Allergietest mit Haaren: Was steckt dahinter?

Immer mehr Menschen vermuten, an Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien zu leiden. Selbsttests aus dem Internet versprechen schnelle Klarheit. Doch wie zuverlässig sind diese Angebote, insbesondere Haartests, und sind sie eine Alternative zum Besuch beim Facharzt?

Dieser Artikel beleuchtet die Thematik der Allergietests mit Haaren, insbesondere im Hinblick auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Tierhaarallergien. Dabei werden die verschiedenen Testmethoden, ihre Vor- und Nachteile sowie die wissenschaftliche Evidenz hinterfragt.

Was ist eine Allergie und was eine Unverträglichkeit?

Es ist wichtig, zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit zu unterscheiden:

  • Allergie: Das Immunsystem reagiert auf bestimmte Inhaltsstoffe der Nahrung (Allergene) mit einer Abwehrreaktion. Es werden Antikörper gebildet, die die Allergene angreifen und allergische Symptome hervorrufen.
  • Unverträglichkeit (Intoleranz): Der Körper kann bestimmte Nahrungsbestandteile nicht oder nur unvollständig verwerten, beispielsweise aufgrund fehlender Enzyme. Es kommt zu Symptomen, die sich meist auf den Verdauungstrakt beschränken.

Katzenallergie als Beispiel

Die Katzenallergie gilt als Inhalationsallergie. Es kommt also vor allem zu Beschwerden, wenn Sie die Haare oder Hautschuppen der Katze einatmen. Die Symptome treten in der Regel sofort auf oder kurz nachdem Sie Tierhaare eingeatmet oder auf die Haut bekommen haben. Typische Symptome der Katzenallergie sind:

  • Juckreiz, Quaddeln und Rötungen auf der Haut (Nesselsucht)
  • gerötete, juckende und tränende Augen
  • Schnupfen, Husten und Kratzen im Hals

Auf Dauer kann aus einer Tierhaarallergie ein allergisches Asthma entstehen - das Risiko ist höher, wenn Sie oft auf die Allergene stoßen.

Ein Verdacht auf Tierhaarallergie ergibt sich häufig aus der Selbstbeobachtung. Niesattacken oder entzündete Augen nach Kontakt mit einem bestimmten Tier, die bald danach wieder verschwinden, sind ein deutliches Signal.

Wie funktionieren Haartests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten?

Die Idee hinter Haartests ist, dass der Verzehr eines schädlichen Lebensmittels sich im Haar bemerkbar macht, beispielsweise im Mineralstoffgehalt. Ähnlich wie beim Nachweis von Drogenkonsum über Haarproben. Es wird angenommen, dass Haare Informationen speichern.

Haare bestehen wie unsere Nägel hauptsächlich aus Keratin und sind genau genommen Hornfäden. Sie enthalten weder Nerven noch Blutgefäße und sind totes Gewebe. Nachweisen lässt sich in ihnen zum Beispiel der Konsum von Medikamenten oder Drogen in der Vergangenheit.

Haare wachsen pro Monat etwa einen Zentimeter. Daher liefert eine abgeschnittene Haarsträhne immer ein Bild der Vergangenheit - im Gegensatz zu einer Blutanalyse.

Um zu überprüfen, wie zuverlässig diese Analysen sind, haben Tester Haare an Labore geschickt. Als Kontrollprobe wurden die Haare noch einmal unter einem anderen Namen an jeden Anbieter geschickt. Besonders erstaunlich: Auch beim gleichen Anbieter sind die Ergebnisse der Haare anders.

Habe ich eine Allergie oder Unverträglichkeit? | Quarks

Die Kritik an Haartests

Experten sind skeptisch gegenüber Haartests zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten:

  • Es gibt keine wissenschaftlich fundierte Begründung für solche Tests.
  • Haare sind kein gutes Maß für den aktuellen Zustand des Körpers, da sie langsam wachsen.
  • Die Ergebnisse sind oft ungenau und können zu unnötigen Einschränkungen in der Ernährung führen.
  • Die Methoden sind also nicht wissenschaftlich überprüfbar.

Gesundheit! konfrontiert die Testanbieter mit den unterschiedlichen Ergebnissen und bekommt nur Antwort von Check my Body Health. Zitat: „Für genaue Vergleiche sei es zwingend erforderlich, dass alle Variablen exakt gleich blieben.

Alternative Testmethoden

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es gibt verschiedene Testmethoden, die eine zuverlässigere Diagnose ermöglichen:

  • Ernährungstagebuch: Notieren Sie täglich Ihren Speiseplan und die Beschwerden, die auftreten.
  • Bluttests: Untersuchen des Blutes auf IgE-Antikörper (bei Allergien) oder andere Marker.
  • Provokationstests: Unter ärztlicher Kontrolle wird der Kontakt mit dem vermuteten Allergen bewusst herbeigeführt, um die Reaktion des Körpers zu beobachten.

Es gibt diverse Testangebote im Netz. Bei vielen dieser Produkte bekommt man ein Testkit nach Hause geschickt und soll in Eigenregie Blut abnehmen. Die Hersteller setzen dabei meist auf sogenannte IgE- und IgG4-Antikörperanalysen. Wie seriös ist das? Es gebe im Internet bestellbare Tests, die durchaus seriöse Verfahren verwenden, also das so genannte IgE im Blut testen, erklärt Torsten Zuberbier, Direktor des Institut für Allergieforschung an der Berliner Charité. Laut Zuberbier ist eine Analyse auf Basis von IgE-Antikörpern ein anerkanntes Verfahren, auch in Arztpraxen. Eine IgG4-Analyse hingegen ist laut Experten absolut ungeeignet.

Molekulare Allergiediagnostik

Im Rahmen einer molekularen Allergiediagnostik kann anhand bestimmter Antikörper, (des spezifischen IgE), genau festgestellt werden, auf welche Haupt-Allergenkomponenten von Hund, Katze oder Pferd eine Person reagiert. Diese Haupt-Allergenkomponenten werden auch Major-Allergene genannt.

Expertinnen und Experten halten diesen Test für sinnvoll, um Hinweise auf Kreuzreaktionen zu erhalten oder die wirksamste Zusammensetzung einer Hyposensibilisierungs-Therapie zu ermitteln.

Kreuzallergien

Allergene von Tieren können Kreuzreaktionen mit anderen Allergenen auslösen. Einige Beispiele:

  • Das Hundeallergen Can f 6 ähnelt dem des Pferdeallergens Equ c1 und des Katzenallergens Fel d 4.
  • Die Allergene Fel d 2 (Katze) und Can f 3 (Hund) gehören zu der Eiweißgruppe der Albumine, die auch in Schweinefleisch vorkommen.

Die Sensibilisierung auf unterschiedliche Major-Allergene wird auch dafür verantwortlich gemacht, dass manche Menschen gegen Kater oder Hunderüden allergisch sind, nicht aber gegen weibliche Exemplare der Art.

Allergieverdachtstest für Haarfarben

Beim Färben der Haare sollte immer ein Allergieverdachtstest durchgeführt werden, auch wenn die Haare schon seit Jahren coloriert werden. Es ist möglich, eine allergische Reaktion auf die Haarfarbe auszubilden - sogar, wenn genau dasselbe Produkt in der Vergangenheit schon problemlos angewendet wurde.

Wie wird der Test durchgeführt?

  1. Ohrschmuck abnehmen und einen kleinen Klecks der Farbe auf ein Wattestäbchen geben.
  2. Mit dem Wattestäbchen eine etwa münzgroße Menge der Colorationscreme (aus der Tube) (1-2 cm² reichen) hinter das Ohr tupfen und vollständig trocknen lassen.
  3. Dann genau in derselben Manier noch zwei oder drei Schichten auftragen und dazwischen stets trocknen lassen.
  4. Danach den Colorationsbehälter wieder fest verschließen und bis zum tatsächlichen Färben - in 48 Stunden - aufbewahren.

Wie lange muss der Test auf der Haut bleiben?

48 Stunden. Denn solange dauert es, bis der Test vollständige Resultate liefert. Um eine potenzielle allergische Reaktion auf die Haarfarbe festzustellen, muss dem Immunsystem Zeit gelassen werden, damit es reagieren kann.

Allergische Reaktion oder nicht?

Sobald die 48 Stunden um sind, liegt das Ergebnis des Haarfarbe-Allergieverdachtstest vor. Wenn keine eigenartigen Hautreaktionen auffallen, dann kann es nun endlich losgehen.

Tipp: Wer meint, bestimmte Lebensmittel nicht zu vertragen, kann beginnen, ein Ernährungstagebuch zu führen. Darin notiert man täglich seinen Speiseplan und die Beschwerden, die auftreten.

Testmethode Zuverlässigkeit Empfehlung
Haartest Gering Nicht empfohlen
IgE-Antikörpertest Hoch (bei Allergien) Empfohlen (durch Arzt)
IgG4-Antikörpertest Gering Nicht empfohlen
Ernährungstagebuch Mittel Empfohlen (zur Beobachtung)

tags: #allergie #test #haare

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen