Alexander der Große, einer der berühmtesten Militärführer der Geschichte, fasziniert bis heute. Ein Aspekt, der immer wieder diskutiert wird, ist seine Haarfarbe. War Alexander blond, dunkelhaarig oder hatte er eine andere Haarfarbe? Die Antwort ist komplex und stützt sich auf historische Quellen und moderne Interpretationen.
Alexander Mosaik aus Pompeji, das Alexander in der Schlacht gegen Dareios III. zeigt
Einige Quellen deuten darauf hin, dass Alexanders Haar deutlich heller war als das seiner Mitstreiter. Vermutlich war seine Haarfarbe ein dunkles Rot-Blond, so viele Quellen aus der Antike. Es gibt jedoch keine einheitliche Meinung darüber. Alexanders wirkliche Haarfarbe bleibt wohl im geschichtlichen Dunkel verborgen.
Andererseits ist es nicht ausgeschlossen, dass seine Haarfarbe vielleicht wirklich dunkelblond war; denn die heutigen Griechen sind wohl kaum mit denen vor ca. 2300 Jahren zu vergleichen.
Wilhelm Sieglin (1855-1935), ein Historiker, der sich mit der historischen Geographie beschäftigte, trug alle verfügbaren antiken Textstellen über die Haarfarbe von Protagonisten aus dem Altertum zusammen und wertete sie aus. Dabei kam Sieglin zu dem Schluss, dass von 747 Personen, Göttern und Heroen, die er für die gesamte antike Überlieferung ausgewertet hatte, 586 als blond beschrieben wurden.
Auffällig auch: Ausschließlich alle 18 erwähnten Germanen und Gallier wurden als hellhaarig beschrieben, ebenso 17 von 19 Thrakern, 7 von 8 Illyrern und 4 von 6 Skythen.
Überraschen dürfte den nicht mir der Geschichte des Indogermanentums vertrauten Leser die Tatsache, daß auch eine nicht unerhebliche Zahl von Indern und Persern blond war. Der Alexander-Sarkophag etwa bildet sowohl Makedonen als auch ihre persischen Gegner mit blonden oder roten Haaren ab.
Dies erscheint umso erstaunlicher, als 331 die Zeit der Einwanderung der zumeist blonden Indogermanen bereits mehr als 1000 Jahre zurücklag. Sieglin ermittelte jeweils 6 von 8 genannten Persern, Parthern und Indern als blond.
Auch aus Nordafrika berichten antike Chronisten vom vermehrten Auftreten heller Haare. Der Autor zitiert etwa den Chronisten Prokop (bellum Vandalis II, 13, 29), der versicherte, von einem einheimischen Fürsten die Kunde vernommen zu haben, daß südlich des Auresgebirges (im südlichen Algier) eine Völkerschaft lebe, „die nicht wie die Maurusier schwarze, sondern ganz weiße Haut und blonde Haare habe“.
Auch der von Sieglin herangezogene Skylax (peripl. 110/93 Fabr.) spricht von einem Volke an der Kleinen Syrte, das „insgesamt blond und sehr schön“ sein soll, und Kallimachos (hymn. 2, 86) besingt den fröhlichen Tanz der Kyrenäer mit „den blonden Libyerinnen“ der Umgebung.
Diese und die westlich Ägyptens sitzenden Adyrmachidai bringt Sieglin treffend mit den nordischen Seevölkern in Verbindung, „die im 13. und 12. Jahrhundert nicht nur Ägypten, sondern auch die Nordküste Libyens heimgesucht haben“.
Auch wenn sonstige körperliche Eigenschaften bei der Zusammenstellung meist unberücksichtigt blieben drängt sich eine Schlußfolgerung auf: Die Herren- oder Adelsschicht vieler antiker Völker stammte aus dem Norden Europas.
Entsprechend bringt er ein erhaltenes Fragment eines gewissen Adamantios, der schrieb: „Es ist schwer, eine genaue Charakteristik der einzelnen Völker zu geben, da viele Mischungen vorliegen; z. B. gibt es Syrer in Italien, Libyer in Thrakien und andere in anderen Ländern. Für gewöhnlich sind die Nordländer hochgewachsen, blond, hellhäutig, haben glatte Haare und blaue Augen.
In Hellas war die Herrenklasse also blond. Als die Hellenen um die Wende des 3. und 2. In Italien machten sich die blonden Eroberer nach Sieglin zu den Herren dort wohnender Ligurer.
Im frühen Rom dominierten Blonde die Adelsschicht, eine große Zahl von römischen Familien trug Beinamen wie Flavii, Flaviani, Rufi, Rutilii und ähnliche, die alle auf das helle Haar ihrer Träger verwiesen.
Um vornehm zu erscheinen, mußte man eben blond sein, und dies Gesetz galt als so selbstverständlich, daß Dichter wie Ovid, Horaz, die selbst dunkelhaarig waren, den Heroen und Heroinnen, die sie schilderten, fast ausnahmslos blonde Haare zuschrieben, selbst Barbarinnen wie Dido, Kirke, Andromeda, weil sie königlichen Stammes.
Die Genetik verfügt heute über Möglichkeiten, die Farbe der Haut der Haare und der Augen lange verstorbener Menschen anhand von festgestellten Genen zu eruieren.
Das früheste Auftreten der blonden Haare wurde für eine vor etwa 16.700 Jahren verstorbene Frau nachgewiesen. Die 2014 beim russischen Afontova Gora entdeckte Tote wies demnach ein rs12821256-Allel auf, das bei Europäern - neben zwei weiteren Genen - für blonde Haare verantwortlich zeichnet.
Die von der Mehrheit der Genetiker gezogene Schlußfolgerung, derzufolge sich die blonden Haare aus der russischen Steppe nach Europa ausbreiteten, ist dennoch falsch. Denn biologisch, das ist mittlerweile wissenschaflich unumstritten, kann die Hellfärbung der Haare gemeinsam mit der Depigmentation der Haut nur dort entstehen, wo es an Sonneneinstrahlung mangelt.
Wenn es in einem solchen Gebiet zusätzlich nicht zu kalt ist, bilden sich auch helle, also blaue Augen aus. Ein solches Gebiet ist vornehmlich im Norden Europas zu suchen, wo die Kombination eines gemäßigten Gebietes mit wenig Sonne vorzufinden ist.
Vor etwa 18.000 Jahren bildete sich nach dem Eisrückgang zudem ein Gebiet, in dem Menschen abgeschlossen von äußeren Einflüssen über einen längeren Zeitraum die beschriebenen Körpermerkmale ausbildeten: Das Doggerland.
Und tatsächlich finden sich im Norden Europas auch die ersten Menschen, die helle Haut, blonde Haare und blaue Augen vereinigten: Bei fünf Individuen aus der Zeit um 6000 v. Chr., die im schwedischen Motala entdeckt wurden, konnte die Kombination dieser körperlichen Merkmale erstmals nachgewiesen werden.
Karte von Doggerland, einem Gebiet, das nach der Eiszeit bewohnbar war
In Filmen über Götter und Heroen der Antike erleben seit Jahren eine Renaissance. 2004 durften demgegenüber die ebenfalls in der griechischen Antike verorteten Spielfilme „Alexander der Große“ (2004) und „Troja“ mit Colin Farrell (Alexander) und Brad Pitt (Achilles) noch blonde Heroen in den Hauptrollen zeigen - freilich nicht ohne kritische Stimmen zu provozieren.
So sah sich ausgerechnet ein FAZ-Feuilletonist als vermeintlicher Kenner des Stoffes zu der kritischen Anmerkung veranlaßt, daß „ Achilles mit blonder Mähne eher aus(sähe) wie ein Surfer, der an Land gekommen ist, weil die Ägäiswellen zu kümmerlich waren.
Tatsächlich aber wurde Achilles von den antiken Chronisten wirklich als blondhaarig beschrieben. Ebenso Alexander der Große womit „Alexander“-Regisseur Oliver Stone gemeinsam mit seinem Kollegen Wolfgang Petersen („Troja“) zumindest hier nah am Original lag.
Alexanders wirkliche Haarfarbe bleibt wohl im geschichtlichen Dunkel verborgen.
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