Die Gemeinde Haar blickt auf eine reiche und vielfältige Geschichte zurück. Von historischen Persönlichkeiten über soziale Engagements bis hin zu dunklen Kapiteln der NS-Zeit gibt es viel zu entdecken. Dieser Artikel beleuchtet einige interessante Aspekte der Geschichte Haars, von den alten Gärtnereien bis zu den aktuellen Diskussionen um Straßennamen.
Die Kirche St. Konrad in Haar.
In unseren „Geschichten vom St. August 2011 saßen zwei der drei „Redakteure“ mit Gerhard Bernhöft (inzwischen verstorben) im Seehof beisammen und ließen sich von ihm alte Geschichten erzählen, u.a. von „Slachter-Korl“, aber natürlich auch Begebenheiten aus seiner eigenen Jugendzeit.
Nun wohnte in der Seestraße (im Hause der Gärtnerei Voß) auch Fräulein Friederike Gluth, Tochter des uns bekannten Bademeisters „Vadder Gluth“; sie war strenge Parteianhängerin. Sie achtete darauf, dass mit ausgestrecktem rechten Arm und „Heil Hitler!“ gegrüßt und die Fahnenpflicht beachtet wurde, was bei den Nachbarn teilweise nur belächelt wurde. So auch bei Frau Sanitätsrat Buddenberg. „Heute lässt du das Hakenkreuz drinnen und hängst Schwarz-Weiß-Rot raus“, sagte sie dem Jungen. Wer beschreibt das Entsetzen, als Fräulein Gluth mit ihrem Krückstock um die Ecke kam und die verhasste Flagge entdeckte!
Und weil wir schon von der Seestraße sprechen: In den „Lübecker Nachrichten“ fanden wir den wundervollen Bericht über den Ausrufer Hannes Lubmann (gest. 1930) von Hans-Jürgen Wohlfahrt (gest. 2014). Dat dor ´n „r“ fehlt, sall uns nich störn: „Hiermit wart bekannt mokt .
Manche/r, die/der unsere Arbeit über „Alte Ratzeburger“ verfolgt, hat bestimmt längst gemerkt, dass bisher kaum eine alte Ratzeburgerin vorkam. Das war nicht Vergesslichkeit oder gar männliche Bosheit, sondern lediglich der Tatsache geschuldet, dass Frauen in der hier behandelten Zeit kaum eine Rolle in der Öffentlichkeit spielten. Bis ins vorige Jahrhundert galt also diese Rollenverteilung unter den Geschlechtern - mit Ausnahmen. Im sozialen Bereich etwa spielten Frauen schon immer eine große Rolle.
Unter den Ratzeburger Plakettenträgern sind in den Anfangsjahren drei Frauen: außer Else Wiegmann waren das Frieda Behrend und Dora Steinfadt, alle drei ausgezeichnet für ihr soziales Engagement. Es hat lange gedauert, bis eine Frau Bundeskanzlerin werden konnte oder Pröpstin in Ratzeburg.
Eine eindrucksvolle Schilderung vom Leben als Kind auf der Insel in den dreißiger Jahren hat uns Lisa Christelsohn überlassen, früher Lehrerin in Ratzeburg. Bei dem Gasthaus links vorne handelt es sich um das von Frau Christelsohn beschriebene „Hotel Stadt Hamburg“ ihres Großvaters. „Meine Mutter war eine gebürtige Ratzeburgerin, die Tochter des Gastwirts Heinrich Koop, der seit 1900 den Gasthof ‚Hotel Stadt Hamburg‘ in der Domstraße 7 besaß und bis 1952 führte.
In dieser Zeit verlebte ich mit meinen beiden Geschwistern fast jedes Wochenende, auch die Schulferien zu allen Jahreszeiten bei meinen Großeltern Koop in der Domstraße. Aus den dreißiger Jahren sind mir Ereignisse in Erinnerung geblieben, die einmalig sind. Weil wir Kinder den Gästen und dem Personal des Gasthofes zumeist im Weg standen, fand unser Aufenthalt draußen auf dem Hof oder der Straße statt, und das bei jedem Wetter.
Ich kann mich kaum an Autos erinnern, die uns oder wir sie gestört hätten. Wenn es welche gab, dann kamen sie ganz langsam, so dass wir mit unserem Springtau an die Seite ziehen konnten. Zur Ecke Domstraße/Brauerstraße gehört ein besonderes Bild, das ich versäumt habe zu malen, aber es lässt sich vielleicht beschreiben. Es ist Nachmittag, ein Alltag wie jeder andere auch, das Wetter ist gut, d.h. es regnet nicht, aber Wolken und Wind sind zugelassen.
Mit diesem Foto finden wir uns in der Herrenstraße und einige Jahrzehnte später. Den Text hat uns Herr Jochen Eule übermittelt, der 2015 verstorben ist. „Als zu Beginn der 60er Jahre die Handwerker des damaligen Fernmeldebautrupps den großen Kabelschacht vor dem Postamt Ratzeburg zum Zwecke von Montagearbeiten öffneten, schlug ihnen ein bestialischer Fäkaliengestank entgegen.
Nach dieser anrüchigen Geschichte, in der weder die Herren Albert Hannig (Fotograf) noch Friedrich Kutscher (Buchhändler) eine Rolle gespielt haben, wollen wir schleunigst in wohlriechende Gefilde zurückkehren! Weil wir von der Post sprechen: Dieses Bild entstand um 1900. Und auf dem rechten Foto: Dieselbe Wagen-Besatzung, aber nun schon neben der neuen Konkurrenz, einem wahnsinnig modernen Kraftfahrzeug!
An der nördlichen Grundstücksgrenze der Garten- und Parkanlage an der Villa Haar liegt das zugehörige ehemalige Wirtschaftsgebäude des Haar´schen Anwesens, das sog. Kutscherhaus. Remise, Wagenhalle, später Garagen, Ställe für Kleinvieh, Heuboden, Gärtner- und Hausmeisterwohnung, aber auch Mitarbeiterunterkunft zu Zeiten des Kinderheims „Rosa Thälmann“ - eine vielfältige Nutzung erfuhr das Nebengelass im Laufe der Jahrzehnte.
Seit 1997, zunächst als Übergangslösung während der Sanierung der Villa Haar gedacht, fungiert das Kutscherhaus als Geschäftsstelle und Verwaltungsgebäude der Stiftung Dr. Georg Haar. Inzwischen hat es sich als zentraler Ort etabliert und wird auch langfristig Sitz der Stiftungsleitung und -verwaltung bleiben.
Es war einer dieser Julitage, an denen die Sonne schon morgens so selbstbewusst strahlt, als hätte sie den Wetterbericht persönlich geschrieben. Eine Woche vor der kirchlichen Trauung in Ottendichl startete die Reise im Standesamt Haar. Dort, wo sich Geschichte und Gegenwart in einem schlichten, aber charmanten Rahmen begegnen, gaben sich die beiden das erste Mal das Ja‑Wort.
Die Feierlocation in Taufkirchen trägt ihren Namen zu Recht: Die Alten Gewächshäuser verströmen einen ganz eigenen Charme - eine Mischung aus mediterranem Garten, industriellem Glasbau und einem Hauch von „hier könnte man auch einen Film drehen“. Vielleicht war es die Kombination aus stilvollen Locations, sommerlicher Leichtigkeit und der Tatsache, dass das Brautpaar buchstäblich über den Dingen schwebte. Vielleicht auch die Mischung aus eleganter Feier und entspanntem Miteinander.
Der Jugendstilpark in Eglfing befindet sich noch im Bau.
Die Von-Braunmühl-Straße in Haar wird umbenannt. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. Er folgte einem Antrag des Bezirks Oberbayern. Neuere Forschungen schreiben Anton Edler von Braunmühl, der von 1945 bis 1957 die größte psychiatrische Einrichtung Bayerns in Eglfing-Haar leitete, eine Verantwortung für die Ermordung von Patienten während der NS-Zeit zu.
Die Straße heißt künftig nach dem Neurologen Max Isserlin. Stellvertretend für Tausende, die dem sogenannten Euthanasie-Programm zum Opfer fielen, wird zudem eine Straße nach Edith Hecht benannt. An dieser soll eine Kindertagesstätte errichtet werden.
Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) lobte am Dienstag die neue Offenheit auf Seiten des Bezirks und des Klinikums, "Verantwortung zu übernehmen für die Taten, die in den Jahren 1933 bis 1945 geschehen sind". Dazu trugen Erkenntnisse bei, die Historiker zutage förderten. Das Gedenkbuch für die Münchner Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Programms zählt Braunmühl zu den Ärzten, die Morde verschleierten und für Morde an Kindern und Erwachsenen verantwortlich zeichneten.
Aus Sicht des Bezirks taugt der Mediziner, der nach dem Krieg als Klinikchef Karriere machte, deshalb nicht als Vorbild. Der Anstoß, die Straße umzubenennen, ging von dem durch den Bezirk eingesetzten "Arbeitskreis Erinnerungskultur" unter Leitung des amtierenden Ärztlichen Direktors Peter Brieger aus.
Max Isserlin (1879-1941) stand in enger Beziehung zu August Heckscher, dem Gründer der Heckscher-Klinik. Er überzeugte diesen, seine Klinik in München durch ein neuropsychiatrisches Kinder- und Jugendhaus zu erweitern. 1933 wurde Isserlin wegen seiner jüdischen Abstammung aus dem Staatsdienst entlassen. Er floh nach England.
Ein weiteres Zeichen für Geschichtsbewusstsein setzt die Gemeinde nur ein paar Straßenzüge weiter. Ein Teil des früheren Klinikareals durchläuft einen gravierenden Wandel und wird nach dem Verkauf an Investoren zum Wohngebiet. Der Gemeinderat beschloss nun, eine Straße im südwestlichen Bereich des Jugendstilparks nach Edith Hecht zu benennen.
Ein Kollege von Braunmühls, der Leiter der Kinderfachabteilung Gustav Eidam, verabreichte dem Mädchen gezielt Beruhigungsmittel, was zu einer Lungenentzündung führte. Edith Hecht starb mit 13 Jahren am 23. Dezember 1944.
Außerdem wird es im Jugendstilpark, wie schon früher beschlossen, einen Max-Mannheimer-Ring geben, benannt nach dem Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen Max Mannheimer, der bis zu seinem Tod 2016 in Haar lebte. Eine weitere Straße wird nach dem verstorbenen Altbürgermeister Willy Träutlein benannt.
Die Gemeinde Haar hat viele Straßen mit interessanten Hintergründen. Hier eine kleine Auswahl:
In Haar gibt es zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum, die das Stadtbild bereichern:
Das Kunstwerk Restlicht in Haar erinnert an die Opfer des Zweiten Weltkriegs.
Die Bamberger Gärtnerstadt gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Bundesweit sind solche Anbauflächen inmitten einer Stadt einmalig. Und genau hier lebt und arbeitet Sebastian Niedermaier. Vor zehn Jahren hat er den Betrieb von seinem Vater übernommen, auf biologischen Anbau umgestellt und vermarktet alles direkt ab Hof.
Noch ist der Jugendstilpark in Eglfing eine einzige, riesige Baustelle. Im Moment gibt es im Jugendstilpark eigentlich nur eine echte Straße mit Namen: die Casinostraße, die sich kreuz und quer durchs Gelände schlängelt, mal aufhört und ein paar hundert Meter weiter in einer Querstraße wieder beginnt.
Schon im März 2017 waren sich die Kommunalpolitiker einig, dass eine Straße „Max-Mannheimer-Ring“ und eine weitere „Willy-Träutlein-Straße“, benannt nach Haars erstem Bürgermeister, heißen wird. Man habe immer versucht, einen Bezug zur Gemeinde, zum Klinikum oder zur früheren Nutzung des Areals herzustellen. So einigte man sich schließlich auf „Alte Gärtnerei“, „Am Handwerkerhof“ und „Apfelwiese“.
Edith Margarethe Hecht kam am 25. April 1931 in München zur Welt. Im Dezember 1944 verordnet der Leiter der Kinderfachabteilung, Gustav Eidam, dem Mädchen über mehrere Tage Beruhigungsmittel in hoher Dosis. Am 23.
tags: #alte #gartnerei #haar #geschichte
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.