Anti-Schuppen-Shampoos im Test: Wie gut ist Annemarie Börlind Aktiv Shampoo bei Schuppen und was hat sich seit dem Verbot von Zinkpyrithion verändert?

Juckende Kopfhaut und weiße Krümelchen auf dem Pulloverkragen: Schuppen sind unangenehm und die meisten Menschen wollen sie loswerden. Das haben auch die Kosmetikhersteller erkannt. Scheinbar unzählige Sorten von Anti-Schuppen-Shampoos füllen die deutschen Drogerieregale. Doch nicht alle Produkte sind geeignet, sich damit bedenkenlos den Kopf einzuseifen. Öko-Test hat 27 Shampoos aus Drogerien, Discountern und Onlineshops untersucht - mit teils überraschenden Ergebnissen.

Schuppen sind nicht gleich Schuppen. Unterschieden wird zwischen trockenen und fettigen Kopfschuppen. Erste Variante ist vor allem eine Folge von Feuchtigkeitsmangel, im zweiten Fall sind Hefepilze im Spiel, die mit einem Anti-Pilzwirkstoff behandelt werden müssen.

Dermatologisch gesehen gibt es zwei Arten von Kopfschuppen:

  • Bei fettigen Schuppen sorgen Hefepilze für Probleme, deren Stoffwechselprodukte reizen die Haut und rufen Entzündungen hervor. Infolgedessen können auch Rötungen und Juckreiz auftreten.
  • Bei trockenen Schuppen ist dies vor allem einem Mangel an Feuchtigkeit in der Kopfhaut geschuldet.

ÖKO-TEST hat spezielle Anti-Schuppen-Shampoos getestet. Während sich günstige Produkte gut schlagen, kassiert der bekannte Marktführer die Note 6 und fällt durch. Bei Schuppen gibt die Kopfhaut vermehrt Hautpartikel ab. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein und reichen von Krankheiten wie Neurodermitis über Symptome von Stress, Reaktion auf falsches Shampoo oder zu heißes Föhnen.

Eine einfache Lösung gegen Schuppen versprechen sogenannte Anti-Schuppen-Shampoos. Marken wie Head&Shoulders werben im TV unter anderem mit Slogans wie "Wer es hat, hat keine Schuppen". Doch halten die Shampoos wirklich, was die Hersteller versprechen und sind die Inhaltsstoffe unbedenklich? Diesen Fragen hat sich ÖKO-TEST in der Ausgabe 5/2023 gewidmet.

In einem Test wurden insgesamt 27 Shampoos untersucht, die zur Bekämpfung von Schuppen ausgelobt sind. Bei sieben Produkten handelt es sich um zertifizierte Naturkosmetik. Dabei unterscheiden sich die Shampoos auf den ersten Blick vor allem beim Preis: Während günstige Eigenmarken bereits für weniger als 1 Euro pro 250 Milliliter angeboten werden, kosten die teuersten Shampoos bis zu 20 Euro bei der gleichen Menge.

Neben den Inhaltsstoffen haben die Experten auch die enthaltenen, maßgeblichen Anti-Schuppen-Wirkstoffe geprüft.

Hier ist eine Auswahl der Sieger-Shampoos sowie günstige, gute Preistipps:

Produkt Bewertung
Alverde Pflegeshampoo Anti-Schuppen (dm) Sehr gut
Annemarie Börlind Aktiv Shampoo bei Schuppen Sehr gut
Isana Shampoo Anti Schuppen Wasserminze & Grüner Tee (Rossmann) Gut

Von insgesamt 27 Shampoos gegen Schuppen schneiden sieben "sehr gut" ab. Unter den Testsiegern befindet sich auch ein günstiges Produkt vom Drogeriemarkt dm. Weitere sieben schneiden "gut" ab. Neben günstigen Eigenmarken von Edeka, Aldi, Rossmann und Co. landen hier auch bekannte Namen wie Nivea und Swiss O-Par. Vier Anti-Schuppen-Shampoos schneiden "befriedigend" ab. Grund für die Abwertung sind hier primär nachgewiesene PEG/PEG-Derivate.

Fünf Produkte im Test schneiden nur "ausreichend" ab. Hier werden zusätzlich in vielen Shampoos halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Im Alpecin-Shampoo weist das Labor stattdessen das umweltbelastende Phosphonat Tetrasodium Etidronate nach.

Das Schlusslicht bilden ebenfalls bekannte Marken. So fällt Schwarzkopf & Henkel mit der Note 5 durch. Drei weitere kassieren von den Experten Note 6 - darunter auch der bekannte Marktführer Head & Shoulders Anti-Schuppen Tiefenpflege Shampoo von Procter & Gamble.

Naturkosmetik kann überzeugen

Eine gute Nachricht zuerst: Für hervorragende Pflege müssen Verbraucher nicht unbedingt tief in die Tasche greifen. Testsieger ist das „Alverde Pflegeshampoo Anti-Schuppen“. 250 Milliliter kosten hier 2,44 Euro. Neben dem günstigen Haarwaschmittel der dm-Eigenmarke haben noch weitere Naturkosmetikartikel die Nase vorn. Insgesamt sechs von sieben Produkten mit dem Prädikat „sehr gut“ gehören zur zertifizierten Naturkosmetik, darunter auch das „Bioturm Shampoo Schuppen“ und das „GRN Shampoo Anti-Schuppen Brennnessel & Meersalz“. Bei der Bekämpfung von Schuppen setzen diese Marken vor allem auf pflanzliche Wirkstoffe, beispielsweise Rosmarinextrakt.

Unter den übrigen Produkten liegt das „Annemarie Börlind Aktiv Shampoo bei Schuppen“ mit „sehr gut“ auf dem ersten Platz. Wie bei fast allen anderen der konventionellen Haarwaschmittel kommt hier der Wirkstoff Piroctonolamin zum Einsatz, um die lästigen weißen Flocken loszuwerden.

AQUA [WATER], LAURYL GLUCOSIDE, GLYCERIN, SODIUM CHLORIDE, DISODIUM COCOYL GLUTAMATE, SODIUM LAURYL SULFOACETATE, SODIUM LAUROYL GLUTAMATE, INULIN, SODIUM COCOYL GLUTAMATE, CAPRYLYL/CAPRYL GLUCOSIDE, GLYCERYL OLEATE, COCO-GLUCOSIDE, PIROCTONE OLAMINE, AROMA [FRAGRANCE], PCA GLYCERYL OLEATE, CITRIC ACID, ARGININE, POTASSIUM SORBATE, BETAINE, LIMONENE, HYDROLYZED WHEAT PROTEIN, ALOE BARBADENSIS LEAF JUICE POWDER, LINALOOL, LECITHIN, CITRAL, LYSOLECITHIN, ASCORBYL PALMITATE, TOCOPHERYL ACETATE

Auf dem nassen Haar verteilen, einmassieren und gut ausspülen.

Bekannte Marken verwenden schädliche Stoffe

Ein „ungenügend“ gab es für drei der untersuchten Shampoos, unter anderem das „Crisan Anti-Schuppen Intensiv Shampoo“, das auf den Stoff Climbazol zurückgreift, der zu den sogenannten halogenorganischen Verbindungen gehört. Die können Gewässern schaden und stehen im Verdacht, auch Einfluss auf den Hormonhaushalt zu haben.

Auch große Namen werden von Öko-Test abgestraft: Das „Head & Shoulders Anti-Schuppen Tiefenpflege Shampoo“ und „Pantene Pro-V Anti-Schuppen Shampoo“ landen auf den hinteren Rängen. Beide enthalten einen künstlichen Moschusduft, der Mensch und Umwelt schadet, sowie ebenfalls halogenorganische Verbindungen. Ebenso wie bei „Crisan“ steckt außerdem die aggressive Substanz Natriumlaurylsulfat drin, die schuppende Haut zu sehr angeht - und das, obwohl „Head & Shoulders“ sogar damit wirbt, sein Shampoo sei gut für trockene Haut geeignet.

Haupttensid in 19 von 20 konventionellen Shampoos ist Sodium Laureth Sulfate. Das Tensid schäumt zwar super, dringt aber auch in die äußerste Schutzschicht der Haut, die Hornschicht, ein. Komplett unverständlich finden wir es, wenn ein Shampoo mit dieser Tensid-Kombi auch noch explizit für trockene Kopfhaut ausgelobt ist. Das ist im Test einmal der Fall. Das finden wir frech, zumal das Labor noch mehr problematische Stoffe in dem Shampoo vorgefunden hat: ein Rückstand an halogenorganischen Verbindungen, unter denen sich hautreizende Stoffe befinden können, plus den synthetischen Moschusduft Galaxolid. Zu guter Letzt kritisieren wir auch die in dem Shampoo enthaltenen Silikonöle.

Auch sanfte Reinigung kann helfen

Übrigens: Öko-Test rät nicht in jedem Fall zur Verwendung von Anti-Schuppen-Shampoos. Denn die Art der Schuppen spielt bei ihrer Behandlung eine wichtige Rolle. Da gibt es einerseits die fettigen Schuppen, die durch Hefepilze entstehen. Bei ihnen zeigen die pilzbekämpfenden Wirkstoffe in den Anti-Schuppen-Shampoos gute Wirkungen.

Auf der anderen Seite stehen die trockenen Schuppen, die vor allem durch fehlende Feuchtigkeit der Kopfhaut verursacht werden. Menschen mit trockenen Schuppen müssen nicht gleich die ganz große Keule auspacken. Sie können schon mit kleinen Anpassungen dafür sorgen, dass die Kopfhaut ausreichend Feuchtigkeit bekommt. Ein normales, milderes Shampoo kann bereits den Trick machen. Wenn es aber ein Anti-Schuppen-Shampoo sein soll, dann rät Ökotest zu einem aus dem Naturkosmetikregal, da bei diesen Produkten mit milderen Inhaltsstoffen gearbeitet wird.

Bevor in diesem Fall zu einem Anti-Schuppen-Shampoo gegriffen wird, sollte besser erst versucht werden, die Kopfhaut wieder ins Lot zu bringen. Zum Beispiel dadurch, dass ein ganz normales, milderes Shampoo ausprobiert wird.

Verbot von Zinkpyrithion und seine Folgen

Seit März 2022 ist Zinkpyrithion - jahrelang wichtigster Wirkstoff zur Schuppenbekämpfung - in der EU verboten. Die EU hat den Stoff als "vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen" eingestuft. ÖKO-TEST hat seit Jahrzehnten für dieses Verbot gekämpft, da Zinkpyrithion hautreizend ist und giftig für Wasserorganismen ist. Für Schuppen-Shampoos hat damit eine neue Zeitrechnung begonnen.

Tatsächlich ist in diesem Test nur noch ein einziges Produkt übrig, das wir wegen seines Wirkstoffes kritisieren. Auch dieser Stoff wirkt gegen Pilzbefall auf der Kopfhaut und gehört zur Gruppe der umstrittenen halogenorganischen Verbindungen, die sich in Gewässern und Sedimenten anreichern können.

Erfreulich: Alle anderen Shampoos im Test arbeiten mit Antischuppen-Mitteln, die wir für unbedenklich halten.

Vermutlich wird auch ein Shampoo mit einem Antipilz-Mittel als Wirkstoff eine leichte Linderung der Beschwerden bringen, denn trockene Haut ist wehrloser gegen die Ausscheidungen der in jeder Hautflora vorkommenden Hefepilze.

Tipps zur Anwendung von Anti-Schuppen-Shampoos:

  • Anti-Schuppen-Shampoos gründlich einmassieren und eventuell kurz einwirken lassen.

Head & Shoulders vs. Balea Schuppen Shampoo

tags: #annemarie #borlind #aktiv #shampoo #schuppen #test

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