auch spezifische Risiken wie Hautpilzinfektionen. Der Hautpilz Trichophyton tonsurans haftet an Kämmen, Scheren oder Rasiermessern. Mangelnde Hygiene sorgt für eine rasche Verbreitung der Pilzinfektion - auch bei Friseuren. Dermatologe Martin Schaller von der Uniklinik Tübingen hat festgestellt, dass 80 Prozent seiner Patienten mit dem Haarpilz in einem Barbershop waren. Der Pilz überlebt gern auf unbelebten Oberflächen wie Rasierern und Scherköpfen, ernährt sich von Haaren und ist auch von Mensch zu Mensch ansteckend.
Verbreitung von Hautpilzinfektionen in Baden-Württemberg (Quelle: T-Online)
Wenn er zuschlägt, bildet die Haut rote juckende Stellen und oft auch eitrige Pusteln am Nacken oder Hals. Eine gute Nachricht: Der Pilz lässt sich einfach behandeln. Erste Anlaufstelle ist hier der Hautarzt oder die Hautärztin.
Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, sind umfassende Hygienemaßnahmen unerlässlich. Spätestens seit der Covid-19-Pandemie gehören professionelle Desinfektionskonzepte sowie exzellente Hygiene zu den Must-haves in jedem Friseursalon oder Barbershop. Neben den Werkzeugen müssen auch alle Flächen im Salon regelmäßig und gründlich gereinigt werden.
Wichtige Hygienemaßnahmen:Ab dem 1. März sollen Friseure ihre Geschäfte wieder öffnen. Für die Branche endet damit eine Zeit der Ungewissheit und Mitarbeiter kommen nach mehrmonatiger Kurzarbeit wieder auf höhere Einnahmen. Wer sich die Haare schneiden will, sollte sich jetzt schon darum bemühen. Hier eine Checkliste, was Sie beim Friseur-Besuch alles beachten müssen:
Um eine Infektion mit dem Hautpilz zu verhindern, rät Hautarzt Maronna, sich den Friseursalon oder den Barbershop genau anzuschauen. Die entscheidenden Fragen seien: Bleibt dem Personal dort genügend Zeit für die Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen, etwa das Desinfizieren der Stuhllehnen und insbesondere der Rasierer? Werden die Handtücher nach jedem Kunden gewechselt?
Mike Hecker vom Landesinnungsverband der Friseure und Kosmetiker Bayern betont, dass in der Friseurausbildung und auch in der Meisterausbildung Hygiene großgeschrieben werde. So schreibt die für Bayern geltende bayerische Hygiene-Verordnung unter anderem vor, dass die Rasierklingen ebenso wie Kämme und Bürsten nach jedem Kunden desinfiziert werden müssen. Auch Stühle, Umhänge und Handtücher müssen für jeden Kunden neu gereinigt werden.
tags: #Ansteckungsrisiko #Friseur
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